Reinhard Woltman


Reinhard Woltman

Reinhard Woltman, selten auch Woltmann[1] (* 28. Dezember 1757 in Axstedt; † 20. April 1837 in Hamburg) war ein deutscher Wasserbauingenieur.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Woltman war der Sohn eines Landwirts, wirkte bis 1779 als Dorfschullehrer in seinem Heimatort und war dann als Schreiber und Unteraufseher beim Küstenschutzamt Ritzebüttel (heute Teil von Cuxhaven) tätig, damals zu Hamburg gehörig. Ab 1780 studierte er dank der Fürsprache seiner Vorgesetzten von Grumkow und Zitting am Akademischen Gymnasium zu Hamburg Mathematik und Wasserbau, unter anderem bei Johann Georg Büsch, der ihm auch seine Bibliothek zur Verfügung stellte. Dort wurde er auch von Vertretern der Hamburger Admiralität gefördert, unter der Bedingung, dass er in den Hamburgischen Staatsdienst ging. Nachdem er noch ein Jahr Deichbau an der Universität Kiel bei Johann Nicolaus Tetens studiert hatte, unternahm er 1784 eine Studienreise zur Universität Göttingen, wo er Vorlesungen hörte, nach Frankfurt am Main, Straßburg, Paris, entlang der Kanalküste unter anderem nach Cherbourg, nach London und den Niederlanden.

Ab 1784 war er wieder in Ritzebüttel, wo er zu der Zeit als Nachfolger von Zitting Stellvertreter von Grumkow wurde und als Wasserbauconducteur[2] bald hohes Ansehen genoss und praktisch (aber noch nicht offiziell) für den Uferbau verantwortlich war. Durch seine Bücher wurde er auch über die Grenzen Hamburgs in wissenschaftlichen Kreisen bekannt und seine Arbeit verschaffte ihm 1790 einen Ruf als Deichgraf nach Oldenburg, was er aber nach Zusage eines erweiterten Aufgabenbereichs im Hamburger Dienst ausschlug. Zu den von ihm geleiteten Arbeiten gehörte zum Beispiel die Befestigung des Elbufers am Glameyer Stack, Ausbaggerungen in der Elbfahrtrinne, eine Spülschleuse im Hafen von Cuxhaven und die Befestigung von Neuwerk. Aber auch bei den Deichanlagen in der Nähe Hamburgs war sein Rat bald gefragt.

1803 übernahm er als Nachfolger von Grumkow die Leitung in Ritzebüttel. 1810 bis 1814 war er während der französischen Besetzung zum Beispiel für Vermessungsarbeiten für einen von den Franzosen geplanten Elbe-Weser-Kanal nach Hamburg abgeordnet, und die Arbeit an den Deichbefestigungen ruhte weitgehend in dieser Zeit. Woltman übernahm 1814 als Direktor der Strom- und Uferwerke die Leitung des gesamten Wasserbaus in Hamburg (wozu auch der Kanalbau zählte), die er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1836 innehielt. Er wurde auch in der Nachbarschaft Hamburgs zu Rat gezogen, zum Beispiel von Lübeck bei Plänen zum Ausbau des Stecknitzkanals ab 1815.

Seine Bücher, insbesondere seine Hydraulische Architektur von 1791 bis 1799, fanden auch über Deutschland hinaus Anerkennung. 1792 wurde er zum Mitglied der Holländischen Gesellschaft der Wissenschaften in Haarlem und zu dem der Batavischen Gesellschaft der Experimentalphilosophie in Rotterdam ernannt, und er wurde auch Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften in Prag und korrespondierendes Mitglied der Göttinger Akademie der Wissenschaften.

Das von ihm 1790 beschriebene Prinzip der Messung von Strömungen mit Flügelrädern, die nach ihm auch als Woltmannflügel bezeichnet werden, wird heute unter anderen in der Wassermengenmessung mittels Woltmannzählern nach wie vor angewandt.

Woltmann, der sich auch mit der praktischen Anwendung der Astronomie für die Navigation in der Schifffahrt beschäftigte und darüber 1819 ein viel benutztes Handbuch veröffentlichte, war einer der Förderer der Errichtung einer Sternwarte in Hamburg. Deren Gründer Johann Georg Repsold aus Wremen war 1788 einer seiner Schüler,[3] den er in Mathematik unterrichtete und zu Vermessungsarbeiten hinzuzog. Auch die Navigationsschule[4] förderte er und deren späteren Leiter Karl Rümker, der auch die folgenden Auflagen seines Handbuchs herausgab (auch gefördert von der Hamburgischen Mathematischen Gesellschaft).

Woltman spielt auch eine Rolle in der Bodenmechanik. Er entwickelte unabhängig von Coulomb eine Erddrucktheorie,[5] in dem er einen Reibungswinkel einführte, den er dabei erstmals mit dem natürlichen maximalen Böschungswinkel der Böden in Zusammenhang brachte. Er führte sorgfältige Experimente dazu aus und führte die Tatsache, dass der gemessene Erddruck auf eine Stützwand geringer war als nach seiner Theorie vorhergesagt, auf eine Wandreibung zurück.[6].

Er war seit 1797 mit der Tochter von Jacob Schuback (Präses der Hamburger Stackdeputation, die für die Instandhaltung der Seesignale und Uferbauten Hamburgs zuständig war) Johanna Elizabeth Schuback verheiratet, mit der er fünf Kinder hatte.

In Hamburg wurde 1843 eine Straße nach ihm benannt und verschiedene Schiffe wie die Woltman sind nach ihm benannt.

Werke

  • Theorie und Gebrauch des hydrometrischen Flügels oder eine zuverlässige Methode, die Geschwindigkeit der Winde und strömenden Gewässer zu beobachten. Hamburg 1790.
  • Beiträge zu hydraulischen Architektur. Band 1–4, Dieterich, Göttingen 1791–1799.
  • Geschichte und Beschreibung der Wasserbauwerke im Amte Ritzebüttel. Nestler, Hamburg 1807
  • Kurzgefaßte Geschichte und Beschreibung der Uferbauwerke auf der Insel Neuwerk. Langhoff, Hamburg 1826
  • Karte und Beschreibung des Fahrwassers der Elbmündung, der dortigen Seesignale und des Lotsenwesens, 1816, verbesserte Neuauflage 1826, 1831
  • Über Hamburgs Quarantaine-Anstalten an der Elbmündung. 1800.
  • Bemerkungen über die gegenwärtige Epidemie in den Marschländern an der Nordsee, insonderheit auch im Amte Ritzebüttel. Perthes, Hamburg 1826
  • Beiträge zur Baukunst schiffbarer Kanäle, Dieterich, Göttingen 1802.
  • Handbuch der Schiffahrtskunde, Hamburg 1819.
  • Beiträge zur Schiffbarmachung der Flüsse. In Commission der Heroldschen Buchhandlung, Hamburg 1826.
  • Über das baurechtliche Verfahren der Verbesserung der Flüsse. Perthes, Hamburg 1820
  • Einige Bemerkungen und Erörterungen über die Stellung und Standhaftigkeit fester Körper, wenn sie auf dem Wasser schwimmen. Abhandlungen der Berliner Akademie. 1827
  • Theory and description of a ventilator for airing vessels, vaults, mines, coal-pits. Perthes, Hamburg 1805
  • Über das öffentliche Bauwesen, und die zweckmässigen Einrichtungen, nach welchen Staats-Bauten und Arbeiten mit Sparsamkeit auszuführen sind. Bohn, Hamburg 1814

Literatur

  • Friedrich Adolf Becker Cuxhaven und das Amt Ritzebüttel, Hamburg 1880
  • Jürgen W. Koch: Reinhard Woltman. In: Franklin Kopitzsch, Dirk Brietzke (Hrsg.): Hamburgische Biografie – Personenlexikon, Band 2, Christians, 2003, S. 451
  • Hermann Joachim: Woltman, Reinhard. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 44, Duncker & Humblot, Leipzig 1898, S. 192–199.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Das scheint eine Fehlschreibung aus dem ersten Band seiner Hydraulischen Architektur zu sein, die Folgebände unter Woltman.
  2. Ab 1792 erhielt er auf eigenes Ansuchen hin den Titel Director.
  3. Nach dem Artikel in der Hamburgischen Biografie von 2003 war auch der Rhein-Begradiger Johann Gottfried Tulla sein Schüler.
  4. Geschichte der Navigationsschule
  5. In seinen Beiträgen zur hydraulischen Architektur
  6. Reint de Boer, zum Beispiel kurz ausgeführt in seinem Buch The engineer and the scandal, Springer, 2005, S. 127ff, oder in seinem Aufsatz in der Nendza-Festschrift, Essen 1988

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