Baal (Hückelhoven)
Baal
Koordinaten: 51° 2′ N, 6° 17′ O51.0333333333336.2833333333333Koordinaten: 51° 2′ 0″ N, 6° 17′ 0″ O
Fläche: 5,88 km²
Einwohner: 3.900 (21. Mai 2001)
Eingemeindung: 1. Jan. 1972
Postleitzahl: 41836
Vorwahl: 02435
Karte

Stadtgebiet Hückelhoven, Position des Ortsbereichs Baal hervorgehoben

Baal

Das Dorf Baal (von lt. „Palus“; Sumpf) gehört zur Stadt Hückelhoven im Kreis Heinsberg. Als wichtigste Verkehrsadern führen die Bundesstraße 57, die Landesstraße 117 und die Bahnstrecke Mönchengladbach-Aachen durch Baal. Der Ort hat rund 3900 Einwohner.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Landschaft

Das Dorf gab dem Baaler Riedelland seinen Namen.

Nachbarorte

Benachbarte Orte sind Doveren, Hetzerath, Granterath, Tenholt, Hilfarth, Lövenich, Brachelen und Rurich

Gewässer

Vom Lövenicher Bruch kommend, wo das Gewässer noch Nysterbach genannt wird, fließt der Baaler Bach durch den Ort und mündet dann in die Rur. Der Bach bildete jahrhundertelang eine Grenze zwischen verschiedenen politischen und religiösen Verwaltungseinheiten.

Wie in der ganzen Umgebung von Hückelhoven entstanden die Baggerseen auch bei Baal durch Ausbaggern von Massenrohstoffen (Sand- und Schottergruben) im Grundwasserbereich der Rur.

Der „Wald der blauen Blumen“ zwischen Doveren und Baal (2008)

Flora

In einem kleinen Waldgebiet oberhalb der Straße zwischen Baal und Doveren (Bereich „Hinter dem Berg“) blühen alljährlich von etwa Mitte April bis Mitte Mai (je nach Witterung) unzählige Hasenglöckchen (Hyacinthoides non-scripta), ein hierzulande in dieser Üppigkeit überaus seltenes Hyazinthengewächs, das laut Bundesartenschutzverordnung zu den geschützten Pflanzen zählt. Im Volksmund wird das Areal auch als der „Wald der blauen Blumen“ bezeichnet.

Geschichte

Lage Baals, Tranchotkarte um 1807

Bereits 893 wurde der Ort Baal im Prümer Urbar, einem Güterverzeichnis der Eifeler Abtei Prüm, erwähnt.

Der Baaler Bach trennt den alten Ortskern in einen oberen und einen unteren Ortsteil, welche in der Frühen Neuzeit zu zwei verschiedenen Ämtern, Kirchengemeinden und Gerichtsorten des Herzogtums Jülich gehörten. Der Baaler Bach bildete die Grenzlinie zwischen dem Gericht Körrenzig im Amt Boslar und dem Gericht Doveren im Amt Wassenberg.

Unter französischer Herrschaft wurden nach 1798 Ober- und Unterbaal zusammen als eine Gemeinde der „Marie de Doveren“ angeschlossen.

1852 wurde die Bahnstrecke Mönchengladbach–Aachen durch die damalige Aachen-Neuß-Düsseldorfer Eisenbahn-Gesellschaft eröffnet und Baal erhielt einen Personen- und Güterbahnhof. An den ursprünglichen Ort erinnert heute noch der Straßenname „Am alten Bahnhof“. 1911 wurde der Personenbahnhof nach Westen verlegt. Anlass war die neu eröffnete und bis 1980 in Betrieb befindliche Bahnstrecke Jülich–Dalheim. Um die zwei Eisenbahnstrecken bedienen zu können wurde der Turmbahnhof Baal erbaut.

Seit 1887 begann der Bergwerksgründer Friedrich Honigmann im Baaler und Doverener Feld mit Probebohrungen auf der Suche nach Steinkohle. 1908 wurde schließlich in Nähe der Eisenbahnlinie der Schacht der „Grube Helene“ abgeteuft. Allerdings lagen die eigentlichen Steinkohlevorkommen mit 450 m Tiefe zu tief für einen rentablen Abbau. Schon nach einigen Wochen wurden die Arbeiten eingestellt und ein errichteter Förderturm im Folgejahr wieder niedergelegt. Honigmanns Bohrungen führten schließlich in Hückelhoven zum Erfolg, wo alsbald die spätere Zeche Sophia-Jacoba entstand.

In Baal lebten seit dem 19. Jahrhundert zwei jüdische Familien in der heutigen Friedhofstraße als Viehhändler und Schlachter. 1941 wurden diese mit den übrigen Juden des Kreises Erkelenz im Spiesshof in Hetzerath interniert. Mit der 1942 von dort erfolgten Deportation in die Vernichtungslager verlieren sich die Spuren.

Im Zweiten Weltkrieg war der Bahnhof des Ortes Ziel von Fliegerangriffen. Nach der Überquerung der Rur nahmen amerikanische Truppen Baal am 25. Februar 1945 ein.

Am 1. Januar 1972 wurde Baal in die neue Stadt Hückelhoven eingegliedert.[1]

Seit Schließung der Hückelhovener Zeche Sophia-Jacoba 1997 hat das im Westen des Ortes gelegene Gewerbegebiet eine besondere wirtschaftliche Bedeutung für Baal erlangt.

Bevölkerungsentwicklung vor 1939

Mit dem Bergbau verband sich nach der Jahrhundertwende ein Bevölkerungswachstum.[2]

Jahr 1885 1925 1933 1939
Ew 793 1089 1156 1243

Wassermühlen und Feldhöfe

Baaler Bach und Mittelmühle im Hintergrund
  • Der Scherreshof liegt an der Landstraße nach Lövenich. Er war als Fronhof seit 1456 ein bedeutender Besitz des Kreuzherrenkloster Hohenbusch.
  • Die Ophover Mühle hatte ihren Standort im Bruchgebiet zwischen Baal und Lövenich. Sie gehörte zum nahegelegenen Ophover Hof, dessen Aufzeichnungen in das 16. Jahrhundert zurückreichen. Die Mühle war noch bis 1951 in Betrieb. Die Überreste der Mühle wurden Ende der 90er Jahre abgerissen.

Im Dorf lagen drei weitere Wassermühlen am Baaler Bach:

  • Die Ölmühle (auch Kratzen- oder Mertensmühle), sie lag beim Alten Bahnhof und wurde 1950 abgerissen.
  • Die Mittel- oder Wackersmühle liegt im Ortszentrum. Sie wird bereits 1416 als Besitz der Zisterzienserinnen der Abtei Dalheim erwähnt und gehörte ursprünglich zum Scherreshof.
  • Die Pletschmühle arbeitete noch bis 1943 mit Wasserkraft und stellte 1957 den elektrischen Betrieb ein.
  • Am Rande des Gewerbegebiets befindet sich das sanierte Gut Gansbroich.

Religion

Im Ort bestehen eine römisch-katholische, eine evangelische sowie eine Baptistengemeinde.

Durch den Ort verlief längs des Baaler Baches die Grenze zwischen der Pfarre Körrenzig, die im Bistum Lüttich (südlicher Ortsteil) lag und der Pfarre Doveren im Erzbistum Köln (nördlicher Ortsteil). 1801 wurden beide Ortsteile in das neu gegründete Bistum Aachen eingegliedert.

1778 wurde im Ort eine Ursula-Kapelle erbaut, zugleich erteilte der Bischof von Lüttich die Genehmigung die Messfeier abzuhalten. 1780 erhielt die Kapelle eine Reliquie der Heiligen St. Brigida, die Kapelle wurde nun dieser Heiligen geweiht.

1835 wurde die Kapelle erweitert. 1849 wurde Baal eigenständige Pfarrei. 1889/90 wurde die Kapelle abgerissen und eine Kirche im neugotischen Stil erbaut. Am 17. Juli 1905 wurde die Kirche St. Brigida eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde sie in den letzten Kriegsmonaten schwer beschädigt.

Baal gehört zur evangelischen Kirchengemeinde Lövenich. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte verstärkt ein Zuzug evangelischer Bürger, so dass eine Kirche gebaut wurde.

Die Baptistengemeinde gehört zum Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden.

Infrastruktur und Wirtschaft

Soziale Einrichtungen

  • Die Mühlenbachschule, eine Grundschule
  • Katholischer Kindergarten St. Brigida
  • Bürgerhaus

Verkehr

Bahnhof Hückelhoven-Baal

Hückelhoven-Baal gehört dem Aachener Verkehrsverbund an.

Der Bahnhof Baal (Bahnhof der Kategorie 5) wurde aufgrund der Nähe zu Hückelhoven im Jahre 2002 in „Hückelhoven-Baal“ umbenannt und wird von Lokalpolitikern gerne als „Hückelhovener Bahnhof“ bezeichnet, was bei Baalern auf wenig Gegenliebe stößt. Der Bahnhof ist stark sanierungsbedürftig und soll in den nächsten Jahren von der Stadt umgebaut werden.

Bahnverbindungen (Stand März 2006):

Eine weitere wichtige Bus-Verbindung ist die AVV-Linie 295 von Baal nach Linnich, dort besteht Anschluss an die Bahnstrecke Linnich - Jülich - Düren - Heimbach (Rurtalbahn RB 21).

Wirtschaft

Das größte Unternehmen im Gewerbegebiet Hückelhoven-Baal ist das Teleshopping-Unternehmen QVC, das hier sein Distributionszentrum betreibt. Des Weiteren liegt im Nord-Westen des Ortes ein ausgedehntes Lager des Disaster Recovery Management der T-Com.

Literatur

  • 1100 Jahre Baal. Beiträge zur Ortsgeschichte. hrsg. vom Sachausschuss Ortsgeschichte im Bürgerverein Baal e.V. 1993. ISBN 3-87227-042-7
  • Bertram u. Maria Porten: Baal im Wandel der Zeit, Baal 1995, ISBN 3-923219-09-1
  • F. Körfer: 1100 Jahre - Ortsjubiläum von Baal. In: Kreis Heinsberg (Hrsg.), Heimatkalender des Kreises Heinsberg. 1993

Einzelnachweise

  1. Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  2. http://www.verwaltungsgeschichte.de/erkelenz.html

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