Bernhard Plockhorst
Plockhorst 1907.jpg

Bernhard Plockhorst (* 2. März 1825 in Braunschweig; † 18. Mai 1907 in Berlin) war ein deutscher Maler und Grafiker.

Während Plockhorst heute in Deutschland nur Experten bekannt ist, so sind seine Christus-Darstellungen in den USA nach wie vor sehr beliebt, wo sie als Poster rege gehandelt werden und zahlreiche Kirchen und Häuser schmücken.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Der gute Hirte

Zuerst absolvierte Plockhorst am Collegium Carolinum in Braunschweig eine fünfjährige Ausbildung zum Lithografen. In Leipzig trat er mit Piloty in Kontakt, der ihn bewog, für ein Jahr mit ihm nach München an die Akademie zu gehen, wo er auch an der Alten Pinatkothek die Bilder von Rubens und Tizian kopierte. Nach der Zeit in München zog Plockhorst 1853 nach Paris, wo er unter Thomas Couture seine Studien fortsetzte. Im Anschluss an Studienreisen nach Belgien, Holland und Italien ließ er sich in Berlin nieder, wo er eine Reihe von Portraits malte, zugleich aber mit einem großen Gemälde seine Begabung für die religiöse Malerei offenbarte (Maria und Johannes vom Grab Christi zurückkehrend), welche er seither in erster Reihe pflegte. Von 1866 bis 1869 war er Professor an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar, dort u.a. als Lehrer des Malers Otto Piltz. Danach kehrte Plockhorst nach Berlin zurück. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf.

Werk

Plockhorst war ein Vertreter der Kunstrichtung der romantischen Schule der (Spät-)Nazarener (gemeinsam mit den anderen religiösen Malern und Vertretern des protestantischen Glaubens wie Karl Gottfried Pfannschmidt und Heinrich Hofmann), die beeinflusst durch die Präraffaeliten auf Kunstthemen des Mittelalters zurückgriffen. Gleichzeitig steht er auch für die zunehmende Industrialisierung und teilweise auch „Verkitschung“ der nazarenischen Kunst.

Religiöse Themen

Schutzengel

1872 beschickte Plockhorst die Berliner Ausstellung mit einem Bild, das bald als sein Hauptwerk galt: Kampf des Erzengels Michael mit dem Satan um den Leichnam des Moses, heute städtisches Museum zu Köln. Es folgten ein im Auftrag des preußischen Kultusministeriums gemaltes Altargemälde, die Auferstehung Christi für den Dom zu Marienwerder.

Weitere Werke zeigten Christi Abschied von seiner Mutter, Christus auf dem Weg nach Emmaus, Christus erscheint der Maria Magdalena, Aussetzung des Moses, Auffindung des Mose, Lasset die Kindlein zu mir kommen, Luther am Weihnachtsabend (1887), Die Ehebrecherin vor Christus (Moskau, ehemals Galerie Löwenstein). Plockhorsts 1886 ausgestellter Schutzengel mit zwei Kindern am Abgrund wurde tausendfach als Farblithografie verbreitet und hatte auf die weitere Entwicklung der populären Schutzengelbilder großen Einfluss.

1883 schuf er das Altarblatt mit einer Christusdarstellung für die neu erbaute Immanuelkirche in Berlin.

Glasfenster nach Gemälden von Plockhorst schmücken mehrere Kirchen in den USA, so in der Emmanuel Episcopal Church in Shawnee, Oklahoma: Die Geburt, in der First Congregational Church UCC, Owosso, Michigan: Moses überreicht Aaron am Berg Sinai die Zehn Gebote, in der Stanford Memorial Church, Stanford University, Kalifornien: Die Flucht nach Ägypten und in der Zion Lutheran Church, Baltimore, Maryland: Der Gute Hirte.

Sein Ölbild Noli me tangere, das Plockhorst ursprünglich für den deutschen Gerichtshof gemalt hatte, erfuhr ein bemerkenswertes Schicksal: Das über 2 m² große Bild sollte schließlich doch nach England verkauft werden. Auf dem Weg dorthin sank allerdings das Schiff „Sorata“ mit dem Bild an Bord. Das Werk konnte zwar gerettet werden, war jedoch völlig mit einer weißen Schicht verkrustet. Es sah aus, als habe das Meerwasser die Farbpartikel zersetzt. In diesem Zustand brachte der deutsche Bevollmächtigte, Professor Rouleaux, das Bild nach Melbourne, Australien. Als man dort 1880 die Weltausstellung in Melbourne vorbereitete, wurde der Kunsthändler Alexander Fletcher (1837–1914) auf das Gemälde aufmerksam. Er kaufte es für einen Spottpreis und brachte es zum Restaurator Peacock. Dieser fand heraus, dass die weiße Schicht von den Gipsresten des Bilderrahmens herrührte. Peacock konnte sie leicht entfernen und die intakten Farben kamen wieder zum Vorschein. Fletcher verkaufte das restaurierte Bild daraufhin für einen ansehnlichen Preis an die National Gallery of Victoria. Über seinen cleveren Coup wurde damals in den drei größten Tageszeitungen von Melbourne ausführlich berichtet.[1]

Porträts

1857 schuf Plockhorst ein Porträt des Musikers Franz Liszt, ferner weitere zahlreiche Portraits mitteldeutscher Fürstlichkeiten, darunter die des Kaisers Wilhelm I. und der Kaiserin Augusta (Berliner Nationalgalerie) und anderer bedeutender Zeitzeugen, wie des bedeutenden Leipziger Verlegerehepaares Tauchnitz („Tauchnitz Editions“), David Hansemann und der Kinder der Familie Platzmann. Von 1859 stammt das Porträt der Ehefrau des Verlegers Spamer, Leipzig. Ein lebensgroßes Porträt des Leipziger Ehrenbürgers Carl Lampe befindet sich in Privatbesitz der Familie.

Illustrationen

Im Rahmen der Tauchnitzeditions zeichnete Plockhorst verschiedene Titelblätter und Frontispize, beispielsweise für Three Tales for Girls der englischen Schriftstellerin Dinah Maria Mulock Craik) und für Charlotte M. Yonge The little Duke or Richard the Fearless. Ben Sylvester’s Word (1861).

Weitreichenden Erfolg hatten seine Illustrationen für Von Bethlehem nach Golgatha. Das Leben unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi nach den vier Evangelisten von Karl von Gerok (1881), wovon 1882 eine dänische Ausgabe mit einem Text von C. D. Wirsén erschien.

Für die „neue Jubel-Ausgabe“ von Philipp Spittas Psalter und Harfe schuf er gemeinsam mit F. Wanderer 24 Vollbilder, das Porträt Spittas, Illustrationen und 42 Initialen.

Quellen

  1. Caroline Jordan, The Australian Centre, The University of Melbourne, Published in The Latrobe Journal, no. 75, Autumn 2005, pp.77-93 (online).

Weblinks

 Commons: Bernhard Plockhorst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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