Apocolocyntosis

Die Apocolocyntosis (in etwa: ‚Verwandlung in einen Kürbis‘[1] vom griechischem κολοκύνθη ‚Flaschenkürbis‘) ist eine Ende des Jahres 54 n. Chr. von Seneca verfasste Satire auf den kurz zuvor verstorbenen römischen Kaiser Claudius. Der Werktitel, der auf Cassius Dio zurückgeht[2], parodiert den aus dem Griechischen stammenden und auch im Lateinischen gebräuchlichen Begriff ‚apotheosis‘ für die Vergöttlichung eines Verstorbenen. Formal ist die Apocolocyntosis durch ihre Mischung von Prosa und lyrischen Partien der Menippeischen Satire zuzurechnen.

Inhaltsverzeichnis

Die Handlung

Die Handlung spielt sich am Todestag des Claudius ab (also am 13. Oktober 54 n. Chr).

1. Kapitel

Zunächst stellt der Autor sich als Historiographen dar, der darüber schreiben möchte, was am 13. Oktober 54 n. Chr im Himmel geschehen sei. Er führt auch einen Gewährsmann für seine Informationen an, obwohl er der Meinung ist, dass dies für einen Geschichtsschreiber nicht nötig sei.

2. Kapitel

In epischen Hexametern nennt Seneca das Datum des Todestages. Er erkennt jedoch, dass es in Prosa besser verständlich ist, nennt also Tag und ungefähre Uhrzeit (die er dann auf einen gedachten Einwand des Lesers auch noch in Hexameter fasst).

3. Kapitel

Hier beginnt die eigentliche Handlung. Claudius liegt im Sterben – Mercurius begibt sich zu den Parzen und bittet sie, dem langen Leiden Claudius' doch nun ein Ende zu setzen. Diese wenden ein, dass sie ihn eigentlich noch ein wenig am Leben hatten lassen wollen, willigen dann jedoch ein.

4. Kapitel

Wiederum in Hexametern beschreibt Seneca kurz, wie Claudius' Lebensfaden abgeschnitten wird um dann in den folgenden 30 Versen ein Loblied auf dessen Nachfolger Nero anzustimmen.
Weiterhin zeichnet er die letzten Worte des Claudius („Oh weh, ich glaube, ich habe mich vollgeschissen!“) für die Nachwelt auf.

5. Kapitel

Hier beginnt die Beschreibung der Vorgänge im Himmel. Jupiter wird die Ankunft eines Fremden gemeldet. Da keiner ihn verstehen oder erkennen kann, wird Herkules zu ihm geschickt. Er ist ja weitgereist und mit Monstern aller Art vertraut. Dieser fragt ihn mit einem Homervers, aus welchem Erdteil er komme, und erhält sogleich Antwort in einem weiteren Homervers, den Claudius zitiert und sich damit als Julier zu erkennen gibt (er gibt an, er komme gerade von Ilion (=Troja), der Heimat des Aeneas, des Stammvaters der Julier).

6. Kapitel

Hier greift die Göttin des Fiebers, die ihn bis in den Himmel begleitet hat (Claudius war zeitlebens ein kränklicher Mann), ein und stellt diese Aussage richtig, indem sie erklärt, dass er eigentlich aus Lyon stamme. Daraufhin will Claudius sie abführen und töten lassen, doch natürlich hat er im Himmel keine Befehlsgewalt.

7. Kapitel

Daraufhin stellt Herkules ihn streng zur Rede und Claudius sieht ein, dass er nichts zu melden habe. Stattdessen beginnt er nun Herkules zu schmeicheln und versucht, ihn für sich als Fürsprecher bei den anderen Göttern zu gewinnen.
Der Text bricht dann ab.

Vermutlicher Inhalt des verlorenen Stückes

Claudius zieht Herakles auf seine Seite. Beide gehen zur Götterversammlung, zu der ihnen Herkules gewaltsam Zutritt verschafft und der Antrag auf Vergöttlichung Claudius' wird gestellt.

8. Kapitel

Ein Gott (vermutlich Apoll) fragt, was Claudius denn für ein Gott werden solle und dass kein Gott einer Apotheose zustimmen werde, nicht einmal Saturn, dessen Fest Claudius das ganze Jahr lang gefeiert habe.

9. Kapitel

Jupiter greift ein, stellt die Senatsordnung wieder her, indem er den Privatmann Claudius für die Zeit der Beratung aus dem Gebäude schickt und dann die Diskussion leitet. Zunächst spricht Janus, der sich gegen eine Vergöttlichung ausspricht und zwar nicht nur für Claudius, sondern für alle Menschen. Anschließend setzt sich Dis Pater auf ein Zeichen des Herkules hin für Claudius ein. Es wird berichtet, dass die Meinungen nicht einheitlich waren, aber wohl eine Mehrheit für Claudius sich abzeichnete.

10. Kapitel

Der vergöttlichte Kaiser Augustus hält eine kunstlose Rede, in der er sich vehement gegen eine Vergöttlichung des Claudius ausspricht.

11. Kapitel

Fortsetzung von Augustus Rede und Beschluss der Götterversammlung: Claudius wird kein Gott und muss in die Unterwelt.

12. Kapitel

Claudius wird von Mercurius über die Via Sacra zum Eingang der Unterwelt geleitet. Dabei schaut er kurz seiner eigenen Bestattung zu und erfreut sich an einem Trauerlied, dessen spöttischer Sinn ihm wohl völlig entgeht.

13. Kapitel

Mercurius und Claudius kommen in der Unterwelt an, wo er von vielen, die er hatte hinrichten lassen, erwartet wird. Die freuen sich natürlich, ihn zu sehen (weil er nun 1. tot ist und 2. kein Gott, sondern in der Unterwelt), was Claudius als echte Freude versteht und ihn zu dem Ausruf „Alles ist voll von Freunden“ veranlasst.

14. Kapitel

Claudius wird dem Unterweltsrichter Aeacus vorgestellt. Zunächst findet sich kein Anwalt für ihn, dann aber tritt doch ein Verteidiger (Publius Petronius, ein Zechkumpan) für ihn auf. Der Richter hört jedoch nur die Anklage, nicht die Verteidigung. Es wird über das Strafmaß verhandelt. Schließlich wird Claudius dazu verurteilt, sich zu solch großen Unterweltsbüßern wie Tantalus oder Sisyphus zu gesellen und bis in alle Ewigkeit mit einem Würfelbecher zu würfeln, aus dessen Boden die Würfel immer wieder herausfallen (vergleiche das Fass der Danaiden).

15. Kapitel

Caligula taucht auf und fordert Claudius als Sklaven als Ausgleich für persönlich erlittenes Unbill. Er wird ihm prompt zugesprochen, doch dann will er ihn selbst nicht haben und verschenkt er ihn an Aeacus, der ihn wiederum an einen Freigelassenen weitergibt. Nun leistet er auf Ewigkeit polizeiliche Kleinarbeit.

Senecas Umsetzung

Das Stück ist das einzige nahezu vollständig erhaltene Exemplar einer lateinischen menippeischen Satire. Seneca vereint im Stück Elemente aus dem Epos (Götterapparat und Unterweltsfahrt), der Tragödie (Auftritt eines Chors) und der Komödie (Auftritt des Herakles als Heracles comicus) in parodisierender Weise. Wie in den anderen römischen Satiren des Juvenal und Persius ist auch hier der Zeitbezug ein wichtiges Element.

Während des gesamten Stückes werden zahlreiche Anspielungen auf die Zeit, in der Claudius regiert hat, deutlich. So finden sich in dem Werk unter anderem Anspielungen auf die Anstellung zahlreicher Winkeladvokaten während Claudius’ Amtszeit und sein Hang, politische Widersacher hinrichten zu lassen.

Seneca spielt auch auf verschiedene schlechte Charaktereigenschaften Claudius’ an, zum Beispiel sein Unvermögen, sich auszudrücken, und seinen Hang zum Glücksspiel.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Der Kürbis galt als ein Symbol für einen Dummkopf.
  2. Cassius Dio LX 35, 3. Das Zeugnis des Cassius Dio erlaubt es auch, das in den Handschriften anonym überlieferte Werk dem jüngeren Seneca zuzuschreiben. In der besten uns vorliegenden Handschrift (Sangallensis 569) trägt es den Titel Apotheosis Annæi Senecæ per saturam; in den anderen, weit schlechteren Textzeugen, ist es als Ludus de morte Claudii Neronis o.ä. betitelt
  • Georg Veit: Helmuterkloße. Satire nach der Apokolokyntosis. Münster 1995

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