Beranger

Beranger, Jean Pierre de, eins der schönsten und seltensten Dichtertalente, welche die neuere Zeit hervorgebracht. Ein Mann, der voll Innigkeit, Zartheit und Wärme, erglüht von Patriotismus, reizend durch unbefangene Natürlichkeit alle Stände und Herzen der Nation mit Zauber erfaßte, und durch alle Stürme der Zeit an seine Chansons fesselte; der einen tiefern Einfluß gewann, als selbst die genialsten seiner Zeitgenossen, und nicht einmal auf den Titel eines Dichters Anspruch macht. Er wurde am 19. August 1780 zu Paris geboren, und von seinem mütterlichen Großvater, einem ehrlichen Schneider, erzogen. Als Knabe war er Kellner in einem Wirthshause, wurde vom Blitz getroffen, einem Buchdrucker in die Lehre gegeben, aber wegen Mangels an Kenntnissen bald wieder von diesem entlassen. Hier hatte er wenigstens die Regeln seiner Muttersprache und ihres Versbaues oberflächlich kennen gelernt, und die ersten Bücher gelesen – die Bibel und eine Uebersetzung des Homer, welche nachhaltig auf sein ganzes literarisches Leben fortwirkten. Wie ungeregelt seine Kenntnisse, wie schwach seine Belesenheit auch sein mögen, an Studium des Menschenlebens und des menschlichen Herzens erreichen ihn nur wenige seiner Landsleute. – Seine ersten Liederchen erhoben ihn zum Commis in einem Bureau der Staatsverwaltung. Napoleon selbst fand Gefallen an ihm, und Lucian Bonaparte wurde sein Gönner, obgleich seine damals berühmtesten Chansons: le Sénateur und le Roy d'Yvetot ziemlich scharfe Angriffe gegen jenen enthielten. Damit hatte er sich aber zum entschiedenen Liebling der Nation erhoben. Er besang mit Enthusiasmus den Ruhm des Kaisers, und schwieg nach dessen Sturze. Die erste Sammlung seiner Chansons morales et autres etc., im Jahr 1815, begeisterten ganz Frankreich für ihn. Eine neue vermehrte Ausgabe seiner Gedichte vergrößerte seinen Anhang, zog ihm aber zugleich eine gerichtliche Anklage zu. Im Jahre 1828 erschienen seine Chansons inédites. Von Neuem deßhalb vor Gericht gezogen, wurde ihm neben 9 monatlicher Hast eine Geldstrafe von 10,000 Franken zuerkannt. Im Jahr 1831 erschien die letzte Sammlung seiner Werke unter dem Titel: Chansons de P. J. Beranger, anciennes, nouvelles et inédites, suivies des procés intendés à l' auteur. Lebendigkeit des Ausdruckes, Gedankenkraft und Fülle, überraschende Biegsamkeit der Sprache, Klarheit, bei der schärfsten Satire noch eine gewisse jovial gutmüthige Schalkheit sind die Glanzpunkte seiner Chansons. Dagegen treten oft eine gewisse Nachlässigkeit der Diction, und nicht selten eine berauschte Frivolität sehr störend auf Die vorzüglichsten seiner Chansons dürften sein: le cinq Mai, Souvenirs d'un Militaire, ma dernière chanson peut-être, le vieux drapeau. le retour dans la patrie, la cocarde blanche, les enfans de la France, qu'elle est jolie! la bonne Vieille, le Dieu des bonnes gens, Poniatowsky etc.

14.


http://www.zeno.org/DamenConvLex-1834.

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