Atrium (Architektur)
Römisches Atriumhaus (korinthisches Atrium)
Atrium corinthicum in einem römischen Haus in Vaison-la-Romaine, Frankreich

Das Atrium war in der römischen Architektur ein zentraler Raum in einem Wohnhaus, wie es im römischen Reich weit verbreitet war.

Das Atrium ist ein rechteckiger Innenraum in der Mitte des Hauses, von dem aus die umliegenden Räume zugänglich sind. Es diente als Aufenthaltsraum für die Familie. Licht erhielt das Atrium über eine Öffnung im Dach.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Der Begriff Atrium kommt möglicherweise vom lat. ater, was so viel wie rauchgeschwärzt bedeutet. Dies ließe sich daraus herleiten, dass sich in diesem Raum ursprünglich auch der aus einer offenen Feuerstelle bestehende Herd befand, dessen Rauch durch die Dachöffnung abzog.

Bei christlichen Basiliken bezeichnet Atrium zusammen mit dem Begriff Peristyl den Vorhof.

Bei spanischen Bauten der Renaissance bildete sich daraus der Patio. Heutzutage wird die Bezeichnung Atrium auch für einen mit einem Glasdach überdachten Hof gebraucht.

Bauformen

Vitruv nennt insgesamt fünf Bauformen, wobei man diese in Atrien mit und ohne Dachöffnung teilen kann. Als Atrium ohne Öffnung, wohl die ältere Bauform, ist das atrium testudinatum – wahrscheinlich aus dem lateinischen Wort für Schildkröte testudo – anzuführen. Bei den weiteren vier Formen handelt es sich um Atrien mit Öffnung, die sich nur in der Art der Konstruktion unterscheiden.

Bei der von Vitruv (6, 3, 1) als atrium tuscanicum (etruskisches Atrium) bezeichneten stützenlosen Bauweise wird das Dach von zwei massiven Holzbalken getragen, auf denen quer zwei weitere Balken eingelassen sind. Daraus entwickelte sich ein nach oben teilweise geöffneter Innenraum, dessen Dach von Säulen oder Pfeilern getragen wurde. Das Atrium mit nur vier Säulen wird atrium tetrastylicum (viersäuliges Atrium), das Atrium mit einer von vielen Säulen getragene Öffnung wird atrium corinthicum (korinthisches Atrium) genannt.

Am verbreitetsten war wohl trotz der teuren Balkenkonstruktion das atrium tuscanicum, weil es einen freien Bilck vom Eingang bis in das Tablinum oder später bis in das Peristyl gewährte.

Bedachung

Das Dach war meistens in Form eines atrium impluviatum mit nach innen geneigter Dachschräge ausgebildet. Unter der sich ergebenden rechteckigen Dachöffnung, dem Compluvium, befand sich ein ebenfalls rechteckiges Wasserbecken, das Impluvium, das zum Auffangen des in eine Zisterne weitergeleiteten Regenwassers diente. Wenn das Atrium nicht gleichzeitig zum Sammeln von Regenwasser genutzt wurde, konnte das Dach auch nach außen geneigt sein. In diesem Fall wird es als atrium displuviatum bezeichnet. Dies hatte nach Vitruv den Nachteil, dass die senkrechten Dachrinnen (lat. fistula) das Wasser der waagrechten Dachrinnen (lat. canalis) nicht so schnell aufnehmen konnten und so das Wasser die Wände herabfloss, die hierdurch beschädigt wurden.

Es gab in kleineren Häusern auch komplett überdachte Atrien ohne ein Compluvium. Dies wurde als atrium testudinatum bezeichnet.

Weblinks

 Commons: Atrien, insb. Domus – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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