Berchtesgadener War
Beispiele von „Berchtesgadener War“

Die Berchtesgadener War bezeichnete bereits im 15. Jahrhundert die zu Fuß und auf Kraxen vertriebene Ware kunsthandwerklichen Holzspielzeugs aus dem inneren Landkreis Berchtesgadener Land. Sie umfasst bemalte Spanschachteln, Holzspielzeug, Schmuckkästchen, Fein- und Grobschnitzereien, Heiligen- und Krippenfiguren, Musikinstrumente für Kinder sowie Arbeiten von Bein- und Elfenbeinschnitzern.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Engel als Christbaum-schmuck und Leuchter

Die Tradition der Berchtesgadener War reicht bis ins 15. Jahrhundert zurück. Das Holzspielzeug hatte nach dem Vorbild Ammergaus bald in „die fernsten Theile der handelnden Welt gefunden“. Es wurden Niederlagen eingerichtet in Antwerpen, Cádiz, Genua, Venedig und Nürnberg, und es besteht „kein Zweifel“, dass zwischen 1492 und 1498 „Kolumbus und Amerikus sowie Vasco da Gama solches Spielzeug nach West- und Ostindien brachten.“[1]

In der Regel waren es jedoch Hausierer wie Anton Adner, die noch im 18. Jahrhundert die „War“ aus dem fürstpröpstlichen „Berchtesgadener Land“ in die Städte und benachbarten Länder getragen hatten und den Einheimischen damit eine überlebensnotwendige Nebenerwerbsquelle verschafften.

Im Jahr 1805 schnitzten und drechselten noch 641 Holzhandwerker an ihr, wenig später ist die Nachfrage an dieser Volkskunst unter anderem wegen des aufkommenden Blechspielzeugs eingebrochen. Erst seit 1911 erfährt die Berchtesgadener War als Christbaumschmuck eine Wiederbelebung. Um Ersatz für die durch industrielle Produkte wegbrechenden traditionellen Absatzmärkte zu schaffen, wurde durch Kunstmaler Anton Reinbold 1911 die Idee des „Berchtesgadener Christbaumes“ geboren, der mit dem Holzspielzeug von ehedem geschmückt wird. Diese Form des Christbaumschmucks ist heute in privaten Haushalten wie auch in öffentlichen Gebäuden der Region weit verbreitet.[2][3]

Es gibt derzeit allerdings nur noch in der Gemeinde Ramsau einen kunsthandwerklichen Betrieb, der die Berchtesgadener War fertigt.[4] Vertrieben wird sie von der Berchtesgadener Handwerkskunst, Folgeeinrichtung einer 1924 gegründeten „Bauernkunstgenossenschaft“, die als Eigenbetrieb des Landkreises Berchtesgadener Land den Versand übernimmt und diese traditionellen Produkte auch in einem Ladengeschäft im Marktzentrum von Berchtesgaden anbietet. Das Heimatmuseum Schloss Adelsheim zeigt als Sammlungsschwerpunkt eine ständige Ausstellung historischer und aktueller Exemplare der Berchtesgadener War.[5]

Verschiedenes

Die im 18. Jahrhundert komponierte Kindersinfonie (ursprünglicher Titel „Berchtesgadener-Musik“) ist neben den klassischen Orchsterinstrumenten mit Kindermusikinstrumenten der Berchtesgadener War besetzt.

Weblinks

 Commons: Berchtesgadener War – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

berchtesgadener-handwerkskunst.de Offizielle Webseite der Berchtesgadener Handwerkskunst mit Sitz in der Berchtesgadener Schnitzschule

Einzelnachweise

  1. books.google.com Joseph Ernst von Koch-Sternfeld: Geschichte des Fürstenthums Berchtesgaden und seiner Salzwerke. Band 2, S. 143 unten f.
  2. http://www.berchtesgadener-land.com/www/live/wwwnavi/parser,id,435,nodeid,.html
  3. http://www.sueddeutsche.de/reise/sz-serie-iv-souvenirs-souvenirs-arschpfeifenroessl-1.241661
  4. R. Mischke: Weihnachtsbaumschmuck nach alten Vorlagen. In: Welt am Sonntag vom 19. Dezember 2010
  5. heimatmuseum-berchtesgaden.de Seite zu Berchtesgadener War bzw. zu Erzeugnissen des Berchtesgadener Holzhandwerks im Schloss Adelsheim

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