Ölkuchen

Ölkuchen, die Rückstände, die beim Pressen ölhaltiger Sämereien in den Ölmühlen gewonnen werden und in Form runder, quadratischer oder trapezförmiger Kuchen in den Handel kommen. Sie enthalten noch 7–20 Proz. Öl, das auch durch den stärksten Druck nicht mehr gewonnen werden kann, sowie sämtliche stickstoffhaltige und mineralische Bestandteile der Samen. Man benutzt sie in der Landwirtschaft zur Fütterung oder zur Düngung oder behandelt sie nach dem Pulvern im Desintegrator mit Lösungsmitteln für Fette, um noch einen Teil des Öls zu gewinnen, und erhält dann ein Ölkuchenmehl mit nur 2–4 Proz. Öl. Einige im Handel vorkommende Mehle enthalten jedoch eine den Kuchen gleiche Menge Fett, wie Leinmehl (9–13 Proz.) und Baumwollsamenmehl (12–18 Proz.). Am häufigsten sind im Handel: Lein-, Raps-, Rübsen-, Leindotter-, Mohn-, Hanf-, Bucheckern-, Erdnuß-, Baumwollsamen-, Sesam-, Palmkern-, Kokosnuß-, Sonnenblumensamen, Madie-, Niger-, Candlenußkuchen. Von geringerer Bedeutung sind Walnuß-, Kapok-, Mandel-, Soja-, Maiskeim- und Kürbiskernkuchen. Für die Düngung beruht der Wert der Ö. auf den Mineralstoffen und dem Stickstoff, für die Fütterung auf diesem und dem Öl, aber auch noch auf dem Geschmack und der Verdaulichkeit. Ö. aus geschälten Samen haben höhern Futterwert als solche aus ungeschälten Samen. Die Ö. werden auf besondern Maschinen (Ölkuchenbrechern) in grobes Pulver verwandelt oder aufgelöst. Man füttert sie meist trocken, als Überstreu über andres Futter und in Quantitäten bis zu mehreren Kilogrammen auf 1000 kg Lebendgewicht Rindvieh. Für Jungvieh zieht man die Leinsamen den aus diesen zu gewinnenden Ö. vor, die von Raps etc. kann man hier gar nicht verwenden. An Pferde füttert man nur Leinkuchen und auch diese mehr nur als diätetisches Mittel bei Verstopfungen. Milchkühe sollen nicht über 1 kg auf den Tag und Mohnkuchen gar nicht erhalten, dem Mastvieh gibt man alle Arten und bis zu 2,5–3,5 kg auf den Kopf und Tag. Feinen Wollschafen bringen die Ö. keinen Nutzen; Mastschafen gibt man bis 200 g für 50 kg Lebendgewicht, säugenden Mutterschafen aber nur höchstens 100 g; Schweinen sagt Körnerfutter besser zu. In gutem Zustand enthalten die Ölkuchen:

Tabelle

Die Einfuhr von O. und Ölkuchenmehl in Deutschland betrug 1904: 5,585,580 dz im Werte von 64,642,000 Mk., die Ausfuhr 1,982,037 dz im Werte von 21,348,000 Mk. Vgl. Kornauth, Die landwirtschaftlich wichtigen Rückstände der Ölfabrikation (Wien 1888); E. Michelsen, Die O. und ihre Verfälschung (Leipz. 1878); v. Ollech, Die Rückstände der Ölfabrikation als Futtermittel (Bresl, 1884).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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  • Ölkuchen — Ölkuchen, 1) in Öl gebackener Kuchen; 2) die in Kuchen od. Scheiben geformten, nach Ausprssung des Öls zurückbleibenden Samenhülsen (Oldrusen, Öltrestern); sie sind ein gutes Viehfutter u. bewirken bei dem Melkvieh mehr Milch u. ein glattes Haar …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Ölkuchen — Ölkuchen, die Rückstände der Gewinnung fetter Öle; wichtiges Viehfutter. – Vgl. Kornauth (1888) …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Ölkuchen — Öl|ku|chen 〈m. 4〉 Pressrückstand bei der Gewinnung pflanzlicher Öle, das als Viehfutter verwendet wird * * * Öl|ku|chen, der: in Platten od. Brocken gepresste Rückstände ausgepresster, ölhaltiger Samen. * * * Ölkuchen,   Rückstand (1 2 cm dick, 4 …   Universal-Lexikon

  • Ölkuchen — Rapskuchenpellets (pelletierter Presskuchen aus der Verarbeitung von Rapssaat) Presskuchen ist das bei der Herstellung von Pflanzenöl nach dem Prinzip der Kaltpressung produzierte Koppelprodukt. Bestandteile des Presskuchens sind die nach der… …   Deutsch Wikipedia

  • Ölkuchen — Öl|ku|chen …   Die deutsche Rechtschreibung

  • Futter [1] — Futter und Fütterung (hierzu Tafel »Zusammensetzung der Futtermittel«, mit Textbeilage). Das Futter der Haustiere besteht aus dem Tränkwasser, den Genußmitteln und den Futtermitteln (Futterstoffen), die nach der Verabreichung, der Fütterung, an… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Rindvieh — (Bos taurus), genereller Name für das als Hornvieh bekannte Hausthier. Das Männchen des R s heißt gewöhnlich Ochse, das Weibchen Kuh, das Junge im ersten Jahre Kalb; den Zuchtochsen nennt man Bulle (Brömmer, Brumm , Brüll , Stamm , Reit ,… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Englische Landwirthschaft — Englische Landwirthschaft, nächst der belgischen die am musterhaftesten betriebene. Obgleich man in neuerer Zeit mehr dem Vergrößerungs als dem Verkleinerungsprincip der landwirthschaftlichen Besitzungen huldigt, so sind doch die Pachtgüter nicht …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Rind — (Ochs, hierzu Tafel »Rinder I und II« und »Rinderrassen«, mit Textbeilage: Rassen des Hausrindes), Gattung (Bos L.) oder Unterfamilie (Bovina) der paarzehigen Huftiere aus der Familie der Horntiere (Cavicornia), große Tiere von schwerfälliger… …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Fett und Öl liefernde Pflanzen — Fig. 1. Arachis hypogaea L. (Erdnuß, Erdmandel, Erdeichel, Erdbohne, Erdpistazie, Mandubibohne), ein einjähriges, bis 50 cm hohes, krautartiges Gewächs aus der Familie der Leguminosen, mit kantigem, behaartem Stengel, paarig gefiederten Blättern …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

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