Maschinengewehr
Das amerikanische M60 gehört zu den bekanntesten Maschinengewehren.

Ein Maschinengewehr (kurz MG) ist eine vollautomatische Schusswaffe, die für das Verschießen von Gewehrmunition eingerichtet ist.

Maschinengewehre feuern bei Betätigung des Abzugs so lange Projektile ab, bis der Abzug wieder gelöst, die Munitionszufuhr unterbrochen wird oder eine Störung auftritt. Der Mechanismus des automatischen Ladens wird entweder durch den Gasdruck der sich entspannenden Pulvergase, durch die Rückstoßkraft oder durch einen externen Antrieb wie zum Beispiel einen Elektromotor realisiert. MGs gelten in der Bundesrepublik Deutschland als Kriegswaffen. Verwendung und Handel von Maschinengewehren werden dementsprechend in Deutschland durch das Kriegswaffenkontrollgesetz geregelt.

Die typischen Kaliber von MGs reichen von 5,56 mm bis ca. 15 mm bzw. maximal bis 20 mm (siehe Liste Handfeuerwaffenmunition). Automatische Schusswaffen mit einem Kaliber ab 20 mm werden als Maschinenkanonen bezeichnet und verschießen meist Granaten anstelle von Massivgeschossen.

Österreichisch-ungarisches
MG "Schwarzlose" 07/12

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Montigny-Mitrailleuse um 1870

Frühe Vorläufer des Maschinengewehrs waren die bereits im Mittelalter eingesetzten Ribauldequins. Die Entwicklung des modernen Maschinengewehrs begann aber erst mit den Salvengeschützen des 19. Jahrhunderts, wie der in den 1850er Jahren zuerst in Belgien entwickelten Mitrailleuse, einem schnell feuernden Geschütz im Gewehrkaliber. Die Mitrailleuse mit ihren vielen starren Einzelläufen erforderte jedoch nach jeder Salve einen aufwendigen Nachladevorgang durch die Bedienungsmannschaft.

Gatling Gun aus dem Jahre 1876

Eine neuartige Entwicklung stellten die Repetiergeschütze wie die um 1860 vorgestellten Union Repeating Gun (auch Ager Gun oder Mills Gun) und die 1862 von Richard Jordan Gatling patentierte Gatling Gun dar, bei denen mit Hilfe eines durch eine Handkurbel angetriebenen Lademechanismus zumindest theoretisch eine kontinuierliche Munitionszufuhr möglich war. Letztere zeichnete sich zusätzlich durch das rotierende Laufbündel aus, was Überhitzungsproblemen vorbeugte. Beide Waffen kamen im Amerikanischen Bürgerkrieg zu begrenztem Einsatz. Im Jahr 1865 ließ sich Gatling den Entwurf einer sechsläufigen Waffe patentieren, die in der Lage war, für damalige Verhältnisse unglaubliche 200 Schuss pro Minute zu verschießen.

Das in Russland in Lizenz gebaute Maxim M1910 ist eine auf einer Lafette befestigte Weiterentwicklung des ursprünglichen Maxim-Maschinengewehrs.

1885 präsentierte Hiram Maxim das erste Maschinengewehr, die sogenannte Maxim Gun, bei dem der Rückstoß eines Schusses genutzt wurde, um die leere Patronenhülse auszuwerfen, die Feder zu spannen und eine neue Patrone in die Kammer zu laden (Rückstoßlader). Die Munitionszufuhr erfolgte hier erstmals über Patronengurte, neuartig war außerdem die Wasserkühlung. Das Maxim-MG erreichte so eine Schussfolge von bis zu 600 Schuss pro Minute. In den britischen Kolonialkriegen in Afrika bewährte sich das Maxim-MG, so dass alle Militärmächte um die Jahrhundertwende das MG einführten.

Andere Konstrukteure, John Moses Browning mit seinem Colt Modell 1895, Benjamin Hotchkiss auf der Basis der Erfindung des österreichischen Barons Freiherr Adolf Odkolek von Újezd, Colonel Isaac Lewis und andere entwickelten Maschinengewehre als Gasdrucklader. Hierbei wird über eine Bohrung im Lauf ein Teil der Treibladungsgase beim Schuss abgezweigt, um den Nachlademechanismus zu betätigen.

Eine dritte Variante waren die Waffen mit verzögertem Masseverschluss von Schwarzlose, die sich jedoch am Anfang nicht bewährten, da die Verriegelung nicht starr war und die Läufe zur Verminderung des Restdruckes kurz sein mussten, da sonst Funktionsprobleme auftraten. Die Probleme der Waffen mit verzögertem Masseverschluss wurden erst gegen Ende des Zweiten Weltkrieges gelöst (MG 45, CETME, G3, SIG 510, SIG 710, Franz. AA 52), indem im vorderen Teil des Patronenlagers Entlastungsrillen eingefräst wurden. Dadurch wurden Hülsenreißer vermieden, da der Gasdruck auf die sich verjüngende Innen- und Außenfläche der Hülse ausgeglichen wurde.

Auf einem gänzlich anderen Prinzip beruhte das dänische Madsen-MG. Im Gegensatz zu den oben genannten Konstruktionen bewegt sich der Verschluss nicht parallel zur Laufachse, sondern er klappt nach unten zur Patronenzufuhr und nach oben zum Auswerfen der Hülse. Zufuhr und Auswerfen erfolgen durch vom Rücklauf des Systems betätigte Hebel. Das Madsen-MG ist vom Peabody-Martini-System abgeleitet. Die russische Kavallerie erhielt bereits 1904 in Dänemark hergestellte leichte Madsen-Maschinengewehre.

Das deutsche MG 08.
MG 08/15

Im Ersten Weltkrieg stellte das Deutsche Reich Maschinengewehr-Abteilungen mit der ursprünglich wassergekühlten MG 08 auf, das von Lafette geschossen wurde. Schon nach kurzer Zeit wurde es jedoch durch das MG 08/15 ergänzt, das einen hölzernen Gewehrkolben und eine Zweibeinstütze hatte. Bezüglich der Funktion entsprach es dem MG 08, war jedoch leichter gebaut und für den beweglichen Einsatz gedacht. Es verschoss wie das MG 08 die gegurtete Gewehrpatrone Kaliber 7,92 mm. Das MG 08/15 konnte auch auf die MG-Lafette aufgesetzt werden, war aber auf dem ursprünglichen Zweibein wesentlich ungenauer.

Das Maschinengewehr der französischen Armee war ein luftgekühlter Gasdrucklader Hotchkiss M1914 im Kaliber 8 mm Lebel. Die Patronenzufuhr erfolgte durch Ladestreifen. Das leichte Maschinengewehr Chauchat Mod. 1915 verschoss die gleiche Patrone aus einem bananenförmigen Magazin. Es war ein Rückstoßlader und hatte eine Kadenz von etwas weniger als 400 Schuss/min. Abgesehen von dem enormen Vorteil, dass es das erste Maschinengewehr war, das von einem einzelnen Soldaten leicht getragen werden konnte, war es wegen seiner phänomenalen Ungenauigkeit und Unzuverlässigkeit berüchtigt.

Das Vickers-Maschinengewehr wird von zwei mit Gasmasken ausgestatteten britischen Soldaten bedient.

Das englische schwere Maschinengewehr Vickers entsprach in der Funktion dem Maxim, im Gegensatz zu diesem knickt der Kniegelenkverschluss jedoch nach oben, was eine schlankere Bauweise erlaubt. Als leichtes Maschinengewehr setzten die Briten den luftgekühlten Gasdrucklader Lewis ein. Dieser hatte ein oben aufgesetztes Tellermagazin mit 47 kreisförmig angeordneten Patronen.

Die US-amerikanischen Maschinengewehre Browning M1917 kamen im Ersten Weltkrieg nur sporadisch zum Einsatz, die US-Truppen waren mit französischen und britischen MGs im US-Kaliber .30-06 Springfield ausgerüstet.

Die USA kopierten die bei Kriegsende erbeutete Patrone einer Panzerbüchse der Firma Mauser, konstruierten sie auf Zollmaß um und schufen dafür das überschwere MG M2 im Kaliber .50 (12,7 mm), das bis heute, mehr oder weniger weiterentwickelt, weltweit in Gebrauch ist.

Dieses Browning-MG entspricht in der Funktionsweise dem kleineren wassergekühlten MG Mod. 1917 im Kaliber .30 und seiner luftgekühlten Variante M1919. Alle diese Waffen sind Rückstoßlader mit Gurtzufuhr. Das amerikanische leichte Maschinengewehr Browning Automatic Rifle BAR Mod 1918 ist ein Gasdrucklader mit einem 20-Schuss-Kastenmagazin.

Alle US-amerikanischen Browningwaffen waren noch im Koreakrieg im Einsatz.

Verschiedene Versionen des MG 42 im Panzermuseum Munster.

Die hergebrachte Unterteilung in leichte und schwere Maschinengewehre wurde bei der deutschen Wehrmacht mit der Einführung des MG 34 hinfällig. Dieses diente als Universal-MG, das wahlweise mit Zweibein oder auf der Dreibeinlafette zum Einsatz kam. Obwohl sehr leistungsfähig, war das MG  34 wegen seiner vielen Dreh- und Frästeile sehr fertigungs- und kostenaufwendig sowie verschmutzungs- und kälteempfindlich. Diese Nachteile wurden durch eine radikale Neukonstruktion mit dem MG 42 behoben, das bis heute einen Maßstab in Bezug auf Einfachheit, Robustheit, Funktionssicherheit unter allen Bedingungen und geringen Fertigungsaufwand setzt. Erstmalig wurde die Technik des Prägens und Stanzens von Waffenteilen in großem Umfang eingesetzt. Hinzu kam der rollengestützte Verschluss, der eine Feuergeschwindigkeit von 1.500 Schuss/min ermöglichte. In der Praxis wurde die Feuergeschwindigkeit auf 1.200 Schuss/min. gesenkt, um Rohrverschleiß und Munitionsverbrauch in Grenzen zu halten. Diese Waffe wurde in einer Fabrik konstruiert, die Bürolampen herstellte (Dr. Grunow, Döbeln).

Das MG3 ist der direkte Nachfolger des MG 42.

Das Standard-Maschinengewehr der deutschen Bundeswehr ist heutzutage das MG3, ein Nachfolger des MG 42 der Wehrmacht. Es ist luftgekühlt und wurde wie das M 42 hauptsächlich in Blechprägetechnik hergestellt. Als Ergänzung zum MG3 wird bei der Bundeswehr das MG4 eingeführt

Auch das berühmte US-amerikanische M60-Maschinengewehr ist eine Entwicklung, die in einigen Konstruktionsdetails auf dem MG  42 basiert; es wurde in der Zwischenzeit vom M249 SAW im Großteil der Armee ersetzt.

Aufbau und Technik

Im Aufbau unterscheiden sich Gewehre und Maschinengewehre vor allem durch die Funktionsweise des Wiederlademechanismus der Waffe und dementsprechend in der Verschlusstechnik. Der prinzipielle Aufbau ist ansonsten identisch. Bei schweren Maschinengewehren ist die Verwendung des Munitionsgurtes eine weitere Besonderheit im Vergleich zu (automatischen) Gewehren. Ein Gurt ermöglicht eine höhere Kadenz im Vergleich zu konventionellen Munitionszuführung mit einem Magazin.

Eine abweichende Maschinengewehrkonstruktion vom gängigen Prinzip sind die modernen Gatling-Waffen. Bei diesen Maschinengewehrtypen haben mehrere rotierende Läufe während des Rotationszyklus jeweils Sekundenbruchteile Zeit, um abzukühlen. Es wird daher nicht mehr nur ein einziger Lauf permanent belastet. Außerdem werden die Läufe durch die Rotation des Laufbündels von Luft umströmt, was die Kühlung verbessert. Maschinengewehre, die mit Munitionsgurten arbeiten, erfordern generell eine besondere Kühlung des Laufes, da der Stahl des Laufes durch die hohe Feuerrate sonst ausglüht und verschleißt. Früher wurde oft Wasser zur Kühlung verwendet, heute werden die Läufe entweder regelmäßig nach einer Anzahl von Gurten gewechselt oder ganz ersetzt.

Modelltypen

Innerhalb der Gruppe der Maschinengewehre wird weiter differenziert zwischen leichten, mittleren und schweren MGs.

Leichte MGs sind meist eine Variante gängiger Sturmgewehre gleichen Kalibers, die mit schwererem – oft leicht austauschbarem – Lauf und Zweibein ausgestattet sind. Die Munition wird über Magazine zugeführt.

Das mittlere MG – auch Mehrzweck-MG – basiert nicht auf einem Sturmgewehr, sondern stellt in der Regel eine eigene Entwicklung dar. In diesen Waffen werden gegebenenfalls leistungsfähigere Patronen mit größerem Kaliber als in Sturmgewehren verwendet. Ein weiteres Hauptmerkmal für mittlere MGs ist die Munitionszuführung durch Munitionsgurt, um ein effektives Dauerfeuer führen zu können. Mehrzweck-MGs können sowohl auf einem Zweibein als auch auf einer Lafette eingesetzt werden.

Als schwere MGs werden fest bzw. auf Lafetten oder Dreibein montierte MGs bezeichnet. Es handelt sich dabei entweder um mittlere MGs oder um gesonderte Entwicklungen für spezielle Einsatzfälle. Gatling-Maschinengewehre werden aufgrund ihres hohen Gewichts, der großen Rückstoßkraft sowie wegen des enorm hohen Munitionsverbauchs generell den schweren Maschinengewehren zugerechnet.

Einsatz

Deutsche Soldaten setzen im Zweiten Weltkrieg ein MG 34 zur Flugabwehr ein, Atlantikwall.

Die leichten und mittleren MGs zählen zu Handfeuerwaffen, da sie von einer Person bedient werden können. Sie werden meist als Gruppen-MG in einer Infanterieeinheit bzw. als Bordbewaffnung von militärischen Fahrzeugen eingesetzt.

Schwere MGs werden meist zur Bewaffnung von beispielsweise Kampfflugzeugen, Kampfhubschraubern oder Panzern eingesetzt, aber auch zur Verteidigung befestigter Stellungen. Da sie nicht bzw. nur zerlegt tragbar und nicht von einer Person ohne Probleme bedient werden können, zählen schwere MGs nicht zu den Handfeuerwaffen.

Verwendung bei Bodeneinheiten

In Kampfhandlungen werden Maschinengewehre hauptsächlich dazu verwendet, Unterstützungsfeuer zu geben und Aktionen des Gegners niederzuhalten (Feuerschutz – Sperrfeuer). Die blutigen Stellungsgefechte im Ersten Weltkrieg waren auf den beidseitigen MG-Einsatz zurückzuführen. Strategie und Taktik der Kriegsführung änderten sich grundlegend. Durch das Kreuzfeuer mit Maschinengewehren an der langgezogenen Front brachen die meisten Angriffe schnell zusammen.

In der Praxis wird in der heutigen Zeit angestrebt, mit kurzen, gezielten Feuerstößen den Gegner zu bekämpfen. Theoretisches Dauerfeuer (von einer Minute oder länger) ist technisch nicht bzw. nur mit erhöhtem Aufwand umsetzbar, da der Lauf sonst überhitzt und sich in der Folge ein Projektil im Lauf verklemmen kann. Des Weiteren ist es auch aufgrund des teils enorm hohen Munitionsverbrauches einiger Maschinengewehre unökonomisch, so lange den Abzug gedrückt zu halten, bis die Munition verbraucht ist.

Verwendung bei Luftkampfeinheiten

Im Ersten Weltkrieg wurden Maschinengewehre erstmals als Flugzeug-Bordwaffen eingesetzt. Auf deutscher Seite kamen dabei modifizierte MG 08 bzw. später MG 08/15 zum Einsatz. Die Modifikationen bestanden darin, dass man den Wassermantel durchlöcherte, da die Kühlung durch den Fahrtwind ausreichte. Interessant ist hierbei auch das zunächst nur von den Deutschen eingeführte Prinzip der mithilfe eines Unterbrechergetriebes durch den Propeller feuernden MGs. Diese MG wurde oft auch Spandau MG genannt, diese Bezeichnung ist aber falsch. Spandau stand zwar auf den meisten dieser MGs, jedoch nur, da einer der größten Hersteller, die Preußische Gewehrmanufaktur, sie in Spandau produzierte. Bei Jagdflugzeugen wurden meist zwei dieser MG starr oberhalb des Motors angeordnet. Vor allem in beweglicher Installation wurde auch das Parabellum-MG verwendet.

Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges verwendeten alle Mächte kleinkalibrige MGs (7,5–7,92 mm) in ihren Flugzeugen. Wegen zu geringer Durchschlagskraft und Reichweite wurden diese bald durch überschwere MGs (12,7–13,2 mm) oder Maschinenkanonen größeren Kalibers abgelöst.

In der heutigen Zeit werden Maschinengewehre nur noch von leichten Kampfflugzeugen bzw. -hubschraubern verwendet. Ansonsten wird aufgrund der wesentlich höheren Wirkung im Ziel der Einsatz von Maschinenkanonen bevorzugt.

Literatur

  • F. W. A. Hobart: Das Maschinengewehr. Die Geschichte einer vollautomatischen Waffe. 3. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1976, ISBN 3-87943-277-5.
  • Daniel Musgrave: Deutsche Maschinengewehre. Entwicklung, Technik, Typen. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-613-01653-2.
  • Eugen A. Lisewski: Deutsche Maschinengewehre im Einsatz. MG 01 bis MG 42. Podzun-Pallas Verlag, Wölfersheim-Berstadt 1999, ISBN 3-7909-0681-6 (Das Waffen-Arsenal Bd. 180).

Weblinks

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