Thecla, die Heilige

Thecla, die Heilige. Der religiöse Fanatismus früherer Zeiten erzählt Wunderdinge von dieser frommen Jungfrau, die zu Icona gelebt haben soll, als der h. Paulus, von Antiochien kommend, jene Stadt besuchte. Die Legende berichtet ferner, Thecla habe sich, gerührt von den Worten und Reden des Apostels, der neuen Lehre angeschlossen. Sie verließ das elterliche Haus, um Paulus, der im Geiste der damaligen Zeit gleich nach seinem ersten Auftreten als. Zauberer verdammt worden war, in seinem Kerker aufzusuchen. Hier warf sie sich vor ihm nieder, küßte seine Ketten und horchte mit stillem Entzücken auf die Gott verherrlichenden Reden des heil. Mannes. Endlich nach langem vergeblichem Forschen entdeckte Theoelia, Thecla's Mutter, ihren Aufenthalt und zeigte ihn dem Präfecten an, welcher nun den Apostel und Thecla vor seinen Richterstuhl rief. Kaum hatte die Menge Kunde von dieser Begebenheit erhalten, als sie das einstimmige Geschrei erhob: »er ist ein Zauberer, bringt ihn zum Tode!« Diesem Rufe schloß sich Theoelia in abergläubischer Verblendung an, ja sie verlangte sogar das Todesurtheil ihrer Tochter. Der Richter gebot den h. Paulus mit Ruthen zu peitschen und aus der Stadt zu jagen; Thecla ward zum Feuertode verurtheilt. Schon hatte sie ihr letztes Gebet verrichtet und den Scheiterhaufen bestiegen; von allen Seiten loderten die Flammen empor und keine Rettung schien mehr möglich: da erzitterte die Erde, ein furchtbares Gewitter entlud seine Donner und seine Blitze und der Scheiterhaufen lag zerstört! Unversehrt, wie von Engeln geschützt, stand die wunderbar Gerettete unter der erschrockenen Menge. Sie verließ nun ihre Vaterstadt und suchte den Apostel auf, der sie taufte und mit sich nahm. In Antiochien verurtheilte man die Jungfrau, wilden Thieren ausgesetzt zu werden; allein diese verloren in ihrer Nähe alle Wildheit und legten sich schmeichelnd zu den Füßen der Frommen nieder. Das umstehende Volk sah dieß ungewöhnliche Schauspiel mit staunender Bewunderung, selbst der Richter ward gerührt und schenkte Th. die Freiheit. Im Triumph in ihre Wohnung zurückgeführt, starb sie bald darauf und wurde später heilig gesprochen.

E. v. E.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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