Bestseller

Bestseller sind Handelsartikel, deren Verkaufszahlen überdurchschnittlich hoch sind. Diese Statistiken werden in Bestsellerlisten veröffentlicht.

Inhaltsverzeichnis

Bedeutung als Fachwort

Der Fachbegriff „Bestseller“ ist einer von vielen, die sich – aus englischen bzw. US-amerikanischen Wörtern gebildet – in der deutschen Sprache eingebürgert haben.

Das Wort „Bestseller“ setzt sich aus zwei Teilen zusammen: best, dem Superlativ von gut, und "seller" von dem Verb "to sell" = verkaufen. Wörtlich könnte man „Bestseller“ also mit „Meistverkauftes“ übersetzen. Da man ein Buch nur als meistverkauftes bezeichnen kann, wenn man vorher den Absatz verschiedener Bücher verglichen hat, bezieht sich die Bezeichnung „Bestseller“ immer darauf, dass Absatzdaten erhoben und ausgewertet wurden.

So definierte Sonja Marjasch 1946, ein Bestseller sei ein „Massenartikel, der innerhalb einer bestimmten Zeitspanne, in einem bestimmten Absatzgebiet, im Vergleich zu den übrigen Büchern derselben Gattung (während der gleichen Zeit am gleichen Ort) eine Höchstzahl an verkauften Exemplaren erreicht“ habe.[1]

Die meisten Sachverständigen für die Ermittlung von Bestsellern setzen eine untere Absatzgrenze fest, gehen also von der Zahl der verkauften Exemplare aus. Dabei geht es um die Frage, ob ein Werk überhaupt mit dem Titel Bestseller beworben werden darf. Ab 100.000 verkaufter Stücke der Originalausgabe gilt ein Buch als Bestseller. In den Bestsellerlisten jedoch, die auf Erhebungen tatsächlicher Absatzmengen beruhen, auf Befragungen ausgewählter Buchhändler nämlich, werden keine unteren Absatzgrenzen festgelegt.

Der Begriff Bestseller wird nicht nur für Listen verwendet, sondern auch in den Kulturseiten der Presse, in Buchkritiken und -beschreibungen, beispielsweise wenn jemand einem Buch einen außerordentlichen Verkaufserfolg voraussagt. Auch werden noch nicht erschienene Bücher gelegentlich als zukünftige Bestseller beworben.

Begriffserweiterung des Bestsellers

Sonja Marjasch kam im Zuge ihrer Untersuchungen zum Phänomen Bestseller zu dem Schluss, dass dieser in sich unterteilt werden kann. Diese Unterbegriffe sind allerdings viel weniger an exakten Verkaufszahlen orientiert. In diesem Zusammenhang lassen sich literarische Werke nach der Messzeit, nach dem Umsatz oder der Umsatzdauer eingliedern:

  • seller: guter Umsatz; keine festgelegte Umsatzdauer
  • good seller: recht guter Umsatz; keine festgelegte Umsatzdauer
  • steady seller: guter Umsatz bei langer Umsatzzeit; z. B. die Bibel
  • longseller: Werk, das sich über einen langen Zeitraum verkaufen lässt
  • fast seller: recht guter Umsatz bei kurzer Umsatzzeit
  • bestseller: sehr guter Umsatz innerhalb einer bestimmten Messzeit: Woche, Monat, Jahr
  • steady bestseller: sehr guter Umsatz während der Dauer von zwei oder mehr Messzeiten; z.B. Mitchell: Gone with the Wind

Allerdings sind diese Begriffe rein theoretisch und die Frage nach dem historischen Hintergrund bzw. Umfeld eines Werkes bleiben unbeantwortet. Sonja Marjasch bezeichnet Bestseller zwar als kulturelle Barometer unserer Zeit, jedoch geht aus ihren Definitionen nicht hervor, wann man ein Buch aus welchem Grund in eine der oben genannten Kategorien einordnet.

Als Zusatz zu den fünf Kategorien Sonja Marjaschs kann der Begriff Worstseller genannt werden. Dieser beschreibt ein Buch, welches während einer langen Umsatzzeit kaum oder sogar fast gar keinen Umsatz erzielen konnte (z.B. Stendhal: Über die Liebe). Seit 2006 bringt der Diogenes Verlag die Novität eines Taschenbuchprospektes mit den eigenen Worstsellern heraus.

Ein anderer weitgehend akzeptierter Ansatz zur Analyse der Lebensdauer eines Buches ist eine in vier Typen aufgegliederte Typologie:

  • Bestseller: Novitäten mit aktuellen Themen und/oder von bekannten Autoren
  • Longseller: Bibel, klassische Kinderbücher, Klassiker, Nachschlagewerke, Klassiker der Moderne, Lehrbücher
  • Steadyseller: Lexika, Loseblatt, Zeitschriften-Abos, wissenschaftliche Periodika
  • Problemkinder: Publikumszeitschriften, Novitäten unbekannter Autoren, Tageszeitungen, erklärungs- und überzeugungsbedürftige Titel.

Nach diesem Modell wählen die meisten Buchhändler ihr Sortiment aus und können so abschätzen, ob sie ein ausgewogenes Angebot mit kontrollierbarem Risiko (beispielsweise durch Problemkinder) haben.

Geschichte des Bestsellers

Erfolgsbücher früherer Jahrhunderte

Nach der Weiterentwicklung des Buchdruckverfahrens in Europa durch Johannes Gutenberg 1450 war nach der Inkunabelzeit (1450-1500) Martin Luthers Flugschrift An den christlichen Adel deutscher Nation mit 4000 verkauften Exemplaren innerhalb von fünf Tagen der erste Bestseller der Geschichte. Seine Übersetzung des Neuen Testaments und der Kleine Katechismus (1529) wurden über Jahrhunderte zu Steadysellern. Im 18. Jahrhundert fanden Christian Fürchtegott Gellerts Fabeln und Erzählungen (1746-1748) große Verbreitung. Nach der Alphabetisierung und der ersten Leserevolution im ausgehenden 18. Jahrhundert kam es mit Goethes Die Leiden des jungen Werthers (1774) zum ersten „echten“ deutschen Bestseller. Die Buchverbreitung wurde durch Fortschritte in der Drucktechnologie vereinfacht und durch neue Papierherstellmethoden beschleunigt. Es kam zur Herstellung von Massenauflagen und zur ausgedehnten Verbreitung von Druckwerken durch das Leihbibliothekswesen. 1867 erloschen die Verlagsrechte der deutschen Klassiker und bescherten dem Buchmarkt einen Absatzboom für billige Werkausgaben von Schiller, Goethe und Lessing. Des Weiteren kam es im ausgehenden 19. Jahrhundert durch den Kolportagebuchhandel zur massenhaften Verbreitung von Büchern und Zeitschriften. Bis heute sind aus dieser Zeit Longseller wie der Struwwelpeter (1844) von Heinrich Hoffmann und Max und Moritz (1865) von Wilhelm Busch in kaum veränderter Form erhältlich.[2]

Der Weg zum Bestseller

Wie oben ausgeführt, wird ein Buch zu einem Bestseller, indem es überdurchschnittlich oft verkauft wird. Dabei ist nicht immer die literarische Qualität eines Buches ausschlaggebend, sondern oft eine von Verlag und Literaturvertretung in vielen Einzelheiten geplante Herstellung und eine mehrschrittige bzw. mehrschienige Werbung. Dass ein solcher Erfolg nicht leicht zu erringen ist, ergibt sich schon daraus, dass im letzten Jahr allein in den USA schätzungsweise 200.000 Bücher auf den Markt kamen, von denen gerade einmal 1 % Bestsellerstatus erreichen konnte.

Auf dem Weg eines Buches zum Bestseller begegnet es unterschiedlichen Menschen und Institutionen, die über seine Zukunft entscheiden, es entweder ablehnen oder in die Ränge der Bestseller tragen. Zu ihnen gehören Buchhändler, Verlagshäuser, Redakteure, literarische Agenten und die Medien. Zu den bedeutendsten Verlagshäusern in Deutschland zählen unter anderem Bertelsmann, Suhrkamp oder auch der Fischer-Verlag. Sie allein (wobei hier besonders Bertelsmann zu erwähnen ist) können bereits einen Großteil der in Deutschland publizierten Bestseller für sich verzeichnen.

Unabdingbar für den Erfolg eines Buches sind ein gutes Marketing mit Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, sowohl vom Verlag als auch im Bucheinzelhandel. Doch nicht nur das Buch selbst ist ein Gegenstand von Vermarktungsstrategien, sondern auch der Autor. Insbesondere wenn er bereits einen Bestseller hatte, kann seine Person benutzt werden, um ein neues Werk zu vermarkten. Häufigere Auftritte eines Autors in der Öffentlichkeit und auf verschiedenen Medienplattformen (TV, Internet) können den Verkauf seiner Bücher ebenfalls fördern.

Bewertung

Bestseller haben nicht von vornherein einen höheren oder niedrigeren literarischen oder inhaltlichen Wert als andere Werke. Welt-Bestseller sind meist Produkte einer ambitionierten und gut geplanten Werbekampagne mit enormem Kapitaleinsatz.

Neben der Werbung gibt es noch weitere Möglichkeiten, wie ein Buch zu einem Verkaufsschlager werden kann: die positive Besprechung eines Kritikers, in den Massenmedien lanciert (zum Beispiel im Fernsehen oder einer überregionalen Tageszeitung), kann dem Buch zu Spitzenplätzen in den Bestsellerlisten verhelfen.

Unabhängig davon kann ein Buch aber auch allein durch Mundpropaganda zu einem Bestseller avancieren. Dieser Vorgang kann Monate oder gar Jahre dauern und folgt, wie Forscher 2004 nachgewiesen haben, den statistischen Regeln eines Potenzgesetzes, dass das Gedächtnis des sozialen Systems der Leser berücksichtigt (Physical Review Letters 93, 228701 (2004)).

In neuerer Zeit werden solche Titel überdurchschnittlich oft als Kinofilm und mit zusätzlichen Mitteln (Spielen, Kleidung, Merchandising) weiter vermarktet.

Das Phänomen der Bestseller in der Buchbranche wird bereits seit Langem genauer untersucht. In der sogenannten Bestsellerforschung wird der Bestseller im Hinblick auf verschiedene Problematiken genauer beleuchtet. Diese können kulturkritisch, rezeptionsorientiert, produktionsorientiert oder medienorientiert sein.

Siehe auch

Literatur

  • Werner Faulstich: Bestandsaufnahme Bestseller-Forschung. Ansätze – Methoden – Erträge. Wiesbaden 1983, S. 70–193.
  • Werner Faulstich, Ricarda Strobel: Bestseller als Marktphänomen. Ein quantitativer Befund zur internationalen Literatur 1970 in allen Medien. Wiesbaden 1986.
  • Ernst Fischer: Bestseller in Geschichte und Gegenwart. In: Joachim-Felix Leonhard et al. (Hrsg.): Medienwissenschaft. Ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen. Berlin 1999, S. 764–776.
  • Wolfgang Ehrhardt Heinold: Bücher und Bücherhändler. Bramann, Frankfurt 2007.
  • Burkhart R. Lauterbach: Bestseller: Produktions- und Verkaufsstrategien. Tübinger Verein für Volkskunde e. V., Tübingen 1979.
  • David Oels: Bestseller. In: Erhard Schütz et al. (Hrsg.): Das BuchMarktBuch. Der Literaturbetrieb in Grundbegriffen. Reinbek 2005, S. 47–53.
  • Ingrid Tomkowiak: Schwerpunkte und Perspektiven der Bestsellerforschung. In: Schweizerisches Archiv für Volkskunde. 99, 2003, S. 49–64.
  • Winfried Wehle (Hrsg.): Italienische Bestseller. In: Italienisch. Nr. 34, Frankfurt am Main 1995.
  • Seitenweise Erfolg. Vierzig Bestseller und ihre Geschichten. Bramann, Frankfurt 2008, ISBN 978-3-934054-93-6.

Weblinks

Quellen

  1. Burkhart R. Lauterbach: Bestseller: Produktions- und Verkaufsstrategien. Tübinger Verein für Volkskunde e. V. Schloss, Tübingen 1979. Seite 8.
  2. Ernst Fischer: Bestseller in Geschichte und Gegenwart. Seite 765.

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