Bernhard Günther

Bernhard Günther (* 4. November 1906 in Koblenz; † 31. Oktober 1981 in Köln) war ein deutscher Politiker der CDU.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Beruf

Nach der Volksschule absolvierte Bernhard Günther an seinem Heimatort eine vierjährige Lehre als Elektroinstallateur und legte 1924 legte eine Gesellenprüfung ab. In dieser Zeit wurde er Mitglied im katholischen Gesellenverein. Anschließend ging er mit seinem Bruder und weiteren Freunden auf Wanderschaft in Deutschland und Italien. Der Rückweg führte ihn nach Köln, wo er im Herbst 1925 sesshaft wurde. Anfänglich nahm er im Josefhaus des Katholischen Gesellenvereins Domizil, später im Kolpinghaus. 1926 wurde er als Elektroinstallateur bei den Gas- Elektrizitäts- und Wasserwerken der Stadt Köln angestellt. Der gläubige Katholik wurde Mitglied der Elektro-Fachabteilung der Kolpingsfamilie und später deren Vorsitzender. Unter Oberbürgermeister Konrad Adenauer wurde er Mitglied des Schutzvorstandes des Kolpinghauses Köln Zentral. Gleichzeitig begann B. Günther aktiv in der Zentrumspartei mitzuwirken, in der er unter anderem in deren Jugendorganisation „Windthorstbund“ aktiv wurde. Bernhard Günther wurde auch Mitglied der Christliche Gewerkschaften.

Nach der Machtergreifung 1933 durch die Nationalsozialisten wurde die Tätigkeit bei dem öffentlichen Arbeitgeber für den aktiven Katholiken und Zentrumspolitiker Günther zunehmend schwieriger. Bereits nach wenigen Monaten, wurde Günther denunziert. Als er sich weigerte NS-Organen beizutreten, musste er die Elektrizitätswerke verlassen. Er entschloss sich zur Meisterprüfung, die er 1935 ablegte. Vier Jahre später übernahm er das Elektroinstallationsgeschäft Carl und Wilhelm Warnecke (Elektrohaus Bernhard Günther) in Köln-Ehrenfeld. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude, in dem sich das Unternehmen befand, schwer zerstört. Nach weiterer Zerstörung von zwei Firmensitzen und Wohnungen mussten Familie und Unternehmen nach Pleiserhohn im Rhein-Sieg-Kreis evakuiert werden. Aufgrund seiner Tätigkeit für die Imbert Gas-Generatoren-Gesellschaft wurde Günther vom Kriegsdienst zurückgestellt, zunächst auf längere Zeit, später im Monatszyklus.

Präsident der Handwerkskammer

Kurze Zeit nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen in Köln 1945, konnte Günther nach Köln zurückkehren. Daher beauftragte ihn Regierungspräsident Dr. Clemens Busch zwei Monate nach Kriegsende, zunächst kommissarisch als Obermeister der Elektroinnung Köln, mit der Übernahme des Präsidentenamtes bei der Handwerkskammer zu Köln. Dieses Amt übt Günther fast auf den Tag genau dreißig Jahre aus – unterstützt von seiner Familie, die das Unternehmen in der Zeit betreute. Nach dem Verzicht auf eine erneute Wahl zum Präsidenten wurde Bernhard Günther zum Ehrenpräsidenten ernannt.

Das Amt des Kölner Handwerkskammerpräsidenten brachte zahlreiche weitere Ämter mit sich. So war Bernhard Günther von 1949 bis 1951 Präsident des „Westdeutschen Handwerkskammertages“ und anschließend bis 1975 dessen Vizepräsident.

Nach dem Krieg wurde die Handwerkskammer an der Kölner Messegesellschaft beteiligt. Günther, der zutiefst von der Bedeutung des Messestandorts für das Kölner Handwerk überzeugt war, war von 1947 bis 1975 stellvertretender Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Als Vertreter der Kölner Mittelstandes stand er dem Aufsichtsrat der Kölner Bank eG von 1948 bis 1973 vor.

Zudem war er von 1947 bis 1975 Vorsitzender des Aufsichtsrats der Wohnungsgesellschaft des Rheinischen Handwerks AG und von 1949 bis 1954 Mitglied des Aufsichtsrats der Mittelhilfe e.G. Weitere Ämter waren Aufsichtsratsmitgliedschaften bei der Signal-Unfallversicherung a.G. (1954 bis 1977) und beim Kölner Verein, Krankenversicherung AG. (1958 bis 1970), deren Fusion bis zur Signal-Versicherung er mit betrieben hat.

Günther war ebenfalls an der Wiedererrichtung der Handwerkskammer nach dem Krieg beteiligt. Durch persönliches Engagement konnte er der Institution größeres Ansehen und politische Kraft verschaffen. Er initiierte unter anderem mit Franz-Josef Knieps, dem späteren Präsidenten der Handwerkskammer, 1971 den Juniorenkreis, führte die Präsidentenfahrten ein, bei dem Vertreter des öffentlichen Lebens Handwerksbetriebe aufsuchten und warb für das Handwerk in der Region.

Er war an der Aufnahme der Kooperation mit der Chambre des Métiers du Rhone aus Lyon beteiligt, die mit der Handwerkskammer Köln seit 1956 im engen Kontakt steht. Es war sowohl für eine französische wie auch für eine deutsche Handwerkskammer die erste internationale Partnerschaft. Seit 1952 war Günther auch Mitglied des internationalen Studieninstituts des Mittelstandes in Brüssel, von 1972 an für drei Jahre auch dessen stellvertretender Vorsitzender.

Politisches Engagement

Neben der Handwerkskammer galt sein ehrenamtliches Engagement der Politik. Als am 17. Juni 1945 im Kolpinghaus 17 katholische und evangelische Christen zusammenkamen, um eine neue, überkonfessionelle Partei (CDU) zu gründen, war Bernhard Günther dabei. Er wurde Mitglied des ersten Stadtrats in Köln und 1947 vom Landtag in den Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes (Bi-Zone) sowie 1949 von den Wählern seines Wahlkreises Düren-Monschau-Schleiden direkt in den ersten deutschen Bundestag gewählt. Insgesamt vier Legislaturperioden machte sich Günther für seinen Eifelwahlkreis und das deutsche Handwerk im Bundestag verdient. Auch an dem Zustandekommen der Handwerksordnung von 1953 hatte Günther erheblichen Anteil.

Günther war im Finanz- und im Verkehrsausschuss des Bundestages. 1952 entsandte ihn die Bundesregierung – auf Vorschlag des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks – in den Verwaltungsrat der Deutschen Bundesbahn. Auch nach seiner Parlamentszugehörigkeit blieb er dort bis 1978 tätig. Bekannt war er über die Kreise der Wirtschaftspolitik hinaus als Grenzland-Abgeordnete mit der Gründung der Deutsch-Belgischen Parlamentariergruppe in der Interparlamentarischen Union. Er war 1958 deren Initiator nach dem Treffen mit belgischen Abgeordneten und blieb auch nach seinem Ausscheiden aus dem Parlament der Gruppe eng verbunden.

Als Abgeordneter setzte sich Bernhard Günther auch für die katholische Sache ein. So kam es 1951 zur Gründung des „Wilhelm-Böhler-Clubs“, benannt nach dem Leiter des Katholischen Büros in Bonn, dessen Vorsitz Bernhard Günther übernahm. In dem Böhler-Club trafen sich einflussreiche katholische Vertreter des öffentlichen Lebens in Bonn. Als Mitglied im Zentralkomitee der Deutschen Katholiken engagierte sich Bernhard Günther bis in die Spitze des deutschen Katholizismus.

Gemeinwohl

In Köln ist sein gemeinwohlorientiertes Wirken bekannt als Initiator des Wiederaufbaus des im Krieg zerstörten Kölner Rathausturm. Der Rathausturm gilt als Sinnbild für die in der mittelalterlichen Zunftverfassung, dem Verbundbrief, verbrieften Macht des Kölner Handwerkes. 1950 gründete er zum Zweck der Spendeneintreibung den Verein „Bauhütte Rathausturm e.V.,“ dem er auch als Vorsitzender vorsaß. Günther gelang es nicht nur, genügend Spenden für den acht Jahre später eingeweihten Turm ein zu werben, sondern er konnte auch die Kölner Handwerksinnungen überzeugen, zusätzlich das Glockenspiel am Rathausturm zu stiften. Der Verein Bauhütte sammelte auch in den folgendes Jahren noch Geld, so zum Beispiel für die Ausstattung und den Platz-Jabbeck. Heute erinnert in Köln-Niehl eine Straße an den Präsidenten der Handwerkskammer. Im Löwenhofumgang des Historischen Rathauses zu Kölner zu seinem 100. Geburtstag 2006 mit einem Steinrelief geehrt.

Neben der gesellschaftlichen Verantwortung für das Gemeinwohl im unmittelbaren Umfeld war Bernhard Günther auch für Entwicklungshilfeprojekte aktiv. So war er 1965 bis 1978 Vorsitzender des Vereins „Neues Kerala“ e.V., der die Herausgabe einer katholischen Zeitung in Indien unterstützte. Ebenso half er einer Schule auf den Azoren mit mehreren anderen Kölnern mit finanziellen Unterstützungen, um Schulmöbel und –material erwerben zu können.

Partei

Vor 1933 war Günther Mitglied der Zentrumspartei und Vorstandsmitglied von deren Jugendorganisation Windthorstbund. Er war 1945 Mitbegründer der CDU in Köln.

Abgeordneter

Seit 1947 war Günther Stadtverordneter in Köln, 1947/1949 gehörte er dem Wirtschaftsrat der Bizone an.

Günther gehörte dem Deutschen Bundestag seit dessen erster Wahl 1949 bis 1965 an. Er vertrat den Wahlkreis Düren – Monschau – Schleiden im Parlament.

Ehrungen

  • 1960 Handwerksabzeichen in Gold
  • 1962 Kommandeur des Ordens Leopold II (B)
  • 1964 Ehrenmitglied der Kolping-Meistergruppe Köln- Zentral
  • 1965 Großes Verdienstkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • 1967 Goldene Ehrennadel Deutscher Genossenschaftsverband (Schulze-Delitzsch) e.V.
  • 1972 Goldene Medaille der Handwerkskammer Düsseldorf
  • 1973 Kommandeur des Kronenordens (B)
  • 1975 Großes Verdienstkreuz mit Stern des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland
  • 1975 Komtur des Ordens Gregors des Großen
  • 1976 Goldenes Ehrenzeichen des Internationalen Kolpingwerkes
  • Komturkreuz des Cisneros-Ordens (E)
  • Kommandeur des Verdienstordens des Großherzogtums Luxemburg
  • 2006 Steinrelief Bernhard Günther Historisches Rathaus Köln Löwenhofumgang

Literatur

  • Joseph Klersch u.a.: Geschichte des Kölner Elektrohandwerks zum 50 Jährigen Jubiläum 1961. Balduin Pick, 1961.
  • Andreas Kawaleck: Der Parlamentarier als Außenpolitiker, Bernhard Günther und die deutsch-belgischen Beziehungen 1949-1965. 2007 Stiftung des Rheinisch Westfälischen Wirtschaftarchivs zu Köln.
  • Andrea Krüger: Abt. 368, Nachlass Bernhard Günther, Präsident der Handwerkskammer Köln, Elektroinstallateurmeister Köln. 2007.
  • Andreas Krüger: Europäische Kooperation in Handwerk und Politik, Das Beispiel Bernhard Günther, 1945-1975. In: Jahrbuch 79, des Kölnischen Geschichtsvereins e.V. 2008, 2009 SH-Verlag.

Einzelnachweise



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