Mariamne

Mariamne

Mariamne, die Anna Boleyn der Hebräer, Enkelin des Hirkanus, eines der letzten Schattenkönige Israels. Aus Politik, um das asmonäische Haus mit dem idumäischen zu verbinden, wurde die schöne, sanfte und tugendhafte Mariamne an Herodes, den Sohn des Idumäers Antipater, vermählt. Letzterer hatte sich von den damaligen Herrn der Welt, den Römern, die Herrschaft über Palästina erschlichen, und um sich diese für die Folge zu sichern, vermittelte er die Verbindung mit dem Sprößling eines Königshauses, das durch seine Ansprüche dem Ehrgeiz. der Idümäer immer noch gefährlich werden konnte. Herodes, auf Judäa's Throne, von Schmeichlern der Große genannt, hatte kaum den uneingeschränkten Schutz der Römer gewonnen, so schritt er als ein Würgengel durch das Haus der Asmonäer. Erst tödtete er den Aristobul, Mariamnens Bruder, dem er auf ihre Bitten kurz zuvor die oberpriesterliche Würde verliehen. Ein gleiches Loos traf alle männlichen Glieder der asmonäischen Dynastie. Vor den römischen Kaiser berufen, um sich deßhalb zu rechtfertigen, übergab er Mariamne der Aufsicht seines Schwagers Joseph, und trug ihm auf, für den Fall, daß er aus der Gewalt der Römer nicht wieder kehren sollte, sie zu tödten. Denn der Wütherich liebte seine Gemahlin, wollte mit ihr leben und sterben, und kein Mann sollte sie nach seinem Tode besitzen. Joseph war so unvorsichtig, das Geheimniß seines blutigen Auftrages Mariamnen zu verrathen. Von diesem Augenblicke an faßte das zarte, gefühlvolle Weib einen Abscheu gegen den herzlosen Gemahl. Herodes kehrte zurück, ahnete den Zusammenhang der Dinge, ließ Joseph ermorden und wollte selbst Mariamne tödten. Doch siegte die Liebe, und er begnügte sich, sie sammt ihrer Mutter in das Schloß Alexandrine als Gefangene zu setzen. Bald darauf reiste er, da der Kaiser gestorben war, in das römische Lager, um sich der Protection des neuen Imperators zu versichern. Sein Favorit Soeine hatte den Auftrag, die Prinzessinnen zu bewachen und sie, für den Fall seiner Nichtwiederkehr, zu tödten. Mariamne empfing den glücklich heimgekehrten Herodes mit Kälte, seinen Liebkosungen setzte sie bittere Vorwürfe entgegen. Dieß empörte den Tyrannen, und Mariamnens Feinde, seine Stimmung benutzend, verbreiteten das Gerücht, die sanfte, bis dahin liebevolle Gattin habe ihn vergiften wollen. Einem Eunuchen, der Mariamnens Diener und Vertrauter war, erpreßte man ein dahin lautendes Geständniß, Soeine mußte, weil er die Königin nicht sorgfältiger bewacht, den Tod leiden, und Mariamne wurde vor einen Gerichtshof gestellt, der vor Herodes Willkür zitterte. Schon die Anklage von Seiten des Königs war für die Richter der Befehl zum Todesurtheil. Man sprach ihr den Giftbecher zu. Sie leerte ihn mit Seelenruhe und Ergebung; war ihr der Tod doch ein Befreier aus den schmählichsten Sclavenketten und von dem bittersten Loose! – Bald nach ihrem Hinscheiden erwachte die Liebe zu ihr wieder im Herzen des Tyrannen. Immer glaubte er, sie um sich zu sehen, er sprach mit ihr und verfiel allmählig in eine tiefe Schwermuth. In Jerusalem ließ er einen Thurm von Marmor bauen, dem er Mariamnens Namen beilegte. Sie hatte ihm 4 Kinder hinterlassen, doch auch diese verschonte das blutige Schwert des Wahnsinnigen nicht. Er ließ sie ermorden, aus Furcht, daß sie dereinst den Tod ihrer Mutter rächen könnten. Mariamnens tragisches Geschick hat mehreren Dichtern, u. A.Voltaire, Hardy, Tristan etc., zum Gegenstande der poetischen Behandlunggedient. Auch existirt ein englischer Roman dieses Inhalts.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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