Niedersachsen
Land Niedersachsen
Läichsaksen
Neddersassen
Flagge Niedersachsens
Berlin Bremen Bremen Hamburg Niedersachsen Bayern Saarland Schleswig-Holstein Brandenburg Sachsen Thüringen Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern Baden-Württemberg Hessen Nordrhein-Westfalen Rheinland-Pfalz Schweiz Bodensee Österreich Luxemburg Frankreich Belgien Tschechien Polen Niederlande Dänemark Bornholm (zu Dänemark) Stettiner Haff Helgoland (zu Schleswig Holstein) Nordsee OstseeKarte
Über dieses Bild
Flagge
Sachsenross#Wappen Niedersachsens
Wappen
Sprache: Deutsch, Saterfriesisch und Niederdeutsch zum Amtsgebrauch zugelassen
Landeshauptstadt: Hannover
Fläche: 47.634,90[1] km²
Einwohnerzahl: 7,926 Mio. (30. Juni 2011)[2]
Bevölkerungsdichte: 166 Einwohner pro km²
Arbeitslosenquote: 6,3 % (Oktober 2011)[3]
Gründung: 1. November 1946
Schulden: 54,0 Mrd. EUR (31. Dezember 2010)[4]
ISO 3166-2: DE-NI
Kontakt:
Website: www.niedersachsen.de
Politik:
Ministerpräsident: David McAllister (CDU)
Regierende Parteien: CDU und FDP
Sitzverteilung im Landtag: CDU 69

SPD 47
FDP 13
B’90/Grüne 12
Die Linke 10
ohne Fraktionsstatus 1

Letzte Wahl: 27. Januar 2008
Nächste Wahl: 20. Januar 2013
Parlamentarische Vertretung:
Stimmen im Bundesrat: 6
Landkreise Niedersachsen.svg

Niedersachsen (saterfriesisch Läichsaksen, niedersächsisch Neddersassen, Abkürzung NI) ist ein Land im Nordwesten der Bundesrepublik Deutschland. Flächenmäßig ist es nach Bayern das zweitgrößte deutsche Land. Landeshauptstadt ist Hannover. Die Agglomerationen der Stadtstaaten Bremen und Hamburg wirken weit nach Niedersachsen hinein.

Die Bewohner des Landes Niedersachsen werden ebenfalls Niedersachsen genannt.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Räumliche Lage

Niedersachsen hat im Norden eine natürliche Begrenzung durch die Nordsee und den Unterlauf (Unterelbe) sowie den unteren Mittellauf der Elbe. Ausgenommen hiervon sind das Amt Neuhaus, das nordöstlich der Elbe liegt, und die südelbischen Teile Hamburgs. Als Enklave vom Landesgebiet umgeben ist das Land Bremen mit der Stadt Bremen. Für die Enklavenlage gibt es die Kooperation in der Metropolregion Bremen/Oldenburg. Im Südosten verläuft die Landesgrenze durch den Harz, ein Mittelgebirge. Der Nordosten und der Westen des Landes – insgesamt rund ¾ der Landesfläche – gehören zur Norddeutschen Tiefebene, der Süden zum Niedersächsischen Bergland mit dem Weserbergland, Leinebergland, Schaumburger Land, Braunschweiger Land, Untereichsfeld, Elm und Lappwald. Im Nordosten Niedersachsens liegt die Lüneburger Heide. Während dort ärmere Sandböden der Geest dominieren, finden sich im mittleren Osten und Südosten in der Lössbördenzone ertragreiche Böden mit hoher natürlicher Fruchtbarkeit. Unter diesen Voraussetzungen (lehm- und sandhaltige Böden) gilt das Land landwirtschaftlich als gut erschlossen. Im Westen liegen die Grafschaft Bentheim, das Osnabrücker Land, das Emsland, das Oldenburger Land, das Ammerland, das Oldenburger Münsterland und – an der Küste – Ostfriesland.

Die von Süden/Südosten nach Norden/Nordwesten verlaufenden Flüsse Ems, Weser, Aller und Elbe prägen Niedersachsen.

Der höchste Berg Niedersachsens ist der Wurmberg (971 m) im Harz. Für weitere Berge siehe: Liste von Bergen und Erhebungen in Niedersachsen. Die meisten Berge und Hügel sind im Südosten des Landes zu finden. Der tiefste Geländepunkt ist mit rund zweieinhalb Metern unter dem Meeresspiegel eine Senke bei Freepsum in Ostfriesland.

Der Siedlungs-, Wirtschafts- und infrastrukturelle Schwerpunkt Niedersachsens befindet sich im Bereich der Städte Stadthagen – Hannover mit Region Hannover – Celle – Braunschweig – Wolfsburg – Hildesheim – Salzgitter. Sie bilden mit dem in Südniedersachsen liegenden Göttingen den Kern der Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg.

Regionen

Großbereiche

Niedersachsen weist eine deutliche regionale Gliederung auf, die sich sowohl an landschaftlichen Gegebenheiten als auch an historischen und kulturellen Entwicklungslinien manifestiert. In den Regionen, die früher eigenständig waren, insbesondere im Kernbereich der früheren Länder Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe, findet man bis heute häufig ein ausgeprägtes Regionalbewusstsein. Im Umland der Hansestädte Bremen und Hamburg herrscht dagegen häufiger eine Orientierung in Richtung dieser Zentren vor.

Auflistung von Regionen

Teilweise finden sich zwischen mehreren der genannten Regionen Überlappungs- und Übergangsbereiche. Einige der aufgeführten Regionen sind Teile anderer, größerer Regionen, die sich ebenfalls in der Liste finden.

Knapp 20% der Landesfläche sind als Naturpark ausgewiesen, und zwar: Dümmer, Elbhöhen-Wendland, Elm-Lappwald, Harz, Lüneburger Heide, Münden, Terra.vita, Solling-Vogler, Steinhuder Meer, Südheide, Weserbergland, Wildeshauser Geest, Bourtanger Moor-Bargerveen.[5]

Siehe auch: Liste der Städte und Gemeinden in Niedersachsen, Landschaften und Landschaftsverbände in Niedersachsen

Klima

Niedersachsen gehört zur gemäßigten Klimazone Mitteleuropas im Bereich der Westwindzone und befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem maritimen Klima in Westeuropa und dem kontinentalen Klima in Osteuropa. Dieser Übergang macht sich innerhalb des Landes deutlich bemerkbar: Während der Nordwesten ein atlantisches (Nordseeküste) bis subatlantisches Klima mit im Jahresverlauf vergleichsweise geringer Temperaturamplitude und einem Wasserbilanzüberschuss aufweist, wird das Klima nach Südosten hin zunehmend kontinentaler beeinflusst. Dies wird an stärkeren Temperaturunterschieden zwischen Sommer- und Winterhalbjahr sowie an geringeren und jahreszeitlich ungleich verteilten Niederschlägen deutlich. Am stärksten ist diese subkontinentale Färbung im Wendland, im Weserbergland (Hameln bis Göttingen) und im Raum Helmstedt ausgeprägt. Im Harz sind die höchsten Niederschläge zu verzeichnen, da der niedersächsische Teil die Luvseite dieses Mittelgebirges darstellt, an der sich unter anderem Steigungsregen entlädt. Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 8 °C (7,5 °C im Alten Land und 8,5 °C im Kreis Cloppenburg).

Nachbarländer

Angrenzende Länder sind Bremen, Hamburg, Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Kein anderes deutsches Land hat so viele benachbarte Länder.

Niedersachsen hat außerdem eine Grenze zu den niederländischen Provinzen Overijssel, Drenthe und Groningen sowie Anteil an der deutschen Nordseeküste.

Geschichte

Geschichte des „Niedersachsen“ genannten Gebiets vor der Gründung des Landes

Das Herzogtum Sachsen um 1000
Reichskreise zu Beginn des 16. Jahrhunderts. In Rot der Niedersächsische Reichskreis, in Hellbraun der Niederrheinisch-Westfälische Reichskreis

Vor 1946 bezog sich das Wort „Niedersachsen“ nicht auf genau das Gebiet, welches das heutige Land Niedersachsen ausmacht. Den Kern des „Niedersachsen“ genannten Gebiets machten die Regionen aus, in denen der germanische Volksstamm der Sachsen lebte. Allerdings gehören zum Land Niedersachsen auch Gebiete, die von Friesen bewohnt wurden und werden. Der letzte sächsische Herzog, der auch über Westfalen herrschte, war Heinrich der Löwe. Nach dessen Entmachtung im Jahr 1180 wurde der Begriff „Niedersachsen“ zur Abgrenzung des Herrschaftsgebiets der Welfen, einerseits von Westfalen, andererseits von dem sich später „Sachsen“ nennenden Gebiet an der oberen Elbe benutzt.

Bis zum Wiener Kongress (1814/1815)

Der Name und das Wappen des heutigen Landes greifen auf den germanischen Volksstamm der Sachsen zurück. Teile des Stammesverbandes der Sachsen drangen während der Völkerwanderungszeit ab dem 3. Jahrhundert aus ihrer Heimat in Holstein über die Elbe nach Süden vor, wo sie sich in den damals von anderen Volksstämmen dünn besiedelten Gebieten in den übrigen niederen Landen, im heutigen Nordwestdeutschland und im nordöstlichen Teil der heutigen Niederlande ausbreiteten. Etwa ab dem 7. Jahrhundert hatten die Sachsen einen Siedlungsraum besetzt, der etwa den heutigen Ländern Niedersachsen, Westfalen und einigen östlich angrenzenden Gebieten wie dem West- und Nordteil Sachsen-Anhalts entsprach. Das Gebiet der Sachsen war in etwa 60 Gaue unterteilt. Die Friesen waren nicht in dieses Gebiet einbezogen; sie bewahrten sich über Jahrhunderte in der nordwestlichsten Region des heutigen niedersächsischen Raums ihre Eigenständigkeit. Die (Ur-)Sprache der Bevölkerung im Gebiet Altsachsens ist das Sächsische, eine Sprachvarietät im niederdeutschen Sprachraum.

Die dauerhafte Abgrenzung des später Niedersachsen genannten Gebietes von Westfalen begann im 12. Jahrhundert. Im Jahr 1260 wurden in einem Vertrag zwischen dem Erzbistum Köln und dem Herzogtum Braunschweig-Lüneburg die Interessengebiete beider Territorien voneinander abgegrenzt.[6] Die Grenze verlief bis nördlich von Nienburg entlang der Weser. Der nördliche Teil des Weser-Ems-Gebiets wurde dem Einflussbereich Braunschweig-Lüneburgs zugerechnet.

Das Wort „Niedersachsen“ wurde erstmals vor 1300 in einer niederländischen Reimchronik benutzt. Seit dem 14. Jahrhundert bezeichnete es (im Gegensatz zu Sachsen-Wittenberg) das Herzogtum Sachsen-Lauenburg.[7] Bei der Gründung von Reichskreisen ab 1500 wurde der Niedersächsische Reichskreis vom Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis unterschieden. Letzterem wurden folgende (teilweise) heute zum Land Niedersachsen gehörenden Gebiete zugeordnet: das Hochstift Osnabrück, das Hochstift Münster, die Grafschaft Bentheim, die Grafschaft Hoya, das Fürstentum Ostfriesland, das Fürstentum Verden, die Grafschaft Diepholz, die Grafschaft Oldenburg, die Grafschaft Schaumburg und die Grafschaft Spiegelberg. Gleichzeitig unterschied man den Ostteil des alten Sachsenlandes von den später aus dynastischen Gründen „Obersachsen“ genannten mitteldeutschen Fürstentümern (siehe auch → Kurfürstentum Sachsen, Geschichte Sachsens).

Die enge geschichtliche Verbindung der im heutigen Niedersachsen gelegenen Länder des Niedersächsischen Reichskreises bestand über Jahrhunderte vor allem in dynastischer Hinsicht. Die meisten Vorgängerterritorien des Landes waren Teilfürstentümer des mittelalterlichen welfischen Herzogtums Braunschweig-Lüneburg. Alle welfischen Fürsten nannten sich in ihren jeweiligen oft zersplitterten und immer wieder vereinigten Fürstentümern Herzöge zu Braunschweig und Lüneburg.

Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

Im Laufe der Zeit waren östlich der Weser zwei größere Fürstentümer übrig geblieben: das Königreich Hannover und das Herzogtum Braunschweig (Hannover nach 1866 preußische Provinz, Braunschweig nach 1919 Freistaat/Land). Geschichtlich besteht eine enge, durch die Personalunion des 18. Jahrhunderts begründete Bindung des Adelshauses in Hannover (Kurfürstentum Braunschweig-Lüneburg) an das Vereinigte Königreich Großbritannien und Nordirland.

Westlich der Hunte setzte ab 1815 ein „Entwestfalisierungs-Prozess“ ein:[8] Nach dem Wiener Kongress gelangten die Gebiete der späteren Regierungsbezirke Osnabrück und Aurich an das Königreich Hannover. Bis 1946 bewahrten das Großherzogtum Oldenburg und das Fürstentum Schaumburg-Lippe ihre staatliche Autonomie. Gleichwohl wurde das gesamte Weser-Ems-Gebiet (einschließlich der Stadt Bremen) bereits 1920 einem Wahlkreisverband IX (Niedersachsen) zugeordnet. Dies belegt, dass zu dieser Zeit die westlichen Regierungsbezirke der preußischen Provinz Hannover und das Land Oldenburg als „niedersächsisch“ empfunden wurden.

Vorläufer des heutigen Landes Niedersachsen sind geografisch und auch teilweise institutionell schon früh miteinander verzahnte Länder. Die nicht mit dem Fürstentum Schaumburg-Lippe zu verwechselnde Grafschaft Schaumburg um die Städte Rinteln und Hessisch Oldendorf gehörte zwar bis 1932 zur preußischen Provinz Hessen-Nassau, die auch weite Teile des heutigen Bundeslandes Hessen einschließlich der Städte Kassel, Wiesbaden und Frankfurt am Main umfasste; bereits 1932 jedoch wurde die Grafschaft Schaumburg Teil der preußischen Provinz Hannover. Ebenfalls vor 1945, nämlich 1937, war die Stadt Cuxhaven durch das Groß-Hamburg-Gesetz vollständig in die preußische Provinz Hannover eingegliedert worden, so dass 1946 bei der Gründung des Landes Niedersachsen nur noch vier Länder fusioniert werden mussten. Mit Ausnahme Bremens und der Gebiete, die nach 1945 an die SBZ abgetreten worden waren, wurden 1946 alle Gebiete dem Land Niedersachsen zugeordnet, die bereits 1920 zum „Wahlkreisverband Niedersachsen“ zusammengefasst worden waren.

In einem Vortrag am 14. September 2007 beschrieb Dietmar von Reeken die Entstehung eines „Niedersachsenbewusstseins“ im 19. Jahrhundert, dessen räumliche Basis als Raumkonstrukt im 19. Jahrhundert erfunden worden sei: Die entstehenden Heimatvereine und die dazugehörigen Zeitschriften trugen den Begriff „Niedersachsen“ bzw. „niedersächsisch“ als Programmatik im Namen. Ende der 1920er-Jahre habe im Kontext der Diskussionen um eine Reichsreform und forciert durch die sich verbreitenden Heimatbewegungen eine fünfundzwanzigjährige Auseinandersetzung zwischen „Niedersachsen“ und „Westfalen“ begonnen. Träger dieser Auseinandersetzung seien Verwaltungsbeamte und Politiker gewesen; regional arbeitende Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen hätten die Argumente geliefert. In den 1930er-Jahren habe ein reales Niedersachsen noch nicht existiert, jedoch eine Fülle von Institutionen, die sich „niedersächsisch“ genannt hätten. Die Motive und Argumente bei den Auseinandersetzungen zwischen „Niedersachsen“ und „Westfalen“ seien auf beiden Seiten sehr ähnlich gewesen: ökonomische Interessen, politische Zielsetzungen, kulturelle Interessen und historische Aspekte.[9]

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Nordwestdeutschland größtenteils in der britischen Besatzungszone. Mit der Verordnung Nr. 46 der britischen Militärregierung vom 23. August 1946 „Betreffend die Auflösung der Provinzen des ehemaligen Landes Preußen in der Britischen Zone und ihre Neubildung als selbständige Länder“ wurde auf dem Gebiet der preußischen Provinz Hannover zunächst das Land Hannover errichtet. Dessen Ministerpräsident Hinrich Wilhelm Kopf hatte schon im Juni 1945 die Bildung eines Landes Niedersachsen angeregt, das möglichst große Gebiete in der Mitte der britischen Zone abdecken sollte. Neben den Gebieten, die später tatsächlich Niedersachsen zugeordnet wurden, forderte Kopf in einer Denkschrift vom April 1946 den Einbezug des ehemaligen preußischen Bezirks Minden-Ravensberg (also der westfälischen Stadt Bielefeld sowie der westfälischen Kreise Minden, Lübbecke, Bielefeld, Herford und Halle), des Kreises Tecklenburg sowie des Landes Lippe.[10] Kopfs Plan beruht letztlich auf einem bereits Ende der 1920er Jahre von Georg Schnath und Kurt Brüning vorgelegten Entwurf zur Reform des Deutschen Reiches. Die „Welfenlastigkeit“ dieses Entwurfs habe, so Thomas Vogtherr, nach 1946 die Entwicklung einer „niedersächsischen Identität“ nicht erleichtert.[11]

Ein alternatives, von Politikern in Oldenburg und Braunschweig propagiertes Modell sah vor, im Nordwesten ein eigenes Land „Weser-Ems“ zu gründen, das aus dem Land Oldenburg, der Hansestadt Bremen und den Regierungsbezirken Aurich und Osnabrück bestehen sollte. Einige Vertreter des Landes Oldenburg forderten sogar den Einbezug der hannoverschen Landkreise Diepholz, Syke, Osterholz-Scharmbeck und Wesermünde in das neu zu gründende Land „Weser-Ems“. Ebenso sollte im Südosten ein um den Regierungsbezirk Hildesheim und den Landkreis Gifhorn vergrößertes Land Braunschweig erhalten bleiben. Wäre dieser Plan umgesetzt worden, bestünde das Gebiet des heutigen Niedersachsens aus drei flächenmäßig etwa gleich großen Ländern.

Der Kreistag des Landkreises Vechta protestierte am 12. Juni 1946 gegen eine Zuordnung des Kreises zum „Großraum Hannover“. Im Falle einer Auflösung des Landes Oldenburg solle der Kreis Vechta vielmehr in den Raum Westfalen eingebunden werden.[12] Insbesondere in Kreisen des politischen Katholizismus war die Auffassung weit verbreitet, das Oldenburger Münsterland und der Regierungsbezirk Osnabrück sollten einem neu zu gründenden Land „Westfalen“ zugeschlagen werden.[13]

Seit der Gründung der Länder Nordrhein-Westfalen und Hannover am 23. August 1946 ist die nördliche und östliche Grenze Nordrhein-Westfalens weitgehend mit der entsprechenden Grenze der preußischen Provinz Westfalen identisch. Nur das Land Lippe wurde erst im Januar 1947 Nordrhein-Westfalen zugeordnet. Dadurch wurde ein Großteil der Gebiete links der Oberweser nordrhein-westfälisch.

Letztlich erwies sich auf der Sitzung des Zonenbeirats am 20. September 1946 Kopfs Vorschlag bezüglich der Aufteilung der britischen Besatzungszone in drei Flächenstaaten als mehrheitsfähig.[14] Da diese Aufteilung ihrer Besatzungszone in relativ große Länder auch den Interessen der Briten entsprach, wurde am 8. November 1946 die Verordnung Nr. 55 der britischen Militärregierung erlassen, durch die rückwirkend zum 1. November 1946 das Land Niedersachsen mit der Hauptstadt Hannover gegründet wurde. Das Land entstand aus der Vereinigung der Länder Braunschweig, Freistaat Oldenburg und Schaumburg-Lippe mit dem zuvor gebildeten Land Hannover. Dabei gab es Ausnahmeregelungen:

  • Im Land Hannover fielen das Amt Neuhaus sowie die Ortschaften Neu Bleckede und Neu Wendischthun an die sowjetische Besatzungszone und damit an die spätere DDR. Sie wurden erst 1993 nach Niedersachsen rückgegliedert.
  • Die im damaligen Regierungsbezirk Stade gelegene Großstadt Wesermünde wurde 1947 in Bremerhaven umbenannt und in das neue Land Bremen eingegliedert.

Forderungen niederländischer Politiker, denen zufolge die Niederlande deutsche Gebiete östlich der deutsch-niederländischen Grenze als Reparationen erhalten sollten, wurden erst auf der Londoner Deutschland-Konferenz am 26. März 1949 weitestgehend ad acta gelegt. Tatsächlich wurden 1949 im Westen Niedersachsens nur ca. 1,3 km² an die Niederlande abgetreten.

→ siehe Hauptartikel Niederländische Annexionspläne nach dem Zweiten Weltkrieg

Geschichte des Landes Niedersachsen

Verordnung Nr. 55

Am 9. Dezember 1946 trat der erste niedersächsische Landtag zusammen. Er war nicht gewählt, sondern von der britischen Besatzungsverwaltung eingesetzt (ernannter Landtag). Noch am selben Tag wählte der Landtag Hinrich Wilhelm Kopf (SPD), den vormaligen hannoverschen Regierungspräsidenten, zum ersten Ministerpräsidenten. Hinrich Wilhelm Kopf blieb – unterbrochen von der Regierungszeit Heinrich Hellweges (1955–1959) – bis 1961 Regierungschef in Niedersachsen. Am 13. April 1951 trat die „Vorläufige Niedersächsische Verfassung“ in Kraft.

Wichtigstes Problem der ersten Nachkriegsjahre war die große Zahl an Flüchtlingen aus dem Osten des untergegangenen Großdeutschen Reiches, die in dem großen Flächenland Zuflucht suchten. Niedersachsen lag am westlichen Ende der direkten Fluchtroute aus Ostpreußen und hatte die längste Grenze zur sowjetischen Besatzungszone. Niedersachsen übernahm am 3. Oktober 1950 die Patenschaft für die hier sehr zahlreichen Flüchtlinge aus Schlesien. Noch 1950 fehlten nach offiziellen Zahlen rund 730.000 Wohnungen.

Während der Zeit der deutschen Teilung wurde über den niedersächsischen Kontrollpunkt Helmstedt zur DDR, der sich von 1945 bis 1990 zum größten europäischen Grenzübergang entwickelte, die Hauptlast des Transitverkehrs nach West-Berlin abgewickelt.

Im Zeichen des Kalten Krieges war Niedersachsen aufgrund der Lage des Landes am "Eisernen Vorhang" und der strategischen Bedeutung der Norddeutschen Tiefebene jahrzehntelang Stationierungsschwerpunkt der NATO; neben britischen und niederländischen Truppen wurden seit Ende der 1950er Jahre starke Heeresverbände der deutschen Bundeswehr hier stationiert.

Wirtschaftlich prägend für das Land wurde der Volkswagen-Konzern, der 1945 zunächst unter britischer Aufsicht wieder mit der Produktion von Zivilfahrzeugen begann und 1949 in den Besitz des neu gegründeten westdeutschen Staates (BRD) und des Landes Niedersachsen überging. Insgesamt zählte Niedersachsen mit seiner großen, ländlich geprägten Fläche und seinen wenigen städtischen Zentren lange zu den strukturschwachen Regionen der Bundesrepublik. 1960 waren 20 % der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft beschäftigt. Im übrigen Bundesgebiet lag dieser Wert bei 14 %. Auch in wirtschaftlich günstigen Zeiten blieb die Arbeitslosenquote in Niedersachsen konstant höher als im Bundesdurchschnitt.

1961 trat Georg Diederichs als Nachfolger von Hinrich Wilhelm Kopf das Amt des Ministerpräsidenten von Niedersachsen an. Er wurde hierin 1970 von Alfred Kubel abgelöst. Die Auseinandersetzungen um das Atommülllager Gorleben, die in der Regierungszeit von Ministerpräsident Ernst Albrecht (1976–1990) begannen, spielen in der niedersächsischen Landes- ebenso wie in der Bundespolitik seit Ende der 1970er Jahren eine wichtige Rolle.

1990 trat Gerhard Schröder das Amt des Ministerpräsidenten an. Am 1. Juni 1993 trat die neue Verfassung des Landes in Kraft, die die „Vorläufige Niedersächsische Verfassung“ von 1951 ablöste. Sie ermöglicht erstmals Volksbegehren und Volksentscheide und verankert den Umweltschutz als Staatsgrundsatz.

Das ehemals hannoversche Amt Neuhaus mit den damaligen Gemeinden Dellien, Haar, Kaarßen, Neuhaus (Elbe), Stapel, Sückau, Sumte und Tripkau sowie die Ortsteile Neu Bleckede, Neu Wendischthun und Stiepelse der Gemeinde Teldau und das historisch-hannoversche Gebiet im Forstrevier Bohldamm in der Gemeinde Garlitz wechselten mit Wirkung vom 30. Juni 1993 von Mecklenburg-Vorpommern zum Land Niedersachsen (Landkreis Lüneburg). Aus diesen Gemeinden wurde am 1. Oktober 1993 die neue Gemeinde Amt Neuhaus gebildet.

1998 löste Gerhard Glogowski den ins Bundeskanzleramt gewechselten Gerhard Schröder ab. Da er mit verschiedenen Skandalen in seiner Heimatstadt Braunschweig in Verbindung gebracht wurde, trat er 1999 zurück und wurde von Sigmar Gabriel abgelöst.

Von 2003 bis zu seiner Annahme der Wahl zum Bundespräsidenten 2010 war Christian Wulff Ministerpräsident in Niedersachsen. Der Osnabrücker stand wie sein Nachfolger David McAllister einer CDU geführten Koalitionsregierung mit der FDP vor.

Zum 1. Januar 2005 wurden die vier Regierungsbezirke, in die Niedersachsen bis zu diesem Zeitpunkt gegliedert war, aufgelöst.[15] Dies waren die Regierungsbezirke Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Weser-Ems. Der Regierungsbezirk Braunschweig war aus der Zusammenlegung des Verwaltungsbezirks Braunschweig mit Teilen des ehemaligen Regierungsbezirks Hildesheim und Teilen des „alten“ Regierungsbezirks Lüneburg, der „neue“ Regierungsbezirk Hannover aus der Zusammenlegung des „alten“ Regierungsbezirks Hannover mit Teilen des ehemaligen Regierungsbezirks Hildesheim, der „neue“ Regierungsbezirk Lüneburg aus der Zusammenlegung des größten Teils des „alten“ Regierungsbezirks Lüneburg mit dem ehemaligen Regierungsbezirk Stade, der Regierungsbezirk Weser-Ems aus der Zusammenlegung des Verwaltungsbezirks Oldenburg (Oldb) mit den ehemaligen Regierungsbezirken Aurich und Osnabrück entstanden. Anstelle der Bezirksregierungen wurden für besondere Aufgaben Regierungsvertretungen an den Standorten Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Oldenburg eingerichtet.

Politik

Sitzverteilung im Landtag
Der niedersächsische Landtag mit Sitz im ehemaligen Leineschloss in Hannover

Der letzte Regierungswechsel erfolgte am 4. März 2003 nach der Landtagswahl am 2. Februar 2003. Damals erlitt die SPD eine schwere Niederlage und verlor ihre Regierungsmehrheit. Wahlsieger war die CDU, die mit ihrem Spitzenkandidaten Christian Wulff den Ministerpräsidenten in einer Koalition mit der FDP stellte.

Diese Koalition wurde trotz Verlusten der CDU bei der Landtagswahl am 27. Januar 2008 bestätigt. Bei dieser Wahl zog erstmals die Partei Die Linke in den Niedersächsischen Landtag und somit ebenfalls erstmals in den Landtag eines westdeutsches Flächenland ein. Allerdings hat Die Linke die neu gewählte niedersächsische Landtagsabgeordnete Christel Wegner, Mitglied der DKP, wegen umstrittener Stasi-Äußerungen am 18. Februar 2008 aus der Fraktion ausgeschlossen. Seitdem ist sie fraktionslos. Im Juni 2009 trat die SPD-Landtagsabgeordnete Swantje Hartmann aus ihrer Partei aus und verließ auch die SPD-Landtagsfraktion. Nachdem kurz darauf ihrem Antrag auf Aufnahme in die CDU stattgegeben wurde, gehört sie seither der CDU-Landtagsfraktion an.

Am 1. Juli 2010 wurde David McAllister zum neuen Ministerpräsidenten gewählt, da Wulff das Amt am 30. Juni 2010 anlässlich seiner Wahl zum 10. Bundespräsidenten mit sofortiger Wirkung niedergelegt hat, um die Wahl annehmen zu können. Die Amtsgeschäfte des Ministerpräsidenten wurden bis zur Wahl McAllisters vom bisherigen stellvertretenden Ministerpräsidenten des Kabinetts Wulff II, Jörg Bode (FDP), kommissarisch geführt.

Die Ministerpräsidenten von Niedersachsen:

1946–1955: Hinrich Wilhelm Kopf SPD
1955–1959: Heinrich Hellwege DP
1959–1961: Hinrich Wilhelm Kopf SPD
1961–1970: Georg Diederichs SPD
1970–1976: Alfred Kubel SPD
1976–1990: Ernst Albrecht CDU
1990–1998: Gerhard Schröder SPD
1998–1999: Gerhard Glogowski SPD
1999–2003: Sigmar Gabriel SPD
2003–2010: Christian Wulff CDU
seit 2010: David McAllister CDU

Siehe auch:

Die nächste Landtagswahl findet am 20. Januar 2013 statt.

Im Bundesrat hat Niedersachsen sechs Stimmen, die höchstmögliche Anzahl, ebenso wie Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen. Vertreten wird Niedersachsen durch den Ministerpräsidenten David McAllister, seinen Stellvertreter, Wirtschaftsminister Jörg Bode, Finanzminister Hartmut Möllring, Innenminister Uwe Schünemann, Justizminister Bernd Busemann und Landwirtschaftsminister Gert Lindemann.[16] Die Arbeit im Bundesrat wird von der Vertretung des Landes Niedersachsen beim Bund koordiniert.

62 Abgeordnete vertreten die niedersächsischen Bürgerinnen und Bürger im Deutschen Bundestag: 21 von der CDU, 19 von der SPD, neun von der FDP, sieben von Bündnis 90/Die Grünen sowie sechs von der Linkspartei.

Dem Europäischen Parlament gehören zehn Abgeordnete aus Niedersachsen an: fünf von der CDU, zwei von der SPD und jeweils einer von FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Linkspartei.

Siehe auch: Niedersächsische Europapolitik

Verwaltung

Abgeschlossene Verwaltungsreformen

Im Zuge der kommunalen Neugliederung/Gebietsreform in den 1960er bis 1980er Jahren ist die Zahl der kreisfreien Städte von 16 auf 9 und die der Landkreise von 60 auf 38 reduziert worden. Von ehemals über 4000 Gemeinden blieben rund 2000 bestehen, die sich nun als Einheitsgemeinden oder Mitgliedsgemeinden von Samtgemeinden organisierten. Die durchgeführten Reformen waren dabei in der Bevölkerung und Politik umstritten[17] und führten auch zu zahlreichen Klagen vor dem Staatsgerichtshof wie auch dem Bundesverfassungsgericht.[18]

Folgende kreisfreie Städte wurden in Landkreise eingegliedert: Celle, Cuxhaven, Goslar, Göttingen, Hameln, Hildesheim und Lüneburg. Folgende Landkreise wurden aufgelöst: Alfeld (Leine), Aschendorf-Hümmling, Bersenbrück, Blankenburg, Braunschweig, Bremervörde, Burgdorf, Duderstadt, Einbeck, Fallingbostel, Gandersheim, Grafschaft Hoya, Grafschaft Schaumburg, Hildesheim-Marienburg, Land Hadeln, Lingen, Melle, Meppen, Münden, Neustadt am Rübenberge, Norden, Schaumburg-Lippe, Soltau, Springe, Wesermünde, Wittlage, Wittmund und Zellerfeld. Der Landkreis Wittmund ist 1980 wieder eingerichtet worden. 2001 wurden der Landkreis Hannover und die kreisfreie Stadt Hannover zur Region Hannover zusammengeführt.

Zum 1. Januar 2005 wurden die Regierungsbezirke Braunschweig, Hannover, Lüneburg und Weser-Ems aufgehoben und ihre Behörden, die Bezirksregierungen, aufgelöst.[15] Die Zuständigkeiten der Bezirksregierungen wurden auf andere Landesbehörden und Körperschaften umverteilt. So wurde die Aufgabe der „überörtlichen Kommunalprüfung“ an die 2005 neu gegründete Niedersächsische Kommunalprüfungsanstalt übertragen.

Verwaltungsgliederung

Siehe auch: Liste der Landkreise und kreisfreien Städte in Niedersachsen

Das Land ist in 164 Städte, 54 Flecken und 804 Gemeinden (davon 735 in Samtgemeinden) sowie 25 gemeindefreie Gebiete unterteilt, die insgesamt 37 Landkreise, eine Region und 8 kreisfreie Städte bilden.

Größte Städte

Stadt Landkreis Einwohner
31. Dez. 2000
Einwohner
31. Dez. 2007
Einwohner
31. Dez. 2010
1 Hannover Region Hannover 515.001 518.069 522.686
2 Braunschweig kreisfrei 245.816 245.810 248.867
3 Osnabrück kreisfrei 164.101 162.870 164.119
4 Oldenburg kreisfrei 154.832 159.563 162.173
5 Wolfsburg kreisfrei 121.805 120.009 121.451
6 Göttingen Göttingen 124.132 121.513 121.060
7 Hildesheim Hildesheim 103.909 103.593 102.794
8 Salzgitter kreisfrei 112.302 105.320 102.394
9 Wilhelmshaven kreisfrei 85.287 82.192 81.324
10 Delmenhorst kreisfrei 76.644 75.135 74.361
11 Lüneburg Lüneburg 67.398 72.299 72.983
12 Celle Celle 72.127 70.930 70.242
13 Garbsen Region Hannover 63.269 62.554 61.790
14 Hameln Hameln-Pyrmont 58.807 58.563 57.771
15 Wolfenbüttel Wolfenbüttel 54.690 53.954 53.427
16 Nordhorn Grafschaft Bentheim 51.968 53.259 53.052
17 Langenhagen Region Hannover 49.432 51.672 52.583
18 Emden kreisfrei 50.963 51.714 51.616
19 Lingen (Ems) Emsland 51.684 51.554 51.177
20 Cuxhaven Cuxhaven 53.391 51.587 50.492
21 Peine Peine 49.494 49.516 48.743
22 Stade Stade 44.929 45.855 46.159
23 Melle Osnabrück 45.390 46.581 46.141
24 Neustadt am Rübenberge Region Hannover 45.026 45.485 45.049

Geplante Verwaltungsreformen

Länderfusion und Verhältnis zu Bremen

Seit Jahren wird regelmäßig ein Zusammenschluss der Länder Niedersachsen und Bremen ins Gespräch gebracht. Der niedersächsische Ministerpräsident schlug zuletzt Anfang 2009 einen solchen Zusammenschluss vor. Eine Fusion stößt traditionell insbesondere in Bremen auf Ablehnung. Im Verhältnis zwischen Bremen und Niedersachsen kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Irritationen, die häufig auf von Bremer Seite als ungünstig empfundene Aspekte der Raumordnungs- und Wirtschaftsplanung niedersächsischer Umlandkommunen basierte, wo große Gewerbegebiete in Konkurrenz zur Bremer Wirtschaft entstanden (unter anderem Entstehung von Speckgürteln). Im Gegenzug werden von niedersächsischer Seite häufig sogenannte „Bremer Alleingänge“ in der Infrastrukturplanung kritisiert [19]. Insofern ist das bremisch-niedersächsische Verhältnis von weitaus größeren Dissonanzen geprägt als beispielsweise dasjenige zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein. Einzelne Projekte sind dagegen von Kooperation geprägt, beispielsweise die Einführung der Regio-S-Bahn Bremen/Niedersachsen, die Implementierung der Metropolregion Bremen/Oldenburg, der JadeWeserPort und die Verlängerung von Straßenbahnlinien aus Bremen ins niedersächsische Umland.

Siehe hierzu auch Nordstaat.

Kreisreform

Nach Auflösung der Regierungsbezirke im Jahr 2004 gibt es immer wieder Vorschläge, die entstandene Lücke (eine Gebietskörperschaft mittlerer Größe zwischen dem Land und den Kommunen fehlt jetzt) zu schließen, z.B. durch den Zusammenschluss von Landkreisen, aus denen dadurch Regionen werden.[20]

Wirtschaft

Volkswagen-Werk in Wolfsburg

BIP

Im Vergleich mit dem BIP der EU, ausgedrückt in Kaufkraftstandards, erreicht Niedersachsen einen Index von 101,4 (EU27: 100, Deutschland: 115,2) (2005).[21] Damit liegt Niedersachsen knapp über dem EU-Durchschnitt, aber deutlich unter dem Wert Deutschlands.

2007 betrug die Wirtschaftsleistung im Bundesland Niedersachsen gemessen am BIP 206 Milliarden Euro.

Industrie

Das industrielle Zentrum Niedersachsens befindet sich im Raum Hannover-Braunschweig-Wolfsburg mit mehreren Automobilwerken – darunter das Hauptwerk von Volkswagen in Wolfsburg und dessen Großraumfahrzeugabteilung mit Hauptsitz in Hannover – und mit der in Peine und Salzgitter ansässigen Stahlindustrie. Braunschweig ist außerdem ein bedeutender Wissenschaftsstandort. Weiterhin ist Niedersachsen deutschlandweit führend beim Abbau und der Verwertung von Rohstoffen wie Torf, Sand und Kies.[22]

Unternehmen

Zu den größten niedersächsischen Unternehmen – jeweils im Hinblick auf Wertschöpfung und Umsatz – gehören im Jahr 2009 die Volkswagen AG (Wolfsburg) und die Continental AG (Hannover). Platz drei belegt die TUI AG vor der Salzgitter AG und der Versicherungsgruppe Talanx AG. Auf Platz sechs befindet sich die Georgsmarienhütte Holding gefolgt von der TÜV NORD Gruppe [23].

Messe

Ein bedeutender Wirtschaftsfaktor sind die in Hannover stattfindenden Messen wie z. B. CeBIT und Hannover Messe der Deutschen Messe AG.

Strukturförderung

Die wirtschaftliche Schwerpunktregion Niedersachsens liegt im Raum Hannover. Die europäische Metropolregion Hannover-Braunschweig-Göttingen-Wolfsburg dient der weiteren Stärkung dieser wirtschaftlich starken Region. Demgegenüber gehören insbesondere die großräumigen, ländlichen Bereiche im Nordosten und im Westen Niedersachsens, also das Emsland, das Oldenburger Land, das Elbe-Weser-Dreieck, die Lüneburger Heide, die Mittelweserregion und Teile der Küstenregion, seit langem zu den strukturschwachen Räumen – diese Bereiche grenzen teilweise direkt an das Bundesland Bremen mit den Großstädten Bremen und Bremerhaven. Eine Ausnahme bildet – als ländliche Region außerhalb des Raumes Hannover mit Wirtschaftswachstum – das Oldenburger Münsterland. Es gibt inzwischen eine Anzahl von Projekten, um die wirtschaftliche Lage in den strukturschwachen Gebieten zu verbessern. Dazu gehören:

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft findet in Niedersachsen sehr unterschiedliche Bedingungen vor. Die Böden in der Hildesheimer Börde und zwischen Harz und Mittellandkanal zeichnen sich durch sehr hohe Bodenzahlen aus und eignen sich besonders für den Anbau von Zuckerrüben und Getreide. In der Lüneburger Heide ist der Boden karg; Hauptprodukte sind Kartoffeln und als Spezialität Spargel. In den Marschgebieten an der Küste dominiert hingegen die Viehzucht.

Neben Getreide werden Raps, Zuckerrüben, Salat (speziell Eisbergsalat), Kohl, Möhren (Mohrrüben, Karotten) und dank des sandhaltigen Bodens Spargel in Teilen des Landes angebaut. Bekannt ist auch die niedersächsische Grünkohlkultur (in südöstlichen Regionen auch die Variante Braunkohl). Neben dem Gemüseanbau und der Viehzucht ist der Obstanbau (speziell im Norden, Altes Land) ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Wirtschaft an der Küste

An der Küste spielt die Hafenwirtschaft eine bedeutende Rolle, während die Bedeutung des Schiffbaus abgenommen hat. Die neun Niedersächsischen Seehäfen Brake, Cuxhaven, Emden, Leer, Nordenham, Oldenburg, Papenburg, Stade und Wilhelmshaven sind als Seaports of Niedersachsen organisiert.

Bundeswehr als Wirtschaftsfaktor

Die Bundeswehr wird auch künftig ein wichtiger Arbeitgeber in Niedersachsen sein. Mit über 55.000 Soldaten und zivilen Beschäftigten wird Niedersachsen voraussichtlich auch nach der geplanten Bundeswehrreduzierung das Bundesland mit der größten Zahl von Bundeswehrbediensteten sein, wenngleich auch für Niedersachsen starke Einschnitte zu befürchten sind.[24][25]

Der Truppenübungsplatz Bergen im Südteil der Lüneburger Heide ist mit 284 km² der größte Truppenübungsplatz in Europa. Er wurde ab 1935 von der deutschen Wehrmacht eingerichtet und nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 von den britischen Besatzungstruppen übernommen und kontinuierlich erweitert. Seit den 1960er Jahren wird das Areal zudem von der Bundeswehr und Streitkräften der NATO genutzt.

Große Teile der Deutschen Marine sind zudem in Wilhelmshaven am Marinestützpunkt Heppenser Groden stationiert. Die Luftwaffe ist insbesondere mit dem Jagdgeschwader 71 „Richthofen“ (JG 71) am Standort Wittmund vertreten.

Energiewirtschaft

In Niedersachsen sind zwei Kernkraftwerke im Betrieb: Dabei handelt es sich um das Kernkraftwerk Emsland bei Lingen sowie um Kernkraftwerk Grohnde bei Grohnde. Ein weiteres Kernkraftwerk, das Kernkraftwerk Unterweser, befindet sich bei Kleinensiel. Dieses wurde infolge des nach der Nuklearkatastrophe von Fukushima eingeführten Atommoratoriums vom Netz genommen und abgeschaltet. Daneben existieren mehrere konventionelle Kohle- und Gaskraftwerke, beispielsweise das Kraftwerk Mehrum oder das Erdgaskraftwerk Emsland. Eine immer größere Rolle nimmt die Windenergie ein. So haben mehrere Windkraftanlagenhersteller Produktionsstätten in Niedersachsen, z.B. Enercon mit Standorten in Aurich, Emden und Haren, Bard in Emden und Cuxhaven sowie GE Wind Energy in Salzbergen. Zudem ist Niedersachsen der deutschlandweit bedeutendste Standort für Windkraftanlagen. Von den rund 27 GW, die Ende 2010 in Deutschland installiert waren, befanden sich ca. 6,6 GW in dem Bundesland; weitere sind an Land sowie vor der Küste geplant bzw. im Bau (siehe auch: Liste der Offshore-Windparks).

Darüber hinaus verfügt Niedersachsen über die größten Erdgasvorkommen Deutschlands. 95 % der deutschen Erdgasförderung sowie 40 % der deutschen Erdölförderung entfallen auf Niedersachsen.[22]

Tourismus

Lüneburger Heide

Nordseebäder

Anziehungspunkt für den Fremdenverkehr ist insbesondere die Nordseeküste mit Schwerpunkten im sogenannten „Cuxland“ und auf den Ostfriesischen Inseln. Wichtige Fremdenverkehrsorte sind hier Cuxhaven (mit seinen Stadtteilen Duhnen, Döse und Sahlenburg), die Samtgemeinde Land Wursten und Otterndorf an der Elbmündung. Weitere wichtige Seebadeorte befinden sich in Butjadingen, im oldenburgischen Friesland und an der ostfriesischen Küste.

Binnenland

Weitere Anziehungspunkte sind der Harz, die Städte Hannover, Braunschweig, Osnabrück, Lüneburg, Celle und Wolfsburg mit der Autostadt, das Eichsfeld, das Weserbergland und das Leinebergland, die Lüneburger Heide, das Wendland, die Wümmeniederung, das Steinhuder Meer, das Emsland, das Osnabrücker Land, der Dümmer, das Alte Land, das Elbetal und die weiteren Flüsse Aller, Leine, Ems, Hunte und Weser. Das Brauchtum umfasst unter anderem Grünkohlessen und Schützenfeste.

Öffentliche Finanzen

Neuverschuldung Niedersachsens seit 1990 unter SPD und CDU

Zum 31. Dezember 2006 wurde eine Schuldensumme von 48,7 Milliarden Euro ermittelt. Davon beliefen sich die Wertpapierschulden auf rund 20,5 Milliarden Euro, während die Schulden aus Schuldscheindarlehen allein bei inländischen Banken und Sparkassen rund 26,4 Milliarden Euro betrugen.

Im Jahr 2007 wurden 950 Millionen Euro neue Schulden aufgenommen. Für das Jahr 2008 wurde eine Neuverschuldung von 550 Millionen Euro geplant und erreicht. Die für 2010 geplante Reduzierung der Neuverschuldung auf 0 EUR konnte aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise nicht umgesetzt werden.[26] Stattdessen erfolgte für 2009 eine Neuverschuldung von 2.300 Millionen EUR.

Der Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen e.V. unterhält im niedersächsischen Landtag in Hannover eine Schuldenuhr, die den Zuwachs der Staatsverschuldung in Niedersachsen verdeutlicht. Nach einem Spitzenwert von 93 Euro pro Sekunde aus dem Jahr 2002 konnten die Schulden in den darauf folgenden Jahren von 90 Euro pro Sekunde im Jahr 2003 auf 30 Euro pro Sekunde im Jahr 2007 und auf 17 Euro pro Sekunde im Jahr 2008 gesenkt werden. 2010 sollte der Wert eigentlich auf 0 Euro pro Sekunde gesenkt werden und damit die Staatsverschuldung zum Stillstand gebracht werden. Aufgrund der Wirtschafts- und Finanzkrise stieg der Wert jedoch wieder auf den Rekordbetrag von 105 Euro pro Sekunde.[26]

Jahr   Neuverschuldung
1990 1.053 Millionen DM = 538 Millionen EUR
1991 1.676 Millionen DM = 857 Millionen EUR
1992 2.584 Millionen DM = 1.321 Millionen EUR
1993 2.090 Millionen DM = 1.069 Millionen EUR
1994 1.671 Millionen DM = 854 Millionen EUR
1995 1.605 Millionen DM = 821 Millionen EUR
1996 1.456 Millionen DM = 744 Millionen EUR
1997 850 Millionen DM = 435 Millionen EUR
Jahr   Neuverschuldung
2002 2.949 Millionen EUR
2003 2.844 Millionen EUR
2004 2.499 Millionen EUR
2005 2.149 Millionen EUR
2006 1.133 Millionen EUR
2007 950 Millionen EUR
2008 550 Millionen EUR
2009 2.300 Millionen EUR
Jahr   Neuverschuldung
2010* 2.300 Millionen EUR
2011* 1.950 Millionen EUR
2012* 1.600 Millionen EUR
2013* 1.250 Millionen EUR
2014* 900 Millionen EUR

*) geplant

Verkehr

Mittellandkanal bei Braunschweig

Landgebundener Verkehr

Entsprechend der Bevölkerungsverteilung befindet sich ein Schwerpunkt des Verkehrsnetzes im südöstlichen Niedersachsen mit den Zentren Hannover, Braunschweig, Hildesheim und Salzgitter. In diesem Raum kreuzen sich Verkehrsströme (Eisenbahnen sowie die Autobahnen 2 und 7/27, sowie die Bundesautobahn 39, die das östliche Niedersachsen erschließen soll) vom Ruhrgebiet nach Berlin und von Süddeutschland an die Küste. Weitere wichtige Verkehrsachsen in Form von Eisenbahn und Autobahn verlaufen vom Ruhrgebiet über Osnabrück, Bremen nach Hamburg (Rollbahn und A 1 (Hansalinie)), vom Ruhrgebiet nach Emden (Bahnstrecke Münster—Emden, A 31/Emslandautobahn) sowie von Amsterdam über Osnabrück nach Hannover (A 30 und A 2, Bahnstrecke Amsterdam—Berlin).

Flugverkehr

Flughäfen und Landeplätze in Niedersachsen und Bremen

Die für das Land wichtigsten Luftdrehkreuze sind der Flughafen Hannover-Langenhagen (HAJ) sowie die außerhalb Niedersachsens gelegenen Flughäfen Bremen (BRE), Hamburg (HAM) und Münster/Osnabrück (FMO).

Schifffahrt

Größte Seehäfen sind Wilhelmshaven, Nordenham, Emden, Cuxhaven und Brake. Wichtigste Binnenwasserstraßen sind der Mittellandkanal, die Weser, die Elbe und die Ems.

Wissenschaft

Aula der Georg-August-Universität in Göttingen

Bedeutende wissenschaftliche Standorte sind Göttingen, Hannover und Braunschweig mit der Georg-August-Universität Göttingen, der Gottfried-Wilhelm-Leibniz-Universität Hannover, der Medizinischen Hochschule Hannover und der Tierärztlichen Hochschule Hannover sowie der Technischen Universität Braunschweig.

Weitere wichtige wissenschaftliche Einrichtungen sind die Jade-Hochschule, die Hochschule Emden/Leer, die Ostfalia-Hochschule für angewandte Wissenschaften, die Universität Osnabrück, die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg, die Technische Universität Clausthal, die Leuphana-Universität Lüneburg, die Universität Hildesheim, die Universität Vechta und die Herzog-August-Bibliothek in Wolfenbüttel.

Die Hochschule Osnabrück ist die größte Fachhochschule des Landes.

Siehe auch: Liste von wissenschaftlichen Einrichtungen in Niedersachsen, Wissenschaftliche Kommission Niedersachsen

Bevölkerung

Allgemeines

In kulturellen Dingen weist das Land eine große regionale Differenzierung auf und zeigt fließende Übergänge insbesondere nach Westfalen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Niedersachsen außerdem für viele Ostflüchtlinge und Heimatvertriebene zur neuen Heimat, die sich insbesondere in den Städten niederließen. Die vielen militärischen Einrichtungen, Industriebetriebe und Wissenschaftseinrichtungen in Niedersachsen und auch in den benachbarten Stadtstaaten führten außerdem zur Zuwanderung von Menschen aus anderen Regionen Deutschlands. Hinzu kommen viele Zuwanderer, die als sogenannte Gastarbeiter ins Land kamen sowie Neubürger aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks. Aufgrund dieser Heterogenität der Bevölkerung hat Niedersachsen keine Einwohnerschaft, die im ethnisch-kulturellen Sinne als die Niedersachsen bezeichnet werden kann. Als die Niedersachsen bezeichnet man daher am ehesten schlicht diejenigen, die ihren Wohnsitz, ihre Heimat oder Wahlheimat im Land Niedersachsen haben.

Traditionell ansässige Bevölkerungsgruppen

Die bereits vor Gründung des Landes Niedersachsen in den früheren Ländern Braunschweig, Hannover, Oldenburg und Schaumburg-Lippe ansässigen Bevölkerungsteile weisen viele Gemeinsamkeiten auf wie beispielsweise den Gebrauch der ursprünglichen Ortsdialekte des Niedersächsischen, das umgangssprachlich zumeist als platt oder Plattdeutsch, wissenschaftlich als Niederdeutsch, bezeichnet wird. Gemeinsamkeiten bestehen auch in bestimmten Aspekten der vorherrschenden traditionellen Architektur und Bauweise (Backsteinbauweise) von Gebäuden (Niedersachsenhaus).

Im Saterland existiert eine alteingesessene saterfriesische Sprachminderheit. Auch über das Saterland hinaus sind Teile der Bevölkerung im nordwestlichen Niedersachsen Angehörige der Volksgruppe der Friesen, die den Status einer nationalen Minderheit besitzt.

Da Niedersachsen ein in weiten Teilen ländliches Land ist, wiegen in Lebenseinstellung und Mentalität häufig – unabhängig von politischer Präferenz – eher bürgerlich-konservativere Grundeinstellungen vor, insbesondere in den eher römisch-katholisch geprägten Gegenden, während in den stärker protestantischen Gegenden und größeren Städten eher eine konservativ-linke Grundeinstellung anzutreffen ist.

Zuwanderung

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Niedersachsen eines der Hauptansiedlungsgebiete für Heimatvertriebene aus (nach Personenzahl absteigend geordnet) Schlesien, Ostpreußen, Pommern und dem Sudetenland. Nach der letzten entsprechend aufgeschlüsselten Zählung waren 30 % der Einwohner Niedersachsens Flüchtlinge, Vertriebene oder Kinder aus entsprechenden Familien. Hinzu kamen ab den 1960er Jahren deutschstämmige Aussiedler aus Siebenbürgen, ab den 1970er Jahren aus Oberschlesien und anderen Regionen Polens sowie ab den 1980er Jahren Russlanddeutsche Aussiedler sowie Spätaussiedler mit ihren fremdsprachigen Familienangehörigen.

Darüber hinaus entstand besonders durch die vielen Industriebetriebe im Raum Hannover-Braunschweig-Salzgitter-Wolfsburg, aber auch in den nach Niedersachsen reichenden Ballungsräumen Bremen und Hamburg bereits während des Wirtschaftswunders ein hoher Bedarf an Arbeitskräften, weswegen man zahlreiche Fremdarbeiter aus Italien, Spanien und der Türkei anwarb, die häufig in Niedersachsen blieben.

Religionen

Wichtigste Konfessionen sind die evangelischen Kirchen (49,7 % der Bevölkerung) und die römisch-katholische Kirche (17,5 % der Bevölkerung). Über 33 % der Bevölkerung bekennen sich zu keiner dieser beiden Religionsgemeinschaften. (Statistik der EKD, Stand 31. Dezember 2009) [27]

Protestantismus

Der größte Teil Niedersachsens ist ursprünglich durch die Evangelisch-lutherische Kirche geprägt. Landeskirchen existieren als Evangelisch-Lutherische Landeskirche Hannovers, Evangelisch-Lutherische Landeskirche Schaumburg-Lippe, Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Braunschweig und Evangelisch-Lutherische Kirche in Oldenburg. Die Evangelisch-reformierte Kirche in Nordwestdeutschland hat eine große Bedeutung in Ostfriesland und der Grafschaft Bentheim und verfügt über eine eigene landeskirchliche Organisation. In der gleichen Region gibt es noch evangelisch-altreformierte Kirchen. Die evangelischen Landeskirchen sind seit 1971 in der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen verbunden.

Neben den protestantischen Landeskirchen wirken auch viele evangelische Freikirchen im Bereich des Landes Niedersachsen. Die älteste unter ihnen ist die Mennonitenkirche. Ihre Wurzeln reichen in die Reformationszeit und hier in die Täuferbewegung zurück. Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) besitzt in Niedersachsen drei Landesverbände: den Landesverband Niedersachsen-Ostwestfalen-Sachsen-Anhalt, Baptisten im Nordwesten und den Landesverband Norddeutschland. Eine niedersächsische Wurzel haben die Gemeinden der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche. Weitere Freikirchen in Niedersachsen sind u. a. die Evangelisch-methodistische Kirche, die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten und der Bund Freier evangelischer Gemeinden.

Katholizismus

Michaeliskirche in Hildesheim

Das Emsland, das Oldenburger Münsterland, die Stadt Twistringen, das Untereichsfeld und die sogenannten Stiftsdörfer des Hochstifts Hildesheim sind traditionell römisch-katholisch geprägt; die Städte Hildesheim und Osnabrück sowie die Dörfer des ehem. Hochstift Osnabrück sind etwa zur Hälfte römisch-katholisch; daneben gibt es unter letzteren zahlreiche Gemeinden, die auch traditionell gemischt-konfessionell sind. Die römisch-katholischen Gemeinden gehören zu den Bistümern Hildesheim und Osnabrück (beides Suffraganbistümer des Erzbistums Hamburg) und zum Bistum Münster (Suffraganbistum des Erzbistums Köln). Die römisch-katholische Gemeinde der Stadt Bad Pyrmont gehört zum Erzbistum Paderborn. Durch die Ansiedlung von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg und durch den Zuzug von Spätaussiedlern existieren jedoch mittlerweile große Gemeinden der jeweils anderen großen christlichen Konfession in früher nahezu rein-konfessionell geprägten Regionen.

Hannover ist Sitz eines Dekanates der altkatholischen Kirche. Das Gebiet dieses Dekanats Nord umfasst neben Niedersachsen auch Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Islam

Nach dem Krieg kam es zur Bildung von islamischen Gemeinden vor allem für türkischstämmige Einwohner. Die meisten Moscheegemeinden gehören zur DİTİB oder zur IGMG. Daneben besitzen die Aleviten eine starke Stellung. Es bestehen noch weitere Gemeinden, unter anderem schiitische Gemeinden und Moscheevereine der Ahmadiyya Muslim Jamaat.

Weitere Gruppen

Vom ehemaligen jüdischen Leben in Niedersachsen zeugen einige noch vorhandene historische Synagogen. Durch den Zuzug vieler jüdischer Menschen aus der ehemaligen Sowjetunion verzeichnen die jüdischen Gemeinden seit 1990 ein verstärktes Wachstum.

In Niedersachsen leben rund 40.000 Jesiden.

Die in Niedersachsen lebenden neuapostolischen Christen werden von vier Apostelbereichen betreut, d. h. von Bremen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen und einem eigenen kleinen Bereich Niedersachsen.

Es gibt rund 13.000 aktive Zeugen Jehovas in Niedersachsen, die 187 Gemeinden bilden. In 124 Gemeinden befinden sich sogenannte Königreichssäle, wie die Kirchengebäude der Zeugen Jehovas genannt werden.[28]

Sprache

Amtssprache

Amtssprache ist Deutsch.[29] Die Minderheitensprache Saterfriesisch und die Regionalsprache Niederdeutsch sind nach der Europäischen Charta der Regional- oder Minderheitensprachen besonders geschützt und zum Amtsgebrauch zugelassen.[30]

Umgangssprache

Heutige Situation

Heute wird in Niedersachsen vornehmlich Hochdeutsch gesprochen. Bis ins 19. Jahrhundert spielte das Hochdeutsche in Niedersachsen nur als Schriftsprache eine Rolle. Im Lauf des 19. und 20. Jahrhunderts fand der Prozess der Ablösung der bisherigen in Niedersachsen gesprochenen Sprachen durch das Hochdeutsche statt. Dabei bestand lange neben dem „reinen“ Hochdeutsch eine Sprachform, die durch ein starkes niederdeutsches Substrat geprägt war; diese Sprachform ist in ihrer extremen Form als Missingsch bekannt. Heute ist diese „Zwischenform“ aber noch bedrohter als das Niederdeutsche.

Außer dem Hochdeutschen sind auch noch das Saterfriesische und das Niedersächsische in Ostfriesland sowie das Erzgebirgische im Oberharz lebendig. Besonders bedroht ist das ostfälische Niederdeutsch. Die Aussprache des Ostfälischen wird in anderen Regionen des deutschen Sprachraums bis heute oft fälschlicherweise mit der modernen Aussprache des Hochdeutschen verwechselt. Dieses Missverständnis dürfte darauf zurückzuführen sein, dass sich das Hochdeutsche im ostfälischen Dialektraum sehr früh durchsetzte und die einheimischen Mundarten verdrängte. Dadurch galt die deutsche Standardsprache vielen Dialektsprechern etwa in Süddeutschland in der Folgezeit als „Mundart Hannovers“.

Als Schriftsprache dienen in Niedersachsen seit dem 16. Jahrhundert Hochdeutsch sowie im westlichen Ostfriesland und der Grafschaft Bentheim Niederländisch, seit Beginn des 20. Jahrhunderts nur noch Hochdeutsch.

Traditionelle Situation

Bevor sich das Hochdeutsche durchsetzte, wurden in Niedersachsen vornehmlich niederdeutsche Dialekte gesprochen. Diese Dialekte sind heute als Plattdeutsch bekannt. Die einzelnen niedersächsischen Ortsdialekte werden von ihren Sprechern Platt genannt, wie auch viele Dialekte in der Mitte Deutschlands.

Außer dem Niedersächsischen gab es weitere Sprachvarietäten im Gebiet des heutigen Niedersachsens. Im friesisch besiedelten Küstengebiet von der niederländischen Grenze bis zum Land Wursten war die variantenreiche Ostfriesische Sprache beheimatet, von der heute nur noch das Saterfriesische in der Gemeinde Saterland existiert. Aufgrund der Zuwanderung von Bergleuten in den Oberharz im Mittelalter wurden dort Erzgebirgische Dialekte gesprochen, am Südrand des Harzes war Nordthüringisch im Gebrauch. Bis ins 18. Jahrhundert hielt sich im Wendland auch das slawische Polabisch. Seit dem 18. Jahrhundert gab es außerdem eine kleine pfälzischsprachige Gruppe in Veltenhof, seit 1931 ein Stadtteil Braunschweigs.

„Plattdeutsch“

Die niederdeutschen Dialekte in Niedersachsen können vier Dialektgruppen zugeordnet werden: Ostniederdeutsch im Wendland, Ostfälisch im Südosten, Westfälisch in Osnabrück und im südlichen Landkreis Osnabrück sowie Nordniedersächsisch im übrigen Land. Das Nordniedersächsische lässt sich noch in das Westniedersächsische und das übrige Nordniedersächsische teilen. Hervorzuheben ist das Ostfriesische Platt, das durch sein friesisches Substrat Besonderheiten aufweist und im Vergleich zu anderen niederdeutschen Dialekten am wenigsten vom Aussterben bedroht ist.

Sprachen weiterer ortsansässiger Kulturen

Die am weitesten verbreiteten Sprachen von Zuwanderergruppen (Ausländer) sind zum einen Türkisch, Kurdisch, Italienisch, Serbisch, Kroatisch, Albanisch, Romanes und Griechisch sowie zum anderen Russisch und Polnisch, die von Teilen der deutschstämmigen Aussiedler gesprochen werden. Außerdem ist Englisch bedingt durch Truppenstationierungen im Rahmen der NATO in einigen Regionen verbreitet.

Kultur

Hauptartikel: Niedersächsische Küche

UNESCO Welterbe

Als Welterbe in Deutschland befinden sich in Niedersachsen drei UNESCO-Weltkulturerbestätten. Dazu zählt die zweiteilige Erbestätte des Dom St. Mariae und der Michaeliskirche in Hildesheim. Die dreiteilige Erbestätte im West-Harz besteht aus dem Bergwerk Rammelsberg, der Altstadt von Goslar und dem Oberharzer Wasserregal. Jüngste Welterbestätte wurde 2011 das Fagus-Werk in Alfeld. Das niedersächsische Wattenmeer ist ein Weltnaturerbe.

Landschaften und Landschaftsverbände

Nach Auflösung der Regierungsbezirke wurden zwischen dem Land Niedersachsen auf der einen Seite und den Landschaften und Landschaftsverbänden auf der anderen Seite Verträge geschlossen, nach denen diese künftig für kulturelle Belange in den jeweiligen Regionen verantwortlich sind.

Kunstgeschichte

Architektur

Baugeschichtlich bedeutsam in Niedersachsen war die Epoche der Renaissance, die sich in vielen Bauten im Stil der Weserrenaissance widerspiegelt. Eine weitere Sehenswürdigkeit sind die Herrenhäuser Gärten in Hannover, darunter der Große Garten, einer der bedeutendsten europäischen Barockgärten.

In Osnabrück finden sich viele Gebäude des Klassizismus und der Zeit des Rokoko. Sehenswürdigkeiten sind die Altstadt mit Dom und dem Rathaus des Westfälischen Friedens, zahlreiche Steinwerke wie der Ledenhof und Fachwerkhäuser. Auch Niedersachsens größtes Barockschloss, das Schloss Osnabrück, und mit St. Katharinen das höchste mittelalterliche spätgotische Bauwerk sind hier zu sehen.

Von baugeschichtlicher und kunsthistorischer Bedeutung ist die Doppelanlage von Schloss und Benediktinerabtei Iburg in Bad Iburg. Sie weist im Rittersaal mit der Arbeit von Andrea Alovisii die einzig erhaltene Deckenmalerei in perspektivischer Scheinarchitektur nördlich der Alpen auf.

Bildende Kunst

Niedersachsen hat seit dem 19. Jahrhundert bedeutende Künstler von internationalem Rang hervorgebracht. Der populärste ist wohl Wilhelm Busch, der durch seine Bildergeschichten bekannt wurde. Weniger bekannt ist sein Werk als Landschaftsmaler: Er schuf mehr als 1.000 Gemälde, die aber erst posthum veröffentlicht wurden.

1895 kaufte der Künstler Heinrich Vogeler den Barkenhoff in Worpswede und gründete damit die Künstlerkolonie Worpswede. Diese war Heimat namhafter Künstler des deutschen Impressionismus und des Expressionismus. Die bekanntesten Künstler der ersten Generation der Kolonie waren:

Zwischen den 1920er und 1930er Jahren war der hannoversche Maler und Lyriker Kurt Schwitters in Niedersachsen tätig. Er ist der Erfinder der Merzkunst, die als Weiterentwicklung des Dadaismus gilt. Schwitters bezeichnete sich selbst nicht als Dadaist, sondern als Merzkünstler, arbeitete jedoch zeitweise eng mit den Berliner Dadaisten zusammen. Seine bekanntesten Gedichte sind „An Anna Blume“ und die „Sonate in Urlauten“. Von den Nationalsozialisten als „entartet“ eingestuft, flüchtete der Künstler 1937 und kehrte nie mehr in seine Heimatstadt zurück. Eine Rekonstruktion seines berühmten Merzbaus ist im Sprengel-Museum in Hannover zu besichtigen.

Ebenfalls große Bekanntheit erlangte der jüdische Maler Felix Nussbaum (1904–1944). Als Maler der Neuen Sachlichkeit zählte er zur „Verschollenen Generation“ der um 1900 Geborenen. Viele seiner Werke thematisieren den Holocaust, dem er 1944 selbst zum Opfer fiel.

Erhebliche Bekanntheit erreichte auch der Maler, Zeichner, Grafiker und Bildhauer Kurt Sohns (1907–1990).

Der 1940 geborene Neodadaist, Performance- und Konzeptkünstler Timm Ulrichs erlangte internationale Bekanntheit. Er war unter anderem 1977 auf der documenta 6 vertreten. Im Jahr 2001 erhielt er den Niedersächsischen Staatspreis.

Niedersachsen verfügt über zwei Kunsthochschulen: die Hochschule für Bildende Künste Braunschweig und die Hochschule für Musik und Theater Hannover. Darüber hinaus existieren an der Fachhochschule Hannover ein auslaufender Fachbereich „Bildende Kunst“ und an der Fachhochschule Ottersberg die Studiengänge „Kunst im Sozialen. Kunsttherapie“, „Theater im Sozialen“ und „Freie Bildende Kunst“.

Museen und Kunstinstitutionen

Niedersächsisches Landesmuseum
Horst-Janssen-Museum in Oldenburg
Felix-Nussbaum-Haus in Osnabrück

Braunschweig

Goslar

Göttingen

Hannover

Helmstedt

Lüneburg

Oldenburg

Osnabrück

Wilhelmshaven

Wolfsburg

Sonstige

Sport

Organisatorisch sind die niedersächsischen Sportvereine eng mit denjenigen aus dem Land Bremen verzahnt.

Handball

Niedersachsen beheimatet zwei Handballvereine der 1. Bundesliga: TSV Hannover-Burgdorf und Eintracht Hildesheim. In der 2. Handball-Bundesliga spielt die HSG Nordhorn-Lingen. (Stand: Saison 2011/2012).

In der 1. Handballbundesliga der Frauen sind außerdem die SVG Celle, der VfL Oldenburg und der Buxtehuder SV beheimatet.

Fußball

In der Fußball-Bundesliga spielen die Fußballvereine Hannover 96 und der VfL Wolfsburg sowie Eintracht Braunschweig in der 2. Fußball-Bundesliga und der VfL Osnabrück in der 3. Liga. Populär ist daneben im Bremer Umland der SV Werder Bremen und im Hamburger Umland der Hamburger SV sowie der FC St. Pauli.

Im Frauenfußball spielt ebenfalls der VfL Wolfsburg erstklassig.

Ju-Jutsu

In der 2010 eingerichteten Ju-Jutsu-Bundesliga erkämpfte der TKW Nienburg den 4. Platz.

Baseball

In der Baseball-Bundesliga spielt der Baseballverein Dohren Wild Farmers (Landkreis Harburg). In der 2. Baseball-Bundesliga ist Braunschweig mit den SUBWAY89ers vertreten.

Basketball

In der ersten Basketball-Bundesliga ist Niedersachsen durch die Artland Dragons (Quakenbrück), die BG Göttingen, die EWE Baskets Oldenburg und die New Yorker Phantoms Braunschweig vertreten. In der 2. Bundesliga Pro A spielen die Cuxhaven BasCats, die UBC Hannover Tigers und die GiroLive-Ballers Osnabrück. In der 2. Bundesliga Pro B die SC RASTA Vechta, SUM Baskets Braunschweig und den Herzöge Wolfenbüttel (Stand: Saison 2009/2010).

Eishockey

Im Raum Hannover haben die Hannover Scorpions (Deutscher Meister der Saison 2009/10) und die Hannover Indians ihre Heimat. Seit der Saison 2007/08 spielt auch der Wolfsburger Verein Grizzly Adams in der höchsten deutschen Spielklasse, der DEL.

Wassersport

An der Küste wie auch an den großen Seen und Flüssen ist der Wassersport ebenso populär wie das Angeln. Cuxhaven ist lagebedingt eine traditionsreiche Stätte des Segelns; so war es auch mal Anlegehafen des Tall Ships' Race.

Pferdesport

Der Raum Verden (Aller), der Raum Vechta, das Osnabrücker Land (hier insbesondere Hagen a. T. W. und Ankum), das Oldenburger Land und das Celler Land sind bekannt als Zentren des Pferdesports. In Luhmühlen, dem Zentrum der Vielseitigkeitsreiterei in Niedersachsen, wurden 2011 die Vielseitigkeits-Europameisterschaften ausgetragen.

Rugby

Hannover ist eine Hochburg des Rugby. Seit 1909 wurden insgesamt 62 der 83 ausgetragenen Deutschen Meisterschaften von hannoverschen Vereinen gewonnen. Spitzenreiter ist der TSV Victoria Linden mit 20 Meistertiteln. Von 1909 bis 2005 trat – mit Ausnahme von 1913 – ein hannoverscher Verein in jedem Endspiel um die Deutsche Meisterschaft an.

Wasserball

Niedersachsen ist dank der Teams der Region Hannover seit Jahrzehnten eine Wasserball-Hochburg. Wasserfreunde 98 Hannover wurde zwischen 1921 und 1948 achtmal deutscher Meister und stellte vier Spieler beim Olympiasieg 1928. Waspo Hannover-Linden wurde 1993 deutscher Meister, 1998 und 2003 deutscher Pokalsieger. Neben den beiden Klubs spielten auch Eintracht Braunschweig, Hellas 1899 Hildesheim, Freie Schwimmer Hannover und WSV 21 Wolfenbüttel zeitweilig in der Wasserball-Bundesliga.

Sonstige Sportarten

Niedersachsen bietet sich zum Wandern und Radfahren an. In Ostfriesland, im Emsland und im Ammerland ist das Boßeln heute noch populär.

Auszeichnungen

Die höchste Auszeichnung, die das Land Niedersachsen verleiht, ist die Niedersächsischen Landesmedaille. Für Verdienste in der Landespolitik wird der Niedersächsische Verdienstorden verliehen. Außerdem vergibt der Ministerpräsident seit 2002 den Niedersächsischen Staatspreis, der früher „Niedersachsenpreis“ hieß.

Als Musikpreis verleiht Niedersachsen jährlich den Praetorius Musikpreis.

Als Literaturpreis verleiht Niedersachsen jährlich den Nicolas-Born-Preis.

Literatur

Schriftsteller

Der Roman „Im Westen nichts Neues“ (1929) begründete den weltweiten Ruhm von Erich Maria Remarque, der am 22. Juni 1898 in Osnabrück geboren wurde. Er setzte sich in seinen Werken kritisch mit der deutschen Geschichte auseinander und zählt zu den meistgelesenen deutschen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er starb am 25. September 1970 in Locarno. Die Verbitterung über seine Ausbürgerung aus Deutschland überwand Remarque nie.

Von 1900 bis 1902 war der bedeutende österreichische Lyriker Rainer Maria Rilke in der Worpsweder Künstlerkolonie ansässig, wo er die Bildhauerin Clara Westhoff heiratete, mit der er 1901 eine Tochter hatte. Danach verschlug es den expressionistischen Autor nach Paris.

Der neben Rilke bedeutendste niedersächsische Schriftsteller der Moderne ist Arno Schmidt. Der avantgardistische Schriftsteller lebte von 1958 bis zu seinem Tode 1979 in Bargfeld. Schmidt schrieb neben experimentellen Romanen wie seinem Hauptwerk „Zettel’s Traum“ auch Übersetzungen, etwa von James Joyce, Edgar Allan Poe oder James Fenimore Cooper.

Als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker der 1970er Jahre gilt der 1940 in Vechta geborene und 1975 bei einem Autounfall in London verstorbene Schriftsteller Rolf Dieter Brinkmann. Seine Werke sind beeinflusst vom Nouveau Roman und der amerikanischen Beat-Generation, um deren Veröffentlichung in Deutschland er sich verdient gemacht hat.

In Nartum, Landkreis Rotenburg (Wümme) lebte Walter Kempowski von 1965 bis zu seinem Tode 2007. Er wurde vor allem durch seine stark autobiografisch geprägten Romane der Deutschen Chronik bekannt sowie durch sein Projekt Echolot, in dem er Tagebücher, Briefe und andere Alltagszeugnisse unterschiedlicher Herkunft zu collagenartigen Zeitgemälden verarbeitete.

Literaturbüros

Literaturbüros (auch Literaturhäuser) des Landes Niedersachsen gibt es in Braunschweig, Göttingen, Hannover, Lüneburg, Oldenburg und Osnabrück.

Literaturhinweise

  • Kleine Niedersächsische Literaturgeschichte in drei Bänden Von Dichterfürsten und anderen Poeten. Herausgegeben von Dirck Linck (III), Jürgen Peters (I-III) und Wilhelm Heinrich Pott (I+II). Mit Register und Literaturverzeichnis. Gebunden. 8°.
    • Band I. Zweiunddreißig Portraits von Roswitha von Gandersheim bis Johann Peter Eckermann. 256 Seiten. 38 Abb. ISBN 3-927715-29-8 (1993).
    • Band II. Siebenunddreißig Portraits von Stendhal bis Arno Schmidt. 288 Seiten. 40 Abb. ISBN 3-927715-31-X (1994).
    • Band III. Fünfundvierzig Portraits von Arno Schmidt bis Hans Pleschinski. Mit Fotografien von Isolde Ohlbaum, Brigitte Friedrich u. a. 336 Seiten. 60 Abb. ISBN 3-927715-30-1 (1996) »Geschichten, gesetzt aus Poetenleben, wissenschaftlich fundiert und erzählerisch aufbereitet zu einer Geschichte von Lebenden.« (NDR, Wolfgang Hausmann)
  • Hans Patze (Begr.): Geschichte Niedersachsen. 7 Bände. Hahnsche Buchhandlung, Hannover 1977. (Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen, 36)
  • Jörg Bogumil, Steffen Kottmann: Verwaltungsstrukturreform – die Abschaffung der Bezirksregierungen in Niedersachsen. Schriftenreihe der Stiftung Westfalen-Initiative, Band 11. Ibbenbürener Vereinsdruckerei, Ibbenbüren 2006, ISBN 3-932959-48-5. Link.
  • Bernd U. Hucker: Niedersächsische Geschichte. ISBN 3-89244-223-1.
  • Hans-Jürgen Häßler: Ur- und Frühgeschichte in Niedersachsen. ISBN 3-933203-61-9.
  • Niedersachsen. Zeitschrift für Kultur, Geschichte, Heimat und Natur seit 1895. (Hrsg.: Niedersächsischer Heimatbund e. V.), erscheint vierteljährlich zzgl. 1 Themenheft, Wildeshausen 2004 ff.
  • Dietrich Steckhan: Niedersachsen. Landeskunde und Landesentwicklung. (Hrsg.: Niedersächsisches Landesverwaltungsamt – Bildungstechnologie [Landesbildstelle]), Hannover 1980, 269 S. m. zahlr. Abb. (darin: zahlr. Luftbildaufnahmen)
  • Ingo Helm u. Christoph Weinert: Die Geschichte Norddeutschlands. Hamburg 2005, 352 S. m. zahlr. Abb.; ISBN 3-455-09520-8.
  • Dieter Brosius: Niedersachsen. Das Land und seine Geschichte in Bildern, Texten und Dokumenten. Hamburg 2006, 264 S. m. zahlr. Abb.; ISBN 3-8319-0265-8.
  • Herbert Obenaus (Hrsg. in Zusammenarbeit mit David Bankier und Daniel Fraenkel): Historisches Handbuch der jüdischen Gemeinden in Niedersachsen und Bremen. Band 1 und 2, Göttingen 2005, 1668 S.
  • Hans-Peter Schneider, Heiko Faber (Hrsg.): Niedersächsisches Staats- und Verwaltungsrecht. Alfred Metzner Verlag, Frankfurt a. M. 1985, ISBN 3-7875-3405-9.

Siehe auch

Weblinks

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Quellen

  1. Landesbetrieb für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen – Bevölkerungsfortschreibung (Stand 31. Dezember 2009). Abgerufen am 23. März 2011.
  2. Statistische Ämter des Bundes und der Länder
  3. Arbeitslosenquoten im Oktober 2011 – Länder und Kreise. In: arbeitsagentur.de. Bundesagentur für Arbeit, abgerufen am 2. November 2011.
  4. Statistisches Bundesamt – Angaben zu den Schulden der Länder
  5. Naturparks in Niedersachsen, Stand 31. Dezember 2009, abgerufen am 26. August 2010
  6. Landschaftsverband Westfalen-Lippe: Die Interessengebiete Kölns und Braunschweigs nach dem Vertrag von 1260 (Karte)
  7. Land Niedersachsen: Der Weg zum Land Niedersachsen
  8. Zur räumlichen Zuordnung des Begriffs „Westfalen/westfälisch“ vgl. Karl Ditt: Der Raum Westfalen in der Historiographie des 20. Jhs.
  9. Martin Dröge: Räume, Grenzen, Identitäten – Westfalen als Gegenstand landes- und regionalgeschichtlicher Forschung
  10. Klaus Schaap / Rudolf Willenborg: Der Weg zum Land Niedersachsen. In: Niedersächsischer Bildungsserver: Gründung des Landes Niedersachsen S. 21
  11. Thomas Vogtherr: 100 Jahre Historische Kommission für Niedersachsen und Bremen – Personen, Geschichtsbilder, Forschungsfelder, Netzwerke 1910-2010. 27. Mai 2010
  12. Landkreis Vechta: Zeitzeichen im Landkreis
  13. Joachim Kuropka: Katholizismus, Kirche und südoldenburgische Identität. In: Heimatbund für das Oldenburger Münsterland (Hrsg.): Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 2004. Vechta. S. 50f.
  14. Klaus Schaap / Rudolf Willenborg: Der Weg zum Land Niedersachsen. In: Niedersächsischer Bildungsserver: Gründung des Landes Niedersachsen S. 22f.
  15. a b siehe Text Gesetz zur Modernisierung der Verwaltung in Niedersachsen vom 5. November 2004 (Nds. GVBl. S. 394–401), siehe dort Artikel 1 Gesetz zur Auflösung der Bezirksregierungen
  16. Drei Quellen-Verlag GmbH (Hrsg.): Personen und Positionen. In: rundblick Nord-Report. Jahrgang 2008, Nr. 038, Hannover 27. Februar 2008, S. 2.
  17. vgl. z. B. Gebietsreform: Alle Macht den Bürokraten, in: Der Spiegel 23/1977, S. 74-88.
  18. vgl. z. B. BVerfG, Beschluss vom 27. November 1978, Az. 2 BvR 165/75, BVerfGE 50, 50 - Laatzen; BVerfG, Urteil vom 10. Juli 1990, Az. 2 BvR 470, 650, 707/90, BVerfGE 82, 310 - Aschendorf; BVerfG, Beschluss vom 12. Mai 1992, Az. 2 BvR 470, 650, 707/90, BVerfGE 86, 90 - Papenburg.
  19. [1]
  20. z.B. Gerhard Cassing: Regionalisierung in Niedersachsen. Konzept zur Reform der Kreisebene. 2008. 127 S.
  21. Regionales BIP je Einwohner in der EU27 im Jahr 2005, Eurostat (PDF)
  22. a b Joachim Göres: Rohstoffland Niedersachsen, in: Grafschafter Nachrichten vom 6. Oktober 2011, S. 6.
  23. Meldung der IHK Hannover auf nds-ost.business-on.de vom 17. Dezember 2009
  24. ndr.de: Spekulationen um Bundeswehr-Standorte, abgerufen am 6. Oktober 2011.
  25. HAZ: Kommunen fürchten Einschnitte bei Bundeswehr, abgerufen am 6. Oktober 2011.
  26. a b 2010: Rekordzuwächse bei Landesschulden, abgerufen am 27. November 2010
  27. Stand: 31. Dezember 2009 Abgerufen am 13. Februar 2010
  28. Jehovas Zeugen Online – Aktuelles, abgerufen am 21. Juli 2010
  29. Das Niedersächsisches Verwaltungsverfahrensgesetz (NVwVfG) verweist in § 1 (1) auf das Verwaltungsverfahrensgesetz des Bundes: Für die öffentlich-rechtliche Verwaltungstätigkeit der Behörden des Landes, der Gemeinden, der Landkreise und der sonstigen der Aufsicht des Landes unterstehenden Körperschaften, Anstalten und Stiftungen des öffentlichen Rechts gelten die Vorschriften des Verwaltungsverfahrensgesetzes (VwVfG) in der Fassung vom 23. Januar 2003 (BGBl. I S. 102) mit Ausnahme der §§ 1, 2, 61 Abs. 2, §§ 100 bis 101 sowie die Vorschriften dieses Gesetzes. Im VwVfG heißt es in § 23 (1): Die Amtssprache ist deutsch.
  30. Siehe auf der Internetseite des Niedersächsischen Ministeriums für Inneres, Sport und Integration.
  31. Diözesanmuseum
  32. Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum
  33. Kulturgeschichtliches Museum
  34. Museum am Schölerberg

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