Beningaburg (Wirdum)

Beningaburg (Wirdum)

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Beningaburg (Wirdum)
Entstehungszeit: um 1200 bis 1300
Burgentyp: Niederungsburg
Erhaltungszustand: Burgstall
Ständische Stellung: Niederer Adel
Ort: Wirdum
Geographische Lage 53° 28′ 42,9″ N, 7° 11′ 44,1″ O53.4785847.195573Koordinaten: 53° 28′ 42,9″ N, 7° 11′ 44,1″ O
Beningaburg (Wirdum) (Niedersachsen)
Beningaburg (Wirdum)

Die Beningaburg war der Stammsitz der alten ostfriesischen Häuptlingsfamilie Beninga war, deren prominentester Spross der Chronist Eggerik Beninga. Ihre Reste befinden sich auf zwei Warften zwischen Wirdum und Grimersum im Landkreis Aurich in Niedersachsen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Die Marschdörfer Grimersum und Wirdum liegen innerhalb eines spätmittelalterlichen Deiches, beiderseits einer nach der Bedeichung verlandeten Meeresbucht. Die Beningaburg liegt östlich der einstigen schmalen Meeresbucht am Rande der Gemarkung Wirdum und besaß einen direkten Zugang zum Meer.

Anlage

Die kleine Wehranlage ist ein typisches Beispiel einer sogenannten Häuptlingsburg, wie sie Ostfriesland häufig erbaut wurde. Der nördliche Hügel ist rund 130 m lang, 80 m breit und erreicht eine Resthöhe von + 4,7 m NN. Der südliche ist mit 85 m Länge, 70 m Breite und einer Resthöhe von +3,5 m NN deutlich kleiner.

Die Burg wurde in den Jahren 1999 und 2000 erforscht. Demnach war die Anlage zweigeteilt. Im Osten befand sich der wehrhafte Turm, im Westen ein Saalbau von über 30 Metern Länge.[1] Umgeben war die gesamte Anlage mit einem Graben der Zugang zum Meer hatte.

Geschichte

Die beiden Warften der ehemaligen Burg.

Ein urkundlicher Beleg, wann die Burg erbaut wurde, konnte bisher nicht aufgefunden werden.[1] Nach dem derzeitigen Forschungsstand wurde die Warft, auf der später die Burg errichtet wurde, wohl im späten Hochmittelalter über dem Uferwall eines Priels aufgeschüttet worden. Zu dieser Zeit erstreckte sich eine Meeresbucht bis nach Grimersum. Somit hatte die Anlage einen natürlichen Zugang zur Nordsee, der künstlich freigehalten wurde. Erster namentlich bekannter Burgherr ist Liudward Beninga (vor 1354), der Urahn der Wirdumer Linie der Beninga. Offenbar wurde die Burg hier an einen schiffbaren, nach Grimersum führenden Meeresarm von der Familie angelegt, um den Seehandel von Wirdum kontrollieren zu können.[2]

Die erste Bautätigkeit auf der Warft wird auf das späte 12. Jahrhundert datiert, wobei noch unklar ist, ob es sich hierbei um einem Verteidigungsbau, etwa einem Wehrturm (wie etwa das Steinhaus Bunderhee), oder noch zu einem rein bäuerlichen Gebäude gehandelt hat.[3] In einem späteren Siedlungshorizont konnten auf dem größeren Hügel Fundamentgräben eines Steinturmes und eines an den Turm anstoßenden Saalbaus festgestellt werden. Insgesamt maßen diese Gebäude etwa 44 Meter Länge und elf Meter Breite. Ihre Entstehungszeit wird auf die letzte Bauphase im 14. Jahrhundert datiert. Das die Burg ein herrschaftlicher Bau gewesen sein muss, wird durch Funde halbrunder Formsteine, Dachziegel vom Mönch-Nonne-Typ, grünes gewalztem Fensterglases und Reste von Bleiverglasungen belegt.

Im späten 14. Jahrhundert herrschten Liudward Beninga dann im Gebiet von Grimersum, Uttum und Jennelt sowie Wirdum, Alt- und Neu-Walsum (im späteren 14. Jahrhundert in der Leybucht untergegangen) über einen Grundbesitz von ungefähr 700 Hektar. Unter seinen Söhnen Gerald und Tiadger wurde der Besitz dann aufgeteilt. Zwischen 1376 und 1379 wurde die von Tiadger hinterlassene Burghälfte nebst den Herrschaftsrechten über Alt- und Neu-Walsum sowie Borkum von Ocko I. tom Brok gekauft. Etwa zu dieser Zeit begann die Familie Beninga, in Grimersum eine neue Burg zu bauen, die später zum Hauptsitz der Familie wurde. In der der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts gelang es der Familie offenbar die Burg, die durch Eindeichung der Bucht und die daraus folgende Verlandung des Meereszuganges an strategischer Bedeutung verloren hatte[4] wieder ganz in Besitz zu nehmen. Zerstört wurde die Burg dann in den Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in Ostfriesland, die sich zwischen den tom Brok und den Ukena und später den Cirksena und den Ukena mit ihren jeweiligen Parteigängern und Verbündeten abspielten. Die Beninga waren zu dieser Zeit mit den unterlegenen Ukenas verbündet. Eine Strafexpedition der mit den Cirksena verbündeten Hamburgern zur Bekämpfung der von den Ostfriesischen Häuptlingen geduldeten Piraterie besiegelte schließlich 1426 das Ende der Burg und der Herrschaft der Beninga.[2]

Einzelnachweise

  1. a b Ostfriesen-Zeitung vom 18. Juni 2000: Wehrhafte Burg mit Turm.
  2. a b Biographisches Lexikon für Ostfriesland: Beninga.
  3. Rolf Bärenfänger: Ostfriesische Verteidigung: Steinhäuser und Burgen. In: Matthias Utermann (Hrsg.): Archäologie mittelalterlicher Burgen. Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit e. V., Paderborn 2008, ISSN 1619-1439 (Print), ISSN 1619-148X (Internet), S. 71 (Mitteilungen der Deutschen Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit. Nr. 20) (online).
  4. Ostfriesische Landschaft: Grabungbericht 1999.

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