Landgraf


Landgraf
Friedrich III., der Strenge, Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen, Historiengemälde des 19. Jahrhunderts auf der Albrechtsburg in Meißen

Der Landgraf (lat.: comes provincialis, comes patriae, comes terrae, comes magnus, comes provinciae, comes principalis, lantgravius) ist ein Fürstentitel und steht damit über dem normalen Grafenstand. Im Heiligen Römischen Reich waren spätestens ab dem Spätmittelalter Land-, Mark- und einige Pfalzgrafen dem Reichsfürstenstand angehörig und damit den Herzögen faktisch gleichgestellt.

Inhaltsverzeichnis

Entwicklung der Landgrafenwürde

Anfänglich war der Landgraf ein hoher königlicher bzw. kaiserlicher Amtsträger, der ein Herrschaftsgebiet, ursprünglich innerhalb der Reichsgrenzen gelegen, unmittelbar vom deutschen König zum Lehen hatte. Hierbei lag keine Vermittlung eines Herzogs, Bischofs oder Pfalzgrafen vor. Landgrafschaften waren primär politische Schöpfungen, um die Macht der bis dato allmächtigen Stammesherzöge abzuschwächen.

Am bedeutendsten waren im Hohen Mittelalter die Landgrafen von Thüringen, deren Landgrafentitel durch die Nachfahren der Heiligen Elisabeth im Haus Hessen von Thüringen ins benachbarte Hessen „einwanderte“, während der Landgrafentitel in Thüringen selbst, nach dem Herrschaftsantritt durch das Wettiner Herzogenhaus, vom Titel eines Herzogs von Sachsen überdeckt wurde. In Thüringen scheint der landgräfliche Titel auf den Vorsitz der Grafen im Landfriedensgericht zurückzugehen.[1]

Im Jahre 1292 wurde die neugegründete Landgrafschaft Hessen vom Kaiser als Reichsfürstentum bestätigt. Die Brabanter Linien in Hessen – das Haus Hessen – führten bis ins 19. Jahrhundert den Landgrafentitel, bevor der Landgraf von Hessen-Kassel 1803, nach Beschluss des Reichsdeputationshauptschlusses, vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches mit der Würde eines Kurfürsten bedacht wurde. Der Landgraf von Hessen-Darmstadt wurde durch Napoleon I. zum Großherzog erhoben. Die Fürsten nannten sich fortan Kurfürst, respektive Großherzog und souveräner Landgraf. Die zeitweilig an Darmstadt zurückgefallene Landgrafschaft Hessen-Homburg wurde 1817 als souveränes Fürstentum im Deutschen Bund wiederhergestellt. Als 1866 der dortige regierende Landgraf kinderlos verstarb, fiel die Landgrafschaft Hessen-Homburg endgültig an das Großherzogtum Hessen (Darmstadt) zurück. Im selben Jahr wurde, infolge des Preußisch-Österreichischen Krieges, Kurhessen durch Preußen annektiert und das Territorium Hessen-Homburg fiel ebenfalls an das Königreich Preußen.

Im Haus Hessen wird schließlich ab 1920, nach dem Verlust der Kurfürsten- bzw. Großherzogstitel, heute wieder der Name Prinz und Landgraf von Hessen getragen. Jedoch nur der jeweilige Chef des Hauses tritt in der Öffentlichkeit auch als Landgraf von Hessen auf, alle anderen Familienmitglieder bezeichnen sich öffentlich als Prinz oder Prinzessin von Hessen.

Übersicht über die Landgrafschaften

Einzelnachweise

  1. http://www.regionalgeschichte.net/hauptportal/bibliothek/glossar/alphabet/a/adel.html

Literatur

  • Theodor Mayer: Über Entstehung und Bedeutung der älteren deutschen Landgrafschaften. Mittelalterliche Studien – Gesammelte Aufsätze, ed. F. Knapp (Sigmaringen 1958) 187–201. Auch in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanische Abteilung 58 (1938) 210–288.
  • Theodor Mayer: Herzogtum und Landeshoheit, Fürsten und Staat. Studien zur Verfassungsgeschichte des deutschen Mittelalters (Weimar 1950) 276–301.
  • T. Eichenberger: Patria. Studien zur Bedeutung des Wortes im Mittelalter (6.–12. Jahrhundert). Nationes – Historische und philologische Untersuchungen zur Entstehung der europäischen Nationen im Mittelalter 9 (Sigmaringen 1991).
  • F.J. van Droogenbroeck: De betekenis van paltsgraaf Herman II (1064-1085) voor het graafschap Brabant. Eigen Schoon en De Brabander 87 (Brüssel 2004) 1–166.

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