Upstalsboom

Upstalsboom
Upstalsboom, älteste bekannte Ansicht von C.B. Meyer (1790)

Der Upstalsboom (niederländisch Opstalboom, altfriesisch Opstallisbaem), ist die mittelalterliche Thingstätte der friesischen Stämme bei Rahe, südwestlich von Aurich.

Inhaltsverzeichnis

Namensherkunft

Lage des Upstalsbooms im Herzen Ostfrieslands zur Zeit der Häuptlinge

Der Ursprung des Namens ist unbekannt. Spätere Deutungen erläutern den Namen jedoch mit dem zweiten Wortteil „Boom“, also Baum. Dabei muss es sich jedoch nicht zwangsläufig um ein Gewächs handeln. Boom kann in diesem Zusammenhang auch ein Grenzbaum, eine Sperre oder ein Pfahl sein

Das Wort „Upstall“ ist flämisch-brabantischen Ursprungs und wird als eingezäuntes Flurstück übersetzt, das die Dorfgemeinschaft als gemeinsames Weidegebiet, die so genannte Allmende nutzte[1].

Beschreibung

Bei der Stätte handelt es sich um einen vorgeschichtlichen Grabhügel [2]. Die gefundenen Urnen stammen aus der Bronze- und Eisenzeit und werden im Ostfriesischen Landesmuseum in Emden aufbewahrt. Der höchste Punkt liegt bei 6,80 m. Er ist von einer Wallheckenlandschaft umgeben. Das Grab wurde auf einem Sandrücken errichtet, welcher in der Saaleeiszeit durch Gletscherbewegungen aufgestaut wurde.

Geschichte

Siegel des Upstalsboom-Bundes (1324)

Die erste Erwähnung findet der Upstalsboom in der „Chronik des Klosters Bloemhof“ aus dem Jahre 1216. Abgesandte der Friesen trafen sich bis ins 13. Jahrhundert als Ausdruck der Friesischen Freiheit an dem Ort, um Recht zu sprechen und Beschlüsse zu fassen. Da die Friesen des Mittelalters keine Fürsten kannten, wurde diese Friesische Freiheit mit dem Loswort Eala Frya Fresena bekräftigt, das heute noch das Wappen von Ostfriesland ziert. Die Treffen fanden einmal jährlich am dritten Pfingsttag statt. Die Abgeordneten wurden bereits zu Ostern gewählt und Geschworene genannt. Das erste Treffen soll hier in der Mitte des 12. Jahrhunderts stattgefunden haben, um Streitigkeiten zwischen dem Wangerland und dem Gau Östringen zu schlichten. Urkundlich nachgewiesen sind Treffen am Upstalsboom zwischen 1216–1231 und von 1323–1327. In dieser Zeit entstand auch ein Upstalsboom-Siegel mit 12 cm Durchmesser. 1323 wurden die Upstalsboom-Gesetze beschlossen, die die alten Satzungen der Zeit anpassten. Dieser Bund sollte den Landfrieden unter den einzelnen friesischen Gebieten wahren. Der Landfriedensbund war eine Notgemeinschaft der Friesischen Freiheit, die aber bald zusammenbrach. Die letzte Überlieferung über einen Landtag der Sieben Seelande stammt aus dem Jahr 1327. Die nächste Tagung fand in Groningen statt[3]. Erst im Kampf gegen den Absolutismus erwachte der friesische Freiheitswille erneut, und der Upstalsboom erlangte neue Symbolkraft. 1678 verlieh Kaiser Leopold I. das Upstalsboom-Wappen als Hoheitszeichen. 1833 entstand eine Steinpyramide. Sie wurde von den Ostfriesischen Landständen (heute: Ostfriesische Landschaft) errichtet, um an die Ostfriesen zu erinnern, die in den Schlachten bei Liegnitz 1760 und bei Waterloo 1815 fielen. Georg V. von Hannover prägte 1865 einen Upstalsboom-Taler. Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es Pläne, auf dem Gelände eine Thingstätte einzurichten, die an die Zeit erinnern sollte, in der der Platz als „Beratungsplatz und Versammlungsort der friesischen Geschworenen und Deputierten aus allen Gauen von Fly bis zur Weser“ diente. Auf diese Bitte reagierte das Landschaftskollegium sehr zurückhaltend. Das Gelände wurde jedoch für Aufmärsche und Versammlungen zur Verfügung gestellt[4].

Heute

Upstalsboom, heutiger Zustand

Als Sinnbild ostfriesischer Kultur werden heute viele Hotels und Lokale mit dem Begriff in Ostfriesland benannt. Der Upstalsboom wurde immer wieder von Separatisten und Regionalisten politisch genutzt.

Quellenangaben

  1. Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende, Verlag Ostfriesische Landschaft, 2003, ISBN 3-932206-30-4, S. 424
  2. Die schwarzen Führer - Nordwestdeutschland, Eulen Verlag, 1986 ISBN 3-89102-122-4, S.17
  3. Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende, Verlag Ostfriesische Landschaft, 2003, ISBN 3-932206-30-4, S. 425
  4. Hajo van Lengen (Hrsg.): Die Friesische Freiheit des Mittelalters – Leben und Legende, Verlag Ostfriesische Landschaft, 2003, ISBN 3-932206-30-4, S. 434

Literatur

  • Ernst Andreas Friedrich: Wenn Steine reden könnten. Landbuch-Verlag, Hannover 1989, ISBN 3-7842-0397-3
  • Pieter Gerbenzon: Apparaat voor de studie van Oudfries recht. Bewerkt door Barendina S. Hempenius-van Dijk. 2 Bände. 1981 (keine Ortsangabe).
  • Gerhard Köbler: Lexikon der europäischen Rechtsgeschichte. München: C.H. Beck 1997, S. 593.
  • Karl von Richthofen: Friesische Rechtsquellen. Reprint d. Ausgabe Berlin 1840, hrsg. von Karl Otto Johannes Theresius von Richthofen. Aalen: Scientia Verlag 1960.
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