Heinz Kluth


Heinz Kluth

Heinz Kluth (* 18. Juli 1922 in Lychen (Uckermark); † 28. Dezember 1977 in Hamburg) war ein deutscher Soziologe.

Leben und Wirken

Nach einem Studium der Soziologie, Geschichte, Volkswirtschaftslehre und Philosophie in Berlin (1946–49 Humboldt-Universität zu Berlin, 1949–52 an der Freien Universität bei Alfred Vierkandt, Gottfried Eisermann, Hans-Joachim Lieber und Otto Stammer) promovierte beim Letzteren 1952 zum Dr. phil. (Dissertation: Der arbeitslose Jugendliche in seinen Bindungen an die außerfamiliäre gesellschaftliche Umwelt).

1952–53 arbeitete er als Assistent von Helmut Schelsky an der Hamburger Akademie für Gemeinwirtschaft und 1953–56 dann am Seminar für Soziologie der Universität Hamburg. 1956 habilitierte er sich dort mit der Studie Sozialprestige und sozialer Status für Soziologie – mit stark strukturfunktionalistischem Ansatz: „Sozialprestige“ ist ihm nach eher „zugeschrieben“ (ascribed), sozialer Status eher „erworben“ (achieved).

Soziologie“ war für Heinz Kluth eine empirisch und analytisch zu betreibende Fachwissenschaft. Zu Grunde lag bei ihm ein – wohl über Eisermann vermitteltes – eher paretianisches Menschenbild, dem zufolge der Mensch überhaupt nur vermöge einer gewissen sozialen Integration für sich selbst eine Identität gewinnen könne. Empirisch gehörte er in der jungen Bundesrepublik zu den Pionieren der Technik-, Industrie- und Betriebssoziologie.

In Hamburg wirkte er als Ordentlicher Professor von 1961 bis zu seinem Krebstod 1977. Als akademischer Lehrer war er liberal, mit weitem Horizont und stoffreich; und er nahm noch auf dem Totenbett akademische Prüfungen ab.

Mit der Wirtschaftskrise der 1990er Jahre wurden seine während des „Wirtschaftswunders“ vergessenen Untersuchungen zu Arbeitslosigkeit und Berufsnot der Jugendlichen wieder fruchtbar.

Ausgewählte Publikationen

  • 1952: Die Gemeinschaftsfähigkeit des arbeitslosen Jugendlichen
  • 1955: „Arbeiterjugend – Begriff und Wirklichkeit“, in: H. Kluth/U. Lohmar/R. Tartler (Hgg.), Arbeiterjugend gestern und heute
  • 1957: Sozialprestige und sozialer Status, Enke, Stuttgart
  • 1963: Die Bildungsfrage in der modernen Arbeitswelt
  • 1966: Freizeit im Schatten der industriellen Arbeit
  • 1968: Soziologie der Großbetriebe
  • 1973: Soziologie

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Kluth — ist der Name folgender Personen: Gesa Kluth (* 1970), deutsche Wolfsforscherin Heinz Kluth (1922–1977), deutscher Soziologe Käthe Kluth (1899–1985), deutsche Anglistin und Hochschullehrerin Karl Kluth (1898−1972), deutscher Maler Mechthild Kluth… …   Deutsch Wikipedia

  • Heinz Schrand — (* 1926 in Hamburg) ist ein zeitgenössischer Maler, Grafiker und Bildhauer, der sich in seinen Ausdrucksformen an realistischen Tendenzen orientiert. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werk 3 Öffe …   Deutsch Wikipedia

  • Reinhard Kluth — (* 31. Juli 1950 in Dülken) ist ein deutscher Kirchenmusiker. Kluth studierte Kirchenmusik an der Robert Schumann Hochschule Düsseldorf. 1976 legte er sein Examen ab, 1978 die künstlerische Reifeprüfung. Seine Lehrer waren Jürg Baur, Hans Dieter… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Kl — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Liste von Soziologen — Bekannte Soziologen und Soziologinnen Sachbeiträge zur Soziologie siehe auf der zugehörigen Themenliste und der Liste bahnbrechender soziologischer Publikationen; allgemein ist auf das Portal:Soziologie zu verweisen. A Esko Aaltonen Nermin Abadan …   Deutsch Wikipedia

  • Arbeiterfamilie — Unter Arbeiterkindern werden, neben der reinen Wortbedeutung „Kinder von Arbeitern“, Kinder oder Jugendliche mit Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht verstanden, die über geringeres Einkommen, Ansehen und Bildungschancen verfügen. Der Begriff… …   Deutsch Wikipedia

  • Arbeiterkind — Unter Arbeiterkindern werden, neben der reinen Wortbedeutung „Kinder von Arbeitern“, Kinder oder Jugendliche mit Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht verstanden, die über geringeres Einkommen, Ansehen und Bildungschancen verfügen. Der Begriff… …   Deutsch Wikipedia

  • De Fetzer — Allgemeine Informationen …   Deutsch Wikipedia

  • Sozialstatus — Sozialer Status bezeichnet in Soziologie wie in Sozialpsychologie eine soziale Position innerhalb einer sozialen Struktur oder die Zuordnung derselben zu einem System sozialer Rangordnung. Soziale Struktur ist als ein Netzwerk aufeinander… …   Deutsch Wikipedia

  • Die einsame Masse — David Riesman (* 22. September 1909 in Philadelphia; † 10. Mai 2002 in Binghamton (New York)), war ein US amerikanischer Soziologe und Erziehungswissenschaftler. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Werk 2.1 The Lonely Crowd …   Deutsch Wikipedia