Gott

Gott

Gott. Nicht durch sich selbst kann das All entstanden sein. Vom Staube bis zum Sterne, vom Funken bis zum Feuerblitze, vom Thautropfen bis zum Meere, vom Mooshaar bis zu den Urwäldern, vom Wurme bis zum Menschen: irgend eine Kraft, gewaltig und liebend, muß Alles durchhaucht und geordnet haben. – Dieß die Ahnung des Menschen, sobald er gelangt ist zu freiem Selbstbewußtsein. Da nun aber der Mensch von der Urzeit her nur allmälig von dem Unvollkommenen zu dem Vollkommneren sich heranbildete, so konnte sich auch die Idee von einer Gottheit nur nach und nach heran und heraus bilden. Auch war es natürlich, daß diese Idee sich überall nach dem Klima anders gestaltete und nach dem Charakter der Menschen sich formte. Ob daher wohl unter allen Völkern der Erde kein Einziges zu finden ist, dem der Glaube an eine Gottheit völlig mangelt, so ist doch derselbe eben so mannichfaltig aufgefaßt worden, als die Bildung der Menschen verschieden war, die ihn erfaßt haben. Bald wurden bloße Naturkräfte als persönliche Wesen, als Götter betrachtet und verehrt. Bald wurde – selbst von ausgezeichneten Philosophen – das Weltall als die Gottheit gedacht. Besonders aber nahm man Gott als ein Wesen an, das den Grund seines Daseins in sich selbst trägt, und dessen unendlicher Verstand und heiliger Wille der Ursprung ist von dem Dasein der Welt und ihrer Einrichtung und von dem Erlangen alles Glücks. Und eben diese Idee von Gott, dem Schöpfer der Welt, dem Regierer und Gesetzgeber derselben ist das Höchste, was die menschliche Vernunft erreichen kann. Sie ist der Fittig des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung, der Fittig, der unsern Willen trägt wie unsere That, unsern Segen wie unsern Fluch. – Wir übergehen die verschiedenen Beweise, welche man für das Dasein der Gottheit geführt hat. Der sicherste ist ja leicht zu finden. Er läßt sich heben aus dem Dasein und der Ordnung der Welt. Er läßt sich vollenden durch Herz und gesunde Vernunft. Uebrigens vergleiche man die Artikel: Aberglaube, Abgott, Abgötterei, Atheismus.

–t–


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

Synonyme:

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gott — may refer to: * Gott, Shetland, a village in the Shetland IslandsGot or GOT may refer to: * got, the Gothic language (its ISO 639 2 code) * GOT, a Philadelphia rockband from the late 1990 s. * GOT , the IATA Airport Code for Gothenburg Landvetter …   Wikipedia

  • Gott — Sm std. (8. Jh.), mhd. got, ahd. got, as. god Stammwort. Aus g. * guþ Gott , ursprünglich offenbar ein Neutrum, dann bei der Übertragung auf den christlichen Gott allgemein zum Maskulinum geworden; auch in gt. guþ (Wurzelnomen), anord. gođ, guđ m …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • Gött — ist der Familienname folgender Personen: Emil Gött (1864–1908), deutscher Schriftsteller Johann Gött (1810–1888), Drucker in Transsylvanien Diese Seite ist eine Begriffsklärung zur Unterscheidung mehrerer mit demselben Wort be …   Deutsch Wikipedia

  • Gott — Gott: Mhd., ahd. got, got. guÞ, engl. god, schwed. gud gehen zurück auf germ. *guđa »Gott«, das ursprünglich sächliches Geschlecht hatte, weil es männliche und weibliche Gottheiten zusammenfasste. Nach der Christianisierung wurde das Wort im… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Gott — [Basiswortschatz (Rating 1 1500)] Bsp.: • Gott sei Dank sind sie endlich gekommen! …   Deutsch Wörterbuch

  • Gott. — Gott. Gottingen Культурология. XX век. Энциклопедия. 1998 …   Энциклопедия культурологии

  • Gott — Gott, s. Trinität …   Herders Conversations-Lexikon

  • Gott —  Gott Jetta …   Hochdeutsch - Plautdietsch Wörterbuch

  • gott — obs. form of gote, gut …   Useful english dictionary

  • Gott — 1. Ach du grosser Gott, was lässt du für kleine Kartoffeln wachsen! – Frischbier2, 1334. 2. Ach Gott, ach Gott, seggt Leidig s Lott, all Jahr e Kind on kein Mann! (Insterburg.) – Frischbier2, 1335. 3. Ach, du lieber Gott, gib unserm Herrn ein n… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”