Johann [1]

Johann [1]

Johann (Abkürzung von Johannes, franz. Jean, engl. John, span. Juan, portug. João. ital. Giovanni. holländ. Jan), Name von 23 (22) Päpsten:

1) J. I., der Heilige, aus Toskana, bestieg 523 den römischen Stuhl, ward 524 gegen seinen Willen vom ostgotischen König Theoderich nach Konstantinopel gesandt, um den Kaiser Justinus I. zur Milderung seiner Edikte gegen die Arianer zu vermögen, aber nach der Rückkehr von dieser erfolglosen Sendung zu Ravenna ins Gefängnis geworfen, wo er 18. Mai 526 starb. Gedenktag: 27. Mai. – 2) J. II. (Mercurius), ein Römer, bestieg 532 den römischen Stuhl, beteiligte sich an den Streitigkeiten der Theopaschiten (Monophysiten) im streng orthodoxen Sinn; starb 535. – 3) J. III., ein Römer, ward 561 Papst, soll den kaiserlichen Statthalter Narses zur Rückkehr nach Rom veranlaßt haben, vollendete die Basilika der Apostel in der Via lata; starb 574. – 4) J. IV., aus Salona gebürtig, bestieg den päpstlichen Stuhl 640, ließ die Monotheleten auf einem Konzil in Rom verdammen und lehnte die Annahme der auf Befehl des Kaisers Heraklios verfaßten Unionsformel (Ekthesis) ab; starb 642. – 5) J. V., aus Antiochia in Syrien, Legat auf dem sechsten ökumenischen Konzil, ward 685 zum Papst gewählt, starb 686. – 6) J. VI., ein Grieche, ward 701 Papst, bewog durch Geldzahlungen den Herzog Gisulf von Benevent zum Abzug aus dem römischen Gebiet; starb 705. – 7) J. VII., ein Grieche, Nachfolger des vorigen seit 705, erhielt vom langobardischen König Aribert die Besitzungen der römischen Kirche in den Kottischen Alpen zurück; starb 707. – 8) J. (VIII., Johanna Papissa), s. Johanna (Päpstin). – 9) J. VIII., ein Römer, ward 872 Papst, folgte dem Vorbild Nikolaus' I. in dem Bestreben, die päpstliche Macht zu erhöhen. Er krönte Karl den Kahlen ungeachtet der Ansprüche der deutschen Karolinger Weihnachten 876 zum Kaiser, offenbar mit dem Anspruch, über die Kaiserkrone verfügen zu können; auf den Synoden zu Ravenna (877) und zu Troyes (878) verlangte er die Unabhängigkeit der Bischöfe von der weltlichen Macht. Er zerfiel mit Ludwigs des Deutschen ältestem Sohn, Karlmann, der ihn 878 in Rom gefangen nehmen ließ. Wieder frei, bannte er dessen Anhänger und krönte Ludwig den Stammler zum König von Frankreich; dann aber ward er genötigt, Karl III. 881 zum Kaiser zu krönen. Den von Hadrian II. gebannten Patriarchen Photius von Konstantinopel erkannte er an in der Hoffnung, von dem Kaiser Basilius Hilfe gegen die Sarazenen und die Jurisdiktion über Bulgarien wiederzuerhalten, und beschickte in dieser Absicht auch das zweite Konzil in Konstantinopel (879). Da er sich aber in seiner Hoffnung getäuscht sah, widerrief er jene Anerkennung. Er wurde 15. Dez. 882 ermordet. Vgl. Gasquet, Jean VIII et la fin de l'empire carolingien (Clermont-Ferrand 1886); Lapôtre, L'Europe et le saint siége à l'époque carolingienne, Bd. 1: Le pape Jean VIII (Par. 1895).-10) J. IX., geb. in Tivoli, Benediktiner, ward 898 Papst, erkannte Lambert von Spoleto als Kaiser an und stellte das Ansehen des Papstes Formosus wieder her; starb 900. – 11) J. X., früher Bischof von Bologna und Erzbischof von Ravenna, gelangte durch die patrizische Partei, an deren Spitze die berüchtigte Theodora stand, 914 auf den päpstlichen Stuhl. Er krönte 915 Berengar I. zum Kaiser und zog in eigner Person gegen die Sarazenen zu Felde. Auf Befehl der Marozia ward J. 928 gefangen und 929 im Gefängnis ermordet. – 12) J. XI., Sohn der Marozia und, wie man glaubte, des Papstes Sergius III., ward 931,25 Jahre alt, auf den päpstlichen Stuhl erhoben, aber von seinem Bruder Alberich, dem Herrscher von Rom, 933 ins Gefängnis geworfen und später ganz auf sein geistliches Amt beschränkt; starb 936. – 13) J. XII., vorher Oktavianus, Sohn Alberichs, bemächtigte sich 955, erst 18 Jahre alt, der Tiara. Er war der erste Papst, der bei seiner Erhebung den Namen wechselte. Gegen den König Berengar II. von Italien rief er den deutschen Herrscher zu Hilfe und krönte ihn 962 zum Kaiser. Doch ließ Otto ihn 963 sowohl seiner Ausschweifungen als seines verräterischen Verhaltens wegen absetzen; J. kehrte zwar 964 nach Rom zurück und nahm Rache an seinen Gegnern, starb aber schon 14. Mai d. J. – 14) J. XIII., ein Römer, vorher Bischof von Narni, 965 durch den Kaiser Otto I. auf den päpstlichen Stuhl erhoben, war den Großen Roms verhaßt, die ihn bald verjagten. 967 unter des Kaisers Schutz nach Rom zurückgekehrt, starb er 972. – 15) J. XIV., vorher Peter, Bischof von Pavia und Ottos II. Erzkanzler, wurde durch Otto 983 Papst, nach dessen Tod durch einen Aufruhr gestürzt und starb, in der Engelsburg eingekerkert, eines gewaltsamen Todes 20. Aug. 984. – 16) J. XV., ein Römer, wurde 985 zum Papst erhoben, rief gegen Crescentius, vor dem er 995 nach Toskana fliehen mußte, Otto III. zu Hilfe; starb 996. Er vollzog 993 die erste päpstliche Kanonisation an dem Bischof Udalrich von Augsburg. – 17) J. (XVI.), vorher Philagathus, aus Rossano in Kalabrien gebürtig, Günstling der Kaiserin Theophanu, Bischof und später Erzbischof von Piacenza, wurde nach Gregors V. Vertreibung durch Crescentius (997) auf den päpstlichen Stuhl erhoben, aber 998 von Otto III. gestürzt und von den Kaiserlichen grausam verstümmelt; er scheint bis 1013 gelebt zu haben. – 18) J. XVII., vorher Sico, ein Römer, ward im Juni 1003 Papst, starb jedoch schon nach sechs Monaten. – 19) J. XVIII., vorher Phasanus, ein Römer, 1003 gewählt, stand ganz unter der Botmäßigkeit der Crescentier; starb 1009. – 20) J. XIX., vorher Romanus, Bruder seines Vorgängers Benedikt VIII., gelangte als Laie und »Senator aller Römer« 1024 durch Bestechung auf den päpstlichen Stuhl. Er krönte 1027 Konrad II. zum Kaiser und war in politischer Hinsicht von diesem durchaus abhängig. Er starb 1033. – 21) J. (XX.) XXI., früher Petrus Juliani, aus Lissabon gebürtig, war Lehrer der Philosophie in Paris, wurde Erzbischof von Braga und 1273 Kardinalbischof von Tuskulum, bestieg 1276 den päpstlichen Stuhl und kam 20. Mai 1277 in Viterbo durch den Einsturz einer Decke ums Leben. Er hat, ehe er Papst wurde, die griechische Synopsis »Organi Aristotelici« des Michael Psellos (s. Michael) u. d. T. »Summulae logicales« ins Lateinische übersetzt und dadurch einen bedeutenden Einfluß auf die Syllogik des Mittelalters gewonnen; die oft herausgegebenen Summulae pflegen unter dem Namen des Petrus Hispanus zitiert zu werden. Vgl. Prantl, Geschichte der Logik, Bd. 2 (2. Aufl., Leipz. 1885, S. 266 ff.); Stapper, Papst J. XXI. (Münster 1898). – 22) J. XXII., früher Jakob Duèse, geb. 1243 in Cahors als Sohn eines Handwerkers, ward Kanzler Roberts von Neapel, 1300 Bischof von Fréjus, 1310 Erzbischof von Avignon, 1312 Kardinalbischof von Porto und 1316 Papst. Seine Einmischung in weltliche Angelegenheiten zugunsten Frankreichs, namentlich seine Agitation gegen den König Ludwig den Bayern, gegen den er 1324 Bann und Interdikt in Anwendung brachte, weil er sein Thronrecht nicht dem Richterspruch des Papstes unterwerfen wollte, rief die Opposition der berühmtesten Rechtslehrer, wie des Marsilius von Padua u. a., hervor, die er 1327 mit dem Bann belegte. Auch eine Anzahl von Minoriten bekämpfte ihn, und Ludwig stellte 1328 einen Gegenpapst, Nikolaus V., gegen ihn auf; doch ward dieser von J. gefangen genommen und 1330 gezwungen, seine Würde niederzulegen. Durch seine Gelderpressungen und die Ausbeutung kirchlicher Rechte zu finanziellen Zwecken brachte er einen bedeutenden Schatz zusammen. Er starb 4. Dez. 1334. Seine »Extravaganten« (s. d.) sind in das »Corpus juris canonici« aufgenommen. Vgl. die Literatur über Ludwig den Bayern und Verlaque, Jean XXII, sa vie et ses œuvres (Par. 1883); Preger, Die Politik des Papstes J. XXII. (Münch. 1885); »Lettres secrètes et curiales du pape Jean XXII relatives à la France« (Par. 1900) und »Lettres communes du pape Jean XXII« (hrsg. von Mollat, das. 1904 ff); Haller, Papsttum und Kirchenreform, Bd. 1 (Berl. 1903). – 23) J. XXIII., früher Balthasar Cossa, in Neapel geboren, soll in seiner Jugend Seeräuber gewesen sein, hatte dann in Bologna studiert, war, von Bonifatius IX. nach Rom gezogen, 1402 zum Kardinal erhoben und als Legat nach Bologna gesandt, wo er mit allen Mitteln, auch den schändlichsten, seine Herrschaft aufrecht erhielt. Nach dem Tode Alexanders V., den vergiftet zu haben er beschuldigt wurde, ward er 17. Mai 1410 in Bologna zum Papst erwählt. Seinem Versprechen, seine Ansprüche auf die päpstliche Krone aufzugeben, sobald seine Gegenpäpste Gregor XII. und Benedikt XIII. ein Gleiches täten, kam er zwar 7. März 1415 auf dem Konzil zu Konstanz nach, entfloh aber, den Schritt bereuend, 19. März nach Schaffhausen und widerrief hier seine Verzichtleistung. Hierauf ward er 29. Mai vom Konzil wegen zahlreicher Verbrechen förmlich abgesetzt. In Freiburg verhaftet, wurde er zuerst auf das Schloß Gottlieben bei Konstanz, dann nach Mannheim und hierauf nach Heidelberg in Gewahrsam gebracht, bis er sich 1418 durch ein Lösegeld von 30,000 Goldgulden befreite. Vom Papst Martin V. begnadigt, ward er wieder Kardinalbischof von Tuskulum und starb 22. Nov. 1419. Vgl. Blumenthal, Papst J. XXIII. (in der »Zeitschrift für Kirchengeschichte«, Bd. 21, Leipz. 1901, S. 488 ff.).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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