Samland
Samland
Gewässer 1 Frisches Haff, Ostsee
Gewässer 2 Kurisches Haff

Geographische Lage

54° 49′ 57,73″ N, 20° 16′ 9,43″ O54.83270277777820.269286111111Koordinaten: 54° 49′ 57,73″ N, 20° 16′ 9,43″ O
Samland (Oblast Kaliningrad)
Samland

Das Samland (russisch: Самбия, litauisch: Sémba, polnisch/lateinisch: Sambia) ist eine Halbinsel in der Ostsee. Der Name leitet sich vom prußischen Wort „zemmē“ für Erde ab. „Semba“ war der Eigenname der dortigen Bevölkerung, „Semben“ hießen sie auf altnordisch bei den Dänen. Das dänische Lagerbuch nennt das Samland 1268 „Zambia“ [1] Das in Lappland lebende finno-ugrische Volk der Samen hat vermutlich nichts mit dem Namen Samland zu tun.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Im Westen wird das Samland von der Ostsee, im Norden vom Kurischen Haff und im Süden vom Frischen Haff und vom Pregel begrenzt. Im Osten gilt die Deime als Grenze, die von Gwardeisk (Tapiau) nach Polessk (Labiau) verläuft und ca. 4 km weiter in das Kurische Haff mündet. Die bedeutendste Stadt des Samlands war Königsberg, d. h. deren Stadtteile nördlich des Pregels. Auch dieser Teil der historischen Landschaft Preußen befindet sich seit 1945 in der zu Russland gehörenden Exklave Oblast Kaliningrad.

Geschichte

Altertum

Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Samland im 5. Jahrhundert v. Chr. bei Herodot, der es als Bernsteinland bezeichnete. Die Landschaft war um den Anfang der Zeitrechnung von Prußen besiedelt. In seinem Werk „Germania“ schrieb Tacitus, dass die Ästier die östlichen Nachbarn der Goten im Weichseldelta gewesen seien.

Wikingerzeit

Archäologen hatten schon im 19. Jahrhundert südlich der Kurischen Nehrung bei Wiskiauten unweit von Königsberg ein wikingerzeitliches Gräberfeld entdeckt. Die 500 Hügel- und Erdgräber sind etwa 1000 Jahre alt. Sie enthalten Waffen Schmuck und Kleidung, die deutlich skandinavischen Vorbildern folgen. Archäologen des Deutschen Archäologischen Instituts um Siegmar von Schnurbein und des Archäologischen Landesmuseums Schleswig (Stiftung Schleswig-Holsteinischer Landesmuseen Schloss Gottorf) um Claus von Carnap-Bornheim haben 2006 in Zusammenarbeit mit russischen Archäologen Keramik, Schlacken, Knochen und bearbeiteten Bernstein gefunden. Silbermünzen und Gewichtsstücke waren schon früher aufgetaucht. Die Funde aus dem 10. bis 12. Jahrhundert deuten auf eine Siedlung in der Nähe des Kurischen Haffs, womöglich ein frühes Zentrum der Bernsteinindustrie mit guter Verbindung nach Skandinavien. Die Ausgrabungsstätte wird in der Zukunft Gegenstand intensiver Forschungen bleiben.

Prußisches Hauptheiligtum Romowe im Samland
Heiligtum

Das heidnische Hauptheiligtum der Prußen befand sich im westlichen Samland, dort, wo später der Ort Rummowe oder Romowe entstand, der später in Romehnen umbenannt wurde. Hier wurden ewige Feuer für den Donnergott Perkunas unterhalten. Es gibt zahlreiche Funde von Opfersteinen in dieser Gegend.

Mittelalter

Das Samland ist einer der alten prußischen Gaue. Im 13. Jahrhundert teilte Wilhelm von Modena, der Legat des Papstes, Preußen in vier Bistümer: Ermland (lateinisch: Varmia), Pomesanien, Samland und Culmer Land oder Kulmerland. Das Samland wurde von Balga aus durch den Ritterorden erobert: 1255 wurde Königsberg gegründet, 1255 Schlacht bei Rudau, 1258 bei Labiau, 1258 bei Wehlau, 1265 bei Tapiau. Lange Zeit war das Samland eines der letzten Siedlungsgebiete der Prußen, später wurde es ein zentraler Landesteil Ostpreußens.

Das Fürstbistum Samland hatte wichtigen Anteil an der Geschichte Preußens.

Neuzeit

Bevölkerung (1902)
Samlandplan (1939)

Ungefähr in der Mitte des Samlands liegt Chrabrowo (Powunden), wo sich der Flughafen Kaliningrad befindet. Bedeutend sind auch die bei dem Küstenort Jantarny (Palmnicken) vorhandenen Bernstein-Vorkommen, die im Tagebau gewonnen werden. Eine wichtige Rolle spielt der Tagestourismus an der Ostseeküste für die Oblast Kaliningrad. Seit dem 19. Jahrhundert entwickelte sich der Seebädertourismus vor allem in Cranz und Rauschen. Dieser brach 1945 zusammen, um nach der Perestroika seit den 1990er Jahren einen erneuten Aufschwung zu nehmen.

Von 1939 bis 1945 waren die samländischen Kreise Fischhausen und Königsberg (Pr) zum Landkreis Samland zusammengefasst. Der Samlandplan sah die Errichtung einer neuen Universitätsstadt im Fritzener Forst nördlich von Königsberg vor. Er stand im Zusammenhang mit der im Reichsgesetzblatt vom März 1941 veröffentlichten Verordnung über die Neugestaltung Königsbergs.[2]

Nach Flucht und Vertreibung der ursprünglich ansässigen deutschen Bevölkerung leben heute hauptsächlich Russen und Weißrussen in der Region.

Prominente Samländer sind Beate Uhse und Volker Lechtenbrink.

Legende

Der Sage nach war Samo der zweite Sohn des Königs Waidewut/ Widewuto, der das Land von Crono und Hailibo bis an die Skara (Pregel) erhielt. Er baute sich auf einem teilweise aufgeschütteten mächtigen Sandberg die Feste Gailgarwo (Galtgarben). Samo hatte mit den Seinen eine "sonderliche Lebensweise, denn sie waren andächtiger wie die übrigen Brutener". Sie wählten einen besonderen Eichwald als Andachtsstätte aus und hielten dort "einen Haufen Schlangen zu Ehren ihrer Götter". Samo hatte weniger Kinder als seine elf Brüder, denn seine Frau Pregolla ertrank in der Skara, weshalb der Fluss den Namen Pregel erhielt.

Einzelnachweise

  1. Heimatgemeinschaft Großheidekrug: Ostpreussen
  2. Fritz Gause: Die Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen, Bd. 3, S. 130 ff. und Tafel XII

Siehe auch

Literatur

  • Handelskolonie im Samland. in: Abenteuer Archäologie. Kulturen, Menschen, Monumente. Spektrum der Wissenschaft Verl.-Ges., Heidelberg 2006,2,88. ISSN 1612-9954
  • Samland 1938. Landkarte. Reprint der Ausgabe von 1938. Pharus Verlag, Berlin. ISBN 978-3-86514-087-6
  • R. Brückmann: Samland. Ein Führer für Wanderer. Reprint der Ausgabe von 1926. Rautenberg Verlag, Leer 1989. ISBN 3-7921-0385-0
  • Rudolf Jankowsky: Samland und seine Bevölkerung. Inaugural-Dissertation. Albertus-Universität Königsberg/i.Pr., 1902. UB Göttingen, 8 DISS PHIL Königsberg 1901/02 Jankowsky
  • Albert Zweck: Samland, Pregel- und Frischingthal. Eine Landes- und Volkskunde. Verlag Hobbing & Büchle, Stuttgart. 1902

Weblinks

 Commons: Sambia – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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