Schleppen

Schleppen, schon im alten Rom bekannt, doch keineswegs in solcher Länge wie im Mittelalter, sollen sie stets ein Zeichen der Würde sein, weßhalb vornehme Frauen, hohe Kirchendiener und Beamte, das Vorrecht sie zu tragen in Anspruch nehmen. Die kurzen Schleppen römischer Matronen endigten in Purpursäumen und Perlenbesetzungen. Im 15. und 16. Jahrhundert ging die Vorliebe für lange, kostbare Schleppen so weit, daß man sie von eigends dazu bestimmten Trägern aufnehmen lassen mußte. Gold- und Edelsteinstickereien erhöhten ihre Pracht, und noch heut bewahren die Meßgewänder der ersten Kirchenfürsten die Erinnerung daran. Im 17. und 18. Jahrhundert wurden die Schleppen allgemeiner, doch eben darum nach und nach altmodisch. Noch zur Glanzzeit Napoleon's gaben die Damen des Kaiserhofes gern ihren griechischen Gewändern diesen prunkenden Zusatz, bis endlich die runden Roben überhand nahmen. Jetzt verlangt nur noch das Hofcostüm zuweilen den Schleppmantel, wiewohl keineswegs in der vormaligen Ausdehnung. Die vornehmste Prinzessin geht heut zu Tage ohne schleppentragenden Pagen und nur bei hochfestlichen Gelegenheiten, als Krönungen etc, bedient man sich zu diesem Zwecke junger Adliger. Malerisch schön nimmt sich die Hoftracht der ungarischen Damen, welche nie ohne Schleppmantel von Sammt erscheinen, und den goldgestickten, mittelalterlichen Schleier darauf hinabgleiten lassen, aus; doch bedingt solcher Putz, um effectreich zu sein, durchaus eine hohe, imposante Gestalt und Kenntniß wie Gewöhnung des Schleppentragens, was die Damen vom Theater sehr gut wissen und durch fleißiges Einüben zu erreichen suchen.

F.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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  • Schleppen — Schlêppen, verb. reg. welches theils von schlaff, schlapp abstammet, theils auch das Intensivum von schleifen ist. Es ist in doppelter Gestalt üblich. I. Als ein Neutrum, mit dem Hülfsworte haben, schlaff auf der Erde nachschleifen, wo der… …   Grammatisch-kritisches Wörterbuch der Hochdeutschen Mundart

  • Schleppen — steht für: Abschleppen oder Schleppen, das Ziehen eines Land Fahrzeugs durch ein Abschleppfahrzeug Schleppen eines Schiffes durch ein anderes, siehe Schlepper (Schiff) Anschleppen, das Ziehen eines Fahrzeugs, um den Motor zu starten Nachziehen,… …   Deutsch Wikipedia

  • Schleppen — (Bugsieren), mit einem Dampfer Lastkähne, Baggerprähme, Leichterfahrzeuge oder Segelschiffe an einem Hanf oder Drahttau (Schlepptau) fortbewegen. – In der Geologie: sich schleppen, soviel wie sich scharen, s. Gang, S. 315 …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • schleppen — schleppen: Mhd. (mitteld.) slepen ist im 13. Jh. aus mnd. slēpen, das dem hochd. 2↑ schleifen entspricht, übernommen worden. In dessen Bedeutung »am Boden hinziehen« gilt es im Nhd. nur begrenzt (z. B. »ein Schiff oder Netze schleppen«). Die… …   Das Herkunftswörterbuch

  • Schleppen — Schleppen, Schlepphund, s. Grubenförderung …   Lexikon der gesamten Technik

  • Schleppen — Schleppen, s. Bugsieren …   Kleines Konversations-Lexikon

  • schleppen — ↑bugsieren, ↑remorquieren …   Das große Fremdwörterbuch

  • schleppen — Vsw std. (13. Jh.) Stammwort. In mittelhochdeutscher Zeit übernommen aus mndd. slepen, das die niederdeutsche Entsprechung zu schleifen2 ist. deutsch s. schleifen2 …   Etymologisches Wörterbuch der deutschen sprache

  • schleppen — [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: • zerren • schleifen Bsp.: • Sie schleppte den schweren Teppich nach unten …   Deutsch Wörterbuch

  • schleppen — V. (Mittelstufe) etw. oder jmdn. mühsam (irgendwohin) tragen, bewegen Beispiele: Er hat einen schweren Sack mit Kohle geschleppt. Er schleppte sich mit Mühe in den fünften Stock …   Extremes Deutsch

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