Christine Lagarde


Christine Lagarde
Christine Lagarde (2009)

Christine Madeleine Odette Lagarde (* 1. Januar 1956 in Paris) ist eine französische Politikerin (UMP) und Rechtsanwältin. Seit Juli 2011 ist sie die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF).[1][2] Von Juni 2007 bis Juni 2011 war sie Wirtschafts- und Finanzministerin in der Regierung von Premierminister François Fillon. Sowohl beim IWF als auch in der französischen Regierung ist sie die erste Frau auf der jeweiligen Position.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Christine Lagarde (geb. Lallouette) wurde 1956 als ältestes der vier Kinder von Robert Lallouette († 1973) und dessen Frau Nicole (geb. Carre) in Paris geboren. Zusammen mit ihren drei Geschwistern Luc, Rémy und Olivier wuchs sie in Le Havre, Normandie auf. Ihr Vater arbeitete als Dozent für Literatur an der Universität Rouen, ihre Mutter als Lehrerin. In ihrer Jugend gehörte sie der französischen Nationalmannschaft der Synchronschwimmer an; sie gewann eine Bronzemedaille bei den französischen Meisterschaften.[3][4][5] Kurze Zeit nach dem Abitur am Lycée Claude Monet in Le Havre und dem Tod ihres Vaters ging Lagarde 1974 mit einem AFS-Stipendium[5] an die Holton-Arms School, einer Mädchenschule in Bethesda, Maryland, USA.

Nach der Rückkehr nach Frankreich absolvierte Lagarde ein Studium im Fach Sozialrecht am Institut d’études politiques d’Aix-en-Provence und schloss mit einem DESS ab. Zur Vorbereitung auf das Studium an der École nationale d’administration (ENA) besuchte sie anschließend das Institut d’études politiques de Paris (auch bekannt als Sciences Po) und die Université Paris X-Nanterre (Universität Paris-Nanterre). Sie verfehlte jedoch zweimal die Aufnahmeprüfung für die ENA. Schließlich machte sie einen MA in Englisch, einen Master of Business Law und ein Diplom in Arbeitsrecht an der Universität Paris X-Nanterre.[6] Zwischendurch hospitierte sie am US-Kongress im Büro von William Cohen.

Nach ihrem Studium trat Lagarde 1981 als Rechtsanwältin in das Pariser Büro der Kanzlei Baker & McKenzie ein. Von 1999 bis 2004 war sie Präsidentin der Geschäftsführung und ab 2004 Vorsitzende des Global Strategy Committee von Baker & McKenzie in Chicago (USA). Von 1995 bis 2002 war sie außerdem Mitglied der Denkfabrik Center for Strategic and International Studies (CSIS), wo sie gemeinsam mit Zbigniew Brzezinski das Aktionskomitee USA-EU-Polen anführte und sich speziell in der Arbeitsgruppe Rüstungsindustrie USA-Polen (1995-2002) engagierte, die Fragen im Zusammenhang mit der Liberalisierung des Handels mit Polen behandelte. Im Jahr 2003 war sie auch Mitglied der Euro-Atlantic Action Commission in Washington.[7]

Christine Lagarde bei einem Treffen der UMP (2010)

Von Juni 2005 bis Mai 2007 war Lagarde beigeordnete Ministerin für Außenhandel in der Regierung de Villepin. Vom 18. Mai bis zum 19. Juni 2007 war sie Ministerin für Landwirtschaft und Fischerei in der Regierung Fillon (siehe Kabinett Fillon II). Von einer Regierungsumbildung am 19. Juni 2007 bis zum 29. Juni 2011 war sie Ministerin für Wirtschaft und Finanzen. Ihr Nachfolger ist François Baroin.

In Paris wird ihr derzeit Amtsmissbrauch vorgeworfen. Sie soll sich in einem Entschädigungsverfahren vorschnell auf einen Vergleich mit dem französischen Geschäftsmann Bernard Tapie eingelassen haben.[8] Lagarde bestreitet dies.[9] Der Gerichtshof der Republik (Cour de justice de la République) hat am 4. August 2011 entschieden, ein Ermittlungsverfahren wegen Amtsmissbrauchs gegen Lagarde zuzulassen. Das Gericht gab einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt.[10][11][12] Zwei Wochen darauf eröffnete die französische Justiz formell ein Ermittlungsverfahren gegen Lagarde.[13]

Seit dem 5. Juli 2011 ist Lagarde die geschäftsführende Direktorin des IWF.

Privates

Christine Lagarde ist geschieden und Mutter von zwei Söhnen, Pierre-Henri Lagarde (* 1986) und Thomas Lagarde (* 1988). Seit 2006 ist der Unternehmer Xavier Giocanti aus Marseille ihr Lebensgefährte.[14][15]

Auszeichnungen

Lagarde wurde vom Forbes Magazin im Jahr 2009 auf Platz 17 der mächtigsten Frauen der Welt eingestuft[16] und von der Financial Times als bester Finanzminister des Euro-Währungsgebiets 2009 geehrt.[17] Seit 2000 ist sie Mitglied der französischen Ehrenlegion.[18]

2007 wurde sie von der Académie de la Carpette anglaise dafür gerügt, mit ihrem Stab zeitweise Englisch statt Französisch zu sprechen.

Weblinks

 Commons: Christine Lagarde – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Spiegel-Online 28. Juni 2011: Französin Lagarde wird neue IWF-Chefin
  2. faz.net 28. Juni 2011: Neue Direktorin des IWF. Lagarde springt wieder ins kalte Wasser
  3. Die Zeit 26. März 2010: Madame mit Courage
  4. faz.net 29. Mai 2011: Die Auserwählte
  5. a b La Tribune 1. Oktober 2010: Interview : Christine Lagarde, la face cachée d'une femme de pouvoir
  6. [1] Consulfance: Biography of Christine Lagarde Minister for Foreign Trade (englisch)
  7. Euro-Atlantic Action Commission, Plenarversammlung 17. Februar 2005 (englisch)
  8. Deutschland will Lagarde an der IWF-Spitze 21. Mai 2011
  9. zeit.de 22. Mai 2011: Unterstützung für Lagarde als IWF-Chefin wächst
  10. Meldung Le Monde vom 4. August 2011, abgerufen am 4. August 2011
  11. Spiegel-Online 4. August 2011: Ermittlungen gegen IWF-Chefin
  12. Spiegel-Online 4. August 2011: Französische Justiz ermittelt gegen IWF-Chefin
  13. Verfahren gegen IWF-Chefin Lagarde eröffnet in: Schweizer Fernsehen vom 17. August 2011
  14. Republique française: Biographie (französisch)
  15. Paris Match: Xavier Giocanti, le mari de... Christine Lagarde 26. Juli 2010 (französisch)
  16. The 100 Most Powerful Women 19. August 2009 (englisch)
  17. FT ranking of EU finance ministers 16. November 2009 (englisch)
  18. EC Economic and Financial Affairs: Christine Lagarde 5. Absatz (englisch)

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