Simson Schwalbe


Simson Schwalbe
Simson KR51/1 „Schwalbe“
KR51/2 L Bj 82 billardgrün, KR51/1 S Bj 79 rot, KR51/1 K Bj 79 saharabraun

Der Kleinroller (Kleinkraftrad) des Typs Schwalbe ist ein Motorroller aus der sogenannten Vogelserie des ehemaligen Thüringer Herstellers Simson aus Suhl.

Vorgängermodell der eigentlichen Schwalbe war der KR50 (Kleinroller, 50 cm³). Als Weiterentwicklung dieses Kraftrades entstanden der KR 51, KR 51/1 und KR 51/2 an den Suhler Montagebändern. Diese trugen zum ersten Mal den Namen „Schwalbe“. Das Nachfolgemodell der Schwalbe war der SR50 (Simson Roller 50 cm³)

Inhaltsverzeichnis

Geschichte und Merkmale

Entwicklung: Die Schwalbe vom Typ KR 51 ist der erste Motorroller von Simson, der zur Vogelserie gehört. Dieser Kleinkraftroller wurde erstmals als Zweisitzer entwickelt und von 1964 bis 1986 produziert. Ursprünglich (Lastenheft 1962) war der Typ KR 51 als Kleinkraftrad ohne Geschwindigkeitsbegrenzung konzipiert und auf eine Höchstgeschwindigkeit von 68 km/h ausgelegt. Damit sollte – dem damaligen Weltstandsvergleich folgend – ein auch im Westen konkurrenzfähiges Kleinkraftrad geschaffen werden. Nach Verhandlungen mit den zuständigen Ministerien wurde die Geschwindigkeit jedoch 1963 auf 60 km/h begrenzt. Die Drosselung erfolgte über eine Änderung der Übersetzung im dritten Gang. Der Typ KR51 wurde zwar als Kleinroller mit gutem Wetterschutz konzipiert. Anordnung des Triebwerks, Aufbau und Fahreigenschaften zeigen jedoch auf, dass es sich letztlich weniger um einen Roller als vielmehr um ein blechverkleidetes Mokick handelt. Für das Design des KR51 mussten die Konstrukteure zunächst einige Kritik wegstecken. Die Fachpresse kritisierte es als nicht zu Ende gedacht und voller Kompromisse. Vergleicht man mit dem Vorläufer KR50, fällt tatsächlich eine inkonsequente Weiterentwicklung der Gestaltung auf. Der Popularität der Schwalbe tat dies jedoch keinen Abbruch. Nach diversen zum Teil zweifarbig lackierten Prototypen wurde 1963 eine Nullserie gefertigt. Produktionsbeginn der Serie war Januar 1964, wobei die Auslieferung der Fahrzeuge aufgrund von fehlendem Material – insbesondere einem bauartgenehmigten Rückstrahler – mehrmals gestoppt werden musste. Ab April 1964 erfolgte dann eine regelmäßige Auslieferung.

Merkmale: Als Antriebsquelle dient ein robuster, gebläsegekühlter Einzylinder-Zweitaktmotor mit zunächst 3,4 PS. Das Dreiganggetriebe war handgeschaltet. Ab 1965 war auch ein fußgeschaltetes Getriebe lieferbar. Bei der Konzipierung der Typreihe wurden fortschrittliche Wege beschritten. Neben Vollschwingenfahrwerken mit großen Federwegen und wirksamen Simplexbremsen sind die Räder austauschbar. Ferner wurde großer Wert auf Wartungsfreiheit gelegt. Als Folge konnten alle Schmiernippel entfallen und der Kettentrieb wurde staubdicht mittels Gummischutzschläuchen gekapselt. Außerdem erleichtern Steckachsen die Demontage der Räder, wobei der Hinterradantrieb komplett an der Hinterradschwinge verbleiben kann. Vervollständigt werden konnte dieser Typ – wiederum erstmals bei einer derartigen Fahrzeugklasse – mit Blinklichtern, Stopplicht, Parklicht und einem Gleichstrom-Signalhorn. Die Voraussetzungen dafür wurden durch die während der Fahrt aufladbare Bleibatterie geschaffen. Ein solider Gepäckträger mit verstellbarem Spannband gehörte zur Grundausstattung.

Zubehör: Manche Schwalben wurden zu DDR-Zeiten mit Anhänger gefahren und besitzen dementsprechend Kupplung und Elektrikanschluss. Wegen der Hochbeinigkeit des Anhängers sollte die vorgeschriebene Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h aber unbedingt respektiert werden. Des Weiteren gab es in der DDR Kindersitze mit Fußrasten für die Schwalbe. Für Fahrten an kalten Tagen empfiehlt sich die Kniedecke, sie ist mittlerweile auch als Repro erhältlich, hält die Beine und Knie warm und schützt vor Nässe. Allerdings schränkt sie auch die Bewegungsfreiheit ein, vor allem bei großen Personen.

Verbreitung: Ganz wesentliche Sympathien gewann die 50er-Klasse aus der DDR dank der Festlegung der StVZO-DDR, nach der motorisierte Zweiräder mit einem Hubraum bis 50 cm³ und mit einer erreichbaren Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h bereits von Personen gefahren werden durften, die ihr 15. Lebensjahr vollendet hatten. Allerdings bevorzugten Jugendliche zu DDR-Zeiten in der Regel die sportlicheren Mokick-Modelle Star und Habicht. Die Schwalbe war jedoch in breiten Altersgruppen überaus beliebt. Die meisten Fahrzeuge wurden im Inland verkauft. Insgesamt wurde sie über 1 Million mal gebaut und zählt damit zu den Meilensteinen deutscher Mopedgeschichte. Noch heute ist sie im ostdeutschen Straßenbild vertreten.

Ersatzteillage: Dank des Baukastenprinzips sind viele Simson-Teile standardisiert und universell verwendbar. So kann zum Beispiel das Rad von vorn nach hinten und sogar zwischen den meisten Simson-Modellen getauscht werden. Die Ersatzteillage ist außerdem durch diverse Reproduktionen gesichert. Der SIMSON-Nachfolger MZA Meyer-Zweiradtechnik Ahnatal GmbH produziert seit 2009 den alten 4-Gang-Motor, welcher in SIMSON S51, Schwalbe und Co. verbaut ist, in der Niederlassung Suhl, um den Altbestand an Fahrzeugen zu sichern und zu erhalten. Nahezu alle Ersatzteile sind im deutschlandweitem MZA-Händlernetz (ca. 1500 Händler, Werkstätten, Ladengeschäfte) verfügbar. Mitunter wird das Bild aber durch mangelhafte Qualität oder schlechte Passgenauigkeit der Repro-Ersatzteile getrübt.

Typreihe KR 50

Vorgänger der Schwalbe: die Simson KR50

Der Vorgänger der Schwalbe, der KR 50, wurde in den Jahren 1958–1964 gebaut. Er war mit Kickstarter sowie einer Zweigang-Handschaltung ausgestattet und war ein Einsitzer. Er wog anfangs 63 kg und ab 1962 68 kg.

Dieser Roller besaß eine umfassenden Schmutzschutz gewährleistende Blechkarosserie. Mit einer Leistung von 2,1 PS (anfangs), 2,3 PS (ab 1963) und einem Hubraum von 47,6 cm³ konnte eine Höchstgeschwindigkeit von etwa 50 km/h erreicht werden. Die Farben des KR 50 waren ein helles Weinrot oder Hellblau (Hammerschlag).

Technische Daten KR 50
KR 50
Bauzeit 1958–1964
Motor KRoRh50
Hubraum 47,6 cm³
Verdichtung 7,5:1 (ab 1963 8,5:1)
Leistung 2,1 PS / 5500 min−1 (ab 1963 2,3)
Kühlung Fahrtwind
Getriebe 2-Gang Handschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn Schwinghebel (ab 1959 Kurzschwinge)
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 20 × 2,25
Gewicht 63 kg (ab 1962 68 kg)
Höchstgeschwindigkeit 50 km/h
Stückzahl 164.500

Typenreihe KR 51

Unrestaurierte Simson Schwalbe KR 51 hergestellt Februar 1964 mit zeitgenössischem Sitzbankbezug als Zubehör

Der Typ KR 51 wurde von 1964 bis 1968 produziert. Der gebläsegekühlte 3-Gang-Motor wurde anfangs nur mit Handschaltung, ab 1965 wahlweise mit Fußschaltung angeboten. Als Farbe war von Anfang an das typische, kräftige blau im Angebot. Außerdem tundragrau, sowie ganz zu Anfang auch orange. Schwalben der ersten Jahre unterschieden sich in vielen Details von späteren Jahrgängen, was sie heute im Originalzustand zu gesuchten Raritäten macht. So war die Form der Blinker anders, der Kippständer aus Stahl und in Fahrzeugfarbe lackiert, ein Katzenauge am Fahrzeugheck montiert, der Kettenkasten aus Aluminium, die Sitzbank mit Chromrahmen usw. (siehe Foto). Die Ansauggeräuschdämpfung fiel bei dieser ersten Typenreihe relativ spärlich aus, was zu einem kräftig-kernigen Motorklang führte. Beteiligt daran war auch die recht einfache Auspuffanlage. Der Motor war noch nicht optimal an die Anforderungen der 60 km/h-Beschränkung angepasst: In niedrigeren Drehzahlen fehlte es ihm an Kraft, dafür aber neigte er zum Überdrehen, sodass die 60 km/h-Grenze unter günstigen Bedingungen deutlich überschritten werden konnte. Bei der recht hohen Nenndrehzahl von 6500 min−1 traten zudem starke Vibrationserscheinungen auf. In Verbindung mit den eher hart ansprechenden, reibungsgedämpften Federbeinen, ergibt sich aus alledem ein recht uriges Fahrgefühl auf diesem ersten Schwalbetypus. Der Unterschied zu Schwalben der /2-Reihe ist also deutlicher, als man bei dem kaum veränderten Äußeren erwartet. Der Motor benötigt als Kraftstoffgemisch 1:33. 1965 wurde ein neuer Vergaser mit separatem Leerlaufsystem verbaut, der einen sparsameren und störungsfreieren Motorlauf ermöglichte. Dabei entfiel auch die Tupferbetätigung. Die Choke-Bedienung wurde vom Blech unter dem Lenker an den Lenkergriff verlegt.

KR 51 Schwalbe von 1964. Unrestauriert und völlig original, überdauerte die Zeit im Schaufenster eines westdeutschen Händlers
Technische Daten
KR 51
Bauzeit 1964–1968
Motor M53KH
Hubraum 49,6 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 3,4 PS / 6500 min−1
Kühlung Radialgebläse
Getriebe 3-Gang Handschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn geschobene Langschwinge mit Federbein und Reibdämpfern
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16" (alte Bez. 20 × 2,75)
Gewicht 79 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 163.500

Typenreihe KR 51/1

Ab 1968 wurde die Schwalbe unter der Bezeichnung KR 51/1 mit überarbeitetem Motor gefertigt. Die Leistung erhöhte sich geringfügig auf 3,6 PS. Dabei verbesserte sich vor allem die Elastizität. Abgas- und Ansauganlage wurden verbessert, sodass der Geräuschpegel deutlich reduziert werden konnte. So saß der Luftfilter nun unterhalb des Lenkers und war über Schläuche und einen Luftberuhigungskasten mit dem Vergaser verbunden. Äußerlich waren die beiden Modelle kaum voneinander zu unterscheiden, auch das Farbprogramm blieb zunächst unverändert. Im Laufe der 70er Jahre wurden jedoch einige Veränderungen im Detail vorgenommen. Gummi- und Plasteteile, sowie die Sitzbank wurden im Laufe der Jahre schwarz statt beigefarben ausgeführt. 1974 wurde der Auspuff verändert, zu erkennen an einem flach abgerundeten Endstück statt bisher spitz zulaufend. Dabei veränderte sich erneut das Klangbild der Schwalbe. Ca. 1972 wurde der hintere Bremsnocken nach Außen verlegt, was eine bessere Nachstellbarkeit der Hinterradbremse ermöglichte. Die anfängliche Nierenform des Rückspiegels wich einem rechteckigen Spiegel. Dieser wiederum wurde 1975 durch einen schwarzen, runden Spiegel abgelöst, der fortan in einer Bohrung am Kupplungsgriff befestigt wurde. Wichtig war die Umstellung des oberen Pleullager von Bronzebuchse auf Nadellagerung, womit das nötige Gemisch von 1:33 auf 1:50 reduziert werden konnte. Die Umstellung erfolgte im Laufe des Jahres 1975 bis Mitte 1976 (Im Zweifelsfall 1:40 mischen, da kann man nichts falsch machen). Ferner wurden ab Mitte 1976 der Kupplunghebel und der Vorderradbremshebel aus Kunststoff gefertigt, was eine bessere Haltbarkeit und ein komfortableres Bedienen ermöglicht.

Modell KR 51/1 und KR 51/1 F

Diese beiden Grundmodelle waren mit reibungsgedämpften Federbeinen ausgestattet. Typische Farbe war ein kräftiges blau. Bis 1973 war außerdem die Farbe tundragrau im Angebot. Die Schaltung des Getriebes erfolgte beim Modell KR 51/1 F mittels Fußschaltwippe. Außerdem wurde in geringer Stückzahl weiterhin die Handschaltung mit Schaltdrehgriff am Lenker gefertigt. Ab etwa 1977 wurde die Sitzbank auch für die Grundmodelle verlängert. Insgesamt wurden von diesem Typus 375.000 Stück gebaut. Der Einzelhandelsverkaufspreis (EVP) dieser Modelle betrug in der DDR 1265,- Mark.

Technische Daten
KR 51/1 KR 51/1F
Bauzeit 1968–1980 1968–1980
Motor M53/1KH M53KFR
Hubraum 49,6 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 3,6 PS / 5700 min−1
Kühlung Radialgebläse
Getriebe 3-Gang Handschaltung 3-Gang Fußschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn geschobene Langschwinge mit Federbein und Reibdämpfern
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16" (alte Bez. 20 × 2,75) 2,75 × 16"
Gewicht 80 kg 79 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 25.000 350.000

Modell KR 51/1 S

KR51.1S Bj75 original, zu erkennen ist der fehlende Kupplungshebel

Diese von 1968 bis 1980 in einer Stückzahl von 44.600 produzierte Roller-Sonderausführung besaß als wichtigstes Unterscheidungsmerkmal eine halbautomatische Fliehkraftkupplung zum Anfahren. Während des Gangwechsels wurde diese Kupplung beim Betätigen der Schaltwippe auf mechanischem Wege automatisch mit getrennt. Nach etwas Eingewöhnung ist dies eine sehr angenehme Variante, die vor allem im dichten Stadtverkehr ihre Vorteile ausspielt. In Zuverlässigkeit und Langlebigkeit steht die Halbautomatik der gewöhnlichen Ausführung in nichts nach. Ferner brachte die außenliegende Zündspule eine Erhöhung der Schweinwerferleistung auf 25 Watt mit sich. Die S-Schwalbe war außerdem mit komfortablen, hydraulisch gedämpften Federbeinen ausgestattet, die (nur bei diesem Modell) verchromte Hülsen trugen. Eine neu geformte, längere Sitzbank vervollständigte die gehobene Ausstattung. Die Lackierung erfolgte zunächst in olivgrün, wobei das Lenkerblech beige lackiert wurde. 1978 wurde auf die Farbe signalrot umgestellt. Zu erkennen gibt sich der Typus auch am Schriftzug „SchwalbeS“. Der Einzelhandelsverkaufspreis für dieses Modell betrug in der DDR 1.400,- Mark. Anders als erwartet, wurde die Schwalbe-S kein Verkaufsschlager, sodass man sich dazu entschied, die Komfortmerkmale auch mit herkömmlicher Schaltung anzubieten. Heraus kam dabei das populäre Modell K.

Modell KR 51/1 K

KR51/1K Bj 76 Originalzustand

Bei dieser Komfort-Variante des Kleinrollers mit einer Auflage von 185.000 Stück wurden Motor und Elektrik der Grundausstattung mit den Komfortmerkmalen der S-Schwalbe zu einem beliebten Modell kombiniert. Die hydraulisch gedämpften Federbeine verbesserten Fahrkomfort und Bodenhaftung der Räder erheblich. Ferner bot die auf 625 mm verlängerte Sitzbank günstigere Voraussetzungen für den Soziusbetrieb. Ansonsten unterschied sich das K-Modell noch durch die Lackierung vom Grundtyp: Sie erfolgte in atlasweiß mit goldfarbenem Schriftzug. (ab 1978 in saharabraun und dem gewöhnlichen, silbernen Schriftzug). Der Ladenpreis (EVP) des Rollers KR 51/1 K lag bei 1350,- Mark.

Technische Daten
KR 51/1 K
Bauzeit 1974–1980
Motor M53/1 KFR
Hubraum 49,6 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 3,4 PS / 5750 min−1
Kühlung Radialgebläse
Getriebe 3-Gang Fußschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn geschobene Langschwinge mit Federbein und Hydraulikdämpfern
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16" (alte Bez. 20 × 2,75)
Gewicht 80 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 185.000

Typreihe KR 51/2

Simson KR 51/2 von 1984
Simson Schwalbe KR 51/2 E von 1981 „Unrestauriertes Original“

Diese letzte Baureihe der Schwalbe wurde von 1980 bis 1986 produziert. Wesentliche Neuerung war der neu konstruierte, fahrtwindgekühlte 3,7 PS-Motor aus dem S 51. Für den Einbau in die Schwalbe wurde eine Rahmenänderung erforderlich (Wegfall des Mittelstegs durch die nicht mehr nötige Aufhängung des Zylinderkopfs, dafür zusätzliche Verstärkungsbleche an der hinteren Motoraufhängung). Dieser Motor war sparsamer, elastischer und mit wahlweise 3 oder 4 Gängen, mit Unterbrecher oder kontaktloser Zündung lieferbar. Die Vibrationen an Lenker, Trittbrett und Sitzbank reduzierten sich erheblich, was mit der veränderten Motoraufhängung und der verringerten Nenndrehzahl zusammenhängt (5500 min−1). Durch Wegfall des Gebläses verringerte sich der Geräuschpegel, jedoch war der Motor nun nicht mehr so gut vor Überhitzung geschützt (spielt bei strapaziösen Fahrten im Hochsommer eine Rolle). Abgesehen davon stellt der Motor einen deutlichen Fortschritt dar. Sein größter Vorteil ist, dass er seine Leistung bereits bei vergleichsweise niedrigen Drehzahlen entfaltet. In der Praxis bedeutet das, dass nicht so früh zurückgeschaltet werden muss bzw. eher hochgeschaltet werden kann. Mit dem 4-Gang-Getriebe trat eine zusätzliche Verbesserung ein. In Verbindung mit der kontaktlosen Elektronikzündung (nur in der L-Ausstattung) kann dieser Motor auch heute noch als zeitgemäß und wirtschaftlich gelten.

Weitere Änderungen: Die Hinterradbremse wurde von Bowdenzug auf Gestängebetätigung umgestellt, was mehr Zuverlässigkeit und Wirksamkeit mit sich brachte. Die Elektrikbauteile wurden unter das vordere Abdeckblech verlegt, der vorher dort sitzende Luftfilter saß nun direkt vor dem Vergaser; lediglich das Ansaugrohr für die Luft verblieb unter dem Knieblech. Außerdem wurde die Leistung der Bremsleuchte von 18 auf 21 Watt erhöht.

Äußerlich ist die /2er Typenreihe kaum von ihren Vorläufern zu unterscheiden. Die Abgasanlage wurde auf die rechte Fahrzeugseite verlegt. Damit wurde der Ausbau des Hinterrades erleichtert und die Verbrennungsgefahr verringert. Ins Auge fällt außerdem das runde Rücklicht vom S 50. 1983 wurde es durch das größere, ebenfalls runde Rücklicht BSL 122 ersetzt, das mit 3 statt bisher 2 Schrauben befestigt wurde. Außerdem sind die /2er an einem generell schwarz lackierten Lenkerblech mit einer etwas anderen Form zu erkennen.

Modell KR 51/2 N

Dieser generell mit Fußschaltung ausgestattete Grundtyp erhielt den neuen Motor in 3-Gang-Ausführung. Für die Radfederung wurden weiterhin reibungsgedämpfte Federbeine eingesetzt. Im Gegensatz zu den N-Ausführungen anderer Simsonmodelle, verfügte die N-Schwalbe über Batterie und Blinker. Stückzahl: 90.800. Die Lackierung erfolgte zunächst traditionell in blau und ab 1984 in saharabraun. Damit schied das typische blau aus der Farbpalette aus.

Modell KR 51/2 E

Dieses Modell war mit hydraulisch gedämpften Federbeinen und dem neuen Motor in 4-Gang-Ausführung ausgestattet. Vor allem für Bergauffahrten und Soziusbetrieb ergab sich daraus eine weitere Verbesserung der Fahrleistungen. Stückzahl: 124.500; Motor M541KFR. Der Einzelhandelsverkaufspreis für dieses Rollermodell lag bei 1755,- Mark. Die Farbgebung war braun. Bis 1984 ein helles saharabraun, später kräftiges biberbraun.

Modell KR 51/2 L

In diesem Luxusmodell war über die Ausstattung der E-Schwalbe hinausgehend eine wartungsfreie elektronische Zündanlage montiert und dadurch gleichzeitig die Scheinwerferleistung auf 35/35 W erhöht worden. Der Wegfall des Unterbrechers war ein nicht zu verachtender Pluspunkt für Zuverlässigkeit, denn der Motor erhielt nun stets zum vorgesehenen Zeitpunkt seinen Zündfunken und wurde damit nochmals zuverlässiger und sparsamer. Als Antrieb wurde der Motor M541 KFR verwendet. Die Farben dieses Modells waren erst kirschrot und ab 1982 billardgrün.

Technische Daten: KR 51/2N, KR 51/2E, KR 51/2L
KR 51/2N KR51/2E KR51/2L
Bauzeit 1979–1986
Motor M 531KFR M 541KFR
Hubraum 49,9 cm³
Verdichtung 9,5:1
Leistung 2,7 kW / 5500/min
Kühlung Fahrtwind
Getriebe 3-Gang Fußschaltung 4-Gang Fußschaltung
Rahmen Doppelrohr
Radführung vorn Langschwinge mit Federbein
Radführung hinten Schwinge mit Federbein
Bereifung 2,75 × 16"
Gewicht 80 kg 81,5 kg
Höchstgeschwindigkeit 60 km/h
Stückzahl 90.800 124.500 84.900

Typreihe e-Schwalbe

Im Frühjahr 2011 sollte eine Elektroroller-Version der Schwalbe im Retro-Design auf den Markt kommen; die Auslieferung wurde allerdings auf Ende Juli bzw. Anfang August verlegt.[1][2][3] Aufgrund von Lieferschwierigkeiten bei japanischen Elektronikbauteilen soll die Erstauslieferung nun erst im Frühjahr 2012 erfolgen.[4]

Die Schwalbe in der Gegenwart

Vor- und Nachteile

Der Quasi-Oldtimer aus dem Hause Simson erfreut sich seit einigen Jahren wieder wachsender Beliebtheit. Dies hat mehrere Gründe:

  • Die Schwalbe ist dank ihres altmodischen Designs – wie die Vespa – zum Kult-Fahrzeug avanciert
  • Die Anschaffungskosten für eine Schwalbe sind relativ gering
  • Ersatzteile sind vergleichsweise günstig
  • Die Technik ist anspruchslos, ausgereift und zuverlässig
  • Das Angebot an Ersatzteilen ist groß, da viele Teile heute noch produziert werden
  • Durch die wartungsfreundliche Konstruktion sind viele Reparaturen in Eigenregie ausführbar
  • Die nicht-selbsttragende Karosserie weist keine rostanfälligen Hohlräume auf
  • Laut Einigungsvertrag und Fahrerlaubnisverordnung (§ 76 FeV, Nr. 8 „§ 6 Abs. 1 zu Klasse M“; Anlage I Kap XI B III Anlage I Kapitel XI, Sachgebiet B – Straßenverkehr, Abschnitt III Nr. 2 Abs. 21 EinigVtr) dürfen in Deutschland Fahrzeuge dieses Typs trotz einer Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h mit einer Fahrerlaubnis der Klasse M gefahren werden, sofern sie vor dem 28. Februar 1992[5] erstmalig zugelassen wurden. Normalerweise ist die Klasse M auf Fahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 45 km/h beschränkt.

Nachteile:

  • Bedingt durch das Schwingenfahrwerk neigt die Schwalbe etwas zum Lenkerpendeln, vor allem bei Belastung des Gepäckträgers. Tritt es permanent auf, liegen aber Defekte vor (lockeres Lenkungslager etc.)
  • Tacho und Tachobeleuchtung sind relativ störanfällig
  • Rost im Tank behindert die Benzinzufuhr. Auf Sauberkeit des Tanks ist daher Wert zu legen.
  • Die Unterbrecherzündung (alle außer Modell L) erfordert regelmäßige Wartung
  • Das zweifellos schöne Blechkleid der Schwalbe erschwert den Zugriff auf die Technik (z. B. Benzinhahn ist erst nach Abnahme der Heckverkleidung demontierbar)
  • Da es kaum noch Tankstellen gibt, die Gemisch anbieten, muss man sich seinen Kraftstoff selber mischen
  • Für den heutigen, dichten Stadtverkehr wäre ein Automatikgetriebe praktischer. Wer sich am häufigen Kuppeln stört, kann allerdings auf das Schwalbemodell KR51/1 S zurückgreifen.

Literatur

  • Erhard Werner: Das Schwalbe Buch – Ein Ratgeber, MZA-Verlag, ISBN 3-9809481-0-2.
  • Erhard Werner: Simson-Roller Schwalbe, MZA-Verlag, ISBN 3-9809481-5-3.
  • Schrader-Motor-Chronik „Schwalbe und Co.“
  • Schrader-Typen-Chronik: Simson Schwalbe & Co. 1955–1991.
  • Florian Rolke: Slow Way Down - Mit der Simson Schwalbe von Hamburg nach Kapstadt., Verlag Kastanienhof, ISBN 978-3941760127.

Weblinks

 Commons: Simson Schwalbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. BERLINER UMSCHAU - Meldung vom 11. Mai 2011 (abgerufen am 18. Mai 2011)
  2. DEUTSCHLAND today vom 16. Mai 2011 (abgerufen am 18. Mai 2011)
  3. Video der Thüringer Allgemeinen auf YOUTUBE (abgerufen am 18. Mai 2011)
  4. Berliner Zeitung - Meldung vom 19. Juli 2011 (abgerufen am 22. Juli 2011)
  5. Fahrerlaubnisverordnung auf verkehrsportal.de
  6. http://register.dpma.de Registerauskunft des deutschen Patent- und Markenamtes (Stand: 20. Mai 2011)

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