Bahawalpur (Staat)
Bahawalpur
بہاولپور
Flagge
Landesflagge
(1885–1945)
Landesflagge
(1945–1955)
Basisdaten
Heute Teil von: Pakistan
Hauptstadt: Bahawalpur
Fläche: (1941) 45.911 km²
Einwohner: (1941) 1.341.209
Bevölkerungsdichte: (1941) 29 Einw. je km²
Gründungsjahr: 1690
Auflösung: 1955
Karte
Lage Bahawalpurs innerhalb Pakistans
Briefmarke von Bahawalpur (1949)

Bahawalpur war ein muslimischer Fürstenstaat im Süden des Punjab auf dem Gebiet des heutigen Pakistan. Er wurde 1690 von Bahadur Khan II. Abbasi gegründet und gewann zu Beginn des 19. Jahrhunderts seine Unabhängigkeit. 1833 geriet er in ein Abhängigkeitsverhältnis zu Großbritannien. 1947 trat er Pakistan bei, die endgültige Auflösung und Eingliederung in die Provinz Westpakistan erfolgte jedoch erst 1955.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die Region hieß zunächst nach der 1690 gegründeten Hauptstadt Shikarpur und unterstand dem nordindischen Mogulreich. Die Angehörigen des Stammes der Daudputras führen ihre Abstammung auf den Onkel des Propheten, Abas zurück, daher der Name der Dynastie Abbasi. Aus ihren angestammten Siedlungsgebieten bei Rori-Bhakar (Sindh) wurden sie 1737 nach Bahawalpur vertrieben, als Daud Khan mit dem von Nadir Shah eingesetzten Gouverneur von Sindh in Streit geriet.

Sadiq Muhammad Khan I. unterwarf sich 1739 dem persischen Eroberer Nadir Schah, wofür er ein Jahr darauf den erblichen Titel Nawab erhielt. Nadir Schah fiel 1747 einem Mordanschlag zum Opfer. In der Folge geriet der Staat unter den Einfluss der afghanischen Durrani-Dynastie.

Über die nächsten Jahre herrschten die Oberhäupter der einzelnen Klans unabhängig in ihren jeweiligen Gebieten. Daud Muhammad Bahawal Khan I., einem Enkel Dauds, gelang es den Stamm zu einen. 1748 gründete er Bahawalpur als neue Hauptstadt und nannte sich fortan Nawab von Bahawalpur. Seinem Sohn Mubarik gelang es dann, zusätzlich ein Gebiet südlich des ehemaligen Flusslaufes des Beas zu erhalten.[1]

Muhammad Bahawal Khan II. erhielt 1780 die Ehrentitel Rukn ud-Daula („Säule des Staates“), Hafiz ul-Mulk („Hüter des Königreiches“), Nusrat Jung („Siegreicher in der Schlacht“) und Nawab Bahadur vom Großmogul Shah Alam II. Das Territorium wurde 1789 kurz von den Truppen des afghanischen Timur Shah besetzt. 1802 erhielt er vom afghanischen Herrscher Mahmud Shah Durrani zusätzlich den Titel Mukhlis ud-Daula („Hingebungsvoller Diener des Staates“) und ließ als Zeichen seiner Souveränität erstmals eigene Münzen prägen.

Der Unterwerfung durch das zu Beginn des 19. Jahrhundert stark expandierende Sikh-Reich unter Ranjit Singh entging Bahawalpur durch einen Schutzvertrag mit der Britischen Ostindien-Kompanie am 22. Februar 1833. Zwar bestätigten die Briten in einem weiteren Vertrag von 1835 die Unabhängigkeit Bahawalpurs, doch sank der Staat dadurch tatsächlich zu einem Vasallen der Ostindien-Kompanie bzw. ab 1858 Britisch-Indiens herab. Zwischen 1945 und 1949 gab Bahawalpur eigene Briefmarken heraus.

Am 7. Oktober 1947 erklärte der letzte regierende Nawab von Bahawalpur den Beitritt seines Landes zum neu gegründeten Staat Pakistan, herrschte jedoch noch bis zur Eingliederung Bahawalpurs in die Provinz Westpakistan am 14. Oktober 1955. Das ehemalige Staatsgebiet Bahawalpurs verteilt sich heute auf die Distrikte Bahawalpur, Bahawalnagar und Rahimyar Khan der 1970 gegründeten Provinz Punjab.

Stammbaum der Dynastie

Muhammed Sadiq Khan[2] (Gouverneur unter Sikh-Oberhoheit), dessen Nachfahren (* = Haupterbe):

1. Generation
  1. Mian Fatah Muhammed Khan
  2. Nawab Muhammed Bahawal Khan I.
  3. Nawab Muhammed Mubarik Khan
2. Generation
  • Muhammed Bahawal Khan II. († 1859; Sohn von Mian Fatah Muhammed Khan)
3. Generation
  • Sadik Muhammed Khan II.
4. Generation
  • Muhammed Bahawal Khan III (reg. seit 1827), unterwarf sich 1833 den Briten zum Schutz vor den unter Ranjit Singh vordringenden Sihks gegen Zusicherung seiner Unabhängigkeit. Unterstützung der Briten in Afghanistan und im ersten Sikh-Krieg führte zu Belohnungen und Gebietsgewinn.
5. Generation
  1. Haji Khan (= Nawab Fatah Muhammed Khan)
  2. * Sadat Yai Khan (= Nawab Muhammed Sadik Khan); in der Erbfolge vorgezogen, reg. ab 1859, von seinem älteren Bruder gestürzt. Erhielt zunächst Asyl bei den Briten und eine Pension von 19.200 Rs., begehrte jedoch bald wieder auf. Von den Briten bei halber Pension im Fort von Lahore festgesetzt wo er 1864 unter ungeklärten Umständen starb.
6. Generation
  • Rahim Yar Khan (Sohn von Haji, = Muhammed Bahawal Khan III; † 1866).
7. Generation
  • Sadik Muhammed Khan III. (1862-1899; reg. 1866-99, im Amt nach Volljährigkeit 1879). Der nach den Rebellionen vollkommen zerrüttete Staat kam während der Minderjährigkeit unter Verwaltung der Briten, die weitreichend reformierten. Stellte 20.000 Kamele im zweiten Afghanistan-Krieg (1879/80)
8. Generation
  • Muhammed Bahawal Khan V. (reg. 1899-1907)
9. Generation
  • Sadiq Muhammed Khan IV. (* 1904; reg. ab 1907-1947 bezw. 1955)
10. Generation
  • Abbas Ali Khan (22. März 1924 - 14. April 1988), regierte nicht mehr, war aber 1975-77 Gouverneur des pakistanischen Punjab.

Das gegenwärtige Familienoberhaupt ist Salar ud-din Muhammad Khan.

Literatur

  • Andreas Birken: Philatelic Atlas of British India. CD-ROM, Hamburg 2004.
  • Harrison D. S. Haverbeck: Die Briefmarken von Bahawalpur. Frankfurt 1964.
  • Imperial Gazetteer of India, 2. Auflage. 26 Bde., Oxford 1908–1931.
  • Joseph E. Schwartzberg (Hrsg.): A historical atlas of South Asia. 2. Auflage. New York/Oxford 1992, ISBN 0-19-506869-6.
  • Shahāmat ʻAlī; History of Bahawalpur: With Notices of the Adjacent Countries of Sindh, Afghanistan, Multan. 1848 (Volltext)
Einzelnachweise
  1. Golden Book of India. London 1893, S. 412.
  2. Abschnitt nach: Massey, Charles; Chiefs and Families of Note ...; Allahabad 1890

Weblinks


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