Nutscheid
Hohes Wäldchen
Ausblick vom Hohen Wäldchen

Ausblick vom Hohen Wäldchen

Höhe 378 m
Lage Nordrhein-Westfalen, Deutschland
Geographische Lage 50° 49′ 55″ N, 7° 32′ 12″ O50.8319444444447.5366666666667378Koordinaten: 50° 49′ 55″ N, 7° 32′ 12″ O
Nutscheid (Nordrhein-Westfalen)
Nutscheid
Besonderheiten höchste Erhebung des Nutscheid
Südlich der Römerstraße und östlich der Mertener Höhe steht der 1961 errichtete Heiligenstock am Thielenbach.
Die ehemalige Richtstätte des Windecker Hochgerichtes, Gedenkplakette
An den Sonnenseiten der Fichtenschonungen siedeln Waldameisen.

Das Nutscheid, gelegentlich auch als die oder der Nutscheid bezeichnet, ist ein Höhenzug zwischen den Flüssen Sieg im Süden und Bröl bzw. Waldbrölbach im Norden. Sein westlichster Punkt liegt bei Hennef-Müschmühle am Zusammenfluss von Bröl und Sieg, im Osten ist er in etwa begrenzt durch die Linie Waldbröl/Schladern. Er stellt den Kernbereich des größten zusammenhängenden Waldgebietes im Bergischen Land dar und ist mit 1500 Hektar Fläche eines der größten Forstgebiete dieser Gegend.

Inhaltsverzeichnis

Namensgebung

Das Nutscheid wurde erstmals in einem verlorenen Blankenberger Weistum des Jahres 1384 erwähnt mit einer Artikelverwendung, die in der erhaltenen Transkription der Redinghovenschen Sammlung 1661 ausgeschrieben "tuischen der Noutschyt und Probach" lautete, was auf eine weibliche Form des Artikels hinauslaufen würde, falls kein Fehler in der Transkription evtl. im Original vorhandener Kürzel vorliegt. Herangezogen werden könnte u.a. auch eine Urkunde des Staatsarchivs in Düsseldorf aus dem Jahr 1582, wo es in Zeile 7 heißt "uf die nutscheide" und in Zeile 76 "das Notscheidt", die Artikelverwndung also schwankt. In der Mercator-Karte von 1575 war der Höhenrücken als „Notscheidt“ aufgeführt, die Karte des Siegburger Vergleichs bezeichnete ihn 1604 als „Noitscheid“. Die Herkunft des Namens ist indes ungewiss. Ist der Wortbestandteil „Scheid“ noch eindeutig als ein bewaldeter Bergrücken zu bestimmen, mag die Silbe „Not“ sich auf den Begriff Not beziehen; denkbar ist aber auch eine Herleitung aus der Himmelsrichtung Norden oder vom indogermanischen Wort neth für sich neigen.

Berge

Die höchste Erhebung des Nutscheids ist das Hohe Wäldchen mit einer Höhe von 378 m. Weitere Berge sind der Goldberg und der Selbachsberg.

Die Römerstraße

Wie der Volksmund behauptet, führte bereits zu Zeiten der Römer im Rheinland ein Handelsweg von Köln über Siegburg durch das Nutscheid weiter ins Siegerland: die „Römerstraße“. Ihr Bau wird einerseits dem römischen Kaiser Probus zugeschrieben, andererseits wird auch der Feldherr Drusus genannt. Beides ist allerdings nicht richtig, denn es fehlt ihr an jeglichem Unterbau, wie er den von den Römern erbauten Straßen eigen ist. Vielmehr ist sie als Naturweg durch kontinuierliche Nutzung mit Pferden und Wagen entstanden, wobei unpassierbar gewordene Streckenstücke schlicht umfahren wurden. Solche „mehrspurigen“ Abschnitte sind heute noch im Gelände sichtbar.

Dass nicht die Römer die Urheber der Straße waren, schließt jedoch nicht aus, dass sie bereits zur Zeit der Kelten (um 500 v. Chr.) entstanden ist, um das im Siegerland abgebaute Eisenerz in das schon stark besiedelte Rheintal zu befördern.[1]

Erst im Mittelalter erlangte die über die Höhen führende „Nothscheider Straß, welche nacher Bonn fuhret“ (Karte des Kirchspiels Ruppichteroth von 1644) überregionale Bedeutung, bis sich der Verkehr im 19. Jahrhundert in die inzwischen weitgehend trockengelegten und durch Straßen und Eisenbahnen erschlossenen Täler verlagerte. Neben der Brüderstraße, die von Köln nach Siegen führte, war die Nutscheidstraße vom 12. bis zum beginnenden 18. Jahrhundert die bedeutendste Fernverbindung im südlichen Bergischen Land.[2] Über den Nutscheid führt heute der Wanderweg der Deutschen Einheit.

Grenzland

Das Nutscheid war und ist Grenzland. Bis 1604 verlief über seinen Kamm die Grenze zwischen dem Herzogtum Berg und der Herrschaft Homburg, was heute noch an sprachlichen und konfessionellen Unterschieden nachvollziehbar ist. Mehrere zum Teil gut erhaltene Überreste von mittelalterlichen Abschnitts-Landwehren und Höhensperren zeugen von diesen unruhigen Zeiten. Seit 1932 stoßen hier Oberbergischer und Siegkreis (heute: Rhein-Sieg-Kreis) aufeinander.

Forstwirtschaft und Bergbau

Forstwirtschaftliche Nutzung

Neben der heute noch intensiv betriebenen wirtschaftlichen Nutzung des Waldes wurden seit dem Mittelalter Erze abgebaut und an den Bächen des Nutscheids, unter Verwendung von in den Wäldern gewonnener Holzkohle, verhüttet - hauptsächlich zu Blei und Kupfer. Es wurden an die 15 Verhüttungsplätze und zwei Rennfeueranlagen festgestellt. Die Schwerpunkte des Bergbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lagen in der Umgebung von Merten mit der Grube Pascha und nordwestlich von Eitorf mit den Gruben Harmonie und Hatzfeld[3].

Gerichtsbarkeit

Als Windecker Hochgericht wurde der Galgenberg (356,1 m ü. NN) im Nutscheid bis ins 19. Jahrhundert genutzt. Durch seine Platzierung direkt an der damals stark frequentierten Überlandstraße sollte fremdes und zwielichtiges Volk abgeschreckt werden. Der Galgenplatz „Windecks Gericht“ ist heute noch ein Ausflugsziel für Wanderungen und geschichtlich Interessierte. Nur rund 250 m östlich davon stehen drei mehrere hundert Jahre alte Eichen.

Militärische Nutzung

Zeugnisse der Vergangenheit - aufgelassene amerikanische Raketenabwehrstellung

Gegen Ende des zweiten Weltkriegs befanden sich Abschussrampen für V1-Raketen im Nutscheid. Ihre Standorte waren Hatterscheid, Kuchem, Wingenbach (alle Ruppichteroth) und Eitorf-Rankenhohn. Von dort wurde vom 11. oder 12. Februar bis zum 18. März 1945 Antwerpen beschossen.[4] Nach Kriegsende wurden die Anlagen von britischen Truppen zerstört. 2006 wurden die Reste (Bodenplatten und Wasserbecken) unter Denkmalschutz gestellt.[5]

Während des kalten Krieges waren Nike Ajax, dann Nike Herkules, später Patriot-Raketen im Nutscheid stationiert, die nach der Auflösung des Konfliktes wieder abgezogen wurden. Bis 1986 wurden hier auch Nuklear- Sprengköpfe für Nike Hercules Raketen gelagert. Diese wurden beim Abzug der Amerikaner nach Ramstein gebracht. Die ehemals amerikanische Militärbasis im Wald mit hohem Observationsturm ist heute noch vorhanden. Die Stadt Waldbröl, zu deren Gemeindegebiet das Gelände gehört, berät seit 2006 über die zukünftige Nutzung.

Weitere Nutzung

Neben der forstwirtschaftlichen Nutzung im Nutscheid gab es verstärkt Bemühungen um die Einrichtung und den Erhalt eines Naturschutzgebietes. Ein kleiner Teil wurde 1999 zum NSG erklärt. Es befindet sich im Bereich des Hohen Wäldchens, ehemaliger Bereich der Bw- Liegenschaft. Das Gebiet der Nutscheid ist ein beliebtes Ziel für Wanderer, Naturkundler und Sportler. 2009 erlangte er die Aufmerksamkeit der Weltpresse. Große Teile des Films Antichrist mit den Hauptdarstellern Willem Dafoe und Charlotte Gainsbourg wurden im Nutscheid gedreht.

Naturerlebnis Nutscheid

Im Herbst 2012 soll im Nutscheid ein 8,1 ha großer Umweltbildungsstandort mit Naturerlebnispark eröffnet werden. Der Beginn der Maßnahmen beginnt im Laufe des Jahres 2011. Das 9,2 Mio. Euro teure Projekt, das teilweise auch von der EU mitfinanziert wird, lässt den ersten Baumwipfelpfad in Nordrhein-Westfalen entstehen. Der Park soll künftig mit Unterkunftsmöglichkeiten, einem Abenteuerspielplatz und einem 35 Meter hohen Aussichtsturm u.a. ausgestattet werden. Auch ein Informations- und Bildungszentrum sowie eine Naturerlebnisakademie soll ebenfalls in den Park mit eingebunden werden. Im Wettbewerb „Erlebnis NRW“ konnte sich der 39-Jährige Olaf Wirths, der seit August 2008 auch der Geschäftsführer der gemeinnützigen Naturerlebnis Nutscheid GmbH ist , mit dieser Idee gegen die Konkurrenz durchsetzen.[6][7]

Quellen

  1. Karl Künster: Der Mensch in der Winterscheider Landschaft. In: Hubert Janzen (Hrsg.): Winterscheid - ein Heimatbuch. Heimatverein Winterscheid e.V., Winterscheid 1982, S. 42 f.
  2. Richard Jilka, M. A.: „Rennenburg und Nutscheidstraße“. In: Heimatblätter. Nr. 19. Heimat- & Geschichtsverein Neunkirchen-Seelscheid e.V. (Hrsg.), 2004, S. 41.
  3. Bernd Habel: Alter Bergbau im Siegtal bei Merten und Eitorf. In: Claudia Maria Arndt (Hrsg.): Von Wasserkunst und Pingen. Geschichts- und Altertumsverein für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis e.V., Rheinlandia Verlag, Siegburg 2005, ISBN 3-935005-95-4, S. 93 ff.
  4. Gückelhorn, Wolfgang und Paul, Detlev: V1 - „Eifelschreck“. Helios Verlags- und Buchvertriebsgesellschaft, Aachen 2004, ISBN 3-933608-94-5.
  5. nach rundschau-online der Kölnischen Rundschau vom 10. Oktober 2006
  6. Naherholung am Nutscheid, Kölnische Rundschau, abgerufen am 22. Oktober. 2010
  7. Naturerlebnis Nutscheid, abgerufen am 22. Oktober. 2010

Literatur

Weblinks

 Commons: Nutscheid – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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