Stefan Raab


Stefan Raab
Stefan Raab bei einer Pressekonferenz des Eurovision Song Contest 2010 am 28. Mai 2010 in Oslo

Stefan Konrad Raab (* 20. Oktober 1966 in Köln) ist ein deutscher Entertainer, Fernsehmoderator, Fernsehproduzent, Sänger, Songwriter, Komponist und Musikproduzent.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Stefan Raab wurde am 20. Oktober 1966 in Köln geboren.[1] In dieser Stadt wuchsen er und seine Schwester auf, seine Eltern betrieben in Köln-Sülz eine Metzgerei. Nach dem Abitur im Jahr 1986 am Aloisiuskolleg in Bonn-Bad Godesberg leistete Raab von 1986 bis 1987 seinen Grundwehrdienst in der Flugbereitschaft BMVg am Truppenstandort Köln-Wahn. Im Anschluss daran studierte er fünf Semester Rechtswissenschaft in Köln und Bielefeld. Parallel dazu absolvierte er eine Metzgerlehre im elterlichen Betrieb, die er mit der Note „sehr gut“ als Bezirksbester abschloss. Mit seiner Lebensgefährtin hat Raab zwei Töchter.[2]

Meldungen und Berichte, die sein Privatleben betreffen, kommentiert Stefan Raab ausgesprochen selten. Er schirmt sein Privatleben konsequent ab.

Karriere

Die ersten Jahre im Unterhaltungsgeschäft (1990–1998)

Stefan Raab machte sich im Jahr 1990 als Produzent von Werbejingles selbständig; er erstellte Jingles und Spots für das ARD-Morgenmagazin, die Talkshows Bärbel Schäfer und Veronas Welt sowie für die Zahnpasta Blend-a-med. Außerdem produzierte er Musik unter anderem für Bürger Lars Dietrich, Die Prinzen und das RIAS-Rundfunkorchester. Raab betreibt einen eigenen Musikverlag, den Roof Groove Musikverlag Stefan Raab, der die Rechte seiner musikalischen Werke verwaltet.[3] Der Name spielt auf den Ort des ersten Studios an, das sich in seiner Dachgeschosswohnung befand. Veröffentlicht wird unter dem Plattenlabel RARE (= Raab Records).[3] Ebenfalls 1990 erschien Raabs erstes Album The Best of Schäng and the Gäng Vol. 3, an dem der Jazz-Trompeter Till Brönner mitwirkte, 1993 folgte das Album Get Ready mit Instrumentalmusik.

Im November 1993 bot Stefan Raab dem Musikfernsehsender VIVA selbstentworfene Programmjingles an. Nach einem Casting wurde ihm jedoch die Moderation der Sendung Vivasion angeboten, die Raab von Dezember 1993 bis Dezember 1998 moderierte. Außerdem moderierte er monatlich die Sendung Ma' kuck'n. Entdeckt wurde Raab von Aufnahmeleiter Marcus Wolter, der später auch die Fernsehshow TV total entwickelte.

1994 sang Raab in seiner Fernsehsendung Vivasion während der Berichterstattung zur Fußball-Weltmeisterschaft live einen Rap-Song über den damaligen deutschen Bundestrainer Berti Vogts. Kurz darauf veröffentlichten Stefan Raab & die Bekloppten dieses Lied unter dem Titel Böörti Böörti Vogts. Der Titel erreichte im Juli 1994 Platz vier der deutschen Hitparade. 1995 nahm Raab zusammen mit Bürger Lars Dietrich und Jürgen Drews eine Coverversion des Songs Ein Bett im Kornfeld auf. Diese Version erreichte Platz 27 der deutschen Singlehitparade.

Im März 1996 bekam Raab für das Lied Hier kommt die Maus, das zum 25. Geburtstag der Kinderfernsehsendung Die Sendung mit der Maus veröffentlicht wurde, eine Goldene Schallplatte. Das Lied stieg bis auf Platz zwei der deutschen Hitparade. Mit dem ECHO 1997 erhielt er die Auszeichnung als bester nationaler Produzent des Jahres für sein Album Schlimmer Finger. Im gleichen Jahr moderierte Raab für den WDR/Eins Live regelmäßig die zweistündige Radio-Livesendung Raabio, eine Radio-Entertainment-Show mit Musik. Außerdem nahm Raab Telefon-Comedy-Folgen auf, bei denen er unter dem Pseudonym „Professor Hase“ Menschen anrief und verschaukelte.

Unter dem Pseudonym Alf Igel – eine Anspielung auf Ralph Siegel – komponierte Raab im Frühjahr 1998 das Lied Guildo hat euch lieb für Guildo Horn, der damit beim Eurovision Song Contest 1998 den siebten Platz von 25 Teilnehmern belegte. In der deutschen Singlehitparade erreichte der Song Platz vier.

Raabs 1998 gegründete Firma Raab TV war von 1998 bis 2008 eine 50-Prozent-Tochter der Brainpool TV GmbH. Seit dem 31. Dezember 2008 ist Raab TV eine 100-Prozent-Tochter von Brainpool. Sie produzierte mehrere Comedy-Sendungen wie beispielsweise elton.tv und Schlag den Star.

TV total und Veranstaltung von Castingshows (1999–2011)

Stefan Raab bei der Stock Car Crash Challenge 2010

Seit März 1999 moderiert Stefan Raab die Sendung TV total des Privatsenders ProSieben, die anfangs wöchentlich ausgestrahlt wurde und seit Frühjahr 2001 viermal pro Woche läuft. Zudem organisiert und vermarktet Raab in unregelmäßigen Abständen Show-Veranstaltungen[3] wie die Wok-Weltmeisterschaft, den Wettbewerb Schlag den Raab, das TV total Turmspringen, verschiedene Stockcar-Rennen, eine Reihe von Poker-Nächten, einen Eisfußball-Pokal und die Autoball-Europameisterschaft.[4]

→ Hauptartikel: Sondersendungen bei TV total

Nach dem Start der Sendung TV total benutzte Raab Samples verschiedener Fernsehausschnitte zur Komposition eigener Lieder. Zum Beispiel produzierte er im Sommer 1999 den Song Ö la Palöma Blanca der Ö La Palöma Boys. Kurz danach folgte das Lied Maschen-Draht-Zaun, das mit Dreifach-Gold ausgezeichnet wurde.[5] Im Mai 2000 nahm Raab mit dem Titel Wadde hadde dudde da? selbst am Eurovision Song Contest 2000 teil und erreichte Platz fünf. Im September 2000 produzierte er die Single Ho mir ma ne Flasche Bier, bei der ein Sprachausschnitt des damaligen deutschen Bundeskanzlers Gerhard Schröder verwendet wurde. Im November 2001 komponierte, interpretierte und produzierte er den Song Wir kiffen. Im November 2002 schrieb er das Lied Gebt das Hanf frei!, bei dem er einen Ausspruch des deutschen Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele benutzte.

Stefan Raab machte für verschiedene Unternehmen Werbung, unter anderem im Jahr 1996 für ültje,[6] im Jahr 1999 für Katjes[7] und im Jahr 2001 für McDonald’s. Dabei warfen ihm Pressestimmen vor, er „verramsche“ sich, was Raab jedoch zurückwies.[8] Im gleichen Jahr produzierte er unter dem Pseudonym Eddie Rodriguez für einen McDonald’s-Werbespot den Musiktitel Sensaçion, der Platz 30 in den deutschen Singlecharts erreichte.

Ende 2003 bis Anfang 2004 veranstaltete Stefan Raab den Casting-Wettbewerb SSDSGPSStefan sucht den Super-Grand-Prix-Star −, mit dem er einen Kandidaten für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest 2004 suchte. Der Gewinner dieses Wettbewerbs, Max Mutzke, gewann auch den deutschen Vorentscheid, womit Raab zum dritten Mal an einem deutschen Beitrag zum Eurovision Song Contest beteiligt war. Unter 24 Teilnehmern erreichte Max Mutzke den achten Platz, in der deutschen Hitparade gelang ihm direkt der Sprung auf Platz eins. Für das Konzept von SSDSGPS erhielt Raab im darauffolgenden Jahr den Adolf-Grimme-Preis.[9]

Ebenfalls im Jahr 2004 schrieb Raab mehrere Lieder für den Film (T)Raumschiff Surprise – Periode 1 von Michael „Bully“ Herbig, darunter den als Single erschienenen Song Space Taxi. Dieses Lied singt Raab zusammen mit Herbig, Christian Tramitz und Rick Kavanian. Aus dem Soundtrack des Films koppelte Raab im darauffolgenden Jahr die Single I Want Rock aus, die er unter dem Bandnamen Dicks On Fire veröffentlichte. Diese Gruppe besteht aus Stefan Raab, Rick Kavanian und Max Mutzke.

Ebenfalls im Jahr 2005 initiierte Raab in Anlehnung an den Eurovision Song Contest den Bundesvision Song Contest. Dabei tritt jeder Teilnehmer für eines der 16 deutschen Bundesländer an. Nach eigener Aussage wollte Raab mit diesem Wettbewerb deutsche Musiker fördern. Daher singen die Teilnehmer dieses Wettbewerbs ihre Texte in deutscher Sprache. Im gleichen Jahr moderierte Stefan Raab zusammen mit Gülcan Kamps die Veranstaltung zum zehnjährigen Jubiläum des Musikpreises Comet.[10]

Im Jahr 2007 produzierte Raab die Castingshow SSDSDSSWEMUGABRTLADStefan sucht den Superstar, der singen soll, was er möchte und gerne auch bei RTL auftreten darf − bei der Stefanie Heinzmann gewann.[9]

Im Jahr 2010 suchte Raab in der achtteiligen Castingshow Unser Star für Oslo den deutschen Teilnehmer für den Eurovision Song Contest 2010. Raab war Juryvorsitzender der Castingshow, die eine Zusammenarbeit der Fernsehsender ProSieben und Das Erste war. Siegerin des Wettbewerbs wurde Lena Meyer-Landrut mit dem Lied Satellite. Raab produzierte anschließend ihr Debütalbum My Cassette Player.[11] Am 29. Mai 2010 gewann Lena Meyer-Landrut den Eurovision Song Contest 2010 in Oslo.

Die Sängerin, die sich nun schlicht Lena nannte, wurde auch für den Eurovision Song Contest 2011 als Vertreterin Deutschlands bestimmt. In der dreiteiligen Fernsehshow Unser Song für Deutschland – wieder eine Zusammenarbeit von ProSieben und Das Erste – wurde aus zwölf Kompositionen das Lied für Lena gesucht. Stefan Raab, wiederum Juryvorsitzender, war an drei dieser Kompositionen beteiligt; er ist Koproduzent des im Februar 2011 veröffentlichten zweiten Albums Good News der Sängerin. Per Televoting gewählt wurde jedoch keine Raab-Komposition, sondern das Lied Taken by a Stranger, mit dem Lena beim Eurovision Song Contest im Mai 2011 den zehnten von 25 Plätzen belegte. Moderiert wurde der Wettbewerb von Stefan Raab, Anke Engelke und Judith Rakers.[12]

Beteiligungen am Eurovision Song Contest

Stefan Raab war in unterschiedlichen Rollen an bisher fünf deutschen Beiträgen am Eurovision Song Contest beteiligt. So war er bereits als Komponist, als Sänger, als Co-Moderator und als Initiator des Auswahlverfahrens dabei.

Nach dem Eurovision Song Contest 2011 erklärte Raab am 19. Mai 2011 seinen Rückzug von diesem Wettbewerb als Gastgeber, Vorsitzender der Jury, Komponist und Musikproduzent.[13]

Jahr Veranstaltungsort Künstler Titel Raabs Beteiligung Platz Punkte
1998 Birmingham, England Guildo Horn Guildo hat euch lieb Komponist 7 86
2000 Stockholm, Schweden Stefan Raab Wadde hadde dudde da? Sänger,
Komponist
5 96
2004 Istanbul, Türkei Max Mutzke Can’t Wait Until Tonight Entdecker,
Komponist
8 93
2010 Oslo, Norwegen Lena Meyer-Landrut Satellite Initiator und Jurypräsident von
Unser Star für Oslo
1 246
2011 Düsseldorf, Deutschland Lena Meyer-Landrut Taken by a Stranger Jurypräsident von Unser Song für Deutschland
und Co-Moderator des Eurovision Song Contests
10 107

Rezeption

Auszeichnungen

Stefan Raab wurde für seine Leistungen in der Musik- und Fernsehunterhaltung mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet. Beispielsweise wurde ihm mehrmals der ECHO und die Goldene Kamera verliehen; zudem erhielt er den Bayerischen und den Deutschen Fernsehpreis, den Bambi und den Adolf-Grimme-Preis.

Als Komponist und Musikproduzent veröffentlichte Raab verschiedene Singles, die mit Gold oder Platin ausgezeichnet wurden. → Hauptartikel: Stefan Raab/Diskografie

Seit April 2009 stellt Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett in Berlin eine Wachsfigur Raabs aus, die an einem dem Original nachempfundenen Pult vor der Kulisse des TV-total-Studios sitzt.

Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über Raabs Auszeichnungen im Bereich Fernsehen.

Jahr Auszeichnung Kategorie
1995 Goldene Stimmgabel
1996 Goldener Löwe Bestes Jugendprogramm für Vivasion
1997 RSH-Gold Erfolgreichster TV Song des Jahres für Hier kommt die Maus[14]
ECHO Nationaler Produzent
1999 Deutscher Comedypreis Beste Moderation für TV total
Deutscher Fernsehpreis Beste Unterhaltungssendung für TV total
2000 ECHO Nationaler Produzent
Goldener Bravo Otto Comedystar
RSH-Gold[15]
2001 Bronzene Rose von Montreux Variete für TV total
Goldener Bravo Otto Comedystar
2002 Goldener Bravo Otto Comedystar
2003 Goldener Bravo Otto Comedystar
2004 Bronzener Bravo Otto Comedystar
Goldene Kamera Bester TV-Entertainer
2005 Adolf-Grimme-Preis Spezial „für die Entdeckung und Förderung von Musiktalenten durch SSDSGPS – Ein Lied für Istanbul“
Deutsch-Türkischer Freundschaftspreis
ECHO Nationaler Produzent und Medienpartner des Jahres
2006 Goldener Prometheus Coup des Jahres für die TV total Bundestagswahl zusammen mit Peter Limbourg
2007 Bronzener Bravo Otto Comedystar
Deutscher Fernsehpreis Beste Unterhaltungssendung für Schlag den Raab
2008 Bambi Entertainment
Goldene Kamera Unterhaltung zusammen mit Matthias Opdenhövel
Live Entertainment Award Nachwuchsförderung des Jahres
2009 Goldene Henne Fernseh-Innovation
Herbert-Award Beste TV-Sportsendung für das TV total Turmspringen
Romy Beste Programmidee für Schlag den Raab
2010 1Live Krone Verdienste als Entertainer und Musikproduzent
Bayerischer Fernsehpreis Initiator und Jurypräsident von Unser Star für Oslo
Deutscher Comedypreis Beste Late-Night-Show für TV total
Deutscher Fernsehpreis Beste Unterhaltungssendung für Unser Star für Oslo
Besondere Leistung Unterhaltung als bester Entertainer des Jahres
2011 ECHO Medienpartner des Jahres für Unser Star für Oslo zusammen mit Brainpool, der ARD und ProSieben
Deutscher Fernsehpreis Beste Unterhaltungssendung für den Eurovision Song Contest 2011
Publikumspreis als bester Entertainer des Jahres

Kritik

Stefan Raab gilt in der öffentlichen Wahrnehmung als umstritten. Beispielsweise wurde ihm vorgeworfen, sein Humor gehe auf Kosten schwächerer oder medienunerfahrener Menschen. Auch bediene Raab sich bestehender Vorurteile gegenüber gesellschaftlichen Randgruppen, verstärke sie durch seine herabsetzende Art sogar. „Was Raab hier macht, ist Unterhaltung nach dem Motto: Je niedriger die Schublade, desto höher die Quote“, sagte beispielsweise der damalige CDU/CSU-Fraktionsvizevorsitzende Wolfgang Bosbach.

Raab wurde auch vorgeworfen, er greife immer wieder das Persönlichkeitsrecht anderer an, während er jedoch seine eigene Familie streng vor der Öffentlichkeit abschirme. Raab argumentierte dagegen, dass seine satirischen Darstellungen sich auf Menschen bezögen, die ihre Persönlichkeit und ihr Privatleben freiwillig in die Öffentlichkeit trügen und sich damit zum legitimen Objekt von Satire machten. Im Jahr 1999 benutzte Raab eine Äußerung von Regina Zindler, die sie in der Sendung Richterin Barbara Salesch machte, für sein Lied Maschen-Draht-Zaun. Durch das Lied und durch eigenes Zutun erhielt Zindler eine vorübergehende Medienpräsenz, die sie schließlich veranlasste, ihren Wohnort zu wechseln.[16]

Für Aufsehen sorgte Stefan Raab, als er 2005 in einem Beitrag seiner Fernsehsendung TV total sagte, Sachsen sei so beliebt, dass einmal tausend Engländer auf einmal zu Besuch gekommen seien. Dies war eine Anspielung auf die Luftangriffe auf Dresden, bei denen im Jahr 1945 zwischen 22.700 und 25.000 Menschen ums Leben gekommen waren. Raab entschuldigte sich in einer schriftlichen Stellungnahme für die Äußerung, nachdem sich Sachsens damaliger Ministerpräsident Georg Milbradt mit den Worten „kein Dresdner, kein Sachse und kein Deutscher hat für diese bodenlose Geschmacklosigkeit Verständnis“ beim Fernsehsender ProSieben beschwert hatte.[17]

Nachdem der Fernsehsender RTL im Jahr 2007 Max Buskohl, einem Kandidaten von Deutschland sucht den Superstar, verboten hatte, in Raabs Fernsehsendung aufzutreten, präsentierte Raab ihn mit dem Kommentar „Seit 196 Tagen Gefangener von R. T. L.“[9] Damit spielte er auf die Schleyer-Entführung durch die Rote Armee Fraktion (RAF) im Jahr 1977 an. Die Entführer hatten damals ein Foto Hanns Martin Schleyers mit dem Schriftzug „Seit 20 Tagen Gefangener der R. A. F.“ veröffentlicht. Nach diesem Vorfall warf die Bildzeitung Raab vor, die Opfer der RAF zu verhöhnen und festigte so Raabs Ruf als Provokateur: „Raab ist das Böse im deutschen Fernsehen.“[18]

Seit dem Jahr 2004 gibt Stefan Raab der Bild-Zeitung keine Interviews, seit einigen Jahren auch dem Fernsehsender RTL nicht mehr.[19][20]

Klagen

Im Laufe seiner Karriere wurden zahlreiche Klagen gegen Stefan Raab erhoben, von denen einige auch der Öffentlichkeit bekannt wurden.[21]

Im Jahr 2003 machte sich Raab in seiner Fernsehsendung TV total über den Namen einer damals 16-jährigen Schülerin lustig und sagte ihr unter anderem gute Chancen im Pornogeschäft voraus. Sie verklagte daraufhin Stefan Raab und gab an, in Folge dieser „derben Späße“ obszöne nächtliche anonyme Anrufe zu erhalten und dem Spott ihrer Mitschüler und den Beleidigungen fremder Passanten ausgesetzt zu sein. Das Oberlandesgericht Hamm[22] verurteilte Raab schließlich wegen schwerwiegender Verletzung der Persönlichkeitsrechte zu 70.000 Euro Schadensersatz.[23][24][25]

Im September 2004 zeigte Stefan Raab in seiner Fernsehsendung einen Ausschnitt der hr-Nachrichten Hessen-Aktuell, in der eine damals 28-jährige Mutter aus Frankfurt zu sehen war, die die Schultüte ihrer gerade eingeschulten Tochter in der Hand hielt. Er kommentierte die Szene mit den Worten: „Unfassbar, oder? Die Dealer tarnen sich immer besser“, worauf er von der Mutter verklagt wurde. Nachdem die Klägerin zunächst mehrere Gerichts- und Berufungsverfahren verloren hatte, nahm sie in einem – auf eine Verletzung des Rechts am eigenen Bild gerichteten – Parallelverfahren ein Vergleichsangebot des Gerichts in Höhe von 20.000 Euro zusammen mit einem Entschuldigungsschreiben an und zog im Gegenzug diese Klage zurück.[26]

Im Juni 2008 wurden Stefan Raab und die Produktionsfirma Brainpool vom Bundesgerichtshof zur Zahlung einer Lizenzgebühr von 1.278,23 Euro pro angefangene Minute an die ARD verurteilt.[27] Grund dafür war die Ausstrahlung eines 20-sekündigen Ausschnittes des Hessischen Rundfunks in seiner Fernsehsendung TV total.[28] Im Juli 2008 verklagte der NDR die Produktionsfirma Brainpool auf 568.000 Euro, weil in Raabs Sendung TV total insgesamt 309 Ausschnitte aus NDR-Produktionen gezeigt worden waren.[29]

Stefan Raab selbst gewann eine Klage gegen den Musiker und Produzenten Moses Pelham. Raab hatte Pelham 1997 in einer Sendung mit „Möschen“ tituliert, unter anderem Interviews und Videoclips verulkt und die Zuschauer aufgefordert, gebastelte Moses-P-„Köpfe“ in die Sendung zu schicken. Pelham schlug Raab hinter den Kulissen der Echoverleihung 1997 ins Gesicht und brach ihm dabei das Nasenbein. Stefan Raab wurde ein Schmerzensgeld von 10.000 D-Mark zugesprochen, das er anschließend für einen guten Zweck spendete.[30]

Diskografie

Hauptartikel: Stefan Raab/Diskografie

Literatur

  • Andreas Hepp: Stefan Raab, Regina Zindler und der Maschendrahtzaun: Ein populäres Medienereignis als Beispiel der Eventisierung von Medienkommunikation. In: Andreas Hepp, Marco Höhn, Waldemar Vogelgesang (Hrsg.): Populäre Events. Medienevents, Spielevents, Spaßevents. 2., überarbeitete Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-15770-2, S. 37–112.
  • Stefan Raab: Raab Total. Das offizielle Stefan Raab Fanbuch. Aqua, 2001, ISBN 3-9806778-7-7.
  • Andrea Rungg, Lutz Knappmann: Raab total, in: Financial Times Deutschland vom 1. Juni 2010, S. 8.
  • Julia Wenmakers: Rechtliche Grenzen der neuen Formen von Satire im Fernsehen. Wo hört bei Stefan Raab und Harald Schmidt der Spaß auf?. Verlag Dr. Kovac, Hamburg 2009, ISBN 978-3-8300-4299-0.

Weblinks

 Commons: Stefan Raab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Wikinews Wikinews: Stefan Raab – in den Nachrichten

Einzelnachweise

  1. Stefan Raab. In: brainpool.de. Abgerufen am 26. März 2011.
  2. Stefan Raab wird zum zweiten Mal Vater. In: Welt Online. 15. September 2006, abgerufen am 26. März 2011.
  3. a b c Sigrid Eck: Der Tausendsassa. In: Werben & Verkaufen Nr. 10 vom 10. März 2005, Seite 46-48
  4. Entertainment: „Ich will immer gewinnen“. In: Spiegel Online. 25. Mai 2009, abgerufen am 26. März 2011 (Interview).
  5. Hepp (2010), ab Seite 38
  6. Das Unternehmen ültje. Abgerufen am 26. März 2011 (Abschnitt Der ültje-Hit: „Kaum steh ich hier und singe…“).
  7. Stefan Raab nascht Katjes. In: horizont.net. 19. Januar 1999, abgerufen am 26. März 2011.
  8. Spiegel-Gespräch mit Stefan Raab: „Wir verkaufen Spaß“. In: Spiegel Online. 13. Januar 2001, abgerufen am 26. März 2011 (Interview).
  9. a b c Holger Schramm: Musikcastingshows, in: Peter Moormann (Hrsg.): Musik im Fernsehen. Sendeformen und Gestaltungsprinzipien, 1. Auflage, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-531-15976-8, Seite 58
  10. Uwe Mantel: Stefan Raab und Gülcan moderieren „Comet“-Verleihung bei ProSieben. In: DWDL.de. 7. September 2005, abgerufen am 26. März 2011.
  11. Nach der Pool-Erregung: Lena Meyer-Landrut stellt „My Cassette Player“ vor. In: Welt Online. 6. Mai 2010, abgerufen am 26. März 2011.
  12. Alexander Kühn: Eurovision Song Contest 2011: Raab, Engelke und Rakers sind Lenas Gastgeber. In: Spiegel Online. 16. Dezember 2010, abgerufen am 26. März 2011.
  13. http://www.eurovision.tv/page/news?id=36603&_t=stefan_raab_ends_eurovision_career
  14. RSH-Gold Verleihung 1997
  15. RSH-Gold Verleihung 2000
  16. Torsten Berg: Achtung, Berliner. In: berlinonline.de. 27. Oktober 2003, abgerufen am 27. April 2011.
  17. Witze über Bombardierung Dresdens: Raab entschuldigt sich. In: Spiegel Online. 3. Februar 2005, abgerufen am 29. März 2011.
  18. Finis: Das Letzte: Über Stefan Raabs RAF-Satire-Darstellung. In: Zeit Online. 3. Mai 2007, abgerufen am 30. März 2011.
  19. Raab gegen „Bild“: Eine Frage der Ehre. In: FAZ.NET (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung). 9. Mai 2004, abgerufen am 26. Februar 2011 (letzter Absatz „Demonstration der Ohnmacht“).
  20. Hans Hoff: Lena-Entdecker Stefan Raab: Rotz und Ruhm. In: sueddeutsche.de. 1. Juni 2010, abgerufen am 26. Februar 2011.
  21. Wenmakers (2009)
  22. OLG Hamm, Urteil vom 4. Februar 2004 – AZ: 3 U 168/03; GRUR 2004, 970-975.
  23. Fall „Lisa Loch“: Raab zu 70.000 Euro Schadenersatz verurteilt. In: Spiegel Online. 4. Februar 2004, abgerufen am 30. März 2011.
  24. Raab muss endgültig 70.000 Euro an Lisa Loch zahlen – BGH weist Fall wegen mangelnder Bedeutung zurück. In: 123recht.net. 23. Dezember 2004, abgerufen am 30. März 2011.
  25. Lisa Loch: „Ich ging durch die Hölle“. In: tz-online.de. 7. März 2009, abgerufen am 30. März 2011.
  26. Beleidigungsklage: Raab spart 130.000 Euro. In: stern.de. 20. März 2006, abgerufen am 30. März 2011.
  27. BGH, Urteil vom 20. Dezember 2007 – AZ: I ZR 42/05; GRUR 2008, S. 693–697.
  28. Uwe Mantel: Schnipselgebühr: Brainpool bleibt gelassen nach „TV Total“-Urteil. In: DWDL.de. 26. Juni 2008, abgerufen am 30. März 2011.
  29. Uwe Mantel: „TV Total“-Streit: Brainpool soll 130.000 Euro an den NDR zahlen. In: DWDL.de. 11. Juli 2008, abgerufen am 30. März 2011.
  30. Rapper schlug Raab: 50.000 Mark. In: rhein-zeitung.de. 28. August 1998, abgerufen am 30. März 2011.


Vorgänger Amt Nachfolgerin
Sürpriz EuroAlemania.svg
Deutschland beim Eurovision Song Contest

2000
Michelle


Vorgänger Amt Nachfolger
Nadia Hasnaoui, Erik Solbakken und Haddy N’jie Moderator des Eurovision Song Contest
2011
zusammen mit Anke Engelke & Judith Rakers
--

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