Sinn und Sinnlichkeit (1995)


Sinn und Sinnlichkeit (1995)
Filmdaten
Deutscher Titel Sinn und Sinnlichkeit
Originaltitel Sense and Sensibility
Produktionsland USA, UK
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1995
Länge 136 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Ang Lee
Drehbuch Emma Thompson
Jane Austen (Roman)
Produktion Lindsay Doran
Musik Patrick Doyle
Kamera Michael Coulter
Schnitt Tim Squyres
Besetzung

Sinn und Sinnlichkeit ist ein Spielfilm des taiwanischen Regisseurs Ang Lee aus dem Jahr 1995. Die Romanvorlage, der englische Literaturklassiker „Sense and Sensibility“ („Verstand und Gefühl“) von Jane Austen, war zuvor bereits für zwei Fernsehversionen verfilmt worden, bevor er für die Kinoleinwand adaptiert wurde. Angelehnt an die Handlung des Romans spielt die Geschichte in der Zeit um 1800.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Als ihr Vater stirbt, sind die Tage der Schwestern Elinor und Marianne Dashwood auf ihrem herrschaftlichen Anwesen Norland Park in der südenglischen Grafschaft Sussex gezählt. Neuer Hausherr wird ihr Halbbruder aus der ersten Ehe des Vaters. Dessen hochmütige Frau Fanny will das Anwesen mit niemandem teilen. Elinor und Marianne ziehen bald mit ihrer Mutter und der jüngsten Schwester Margaret in eine andere Grafschaft, wo ihnen Sir John Middleton, ein wohlmeinender Cousin der Mutter, ein kleines Cottage auf seinem Landsitz Barton Park zur Verfügung stellt. Ihre Vermögensverhältnisse sind nun sehr beschränkt. Elinor hat sich mit dem Umzug auch schweren Herzens von Edward Ferrars, dem ältesten Bruder ihrer Schwägerin, verabschiedet: Die eben aufkeimende Zuneigung zwischen den beiden steht unter keinem guten Stern, da Edwards Mutter für den reichen Erben einer vornehmen Familie nur eine ebenso reiche Schwiegertochter akzeptieren würde - wie die argwöhnische Fanny Elinor nur zu gern wissen lässt.

Im Herrenhaus von Barton Park sind die Damen Dashwood immer herzlich willkommen; auch Mrs. Jennings, die Schwiegermutter Sir Johns, ist dort oft Gast. Nachdem sie ihre eigenen Töchter erfolgreich unter die Haube gebracht hat, möchte sie dies nun am liebsten auch mit allen anderen jungen Frauen in ihrer Umgebung tun. Colonel Brandon, ein weltgewandter, aber durch Schicksalsschläge etwas melancholisch gewordener Mittdreißiger, scheint genau die richtige Partie für Elinor zu sein. Der Colonel indessen verliebt sich sofort in die siebzehnjährige Marianne; das Bestreben, seine Gefühle wegen des großen Altersunterschiedes zu verbergen, ist nicht immer erfolgreich. Elinor bemerkt sein Unglück bald. Die impulsive Marianne aber begegnet dem Colonel nur mit der wenig schmeichelhaften Rücksichtnahme auf einen harmlosen älteren Herrn; sie selbst flirtet heftig mit dem jungen John Willoughby und verliebt sich so sehr, dass sie sich heimlich mit ihm verlobt glaubt. Umso härter trifft es sie, als Willoughby sich plötzlich ohne jede Erklärung zurückzieht.

Zur Aufheiterung lädt Mrs. Jennings Elinor und Marianne in ihr Stadthaus in London ein, um dort die winterliche Ballsaison zu verbringen. Das ersehnte Wiedersehen mit Willougby endet aber beinahe mit einem Eklat: Marianne trifft ihn auf einer großen Gesellschaft in Begleitung seiner Braut, einer sehr reichen Erbin. Mariannes Gesundheit ist nunmehr sehr labil. Elinor muss nun ihre Schwester wieder aufpäppeln, obwohl sie selbst mit Hiobsbotschaften in Liebesdingen zu kämpfen hat. Mit Lucy Steele ist eine gänzlich unvermutete Rivalin auf den Plan getreten: Sie ist weder reich und vornehm, noch gebildet oder wirklich freundlich, dafür aber umso fester entschlossen, Mrs. Edward Ferrars zu werden. Und sie hat die Moral auf ihrer Seite, denn ein sehr junger Edward ohne sinnvolle Beschäftigung hat sich einige Jahre zuvor heimlich mit ihr verlobt - und sein Heiratsversprechen in einem Brief fixiert. Die vernünftige Elinor springt über ihren eigenen Schatten und ermöglicht dem Paar die Heirat, indem sie ihnen ein Hilfsangebot Colonel Brandons übermittelt: eine kleine Pfarrstelle mit eigenem Haus auf seinem Landsitz Delaford. Edward, der sich lieber von seiner Mutter enterben lässt, als sein Heiratsversprechen zu brechen, nimmt das Angebot an.

Angesichts der angeschlagenen Gesundheit Mariannes beschließt Elinor, London mit ihrer Schwester zu verlassen. Bei der Rückkehr aufs Land hält sich die Gesellschaft für einige Tage auf dem Landsitz Cleveland der Familie Palmer auf; die dortige Hausherrin ist Mrs. Jennings' zweite Tochter. Gleich nach dem Eintreffen auf dem Palmerschen Landsitz läuft Marianne bei regnerischem Wetter auf einen Aussichtshügel, von wo sie den Landsitz des untreuen Willoughby sehen kann. Ihre dabei eingefangene Erkältung wächst sich schnell zu einer lebensgefährlichen Krankheit aus. Der besorgte Colonel Brandon holt die in Barton Park zurückgebliebene Mutter von Marianne nach Cleveland. Nach einigen Tagen können alle ins Cottage nach Barton zurückkehren, und es zeigt sich, dass Marianne mit der überstandenen körperlichen Krise auch seelisch gereift ist.

Nach einiger Zeit berichtet Thomas, der Diener der Dashwoods, von der Heirat des jungen Mr. Ferrars, und eines Tages erscheint dieser unerwartet selbst dort. Während des sehr stockenden Gespräches stellt sich heraus, dass es eine Mrs. Edward Ferrars gar nicht gibt: Lucy Steele fand den enterbten Erben nicht mehr begehrenswert und hat sich kurzentschlossen Edwards jüngeren Bruder Robert geangelt. Als daraufhin Elinor in Tränen ausbricht, gesteht Edward ihr seine Liebe.

In der abschließenden Szene des Films, die einige Monate später spielt, sieht man die Hochzeit von Colonel Brandon und Marianne. Dabei ist auch das frisch vermählte Ehepaar Edward und Elinor Ferrars anwesend.

Entstehungsgeschichte

Produzentin Lindsay Doran, die während ihres Collegestudiums auf Jane Austens Roman „Sense and Sensibility“ aus dem Jahr 1811 aufmerksam wurde, war schon nach dem ersten Mal Lesen davon überzeugt, dass die Geschichte geradezu prädestiniert wäre für eine filmische Umsetzung. Im Laufe von 10 Jahren las sie, auf der Suche nach einem geeigneten Autoren, unzählige Drehbuchentwürfe. Sämtliche eingereichten Vorschläge erschienen ihr jedoch nicht geeignet - entweder waren sie „zu höflich oder zu melodramatisch, zu modern oder zu obskur. Die komischen waren nicht romantisch genug, die romantischen waren nicht witzig.“

Nach langer Suche fand Doran bei den Dreharbeiten zu dem Film Schatten der Vergangenheit (1991) endlich in der Hauptdarstellerin Emma Thompson die Drehbuchautorin für das Projekt. Thompson, die ihr schriftstellerisches Talent schon beim Schreiben kurzer Sketche für ihre eigene TV-Show Thompson bewiesen hatte, war ebenso Feuer und Flamme für den Film wie Doran, da Jane Austen zu Thompsons Lieblingsautoren zählt. Ihr erster Entwurf bestand aus 300 handgeschriebenen Seiten - erst nach vier Jahren und vierzehn verschiedenen Entwürfen fand der kreative "Prozess" seine Vollendung. Thompson verzichtete auf mehrere Randfiguren, erfand stattdessen einige neue Szenen, um die Zeitumstände und den Charakter der Figuren besser einzufangen; z.B. die Szene, in der Edward und Elinor gemeinsam versuchen, die kleine Schwester Margaret mit einem Gespräch über Geographie aus ihrem Versteck unter dem Tisch hervorzulocken.

Am 19. April 1995 begannen die Dreharbeiten. Produzentin Lindsay Dorin hatte eine illustre Auswahl der seinerzeit besten britischen Schauspieler um sich geschart: Neben der Drehbuchautorin Emma Thompson für den Part der Elinor Dashwood und der noch unbekannten Kate Winslet in der Rolle der Marianne Dashwood waren dort Alan Rickman, Hugh Grant, Harriet Walter, Hugh Laurie, Imelda Staunton und Robert Hardy. Die fast dreimonatigen Dreharbeiten fanden in London statt und außerdem in verschiedenen Herrenhäusern im Westen Englands, beispielsweise im Saltram House in Plympton bei Plymouth.

Hintergrund

  • Das Sonett von William Shakespeare, das während des Films zitiert wird, ist das „Sonett Nr. 116“. Weitere Gedichte, die im Film Erwähnung finden, sind: „The Castaway“ von William Cowper, ein Sonett von Hartley Coleridge, sowie ein wenig von „Book V canto ii verse 39“ von Edmund Spensers „The Faerie Queene“.
  • Colonel Brandons Vorname wird in Jane Austens Roman nie erwähnt. Der Name „Christopher“, mit dem er den Begleitbrief für sein Geschenk an Marianne, ein Pianoforte, unterschreibt, ist eine Erfindung für den Film, genauso wie das Geschenk selbst; denn im Roman ist Mariannes Klavier neben Porzellan und Tafelsilber der wertvollste Haushaltsgegenstand, den die Dashwoods aus Norland nach Barton mitbringen. Es müsste ihr also niemand ein neues Instrument schenken.
  • Bevor ihm das Filmstudio Columbia Pictures Emma Thompsons Drehbuch schickte, hatte Regisseur Ang Lee Jane Austens Roman noch nie gelesen.
  • Ursprünglich sollte der britische Schauspieler und Regisseur Kenneth Branagh an dem Projekt mitwirken (das Paar Thompson/Branagh trennte sich jedoch zu der Zeit).
  • Nur die bei den Dreharbeiten neunzehnjährige Kate Winslet entsprach ungefähr dem Alter der laut Roman siebzehnjährigen Marianne. Die übrigen Darsteller übertrafen das Alter ihrer Rollen zum Teil um mehrere Jahrzehnte: Die angeblich neunzehnjährige Elinor wurde von der vierunddreißigjährigen Emma Thompson gespielt, Alan Rickman war statt Mitte dreißig bereits neunundvierzig, und der siebzigjährige Robert Hardy stellte einen Sir John Middleton dar, der laut Roman vierzig Jahre und damit ebenso alt war wie Elinors Mutter.

Kritik

„Brillant und amüsant. Ein herrlicher, romantischer Genuss für alle Liebenden.“

Jamie Bernard: „New York Daily News“

„Ein mit grandiosen Landschaftsaufnahmen und glanzvollen schauspielerischen Leistungen aufwartender Film.“

„Film-dienst“

„Humorvolles Drama über zwei Schwestern, die aus dem englischen Standesdünkel im 19. Jahrhunderts ausbrechen wollen.“

„DVD & Video Report“

„Regisseur Ang Lee, der mit der eleganten Satire Das Hochzeitsbankett das westliche Publikum im Sturm gewann, erweist sich in Sinn und Sinnlichkeit als Meister der Charakterzeichnung, der mit viel Humor die versteckten Gefühle seiner Protagonisten aufdeckt. Emma Thompson (Carrington), die auch das Drehbuch verfaßte, überzeugt als vernunftbetonte Elinor, während die schöne Kate Winslet wie eine geborene Romantikerin anmutet. Ein köstlicher Kostümfilm für Freunde der gehobenen Unterhaltung.“

„VideoWoche“

„Ein delikater, visuell eindrucksvoller Ausflug ins Revier James Ivorys, der sich mühelos mit dessen besten Arbeiten messen kann.“

„Blickpunkt: Film“

Auszeichnungen

1996 galt Sinn und Sinnlichkeit mit sieben Nominierungen als einer der großen Favoriten für die Oscar-Verleihung, nachdem das Werk zuvor mit dem Golden Globe Award und dem British Academy Film Award als bestes Drama bzw. Film des Jahres ausgezeichnet worden war. Bei den Academy Awards unterlag jedoch Ang Lees Drama in den wichtigen Kategorien Mel Gibsons Historienepos Braveheart, das mit fünf Oscars ausgezeichnet wurde, darunter auch in den Kategorien Film und Regie. Lediglich Emma Thompson gewann den Oscar für ihre Drehbuchadaption des Jane-Austen-Romans.

Oscar 1996

  • Bestes adaptiertes Drehbuch

Weiterhin nominiert in den Kategorien

  • Bester Film
  • Beste Hauptdarstellerin (Emma Thompson)
  • Beste Nebendarstellerin (Kate Winslet)
  • Beste Kamera
  • Beste Filmmusik
  • Beste Kostüme

British Academy Film Awards 1996

  • Bester Film
  • Beste Hauptdarstellerin (Emma Thompson)
  • Beste Nebendarstellerin (Kate Winslet)

Nominiert in den Kategorien

  • Beste Regie
  • Bester Nebendarsteller (Alan Rickman)
  • Beste Nebendarstellerin (Elizabeth Spriggs)
  • Bestes adaptiertes Drehbuch
  • Beste Musik
  • Beste Kamera
  • Beste Ausstattung
  • Beste Kostüme
  • Bestes Make-Up/Haarstyling

Golden Globe 1996

  • Bester Film - Drama
  • Bestes adaptiertes Drehbuch

Nominiert in den Kategorien

  • Beste Regie
  • Beste Hauptdarstellerin - Drama (Emma Thompson)
  • Beste Nebendarstellerin (Kate Winslet)
  • Beste Filmmusik

Weitere

Berlinale 1996

Literatur

  • Jane Austen: Verstand und Gefühl. Roman (Originaltitel: Sense and Sensibility). Deutsch von Ursula und Christian Grawe. Nachwort und Anmerkungen von Christian Grawe. Reclam, Leipzig 2001, 410 S., ISBN 3-379-01733-7
  • Jane Austen: Sense and Sensibility (Dover Thrift Editions), 1996 Dover Publications, ISBN 0-486-29049-2 (engl. Ausgabe)
  • Emma Thompson: The Sense and sensibility screenplay & diaries: bringing Jane Austen's novel to film. New York: Newmarket Press, 1995. ISBN 1-55704-260-8 (engl. Ausgabe)
  • Martina Anzinger: Gainsborough pictures reframed or: raising Jane Austen for 1990s film. A film historic and film analytical study of the 1995 films „Sense and sensibility“ and „Persuasion“. European university studies, Series 14, Anglo-Saxon language and literature, Vol. 397. Lang, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, Brüssel, New York, Oxford und Wien 2003, 234 S., [ Diplomarbeit, 2001], ISBN 3-631-50199-4 oder ISBN 0-8204-6053-2

Weblinks


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