Stolz

Stolz

Stolz, Alban, einer der geistvollsten und originellsten Schriftsteller der Gegenwart, als Volksschriftsteller würdig neben Hebel u. Bitzius stehend, von Beiden übrigens hinsichtlich der Welt- und Lebensanschauung, Grundtendenz und Darstellung sehr verschieden, wurde geb. 1808 in der Amtsstadt Bühl im badischen Mittelrheinkreis, studierte zu Rastatt, alsdann auf der Hochschule Heidelberg Philologie u. Philosophie, endlich in Freiburg i. B. Theologie u. wurde 1833 zum Priester geweiht. Nachdem er eine Reihe von Jahren in der Pastoration zugebracht und kurze Zeit Gymnasiallehrer zu Bruchsal gewesen und der erste Jahrgang seines berühmten »Kalenders für Zeit u. Ewigkeit« erschienen war, kam er 1843 als Repetent an das neuerrichtete theol. Convict zu Freiburg. Er leitete von 1845 an als provisorisch er Director diese Anstalt u. wurde 1847 Professor der praktischen Theologie an der Freiburger Universität, in welcher Stellung er noch gegenwärtig als einer der hervorragendsten Lehrer wirkt. Hatte schon der erste Jahrgang seines Kalenders, die »Mixtur gegen Todesangst« (9. Aufl. 1854), ihn in die Reihe jener wenigen kath. Schriftsteller gestellt, welche die prot. Kritik und Afterkritik nothgedrungen nicht mit Stillschweigen übergehen konnte, so fand die Glaubensbegeisterung, Entschlossenheit und Schärfe, mit welcher S. dem seit 1844 Lärm machenden Rongeunwesen in einer Zeit entgegentrat, wo es noch mißlich und mitunter gefährlich war, als glaubenstreuer Katholik öffentlich aufzutreten, einen um so bessern Erfolg; seine hieher gehörenden Flugschriften (der neue Kometstern mit seinem Schweif, 6. Aufl. Freib. 1845) haben unberechenbar viel Gutes gestiftet. Ein glänzendes Zeugniß wissenschaftlicher Tüchtigkeit als Theologe liegt in S.ens »Katechetischer Auslegung des Freiburger Diöcesan-Katechismus (Hirscher'schen Katechismus) für Geistliche, Lehrer und Eltern« Freib. 1847, 3 Bde., von denen der 2. u. 3. 1848 neu aufgelegt werden mußten; ebenso in der Art u. Weise, wie er 1851 seine Fehde mit dem Heidelberger Professor Schenkel über die Abendmahlslehre, veranlaßt durch ein Schriftchen: »Diamant oder Glas« (10. Aufl. Freib. 1854), das S. den Umtrieben der Pietisten im Großherzogthum Baden entgegengesetzt hatte, führte u. schloß (Die Klinge ohne Heft, 2. Aufl. Freib. 1851). Vornämlich durch den »Kalender für Zeit u, Ewigkeit«, welchen er bis 1818 schrieb, steht S. in der deutschen Nationalliteratur in der vordersten Reihe der wenigen eigentlichen Volksschriftsteller, welche tiefpoetischen Gehalt mit einer durch u. durch volksthümlichen Form verbinden, und ist zugleich ein Hauptrepräsentant der wiedererstandenen ächten Mystik des Mittelalters in zeitgemäßer Form; die einzelnen Jahrgänge (1843, das Menschengewächs 1844, ein halbes Vaterunser mit ungeschliffenen Zierrathen besetzt 1845. gib uns heute unser tägliches Brod und sonst nichts 1846, Essig u. Oel 1847) sind zu mehr geworden als zu Volksbüchern im gewöhnlichen Sinne, denn sie befinden sich in hunderttausend katholischen u. protestantischen Häusern deutscher und fremder, besonders slavischer Zunge, wurden im Buchhandel freigegeben und erleben noch immer neue Auflagen. Auch seine »Legende«, worin die auf Verbesserung der Lebenszustände im christlichen Sinne gerichtete Haupttendenz des Verfassers vorherrscht und welche einen vom Kalenderton wesentlich abweichenden anschlug, erfreut sich einer weiten Verbreitung und ist jetzt (Spätjahr 1856) bis zum Monat Juli einschließlich vorwärts gekommen. Die erste Hauptfrucht der weiten Reisen, welche S. schier von Jahr zu Jahr zu unternehmen pflegt, war die originelle Schrift: »Spanisches für die gebildete Welt« Freib. 1853 (jetzt in 3. Aufl. erscheinend); man mag zugeben, daß hier wie in den Kalendern sittlicher Zorn den Verf. mitunter ohne Wissen u. Wollen zu Einseitigkeiten u. Vorurtheilen fortreiße, die er allzu schroff ausdrückt; die satirischen Ausfälle u. Hiebe gegen das Silbenstecher- u. Professorenthum, gegen die Abgötterei, welche mit dem classischen Alterthum getrieben wird, gegen weibliche Verbildung, Rafael und Schiller u.s.w. mögen da u. dort Anstoß finden, aber ein im Ganzen sehr günstiges Urtheil über das Werk steht fest u. der Verfasser hat glänzend dargethan, daß er auch im Stande sei, für die »Gebildeten« und »Aufgeklärten« zu schreiben. 1855 unternahm S. eine Pilgerfahrt nach Jerusalem, deren Beschreibung dem Vernehmen nach in Bälde erscheint. – Nicht unter die geringsten Verdienste S.ens gehört, daß er der Gründer und Vorstand eines Gesellenbundes geworden ist, der bis 1856 der einzige blieb, welcher im Großherzogthum Baden aufzukommen vermochte.


http://www.zeno.org/Herder-1854.

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