Amiens
Amiens
Wappen von Amiens
Amiens (Frankreich)
Amiens
Region Picardie (Präfektur)
Département Somme
Arrondissement Amiens
Kanton Chef-lieu von 8 Kantonen
Koordinaten 49° 54′ N, 2° 18′ O49.8919444444442.297777777777835Koordinaten: 49° 54′ N, 2° 18′ O
Höhe 35 m (14–106 m)
Fläche 49,46 km²
Einwohner 134.381 (1. Jan. 2008)
Bevölkerungsdichte 2.717 Einw./km²
Postleitzahl 80000
INSEE-Code
Website http://www.amiens.fr

Kathedrale von Amiens

Amiens [aˈmjɛ̃] ist die Hauptstadt des französischen Départements Somme und der Region Picardie und hat 134.381 Einwohner (Stand 1. Januar 2008). Diese werden Amiénois genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Die Stadt liegt etwa 115 Kilometer nördlich von Paris, an der kanalisierten Somme, sowie an der Einmündung ihrer linken Nebenflüsse Selle und Avre.

Geschichte

Antike und Mittelalter

Menschliche Zeugnisse gehen bis in die Zeit der Altsteinzeit vor 700.000 Jahren zurück. Im Jahr 1872 entdeckte Gabriel de Mortillet im Amienser Vorort Saint-Acheul eine Stätte von Faustkeilen. Deswegen trägt heute eine Kulturstufe des Paläolithikums die Bezeichnung Acheuléen.

Bevor die Römer die Gegend an der Somme besetzten, siedelten dort die keltischen Ambiani. Aus Ambiani leitete sich später die Bezeichnung Amiens ab. Zur Zeit der Römerherrschaft trug die Siedlung den Namen Samarobriva (lat.: Brücke über die Somme). Die Römer bauten den strategisch wichtigen Somme-Übergang zu einem der wichtigsten Orte der Provinz Belgica aus.

Julius Caesar hielt sich laut seinem eigenen Bericht (De Bello Gallico) vom September 54 v. Chr. bis zum Frühling 53 v. Chr. dort auf, um zweimal das gallische Konzil einzuberufen. Die Stadt erhielt ein großes Forum (320 x 125 m), Thermen (an der heutigen Rue Beauvais), sowie ein Amphitheater für 15.000 Zuschauer (an der Stelle des heutigen Rathauses). Im Jahr 287 wurde der Heilige Firmin als Bischof erwähnt, er erlitt 303 den Märtyrertod; die Diözese wurde später dem Erzbistum Reims unterstellt.

Der Heilige Martin soll in Amiens im Winter 338/339 seinen Mantel mit einem Bettler geteilt haben.

Mit dem Zunehmen der Barbareneinbrüche (durch Alanen, Vandalen und Burgunden) wurde Amiens in eine Festung umgewandelt: Die Stadtmauer umfasste 20 Hektar, womit Amiens die flächengrößte Festung nördlich der Alpen war. Dennoch konnte nicht verhindert werden, dass die Stadt im 5. Jahrhundert in die Hände der Franken fiel. Mit der Picardie gelangte Amiens Anfang des 15. Jahrhunderts an Burgund und gehörte zu dem Teil des burgundischen Erbes, das nach 1493 bei Frankreich verblieb.

Neuzeit und Gegenwart

Amiens entwickelte sich seit dem 18. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort, vornehmlich der Textilindustrie, wobei besonders die Familie Cosserat zu Bedeutung gelangte.

1802 schlossen England und Frankreich hier den Frieden von Amiens, der allerdings nicht lange hielt.

1848 erhielt Amiens einen Eisenbahnanschluss. 1906 hielt hier die französische Gewerkschaft CGT einen historischen Kongress ab, der die Charta von Amiens verabschiedete.

Im Ersten Weltkrieg (1914-1918) fand im Jahr 1916 wenig östlich von Amiens die berüchtigte Schlacht an der Somme statt, nachdem die Stadt 1914 für kurze Zeit deutsch besetzt gewesen war. Im Zweiten Weltkrieg (1939-1945) wurde die Stadt schwer zerstört. Das Stadtbild ist vom Wiederaufbau der 1950er-Jahre geprägt.

Wappen

Das Wappen entstammt einem Schöffensiegel, das Philipp-August 1185 der Stadt verlieh. Es kamen die französischen Königslilien ins Wappen. Die Freiflächen wurden von Wappenmalern mit Arabesken, ornamentalem Blattwerk, Weidenruten und Efeuranken ausgefüllt. Die Ranken des Efeubaumes sollten die Bindung und Verbundenheit der Stadt an die Krone zeigen. Im großen Wappen halten zwei Einhorne den Schild und demonstrieren Reinheit und Aufrichtigkeit.

Sehenswürdigkeiten

Quartier Saint Leu

Siehe auch: Liste der Monuments historiques in Amiens

Alte historische Sehenswürdigkeiten

Bauten des 19. Jahrhunderts

  • Bibliothèque Louis Aragon, im neoklassizistischen Stil 1823 von François-Auguste Cheussey erbaut
  • Palais de Justice, zwei Gebäude von 1834 und 1846
  • Place Saint-Denis (heute Place René Goblet) 1839
  • Pfarrkirche Saint-Firmin-le-Martyr 1842–1843 François-Auguste Cheussey
  • Auf dem Cimetiére de la Madeleine das Grab von Jules Verne

Bauten des 20. Jahrhunderts

  • Der 1952 fertiggestellte, von dem Architekten Auguste Perret entworfene Tour Perret überragt mit 104 Metern Höhe die Kathedrale und ist prägendes Element der Stadtsilhouette

Wirtschaft

Amiens ist wichtiger Standort für Zulieferer der Automobilindustrie (Valéo, Goodyear, Dunlop). Seit den 1990er-Jahren siedeln sich auch vermehrt Internetunternehmen und Callcenter in der Stadt an.

Verkehr

Amiens ist bedeutender Verkehrsknoten im Norden Frankreichs: Die Autoroute A16 verbindet Amiens mit Paris und Abbeville, und die Autoroute A29 verbindet Amiens mit Saint-Quentin und Le Havre. Bahnverbindungen bestehen nach Boulogne, Lille, Reims, Paris und Rouen. Im Osten der Stadt, bei Longueau, besteht ein kleiner Flugplatz.

Söhne und Töchter der Stadt

Partnerschaft

Amiens ist Partnerstadt von Dortmund und Görlitz in Deutschland sowie Darlington in Großbritannien.

Weblinks

 Commons: Amiens – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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