Bahntower (Frankfurt)

Der Bahntower (auch abweichende Schreibweise als BahnTower, früher auch bekannt als Campanile) ist ein Projekt eines bis zu 210 Meter hohen Hochhauses, das auf einem bislang als Parkplatz genutzten Grundstück südlich vom Hauptbahnhof in Frankfurt am Main entstehen soll [1]. Hauptmieter des Gebäudes wird vermutlich die Deutsche Bahn AG. Sie prüft die Möglichkeit, in dem Hochhaus, unter anderem durch eine Teilverlagerung der Arbeitskräfte aus der aktuellen DB-Zentrale im Frankfurter Gallusviertel, etwa 3.000 Arbeitsplätze unterzubringen und somit neben Berlin einen weiteren wichtigen Unternehmenssitz auszubauen. Der Bau wäre eine Projektentwicklung des Grundstückseigentümers Vivico. Ein genaues Datum des Baubeginns steht nicht fest, da die Gespräche zwischen Vivico und Deutsche Bahn noch nicht abgeschlossen sind. Fachleuten schätzen, dass in dieses Projekt bis zu 500 Millionen Euro [2] investiert werden.

Inhaltsverzeichnis

Das gescheiterte Campanile-Projekt

Bereits Anfang der achtziger Jahre gab es konkrete Pläne auf dem Grundstück ein Hochhaus zu errichten. Der Campanile genannte Turm sollte mit einer Gesamthöhe von 220 Metern das damals höchste Bürogebäude Europas werden. Den ersten Entwurf für das Hochhaus leistete der Architekt Hans Robert Hiegel mit einer Gesamthöhe von 180 Metern im Auftrag der Stadt Frankfurt[3], der Jahre später Vorbild für den Messeturm Frankfurt werden sollte[4]. Ein weiterer wurde von den Frankfurter Architekten JSK zunächst in Form eines achtgeschossigen Entwurfes vorgestellt. Darauf folgten höhere Varianten von beiden Architekten. Es wurde in einem Jahre später folgenden Wettbewerbsverfahren der Entwurf von Oswald Mathias Ungers mit dem ersten Preis prämiert. Ein Geschäftsführer von JSK war hierbei im Preisgericht vertreten.

Der Name Campanile (Glockenturm) leitete sich ab von italienischen Kirchtürmen, die oft frei neben Kirchengebäuden stehen – im Frankfurter Fall wäre der Turm neben der „Kathedrale“ Hauptbahnhof errichtet worden. Das Bauprojekt war umstritten, da im benachbarten Gutleutviertel eine Verdrängung der Wohnbevölkerung und eine Zunahme des Pkw-Verkehrs befürchtet wurde. Dennoch erteilte die Stadt am 12. März 1989 eine erste Teilbaugenehmigung – 48 Stunden vor der Kommunalwahl, die der CDU den Verlust der Regierungsmacht bedeutete und eine Koalition aus SPD und Grünen hervorbrachte. Während die SPD den Campanile befürwortete, lehnten die Grünen den Turm grundsätzlich ab. Schließlich brachte ein juristischer Fehler in der Teilbaugenehmigung das ganze Vorhaben zu Fall: Eine Klausel machte die Rechtswirksamkeit der Genehmigung von der Zustimmung aller aufgrund des Nachbarschaftsrechts betroffenen Grundstücksnachbarn abhängig. Während die anderen Nachbarn keine großen Schwierigkeiten bereiteten stieß die Immobiliengruppe Fay, der damalige Bauträger des Campanile, und der Entwurf von JSK bei der Nachbarin Hannelore Kraus auf erheblichen Widerstand [5]. Selbst das Angebot einer millionenhohen Summe konnte die Dame nicht davon abbringen, ihre Zustimmung zu verweigern und das Bauvorhaben damit zu verhindern. Zwar wurde die betreffende Klausel später gerichtlich für unwirksam erklärt, da sie faktisch eine Übertragung der Kompetenz für die Erteilung von Baugenehmigungen von der Stadt auf die Grundstücksnachbarn darstellte, doch da war das Campanile-Projekt längst gescheitert und in der rot-grünen Stadtregierung auch politisch nicht mehr gewollt.

Der zweite Anlauf 2007

2005 wurde der Stadtplaner Jochem Jourdan von der Stadt Frankfurt beauftragt, einen neuen Hochhausrahmenplan zu entwickeln. Unter den Grundstücken, die Jourdan für Hochhausprojekte als geeignet empfahl, befand sich bei einer ersten Präsentation im März 2007 auch das Campanile-Areal am Hauptbahnhof. Jourdan schlug hier einen lediglich 180 Meter hohen Turm vor, der in die nördliche Ecke des Grundstücks an die Mannheimer Straße gerückt werden sollte. Im südlichen Teil könne so ein dringend benötigter Busbahnhof auf dem Areal entstehen. Dieser Vorschlag und weitere umstrittene Standorte sorgten in der schwarz-grünen Koalition für kontroverse und lang andauernde Diskussionen. Eine Entscheidung über den neuen Hochhausrahmenplan wurde mehrmals vertagt. Im April 2008 wurde bekannt, dass sich die Koalition aus CDU und Grünen beim Hochhaus am Hauptbahnhof geeinigt habe: Die Höhe werde auf nur noch 100 Meter beschränkt und der Bau eines Busbahnhofes sei zwingende Voraussetzung für den Hochhausbau. Bereits wenige Monate später, im September 2008, war diese Einigung wieder überholt. Es wurde bekannt, dass sich die Stadt mit dem Grundstückseigentümer Vivico auf ein Hochhaus mit einer Maximalhöhe von 210 Metern verständigt habe. Ausschlaggebend für die Zustimmung zu einem doppelt so hohen Gebäude war das Interesse der Deutschen Bahn den Turm komplett zu mieten und damit etwa 3.000 Mitarbeiter aus Frankfurt an einem Ort zu konzentrieren. Eine weitere Auflage der Stadt Frankfurt für die Erweiterung der Höhe ist die Errichtung eines Busbahnhofes am Standort sowie neue Wohnungen, insbesondere auch geförderte Sozialwohnungen.

Ein Bebauungsplanverfahren soll eingeleitet werden wenn Vivico den Mietvertrag mit der Deutschen Bahn abgeschlossen hat.

Im März 2009 gab die Bahn bekannt, dass sie für etwa 2.000 Mitarbeiter langfristig den Silver Tower im Bahnhofsviertel von der Commerzbank gemietet habe. Das Hochhaus steht seit dem Auszug der Mitarbeiter der Dresdner Bank leer und wird seit Anfang 2009 umfassend saniert. 2012 sollen die Bahn-Mitarbeiter ihren neuen Arbeitsplatz beziehen. Ob durch diese Entscheidung die Planungen für den Bahntower am Hauptbahnhof obsolet geworden sind, war zunächst nicht zu erfahren.[6]

Weblinks

Quellen

  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung
  2. Deutsches Architektur Forum
  3. architekten24
  4. Frankfurt Lounge
  5. Die Zeit
  6. Frankfurter Allgemeine Zeitung – Die Bahn mietet sich im „Silberturm“ ein
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