Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich
Scheich Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich

Abd al-Aziz bin Abdullah Al asch-Schaich (arabisch ‏عبد العزيز آل الشيخ‎ ʿAbd al-ʿAzīz bin ʿAbdullāh Āl asch-Schaich, DMG ʿAbd al-ʿAzīz b. ʿAbdullāh Āl aš-Šayḫ; * 1943 in Riad) bekleidet in Saudi-Arabien das Amt des obersten Muftis (Großmufti) und des stellvertretenden Justizministers.

Ausbildung und Karriere

Mit 12 Jahren erlangte er den Status des Hafiz, d.h. er kann den ganzen Koran auswendig. Des Weiteren kann er die Sahih Hadith aus den Al-Kutub as-sitta auswendig, die sechs Hadith-Bücher des sunnitischen Islams. Im Jahre 1961 wurde er blind. Er beendete sein Studium 1963 in Mekka. Die Funktionen eines Imam und eines Chatib, später auch eines Alim nimmt er seit 1970 wahr. Von 1971 bis 1991 unterrichtete er an der Scharia Fakultät in Riad (seit 1974 Imam Muhammad ibn Saud Islamic University). Er ist seit 1986 Mitglied des Hohen Ulama-Rat Saudi-Arabiens und gehört seit 1991 dessen Ständigen Komitee für Rechtsfragen an. Er wurde 1995 Stellvertreter von Abd al-Aziz ibn Baz und trat 1999 dessen Nachfolge an.[1][2] Er ist ein Nachfahre von Muhammad ibn Abd al-Wahhab und gehört zum Stamm Al asch-Schaich, die traditionell die religiösen Autoritäten des saudischen Königreichs stellen.[3] Seit 1993 beantwortet er Anruferfragen bei der Radiosendung "Noorun 'alad-Darb". Der Mufti tritt im Fernsehen, bei dem 2003 gegründeten religiösen Sender Al Majd TV auf.

Positionen

In einer Fatwa im Jahre 2000 verbot er in Saudi-Arabien Barbiepuppen, da diese eine Hetze gegen den Schleier darstellten, und verbot gleichzeitig Pokémonspielkarten, da diese zum Glücksspiel verleiten würden. Er empfahl auch allen Muslimen weltweit, sich nicht an Aprilscherzen zu beteiligen, da diese eine Sünde seien, da Muslime auch aus Spaß nicht lügen sollen.

In einer Fatwa vom März 2004 forderte der Großmufti ein vollständiges gesetzliches Verbot des Miteinanders von Männern und Frauen außerhalb der Familie. Dabei bezog er sich auf eine Konferenz, die saudische Wirtschaftsexpertinnen im Wirtschaftsclub von Dschidda abgehalten hatten, bei welcher Frauen und Männer teilweise gemeinsam im selben Raum teilgenommen hatten. In der Fatwa erklärte er, "Unverschleierte Frauen öffnen das Tor zum Bösen und zum Schlechten. (...) Mich schmerzt es, dass ein solches schamloses Verhalten ausgerechnet in Saudi-Arabien geschehen ist, dem Land der Zwei Heiligen Moscheen, dessen Führer immer die Scharia ohne Furcht vor Kritik der Ungläubigen befolgt haben." Seit diesem Vorfall wird er von lokalen, westlich orientieren Medien als ein Gegner der Frauenemanzipation in Saudi-Arabien bezeichnet, die Frauenarbeit außerhalb des Hauses hat er oft als „verhängnisvollen Boden“ bezeichnet.

Bei der Haddsch im Jahre 2004 hat der Mufti zur "gnadenlosen Erdrückung" des im Namen des Islam begangenen Terrors aufgerufen. Der Islam verbiete jegliche Art von Gewalt in all ihren Formen, er verbiete die Entführung von Flugzeugen, Schiffen und anderen Verkehrsmitteln, des Weiteren verbiete er alle Handlungen, die die Sicherheit der Gesellschaft untergraben.[4]

In einer Fatwa im April 2005 erklärte er die Zwangsehe für verboten und forderte eine schärfere Kontrolle und Bestrafung durch die Justiz, da die Zwangsehe gegen den Islam verstoße[5] und der Prophet Muhammed einen Hadith zufolge eine Zwangsehe annullieren ließ.[6]

2006 bezeichnete er das Papstzitat von Regensburg als Lügen, die zeigten, dass eine Versöhnung der Religionen unmöglich sei.[7]

Im März 2008 setzte er sich öffentlich dafür ein, mehr Posten in der Justiz an Frauen zu vergeben; in der Justiz könne jeder arbeiten, der qualifiziert genug sei; eine Diskriminierung von Frauen liege nicht im Interesse der Gesellschaft und verstoße gegen die Gesetze des Islam. Des Weiteren gab er bekannt, Rechtsberatungsstellen eigens für Frauen einrichten zu wollen. Man müsse einen Weg finden, wie Frauen Richter erreichen können, ohne mit Männern in Kontakt zu kommen.[8]

Einzelnachweise

  1. Fatwa-online: Biografie
  2. `Abdul-`Aziz ibn `Abdullah ibn Muhammad Al Al-Shaykh Member Scholars of the Permanent Committee for Ifta’
  3. Nawaf E. Obaid (Sept. 1999). The Power of Saudi Arabia's Islamic Leaders". Middle East Quarterly VI (3): 51–58.
  4. SAUDI MUFTI CALLS FOR CRUSHING TERROR, EXHORTS WOMEN TO MODESTY Financial Times, January 31, 2004
  5. Women in Saudi Arabia - Grand Mufti Pronounces End of Forced Marriages qantara.de 21. April 2005
  6. cwis.usc.edu.
  7. «Hässliche, unglückliche Äußerungen»: Erdogan fordert Entschuldigung des Papstes, Netzeitung, 17. September 2006
  8. "Women to Work in Saudi Courts: Justice Minister", Arabnews, 31. März 2008 Abgerufen am 1. April 2008.

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