Harz (Mittelgebirge)

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Harz
Topografie des Harzes

Topografie des Harzes

Höchster Gipfel Brocken (1.141 m ü. NN)
Lage Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen
Teil der Mittelgebirgsschwelle
Koordinaten 51° 45′ N, 10° 38′ O51.7510.6333333333331141Koordinaten: 51° 45′ N, 10° 38′ O
Typ Mittelgebirge
Gestein Tonschiefer, Grauwacke, Granit
Alter des Gesteins älteste Gesteine ca. 500 Millionen Jahre
Fläche 2.226 km²

Der Harz, bis ins Mittelalter Hart (‚Bergwald‘) genannt, ist ein Mittelgebirge in Deutschland. Er stellt das höchste Gebirge Norddeutschlands dar und liegt am Schnittpunkt von Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Anteil am Harz haben im Westen die Landkreise Goslar und Osterode am Harz, im Norden und Osten die Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz und im Süden der Landkreis Nordhausen. Der Brocken ist mit 1.141,1 m ü. NN der höchste Berg des Harzes.

Große Teile des Harzes sind Naturpark. Der im Harz gelegene Nationalpark Harz wurde 2006 als erster länderübergreifender Nationalpark Deutschlands aus den beiden bestehenden Nationalparks Harz (Niedersachsen) und Hochharz (Sachsen-Anhalt) gebildet.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Ausdehnung und Lage

Satellitenbild Harz

Das Gebirge ist 110 Kilometer lang und 30–40 Kilometer breit, bedeckt eine Fläche von 2.226 km² und reicht von Seesen (im Westen) bis zur Lutherstadt Eisleben (im Osten). Es gliedert sich in den bis zu 800 Meter hohen Oberharz im Nordwesten, in dem nur das Brocken-Massiv 1.100 Meter übersteigt, und den niedrigeren Unterharz im Osten mit Höhen bis zu 400 Meter, dessen Hochflächen auch landwirtschaftlich nutzbar sind. Die Landkreise im Oberharz sind Goslar und Osterode (beide Niedersachsen), während der Unterharz auf dem Gebiet der Landkreise Harz und Mansfeld-Südharz (beide Sachsen-Anhalt) liegt.

Die Trennlinie zwischen Ober- und Unterharz verläuft ungefähr entlang einer Linie von Wernigerode nach Bad Lauterberg, die grob die Einzugsgebiete der Weser (Oberharz) und Elbe (Unterharz) trennt. Nur an dem Südostrand des Oberharzes, der auch Hochharz genannt wird (Landkreise Goslar, Osterode und Harz), übersteigt das Gebirge im Brockenmassiv die Höhengrenze von 1.000 m ü. NN. Sein höchster Gipfel ist der Brocken (1.141 Meter), seine Nebengipfel sind im Südosten die Heinrichshöhe (1.044 Meter) und südwestlich der Königsberg (1.023 Meter). Weitere markante Erhebungen im Harz sind der Acker-Bruchberg-Höhenzug (927 Meter), die Achtermannshöhe (925 Meter) und der Wurmberg (971 Meter) bei Braunlage. Ganz im Osten schließt sich die Östliche Harzabdachung an (Landkreis Harz, Sachsen-Anhalt), die besonders durch das Selketal geprägt ist. Der Südharz liegt teilweise im thüringischen Landkreis Nordhausen.

Gewässer

Stausee der Talsperre Wendefurth

Die Flüsse des Harzes haben aufgrund der Geographie und des Klimas stark schwankende Wasserführungen und können bei den hohen Niederschlägen große Wassermengen führen. Der lukrative Silberbergbau im Oberharz führte dort insbesondere zwischen dem 16. bis zum 19. Jahrhundert zu umfangreichen Veränderungen der Flüsse im Quellgebiet von Innerste, Oker, Oder und Söse: Das Oberharzer Wasserregal mit 143 kleinen Talsperren, die zu einem großen Teil noch heute in Betrieb sind, prägt nicht nur die Gewässer, sondern die gesamte Landschaft im Westharz. Zu den Oberharzer Teichen gehören die ältesten noch in Betrieb befindlichen Talsperren Deutschlands. Diese Teiche und Gräben sind seit 1977 unter Denkmalschutz und wurden 2010 als UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt.

Auch im Unterharz finden sich viele Spuren montaner Wasserwirtschaft. Neben wasserführenden Gräben und Teichen existieren auch längst aufgegebene Gräben und trockene Teiche. Die erhaltenen Teile davon wurden 1991 als Flächendenkmal Unterharzer Teich- und Grabensystem unter Schutz gestellt und dienen heute zum Teil als Trinkwasserreservoir. Teile der Anlagen können bis ins Jahr 1610 zurückdatiert werden.

Im 20. Jahrhundert wurde ein System von 16 Talsperren im Harz errichtet, das zwölf Harzflüsse anstaut. Bis heute dienen die Talsperren überwiegend der Trinkwassergewinnung, der Stromerzeugung, dem Hochwasserschutz sowie der Niedrigwasseraufhöhung. Mit der Sösetalsperre, die von 1928 bis 1931 erbaut wurde, begann der moderne Talsperrenbau im Harz.

Die größten Flüsse des Harzes sind im Norden die Innerste, die Oker, die Bode; im Osten die Wipper; sowie im Süden die Oder. Die Innerste mündet in die Leine und hat als Zuflüsse die Nette und die Grane. In die Oker münden die Flüsse Radau, Ecker und Ilse. In die Bode münden die Holtemme, in die wiederum der Zillierbach mündet, die Hassel und die Selke. Die Wipper wird von der Eine gespeist. In die Rhume münden die Söse und die Oder, in die die Sieber mündet. In die Helme münden die Zorge, die Wieda und die Uffe.

Erhebungen

Hauptartikel: Liste von Bergen im Harz
Hauptartikel: Harzklippen

Klima

Klimatisch hebt sich ein Gebirge durch geringere Temperaturen und größere Niederschläge von den Randlandschaften ab. Regelmäßige Niederschläge während des ganzen Jahres prägen den Mittelgebirgscharakter des Harzes. Regenreichen atlantischen Westwinden frei ausgesetzt, fallen auf der Luv-Seite bis zu 1.600 mm Regen im Jahr (Westharz, Oberharz, Hochharz), hingegen fallen, gebirgstypisch, auf der Lee-Seite durchschnittlich nur 600 mm Niederschlag im Jahr (Ostharz, Unterharz, Östliche Harzabdachung).

Mit einer durchschnittlichen Erwärmung von über 1 Grad in den vergangenen 100 Jahren auf dem Brocken und den entsprechenden Folgen für die Ökosysteme wie die Borkenkäferentwicklungen lässt sich der globale Klimawandel auch im Harz feststellen.

Verkehrserschließung

Eisenbahnen

Brockenbahn auf dem Bahnhof Brocken

Der Harz wird heute nur noch durch die Harzer Schmalspurbahnen erschlossen, die Wernigerode, Nordhausen, Quedlinburg und den Brocken miteinander verbinden. Bis zur Grenzschließung schloss sich daran das Netz der Südharz-Eisenbahn-Gesellschaft nach Braunlage an.

Eine Reihe von Stichstrecken führte und führt zum Teil noch in den Harz, derzeit mit regelmäßigem Personenverkehr die Bahnstrecke Halberstadt–Blankenburg, die Bahnstrecke Magdeburg–Thale, die Bahnstrecke Klostermansfeld–Wippra und zwischen Berga-Kelbra und Stolberg. Alle in Niedersachsen liegenden Stichbahnen (Innerstetalbahn, Odertalbahn) sind aufgegeben worden. Die Rübelandbahn dient derzeit nur dem Güterverkehr, der Betrieb als Museumseisenbahn ist geplant.

Rund um den Harz bilden (vom Norden im Uhrzeigersinn) die Bahnstrecke Heudeber-Danstedt–Bad Harzburg/Vienenburg, die Bahnstrecke Halberstadt–Vienenburg, die Bahnstrecke Halle–Halberstadt, die Berlin-Blankenheimer Eisenbahn, die Halle-Kasseler Eisenbahn, die Südharzstrecke, die Bahnstrecke Herzberg–Seesen, die Bahnstrecke Goslar–Seesen und die Bahnstrecke Vienenburg–Goslar einen Ring.

Neben den Regionalzügen auf diesen Strecken ist der Harz im Jahresfahrplan 2011 mit zwei Fernverkehrslinien direkt erreichbar:

Straßen

Harzhochstraße B 4/B 242, Höhe Braunlage

Der Harz wird im Westen von der Bundesautobahn 7 und im Süden von der Bundesautobahn 38 gestreift. Entlang des Südwestharzrandes verläuft eine vierspurige Schnellstraße (B 243) über Osterode bis Bad Lauterberg. Ferner besteht eine gut ausgebaute Bundesstraße (B 6, B 4) von Goslar nach Braunlage. Besonders das nördliche Harzvorland profitiert durch die neugebaute B 6n. Sowohl die B 4, als auch die B 6n sind großenteils autobahnähnlich ausgebaut. Die B 4 überquert den Harz von Bad Harzburg auf der Nord-Süd-Achse über Torfhaus und Braunlage bis nach Ilfeld am Südharzrand. Auch der übrige Harz ist mit Bundesstraßen gut erschlossen. Von Bedeutung sind besonders die Harzhochstraße (B 242), die den gesamten Harz in West-Ost-Richtung (von Seesen bis Mansfeld) quert, sowie die B 241, die von Goslar im Norden einmal über den Oberharz (Clausthal-Zellerfeld) bis nach Osterode im Süden führt.

Geologie und Bodenkunde

Entstehung

Geologische Übersichtskarte
Gabbro-Steinbruch bei Bad Harzburg

Der Harz gilt als das geologisch vielfältigste der deutschen Mittelgebirge, wobei basenarme Gesteine bei weitem überwiegen. Die häufigsten, an der Oberfläche anstehenden Gesteine sind Tonschiefer, geschieferte Grauwacken und der in zwei Plutonen anstehende Granit. Die im Harz weit verbreitete Gießen-Harz-Decke des Rheno-Herzynikums besteht zu großen Teilen aus Flysch. Bekannt und wirtschaftlich bedeutend sind die Kalksteinvorkommen um Elbingerode und der Gabbro von Bad Harzburg. Die Landschaften des Harzes sind durch steile Bergketten, Blockhalden, vergleichsweise flache Hochebenen mit vielen Hochmooren und langgestreckte, schmale Kerbtäler charakterisiert, von denen das Bodetal, das Oker- und Selketal die bekanntesten sind. Ein repräsentativer Querschnitt aller Harzer Gesteine wird auf der Jordanshöhe bei Sankt Andreasberg nahe dem Parkplatz gezeigt.

Die Entstehung und Auffaltung des Harzes begann während einer markanten Phase des Paläozoikums im Rahmen der plattentektonisch verursachten variszischen Gebirgsbildung im Karbon vor 350 bis 250 Millionen Jahren. In dieser Zeit der Erdgeschichte entstanden in Westeuropa zahlreiche Hochgebirge, unter anderem Fichtel- und Rheinisches Schiefergebirge. Sie wurden jedoch durch ihre Hochlage (bis zu 4 km) stark erodiert und später von mesozoischen Gesteinen überdeckt. Von der Unterkreide bis hinein in die Oberkreide wurde der Harz durch tektonische Einwirkung als Ganzes angehoben und vor allem im Tertiär wurden die jüngeren überlagernden Schichten erodiert und die Gebirgskörper als Mittelgebirge sichtbar. Die bedeutendste Aufwärtsbewegung war dabei die subherzyne Phase (83 mya), bei der der Nordrand steil aufgerichtet wurde. Es bildete sich eine Störungszone, die Harznordrandverwerfung.

Der Harz ist ein (Pult-)Schollengebirge, das nach Westen und Nordosten verhältnismäßig steil abfällt und sich nach Süden allmählich abflacht. Es wird von zahlreichen tiefen Tälern durchschnitten. Nördlich des Gebirges liegen kreidezeitlichen Schichten der subhercynen Mulde im ausgedehnten Harzvorland; südlich des Gebirges lagern permische Sedimente flach auf den nach Südwesten einfallenden paläozänen Sedimenten.

Aufgrund der Harzrandverwerfung und der senkrecht oder teilweise sogar überkippten geologischen Schichten ist in dem nur relativ wenige Quadratkilometern umfassenden Gebiet eine teilweise häufig wechselnde geologische Beschaffenheit zu beobachten. In Folge dieser Tatsache bezeichnet man Teile des Nordwestharzes auch als „Klassische Quadratmeile der Geologie“.

Natur

Bode

Flora

Die Vegetationszonierung des Harzes umfasst sechs Höhenstufen:

  • Subalpine Stufe: Brockengipfel oberhalb 1.000 m ü. NN
  • Hochmontane Stufe: höchste Lagen mit Ausnahme des noch höher gelegenen Brockengipfels von 850 bis 1.000 m ü. NN
  • Obermontane Stufe: höhere Lagen von 750 bis 850 m ü. NN
  • Montane Stufe: mittlere Lagen von 525 bis 750 m ü. NN
  • Submontane Stufe: untere Lagen von 300 bis 525 m ü. NN
  • Kolline Stufe: Lagen des Harzrandes bis 250 bis 300 m ü. NN

Wälder

Bodetal mit Laubwald
Buchenwälder

Vom Harzrand bis 700 m ü. NN dominieren Buchenwälder, insbesondere die Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo-Fagetum) der schwach nährstoffversorgten Standorte mit Rotbuche (Fagus sylvatica) häufig als alleiniger Baumart. In tieferen, trockenen Lagen kommen Stieleiche (Quercus robur) und Traubeneiche (Quercus petraea) hinzu. Auf feuchteren Standorten tritt Bergahorn (Acer pseudoplatanus) auf. In den lichtreichen Zerfalls- und Verjüngungsphasen spielen auch lichtbedürftige Pioniere wie Eberesche (Sorbus aucuparia), Hänge-Birke (Betula pendula) und Sal-Weide (Salix caprea) eine Rolle. Der Perlgras-Buchenwald ist an den wenigen nährstoff- und basenreicheren Standorten über Diabas und Gneis zu finden und weist eine arten- und blütenreichere Krautschicht auf. Auch hier dominiert die Rotbuche, beigemischt Bergahorn, Gewöhnliche Esche (Fraxinus excelsior), Hainbuche (Carpinus betulus) und Bergulme (Ulmus glabra). Durch das zunehmende Kontinentalklima am östlichen Harzrand wird dort die Rotbuche zugunsten von Traubeneichen-Mischwäldern verdrängt.

Buchen-Fichtenmischwälder

In den mittleren Lagen zwischen 700 und 800 m ü. NN würde man unter natürlichen Bedingungen von Fichte (Picea abies) und Rotbuche dominierte Mischwälder antreffen. Diese sind jedoch bewirtschaftungsbedingt seit langem bis auf Reste Fichtenbeständen gewichen. Weiterhin tritt in diesen Wäldern der Bergahorn auf.

Fichtenwald im Harz
Bodenvegetation in einem Douglasien-Fichtenbestand im unteren Westharz
Fichtenwälder

In den höchsten Lagen von etwa 800 m bis zur Waldgrenze bei 1.000 m ü. NN gedeihen Fichtenwälder, in denen auch Laubgehölze wie Ebereschen, Hänge- und Moorbirke (Betula pendula und Betula pubescens) sowie Weiden (Salix spec.) zu finden sind. Die hohe Luftfeuchtigkeit ist die Ursache für eine reiche Moos- und Flechtenflora. Trotz der Naturnähe findet man nur noch wenige heimische, genetisch angepasste (autochthone) Fichten. Wollreitgras-Fichten-Wälder (Calamagrostio villosae-Piceetum) dominieren. Auf frischen, aber keineswegs nassen und nur mäßig gesteinsreichen Böden gedeiht eine gut entwickelte Bodenvegetation, die in ihrem Erscheinungsbild vor allem durch Gräser wie Wolliges Reitgras (Calamagrostis villosa) und Draht-Schmiele (Avenella flexuosa) geprägt ist. Die Böden in den Hochlagen sind wie auch im überwiegenden Teil des gesamten Harzes vergleichsweise nährstoff- und basenarm, so dass nur wenige krautige Pflanzen wie das Harzer Labkraut (Galium saxatile) vorkommen. Dafür sind es eher Farne, Moose, Flechten und Pilze, die neben der Fichte die Eigenart dieser Wälder bestimmen. Im Bereich verwitterungsresistenter Gesteine in der hochmontanen und montanen Stufe kommen häufig Felsen und Blockhalden vor – Extremstandorte der Vegetation. Aufgrund des Mangels an Erdmaterial gedeihen auf ihnen nur schwachwüchsige, sehr licht stehende Block-Fichtenwälder. Sie zeichnen sich durch einen besonders hohen Strukturreichtum aus und lassen mehr Raum für lichtliebende Arten wie Hänge-Birke, Eberesche, Bergahorn, Weiden und Zwergsträucher wie die Heidelbeere (Vaccinium myrtillus). Auch Moose und Farne sind hier häufig. Als Besonderheit ist die Karpatenbirke (Betula carpatica) zu nennen. In der Umgebung der Hochmoore auf Sumpf- und Moorböden finden sich die Moor-Fichtenwälder. Auf diesen Standorten können Fichtenwälder ausnahmsweise auch in tieferen Lagen die natürliche Waldgesellschaft bilden. Diese durch besondere Nässe geprägten Moorwälder weisen bereits einen hohen Anteil an Torfmoosen (Sphagnum spec.) auf. Die Bodenvegetation kann aber auch durch ein reiches Vorkommen von Zwergsträuchern wie Preiselbeere (Vaccinium vitis-idaea) geprägt sein. Ebenso sind umfangreiche Bestände des Blauen Pfeifengrases (Molinia caerulea) für diese Waldgesellschaft typisch. Charakteristische Pilzarten der natürlichen Fichtenwälder sind der Dünne Feuerschwamm (Phellinus viticola) und der Olivgelbe Holzritterling (Tricholomopsis decora).

Sonderformen

Nur kleinflächig treten Schlucht-, Au- und Quellwälder auf. Die Rotbuche tritt hier zugunsten anspruchsvollerer Laubbaumarten wie Bergahorn, Sommer-Linde (Tilia platyphyllos), Berg-Ulme oder Gewöhnliche Esche zurück. Die Krautschicht ähnelt der von besser nährstoffversorgten Buchenwäldern. Auffällige Vertreter der hier beheimateten Pflanzengesellschaften sind Alpen-Milchlattich (Cicerbita alpina), Mondviole (Lunaria rediviva), Dorniger Schildfarn (Polystichum aculeatum) und Buchenfarn (Phegopteris connectilis).

Hochmoore

Die Harzer Moore zählen zu den besterhaltenen Mitteleuropas. Ihre Entstehung geht zurück bis auf das Ende der letzten Eiszeit vor über 10.000 Jahren. Wesentlichen Anteil an der Vegetation der Hochmoore haben die Torfmoose. Die feuchteren Bereiche (Schlenken) und die höherliegenden trockeneren Bulten werden von unterschiedlichen Arten besiedelt. In Schlenken findet sich das Spieß-Torfmoos (Sphagnum cuspidatum), auf den Bulten Magellans Torfmoos (Sphagnum magellanicum). Die Torfmoospolster werden von den Zwergsträuchern Heidelbeere, Preiselbeere und weiteren Zwergsträuchern durchwachsen. Die Rosmarinheide (Andromeda polifolia) ist ein Eiszeitrelikt. Weitere Eiszeitrelikte sind Zwerg-Birke (Betula nana) oder Wenigblütige Segge (Carex pauciflora). Von Mai bis Juni blüht die Gewöhnliche Moosbeere (Vaccinium oxicoccus). An den schwarzen Früchten ist die Schwarze Krähenbeere (Empetrum nigrum) zu erkennen. Auf den trockeneren Bulten ist die Besenheide (Calluna vulgaris) zu finden. Vereinzelt tritt die Glockenheide (Erica tetralix) auf. Typische Gräser sind das Scheiden-Wollgras (Eriophorum vaginatum), bekannt durch die leuchtend weißen Fruchtstände und die Rasige Haarsimse (Scirpus cespitosus), die im Herbst rostrot ist. Die faszinierendste Moorpflanze ist der Rundblättrige Sonnentau (Drosera rotundifolia). Am trockeneren Moorrand ist die Moor- oder Rauschbeere (Vaccinium uliginosum) zu finden.

Fauna

Harzer Rotes Höhenvieh – einst hier heimisch
Luchs – im Harz wieder ausgewildert

In den Harzer Buchenwäldern findet eine Vielzahl von Tieren Lebensraum. Über 5.000 Tierarten, die meisten davon Insekten, sind auf den Buchenwald angewiesen. Darunter befinden sich viele Arten, die im Boden und in der Streuschicht für die Zersetzung und Einarbeitung des Laubes sorgen, wie zum Beispiel Springschwänze, Hornmilben, Asseln, Fadenwürmer, Tausendfüßer, Regenwürmer und Schnecken. Charakteristische Brutvögel der altholzreichen Buchenwälder sind Schwarzspecht (Dryocopus martius) und Hohltaube (Columba oenas). Zeichen für die Naturnähe der Buchenwälder im Harz ist auch die Rückkehr des Schwarzstorchs (Ciconia nigra). Dieser scheue und störanfällige Bewohner reich strukturierter Laub- und Mischwälder war durch Beeinträchtigungen seines Lebensraums (fehlende Altbäume, Mangel an naturnahen Bächen) in Mitteleuropa sehr selten geworden. Durch Lebensraumverbesserungen infolge der Renaturierung von Fließgewässern sowie der Förderung von störungsarmen Ruhezonen hat sich der Schwarzstorchbestand heute erholt. Eine typische Säugetierart dieser Laubwälder ist die Europäische Wildkatze (Felis silvestris silvestris), die über eine stabile Population im Harz verfügt. Sie bevorzugt die strukturreicheren Waldgebiete, die ein reiches Nahrungsangebot aufweisen.

Auch die Tierwelt der Buchen-Fichtenmischwälder ist vielfältig. Besonders Arten, die auf strukturreiche Wälder angewiesen sind, kann man hier antreffen. So ist der Bergmischwald der natürliche Lebensraum des Auerhuhns (Tetrao urogallus). Lebensraum findet hier auch der Raufußkauz (Aegolius funereus). Er brütet fast ausschließlich in Schwarzspechthöhlen in alten Buchen und braucht den im Vergleich zum Fichtenwald lichteren Buchenwald mit seiner höheren Kleinsäugerdichte für seine Nahrungssuche. Zur Deckung bevorzugt er jedoch die dunkleren Fichten.

Ein großer Teil der in den natürlichen Fichtenwäldern lebenden Tierarten ist an die besonderen Lebensbedingungen in den Harzhochlagen angepasst. Für die Vogelwelt gelten Haubenmeise (Lophophanes cristatus), Winter- und Sommergoldhähnchen (Regulus regulus und Regulus ignicapillus), Erlenzeisig (Carduelis spinus), Waldbaumläufer (Certhia familiaris), Tannenmeise (Periparus ater) und Fichtenkreuzschnabel (Loxia curvirostra) als typische Bewohner. Besonders hervorgehoben werden soll hier noch der vom Aussterben bedrohte Sperlingskauz (Glaucidium passerinum), der die submontane bis subalpine Stufe mit struktur- und nadelbaumreichen Wäldern sowie eingestreuten Freiflächen bewohnt. Als Brutbaum wird die Fichte bevorzugt, als Nahrungsgebiete dienen lichte Waldbestände oder Moorbereiche. Ähnlich wie für den Schwarzstorch gilt auch für den vor langer Zeit aus dem Harz verschwundenen Sperlingskauz, dass er Ende der 1980er Jahre ganz von selbst zurückgekehrt ist, als sich sein angestammter Lebensraum wieder zu mehr Naturnähe entwickelt hatte, so dass für ihn außer genügender Nahrung (Insekten, Kleinsäuger, Kleinvögel) auch stehendes Totholz (Fichten mit Spechthöhlen) vorhanden waren.

Neben vielen Vogelarten gibt es in den verschiedenen Fichtenwäldern auch eine Reihe von Großschmetterlingen, die außerhalb des Harzes stark gefährdet sind oder gar nicht vorkommen. Beispielhaft seien hier zwei Arten genannt. In alten, lichten Wollreitgras-Fichtenwäldern, zum Teil in Verbindung mit Blockhalden oder Moor-Fichtenwäldern, tritt der Braungraue Bergwald-Steinspanner (Elophos vittaria) auf. In heidelbeerreichen Moor-Fichtenwäldern dagegen eher der Bläuliche Heidelbeer-Blattspanner (Entephria caesiata).

Nur wenige Tierarten konnten sich an die extremen Bedingungen in Hochmooren anpassen. Beispiele dafür sind die Alpen-Smaragdlibelle (Somatochlora alpestris), die im Harz ihr einziges Vorkommen in Niedersachsen hat und in Deutschland stark gefährdet ist, und die vom Aussterben bedrohte Hochmoor-Mosaikjungfer (Aeshna subarctica).

Felsen und Blockhalden sind wesentlicher Bestandteil des Lebensraumes von Wanderfalke (Falco peregrinus) und Ringdrossel (Turdus torquatus). Der Wanderfalke ist vom Aussterben bedroht. Er braucht steile, aus der Landschaft herausragende, wenig bewachsene Felsen. Nachdem seine Population im Harz erloschen war, gibt es nun wieder Brutpaare im Harz. Entscheidend dazu beigetragen haben umfangreiche Maßnahmen zur Förderung von Ruheräumen in angestammten Brutgebieten dieser scheuen Vogelart. Bereits 1980 siedelte sich im Ostharz ein Brutpaar aus einem Auswilderungsprojekt an. Die Ringdrossel bevorzugt halboffene Blockhalden und locker bewaldete Übergangsbereiche zwischen baumfreien Hochmooren und Wald. Im Harz liegt eines ihrer wenigen isolierten Brutvorkommen Mitteleuropas. Ihr Hauptverbreitungsgebiet erstreckt sich auf Nordwesteuropa einschließlich großer Teile Englands und Schottlands sowie auf die Hochgebirge Süd- und Osteuropas.

Die Fließgewässer mit ihrem ausgeprägten Bergbachcharakter spielen eine bedeutende Rolle im gesamten Harz. Im Vergleich zu anderen naturräumlichen Regionen in Niedersachsen sind sie noch sehr naturnah und zeichnen sich durch hohe Strukturvielfalt und sauberes Wasser aus. Aufgrund der zumindest zeitweise hohen Fließgeschwindigkeit der Harzbäche können Blütenpflanzen in den Gewässern nur sehr selten Fuß fassen. Auch die Tiere der Harzer Fließgewässer müssen sich an die hohen Fließgeschwindigkeiten anpassen. Nur wenige Arten, zum Beispiel Fische, schwimmen aktiv gegen die Strömung an. Häufigste Arten sind Bachforelle (Salmon trutta fario) und Groppe (Cottus gobio). Weit vielfältiger ist dagegen das Artenspektrum des Lückensystems unter der Gewässersohle. Neben sich hier entwickelnden Insekten- und Fischlarven findet man Einzeller, Strudelwürmer und Wassermilben. Andere Tierarten haften an Steinen fest, Köcherfliegenlarven und Schnecken, oder können durch extrem abgeflachte Körperform die verringerte Strömungsgeschwindigkeit am Grund des Gewässers oder an Steinen ausnutzen, Steinfliegenlarven. In strömungsberuhigten Bereichen hinter Steinen oder in Moospolstern findet man außerdem Wasserkäfer und Flohkrebse.

An den Fließgewässern des Harzes kann man vereinzelt die Großlibelle Zweigestreifte Quelljungfer (Cordulegaster boltonii) sowie die Blauflügel-Prachtlibelle (Calopteryx virgo), eine Kleinlibelleart, antreffen.

Die Wasseramsel (Cinclus cinclus), die überall an den Harzgewässern zu finden ist, kommt fast ausschließlich im Bergland vor. Ihr Lebensraum sind schnell fließende, klare und mit Ufergehölzen bestandene Gebirgsbäche. Sie kann tauchen und unter Wasser auf dem Grund entlang laufen. Zur Nahrungssuche dreht sie dort Steine um. Auch die Gebirgsstelze (Motacilla cinerea) nutzt die reichen Nahrungsvorräte der Bergbäche.

Seit 2000 werden vom Nationalpark Harz erfolgreich Eurasische Luchse ausgewildert, die sich mittlerweile gut in die Ökologie einpassen.[1] Durch gezielte Schutzmaßnahmen der vergangenen Jahre konnte ein Rückgang der Fledermausbestände im Harz gestoppt werden. Von den jagdbaren Säugetieren sind Rothirsch, Reh, Wildschwein und Europäischer Mufflon zu nennen.

Geschichte

Ur- und Frühgeschichte

Vor 700.000 bis 350.000 Jahren jagte der Homo erectus in und um den Harz bei Bilzingsleben (Thüringen), Hildesheim und Schöningen (Niedersachsen). Der Neandertaler erschien vor rund 250.000 Jahren in der Region und jagte Auerochsen, Wisente, Braun- und Höhlenbär, Mammuts, Nashörner, Pferde, Rentiere und Waldelefanten. Nachgewiesen wurden die Werkzeuge der Neandertaler in der Einhornhöhle im Südharz (100.000 Jahre vor heute) und in den Rübeländer Höhlen. Funde von Birkenpech bei Aschersleben am Nordharzrand wiesen die Verwendung dieses vorgeschichtlichen Klebstoffs durch Neandertaler vor 50.000 Jahren nach. Die Paläolithische Revolution brachte vor 40.000 Jahren den Homo sapiens aus Afrika nach Europa und auch in die Harzregion; er verdrängte den Neandertaler und wurde später auch hier sesshaft.

Viele Funde im Harz, wie beispielsweise die Bronzekeule von Thale, die bei der Roßtrappe gefunden wurde, könnten auf eine frühe kultische Nutzung des Harzes hinweisen.[2] Bei Ührde wurden steinzeitliche Siedlungsspuren entdeckt.[3]

Archäologische Untersuchungen belegen auch einen frühen Bergbau im Harz, der sich sicher bis in des 3. Jahrhundert n. Chr. datieren lässt,[4] aber wohl deutlich älter ist und schon in der Bronzezeit begann.

Mittelalter

Harz 1852

Der Harzgau selbst wird zuerst in einer Urkunde des Kaisers Ludwig des Frommen aus dem Jahre 814, in der hochdeutschen Form Hartingowe, genannt. Nach den Jahrbüchern von Fulda zum Jahre 852 wurde der Harzgau von den Haruden bewohnt und nach ihnen der Harudengau (Harudorum pagus) genannt. Harud, woraus Hard, Hart, Harz wurde, bedeutet Wald, Waldgebirge, und die Haruden sind die An- oder Bewohner des Harud.

Jüngeren Ursprungs sind die Siedlungen mit der Namensgebung –rode, die erst seit der Mitte des 9. Jahrhunderts im Harzgau nachweisbar sind. Woher die Gründer dieser Orte kamen, ist unbekannt.

Karl der Große erklärte den Harz zum Reichsbannwald. Der Sachsenspiegel, das älteste deutsche Rechtsbuch, um 1220/30 wohl auf der Burg Falkenstein im Selketal verfasst, schrieb den Reichsbann später fest: Wer durch den Harzwald ritt, der hatte Bogen und Armbrust zu entspannen und die Hunde anzuleinen – nur gekrönte Häupter durften hier jagen. Eike von Repkows Sachsenspiegel, nach dem über Jahrhunderte deutsches Recht gesprochen wurde, bezeichnet den Harz als Stätte, wo den wilden Tieren Schutz in des Königs Bannforsten gewährt wird; zu den drei beschriebenen Bannforsten im Lande der Sachsen hatte nicht mehr jedermann freien Zutritt.

Für ewig hielt dieser Bann allerdings nicht. Bergbau, Hüttenindustrie, Wasserwirtschaft, zunehmende Besiedlung, Rodungen, Vieheintrieb, Landwirtschaft und später der Fremdenverkehr untergruben den kaiserlichen Schutz.

Bereits 1224 erwarben die 1129 in Walkenried eingezogenen Mönche umfangreichen Waldbesitz im Westharz, um das ihnen 1157 von Friedrich Barbarossa zugesprochene Viertel der Rammelsberger Erzausbeute wirtschaftlich zu sichern. Man kann daher bereits zu dieser Zeit von einer Holzverknappung ausgehen. Vom 12. bis zum Ende des 14. Jahrhunderts waren große Teile des Harzes wirtschaftlich vom Zisterzienserkloster Walkenried geprägt. Neben Ackerbau und Fischzucht wurde von dort aus auch der Silberbergbau im Oberharz und in Goslar gesteuert.

Mitte des 14. Jahrhunderts wurden infolge der Mittelalterlichen Pest die Siedlungen im Harz weitgehend entvölkert. Eine organisierte Wiederbesiedlung der Bergbauorte im Oberharz erfolgte erst wieder Anfang/Mitte des 16. Jahrhunderts.

1412/1413 tobte der Fleglerkrieg in Südharz, Teile der Grafschaft Hohnstein wurden verwüstet.

Neuzeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs

1588 veröffentlichte der Nordhäuser Arzt Johannes Thal mit der Silva hercynia die erste Regionalflora der Welt und beschrieb die floristischen Besonderheiten des Harzes. 1593 starb der letzte Nachkomme der Hohnsteiner, Graf Ernst von Hohnstein. Der Herzog Heinrich Julius von Braunschweig zog die Grafschaft Hohnstein als erloschenes Lehen ein und verlehnte sie an das Fürstentum Braunschweig-Wolfenbüttel, dessen Herzog er selbst war.

Im Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) verwüsteten und entvölkerten schwedische Söldner große Teile des Harzes. Die Harzschützen leisteten 1624-1627 erbitterten Widerstand. 1668 erließ Rudolf August, Herzog zu Braunschweig und Lüneburg, eine erste Schutzverordnung für die Baumannshöhle. Es heißt in dem herzoglichen Erlass unter anderem, dass diese Höhle jederzeit von allen verständigen Leuten für ein sonderbares Wunderwerk der Natur gehalten worden sei. In demselben dürfe nichts verdorben oder vernichtet werden, auch dürfe kein fremdes loses Gesindel unangemeldet hineingelassen werden. Ein ansässiger Bergmann wurde mit der Aufsicht über das Naturdenkmal betraut. Bis zum Erlass dieser Schutzverordnung hatte es nur Waldschutzverordnungen gegeben, die aus rein praktischen Erwägungen heraus von den Fürsten verkündet worden waren. Die Höhlenverordnung von 1668 berücksichtigte erstmals ethisch-ästhetische Gesichtspunkte; 1668 war das Geburtsjahr des klassischen, konservierenden Naturschutzes im Harz. Ausgelöst worden war die Verordnung durch vorhergehende, schwere Zerstörungen des Höhleninventars durch Rowdies.

1705 wurde der letzte Harzer Bär am Brocken erlegt.

Der ständig zunehmende Holzbedarf der Gruben und Hütten führte zur Übernutzung der Wälder und ab 1700 zur regelrechten Waldzerstörung. Allein 30.000 Meilerplätze soll es im Harz gegeben haben. 1707 verbot eine Verordnung des Grafen Ernst zu Stolberg den Brockenführern, Fremde oder Einheimische ohne besondere Erlaubnis auf den Brocken zu führen; das Feuermachen wurde untersagt. Erste Waldschutzbemühungen im Harz rankten sich von Anfang an um den Brocken und begannen mit einem weitsichtigen Akt des Naturschutzes vor über 275 Jahren: 1718 erließ der Graf Christian Ernst aus dem Hause Stolberg die weitsichtige Verfügung, in der strenge Ahndung für jedes Zerstören und Verschandeln des Waldes am Brocken angedroht wurde. Graf Christian Ernst errichtete 1736 auch das „Wolkenhäuschen“ auf dem Brocken.

Johann Wolfgang von Goethe besuchte als junger Mann mehrmals den Harz und hatte dort wesentliche biografische Erlebnisse. Dazu gehören seine Wanderungen auf den Brocken, sowie der Besuch des Bergwerkes im Rammelsberg. Später flossen seine Beobachtungen der Gesteine am Brocken in seine geologischen Forschungen ein. Mit dem ersten Besuch des Harzes wurde bei ihm ein starkes Interesse an den Naturwissenschaften geweckt (siehe Goethe: Wahrheit und Dichtung). 1777 bestieg Goethe, von Torfhaus kommend, den Brocken. Zu dieser Zeit gab es auf dem Brocken noch keinen Massentourismus; für das Jahr 1779 sind nur 421 Wanderer belegt. Goethe beschrieb seine Gefühle auf dem Gipfel später wie folgt: So einsam, sage ich zu mir selber, indem ich diesen Gipfel hinabsehe, wird es dem Menschen zumute, der nur den ältesten, ersten, tiefsten Gefühlen der Wahrheit seine Seele öffnen will.

Am 23. März 1798 wurde der letzte Wolf des Harzes bei der Plessenburg erlegt. Das gräfliche Logierhaus auf der Heinrichshöhe war zu klein geworden und litt unter Überbelegung; 1799 brannte es ab. 1800 wurde daher ein neues Gasthaus auf dem Brocken errichtet.

Um 1800 waren weite Teile des Harzes entwaldet. Die in der Folge des Bergbaus entstandenen, wenig widerstandsfähigen Fichtenmonokulturen des Oberharzes wurden durch Borkenkäferkalamitäten und ein orkanartiges Unwetter im November 1800 großenteils zu Boden gelegt. Diese größte bekannt gewordene Käferkalamität im Harz wurde die „Große Wurmtrocknis“ genannt – sie vernichtete 30.000 ha Fichtenwald und dauerte etwa 20 Jahre an. Die Wiederaufforstung geschah größtenteils mit Fichte. Ständige Borkenkäferprobleme und Sturmkatastrophen waren die negativen Begleiterscheinungen der Fichtenwirtschaft des Harzer Bergbaus.

1818 erlegte der reitende Förster Spellerberg aus Lautenthal am Teufelsberge den vorerst letzten Eurasischen Luchs (Lynx lynx) des Harzes.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, mit der zunehmenden Umgestaltung der Naturlandschaft durch den wirtschaftenden Menschen, und nach der Ausrottung der großen Säugetiere Braunbär, Wolf und Luchs, wurde man sich der Gefährdung der Natur bewusster. 1852 stellte der Landrat von Quedlinburg die Teufelsmauer bei Thale „als einen Gegenstand der Volkssage und eine als seltene Naturmerkwürdigkeit berühmte Felsgruppe“ unter Schutz, da die Bewohner der benachbarten Gemeinden die Felsen als Steinbruch benutzten. Diese Schutzanordnung blieb allen Widersprüchen der benachbarten Gemeinden zum Trotz bestehen. Ein hochwertiges Naturdenkmal blieb so vor der Zerstörung bewahrt. Hierbei wurden von der Behörde ausdrücklich romantische Motive für die Sicherstellung geltend gemacht.

1890 legte Professor Dr. Albert Peter den Brockengarten an. Es handelte sich damals um den ersten Alpenpflanzengarten auf deutschem Boden; der Brockengarten war in seiner wissenschaftlichen Konzeption und Aufgabenstellung die erste Einrichtung dieser Art weltweit. 1899 erfolgte die Inbetriebnahme der Brockenbahn, gegen die es schon damals starke Bedenken der Naturschützer gab. So wollte der Botaniker Bley Züge auf den Brocken verhindern, da die Brockenflora bedroht war.

1907 stieß Hermann Löns angesichts des anlaufenden Massentourismus auf dem Brocken seinen bekannten Stoßseufzer „Mehr Schutz für den Brocken“ aus. 1912 forderte Löns in der Broschüre Der Harzer Heimatspark,[5] ohne ihn so zu nennen, die Einrichtung eines Harzer Nationalparks. Der Harz spielte eine besondere Rolle im Leben des bekannten Heimatdichters, Naturforschers und Heimatfreundes, sicherlich nicht zuletzt wegen seiner zweiten, aus Barbis im Südharz stammenden Frau Lisa Hausmann.

Um 1920 starb die Harzer Auerhuhnpopulation aus. 1926 schrieb der Wernigeröder Rektor W. Voigt im bekannten „Brockenbuch“: In Amerika ist es längst eine Sache des Volkes geworden, der heimischen urwüchsigen Natur in Nationalparks eine geheiligte Zufluchtstätte zu schaffen. Nord- und Süddeutschland haben ihren Heide- und Alpenpark. Möge es nun auch in Mitteldeutschland den gemeinsamen Bemühungen der Fürstlichen Verwaltung und der Landjägerei, des Wernigeröder Naturschutzvereins und einzelner Brockenfreunde gelingen, durch liebevolle Pflege und Aufklärung in weitesten Kreisen, auch den Brocken zu einem kleinen, aber einzigartigen Naturschutzgebiet des deutschen Volkes zu machen und als solches zu erhalten.

In den 1930er Jahren wurden die Nationalparkplanungen in Deutschland wieder konkret; es existierten belegbare Pläne für die Nationalparke Lüneburger Heide, Bayerisch-Böhmischer Wald, Hohe Tauern, Höllengebirge, Neusiedler See und Kurische Nehrung. Der Zweite Weltkrieg verhinderte den Fortgang dieser Nationalparkpläne, doch es kam 1937 noch zur Ausweisung des „Naturschutzgebietes Oberharz“.

In der NS-Zeit wurde der Harz zu einem wichtigen Standort der Rüstungsindustrie. Zahlreiche kriegswichtige Betriebe waren hier angesiedelt, die mit dem näherrückenden Ende des Zweiten Weltkriegs immer mehr Zwangsarbeiter beschäftigen. Der Harz war daher in dieser Zeit Standort von mehreren hundert Zwangsarbeiterlagern und KZs. Bekannt wurde das KZ Mittelbau-Dora bei Nordhausen im Südharz.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs machte die sogenannte „Harzfestung“ von sich reden. Am 8. April 1945 erklärte das Oberkommando der Wehrmacht den Harz zur „Festung“[6] und rief zur Verteidigung Mitteldeutschlands vor den West-Alliierten aus. Das Hauptquartier lag bei Blankenburg. Zu den mobilisierten Einheiten gehörten Teile der 11. Armee, Einheiten der Waffen-SS und der Volkssturm. Während die 9. US-Armee nördlich des Harzes Richtung Elbe zog und Städte wie Halberstadt bereits am 14. April besetzte, traf die 1. US-Armee, als sie von Nordhausen (Südharz) weiter nach Norden vorstoßen wollte, besonders in den Bergen um den Bereich der Städte Ilfeld und Ellrich auf Widerstand. Erst am 7. Mai 1945 kapitulierten die letzten Verbände der 11. Armee und der Waffen-SS in den Bergen des Harzes. Einige versprengte Soldaten kämpften noch bis weit in den Mai gegen die Amerikaner. Objektiv betrachtet war der Harz jedoch zu Ende des Zweiten Weltkrieges keine militärisch ernstzunehmende Festung. Die West-Alliierten umgingen den Harz relativ mühelos auf ihrem Weg in Richtung Elbe.

Ehemalige innerdeutsche Grenze

Im Zuge der Verhandlungen auf der Potsdamer Konferenz und der Neuordnung Deutschlands wurden die beiden östlichen Drittel des Harzes und der Brocken im Juli 1945 von russischen Truppen besetzt. Durch das westliche Drittel des Harzes verlief von 1949 bis 1990 die Innerdeutsche Grenze. Das Brockenplateau und weitere grenznahe Harz-Gipfel waren ein großes militärisches Sperrgebiet, in das erstmals am 3. Dezember 1989 demonstrierende Wanderer kamen. Der Tourismus zum Brocken ist seitdem sehr intensiv geworden – 1 Million Menschen besuchen jährlich die Brockenkuppe. Das ehemalige Sperrgebiet weist heute zahlreiche schutzwürdige Lebensräume auf, so dass es als Grünes Band entwickelt wird.

Wirtschaft

Die Rektoratsvilla auf dem Wernigeröder Hochschulcampus
Bergarchiv in Clausthal-Zellerfeld

Historischer Bergbau

Der Bergbau im Harz begann vor 3000 Jahren in der Bronzezeit. Dem Oberharzer Bergbau und dem Hüttenwesen verdanken die sieben Oberharzer Bergstädte (Clausthal, Zellerfeld, Bad Grund, Sankt Andreasberg, Lautenthal, Altenau und Wildemann) und rund 30 weitere Ortschaften im Harzinnern und am Harzrand ihre Blüte. Auch die ehemalige Reichsstadt Goslar, deren Glanz von den Erzschätzen des Rammelsberges abhing, förderte über mehrere Jahrhunderte silberhaltige Bleierze. Der Bergbau bestimmte maßgeblich das Harzer Wirtschaftsleben und sein Landschaftsbild. Die Bergleute schufen das berühmte technische System der Oberharzer Wasserwirtschaft, das Oberharzer Wasserregal, von dem noch 70 km Wassergräben und 68 Stauteiche (mit 8 Millionen Kubikmeter Inhalt) genutzt werden. Ohne deren Energieleistung hätte der Silberbergbau niemals seine hohe wirtschaftliche Bedeutung erlangen können.

Im östlichen Harzvorland (Mansfelder Land und Sangerhäuser Mulde) wurde bis 1990 Kupferschieferbergbau betrieben. Dessen Anfänge wurden zwar erst urkundlich um 1199 erwähnt, begannen aber wohl nach neuesten Forschungen auch schon in der Bronzezeit. Er zählte in seiner Blütezeit, Ende des 15. Jahrhunderts, zu den bedeutendsten Europas. Weiterhin befindet sich in Ilfeld das ehemalige Bergwerk Rabensteiner Stollen, das einzige Steinkohlebergwerk im Harz. Im nordthüringer Revier gab es zahlreiche Kalibergwerke, in der Nähe von Röblingen wurden durch einen Montanbetrieb geologische Wachse abgebaut.

Das letzte Bergwerk im Harz – die Grube „Wolkenhügel“ bei Bad Lauterberg – stellte im Juni 2007 die Förderung wegen Unwirtschaftlichkeit ein. Zuletzt arbeiteten dort 14, von vormals 1000 Mitarbeitern, die mit modernster Technik den Schwerspat zu Tage förderten. Mit der Stilllegung dieser Anlage fand der schon im Mittelalter, und seit dem 16. Jahrhundert ununterbrochen, betriebene Bergbau auf Silber, Blei und Zink sein Ende. Davon zeugen die Kulturdenkmale und die negativen Folgewirkungen des Bergbaus für die Umwelt wie die Schwermetallbelastungen der Ökosysteme.[7]

Gegenwärtige Wirtschaft

Der in vergangenen Jahrhunderten im Harz blühende Bergbau – besonders nach Silber, Eisen, Kupfer, Blei und Zink – ist stark zurückgegangen. Geblieben sind jedoch die zum Teil stark schwermetallhaltigen Rückstände in den Böden des Oberharzes, welche heute ein großes Umweltrisiko darstellen.

Bedeutend ist auch heute noch die Kupferverarbeitung im Gebiet von Mansfeld. Letzte Schwerpunkte des Bergbaus waren der Rammelsberg bei Goslar (stillgelegt 1988) und die Grube Hilfe Gottes bei Bad Grund (stillgelegt 1992). In Bad Lauterberg wurde bis Juli 2007 auf der Grube Wolkenhügel als letztem Bergwerk des gesamten Harzes Schwerspat gewonnen, der heute in erster Linie in der Farbherstellung und dem Schallschutz Verwendung findet. Darüber hinaus werden in zahlreichen Steinbrüchen Massenrohstoffe abgebaut, Diabas, Dolomit, Gabbro, Gips und Grauwacke. Kalkstein wird bei Bad Grund und rund um Elbingerode in den drei großen Tagebauen (Werk Rübeland, Werk Kaltes Tal und Werk Hornberg) abgebaut. Ein wichtiger Arbeitgeber im Oberharz ist die TU Clausthal. Neben den klassischen Fächern Aufbereitung, Bergbau, Geologie und Metallurgie werden hier viele ingenieur- und naturwissenschaftliche Fächer sowie Betriebswirtschaftslehre unterrichtet und beforscht.

Auf Grund der Wälder des Harzes spielt die Forstwirtschaft eine wirtschaftliche Rolle sowie die dazugehörende verarbeitende Industrie. Wuchsen noch im ersten Jahrtausend nach Christus in den Höhenlagen – für einen natürlichen Bergwald typisch – überwiegend Harthölzer (in erster Linie Rotbuchen; man ging damals „in die Harten“ = Harz) so sind heute in den bewirtschafteten Flächen meistens Monokulturen von Fichten anzutreffen. Wesentliche Ursachen dieser Entwicklung lagen in der Bergbaugeschichte der Harzregion mit ihrem hohen Holzbedarf und den damit einhergehenden Übernutzungen und Devastierungen der Waldbestände. Dazu kamen klimatische Veränderungen in der sogenannten „Kleinen Eiszeit“. Die Wiederaufforstung mit der relativ einfach anzubauenden und anspruchslosen Fichte seit Mitte des 18. Jahrhunderts geht wesentlich auf die Anregung des Oberforst- und Jägermeisters Johann Georg von Langen zurück, hat aber auch zu den heutigen Borkenkäferproblemen geführt - eine typische Folge von Monokulturen, verstärkt durch den Klimawandel.

Wissenschaft

Die heutige Technische Universität Clausthal (TUC) ist national wie international eine renommierte technische Universität. Sie ist ein Zentrum naturwissenschaftlicher und ingenieurtechnischer Ausbildung und Forschung mit den Schwerpunkten Energie und Rohstoffe. Die Ursprünge der 1775 gegründeten TUC liegen im Bergbau, namentlich in der Clausthaler Berg- und Hüttenschule.

Die Hochschule Harz verfügt über zwei Standorte. In Wernigerode befinden sich die Fachbereiche Automatisierung und Informatik sowie Wirtschaftswissenschaften, in Halberstadt der Fachbereich Verwaltungswissenschaften. Momentan verzeichnet die junge Hochschule 3.300 angehende Akademiker. Das Profil der Hochschule Harz ist geprägt durch innovative, international ausgerichtete Lehrinhalte und Kooperationen mit Partnerhochschulen weltweit.

In Nordhausen befindet sich die Fachhochschule Nordhausen.

Tourismus

Der Fremdenverkehr stellt im Harz einen bedeutsamen Erwerbszweig dar. Es gibt viele Kurorte und nahezu jeder Ort im Harz und Harzvorland ist touristisch geprägt. Bekannte Ziele sind der Nationalpark Harz mit Brocken und die historischen Städte am Harzrand. Übernachtungsstärkste Stadt des Harzes ist Wernigerode; danach folgt Braunlage. Konzepte wie die Westernstadt Pullman City Harz oder die Rockopern auf dem Brocken sollen vor allem auswärtige Touristen ansprechend unterhalten. Zuständig für die touristische Vermarktung des gesamten Harzes ist der Harzer Tourismusverband (HTV), die meisten Kommunen betreiben zusätzlich örtliche Kurbetriebsgesellschaften.

Wintersport

Blick auf den Oberharz

Auch wenn der Wintersport im Harz nicht die Bedeutung anderer Mittelgebirge, wie Thüringer Wald, Erzgebirge, Schwarzwald oder gar der Alpen erreicht, gibt es genügend Wintersportmöglichkeiten. Zu nennen sind hier vor allem die Orte Altenau mit Ortsteil Torfhaus, Benneckenstein, Braunlage (mit Ortsteil Hohegeiß), Goslar-Hahnenklee, Hasselfelde, Sankt Andreasberg (mit den Ortsteilen Sonnenberg und Oderbrück) und Schierke. Dabei ist wegen der Höhenlagen und der Länge der Strecken der nordische Skisport vorherrschend. Internationale Wintersport-Wettbewerbe finden auf der Wurmbergschanze bei Braunlage und der Biathlonanlage am Sonnenberg statt.

Erwähnenswert sind die zahlreichen Loipen im Harz. Ihre Qualität und Ausstattung werden von den Grundeigentümern, insbesondere dem in Teilen immer noch relativ schneesicheren Nationalpark Harz, und auch einzelnen Kommunen und Fördervereinen gewährleistet. Bekannt wurde der Förderverein Loipenverbund Harz e. V.. Er wurde 1996 auf Initiative des Nationalparks Harz von Harzer Wintersportgemeinden, den Seilbahn- und Liftbetrieben sowie Hotels und Verkehrsunternehmen gegründet. Der Verein verfolgt das Ziel, den Skitourismus im Harz zu fördern und die Belange des Naturschutzes zu berücksichtigen.

Den Bergrettungsdienst in den Loipen, auf den Rodelhängen, Wanderwegen und Alpin-Skipisten, sowie im unwegsamen Gelände gewährleistet die Bergwacht Harz.

Sport im Sommer

Oker mit Wildwasser, am rechten Ufer ein Wanderweg
Landesstraße L 504 „Steile Wand“ zwischen Altenau und Torfhaus

Im Sommer wird im Harz vor allem gewandert. Seit einigen Jahren wird auch Nordic Walking vermehrt betrieben.

Auf mehreren Talsperren im Harz wird vielfältiger Wassersport betrieben. Auf einigen im Harz entspringenden Flüssen sind Kanufahren und verwandte Sportarten im Wildwasser möglich. Auf der Oker unterhalb der Okertalsperre finden auch nationale und internationale Kanu- und Kajak-Wettkämpfe statt. Das Wildwasser entsteht dort durch zeitweise erhöhte Wasserabgabe aus der Okertalsperre und ist somit weitgehend witterungsunabhängig.

Einige Berge bieten eine gute Basis für die Fliegerei (Segel-, Drachenfliegen), namentlich vom Rammelsberg bei Goslar aus. Der Harz bietet verschiedene Klettergebiete, wie das Okertal mit seinen Klippen, wobei dort die Adlerklippen besonders stark frequentiert sind. Der Harz hat sich in den vergangenen Jahren zu einem sehr guten Mountainbike-Revier entwickelt mit 62 ausgeschilderten Mountainbike-Strecken und vier Bikeparks mit Liftbetrieb in Braunlage, Hahnenklee, Schulenberg und Thale. Die Bikeparks verfügen über Freeride-, Downhill- und Fourcrossstrecken. Sowohl die ausgeschilderten Strecken als auch die Bikeparks sind für jeden Leistungs- und Konditionsbereich passend.

Die Straßen des Harzes werden trotz teilweise hoher Kfz-Belastung von Renn- und Tourenradfahrern befahren, da es im gesamten Norden Deutschlands kein Revier mit vergleichbar langen und zum Teil sehr steilen Anstiegen gibt. Zudem bestehen zahlreiche Bahnanbindungen mit Fahrradmitnahme an den Harzrand.

Auch im Sommer sichert die Bergwacht Harz die Rettung von verunfallten Personen aus unwegsamem Gelände.

Wanderkonzepte und Klettergebiete

Die Bergwelt des Harzes wurde schon in früheren Zeiten für ausgedehnte Wanderungen genutzt (von Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine und Hans Christian Andersen). Ein umfangreiches Wanderwegenetz wird heute insbesondere durch den Harzklub e. V. unterhalten. Darüber hinaus gibt es Fernwanderwege (Harzer Hexenstieg, Kaiserweg, Karstwanderweg, Selketalstieg, Via Romea) und als überregionales Projekt die Harzer Wandernadel mit 222 Stempelstellen; letztere wird seit 2006 als Wanderabzeichen verliehen.

Einstige Klettergebiete an der Roßtrappe

Neben dem Okertal und der Roßtrappe bei Thale sind auch die Hohneklippen (Höllenklippe und Feuerstein bei Schierke) das Ziel von Kletterern.

Mundarten des Harzes

Auf dem Gebiet des Harzes werden vorwiegend ostfälische und thüringische Mundarten gesprochen.

Eine Besonderheit des Oberharzes ist, oder war, die Oberharzer Mundart. Im Gegensatz zu den niedersächsischen, ostfälischen und thüringischen Mundarten des Umlandes, handelt es sich hier um eine erzgebirgische Mundart, die auf die Ansiedlung von Bergleuten im 16. Jahrhundert zurückgeht.

Die Oberharzer Mundart beschränkt sich auf wenige Orte. Die bekanntesten sind Altenau, Sankt Andreasberg, Clausthal-Zellerfeld, Lautenthal und Hahnenklee. Heute hört man im Oberharz die Mundart im täglichen Leben nur mehr wenig. Hauptsächlich Angehörige der älteren Generationen beherrschen sie noch, so dass zur Aufrechterhaltung in den Lokalzeitungen gelegentlich Artikel in Oberharzer Mundart abgedruckt werden.

Zur Verdeutlichung folgt der Refrain eines St. Andreasberger Heimatliedes:

Eb de Sunne scheint, ebs stewert, schtarmt, ebs schneit,
bei Tag un Nacht ohmds oder frieh
wie hämisch klingst de doch
du ewerharzer Sproch
O Annerschbarrich wie bist de schien.

Ausflugsziele (Auswahl)

Bergwerke und Höhlen

Bergbaumuseum Rammelsberg

In den Gips-, Dolomit- und Kalksteinschichten des Harzes haben geomorphologische Prozesse zur Entstehung von Höhlen geführt. Solche Tropfsteinhöhlen sind die Baumannshöhle, die Einhornhöhle, die Hermannshöhle, die Iberger Tropfsteinhöhle und am Südrand des Harzes die Heimkehle.

Da die älteren Formationen viele Bodenschätze enthalten, wurden sie schon früh durch Bergbau ergründet. Die Bergwerke sind oft zu Schaubergwerken umgestaltet. So war die Grube Samson lange Zeit das tiefste Bergwerk der Welt. Andere Schaubergwerke sind „Büchenberg“, „Drei Kronen & Ehrt“, Schaubergwerk Röhrigschacht, das Schaubergwerk „Lange Wand“ in Ilfeld und das Schaubergwerk „Rabensteiner Stollen“ in Netzkater.

Andere sind in Bergbaumuseen umgewandelt, wie das Oberharzer Bergwerksmuseum in Clausthal-Zellerfeld, das Bergbaumuseum Lautenthal mit Grubenbahn oder das Bergbaumuseum Rammelsberg bei Goslar, welches zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Die Grube Roter Bär in St. Andreasberg diente bis ins 20. Jahrhundert auch als Lehrbergwerk und ist heute, originalgetreu erhalten, ebenfalls Besucherbergwerk.

Städte und Gemeinden im und am Harz

Städte im Harzvorland

Carlshausturm auf der Carlshaushöhe (626 m ü. NN)

Im sachsen-anhaltischen Harzvorland finden sich Städte wie (in alphabetischer Reihenfolge): Aschersleben, Derenburg, Eisleben, Halberstadt, Hettstedt, Oschersleben, Osterwieck, Quedlinburg, Sangerhausen und Staßfurt. Die Städte Bad Gandersheim, Bockenem, Duderstadt, Einbeck, Göttingen, Hildesheim, Northeim, Salzgitter, Vienenburg und Wolfenbüttel liegen im niedersächsischen Harzvorland. Im thüringischen Harzvorland befinden sich Bleicherode, Heringen/Helme, Nordhausen und Sondershausen.

Klöster und Kirchen

Im nördlichen Randgebiet des Harzes befinden sich die mittelalterlichen Klöster Drübeck, Ilsenburg und Michaelstein, am Südrand liegt das Kloster Walkenried. In Hahnenklee steht die 1908 geweihte, hölzerne Gustav-Adolf-Stabkirche.

Türme, Schlösser und Burgen

Im Harz gibt es an verschiedenen Punkten aufgrund der erhöhten Lage Funk- und Aussichtstürme, wie die Carlshaushöhe bei Trautenstein, der Aussichtsturm auf dem Großen Knollen und das Josephskreuz. In früheren Zeiten wurden erhöhte Kamm- und Spornlagen zur Anlage von Burgen genutzt, und so finden sich im Harz die Burgruine Anhalt, die Burg Falkenstein, auf der Eike von Repkow wahrscheinlich den Sachsenspiegel verfasste, die Burgruine Harzburg, die Burg Hohnstein bei Neustadt/Harz, die Ruine Königsburg, die Burg Lauenburg bei Stecklenberg, die Plessenburg, die Burgruine Scharzfels und die Burg Stecklenburg. Neben diesen Wehranlagen wurden aber auch Schlösser errichtet, wie Schloss Herzberg, Schloss Blankenburg, Schloss Stolberg und Schloss Wernigerode.

Weiteres

Im Miniaturenpark Kleiner Harz in Wernigerode sind auf einer Fläche von 1,5 ha detailgetreue Nachbildungen bedeutender Bauwerke und Attraktionen der Harzregion ausgestellt.

Bekannte Maler

Caspar David Friedrich: Einsamer Baum (Harzlandschaft bei Morgenbeleuchtung) von 1822

Unter den vielen Malern, die den Harz abgebildet haben, waren Caspar David Friedrich, Ludwig Richter, Georg Heinrich Crola, Ernst Helbig, Hermann Hendrich, Edmund Kolbe, Wilhelm Pramme, Adolf Rettelbusch, Wilhelm Ripe, Hermann Bodenstedt, Walther Hans Reinboth und Rudolf Nickel. Zeichnungen fertigte u.a. Lionel Feininger besonders bei seinen Urlaubsaufenthalten in Braunlage.

Literatur

Wissenschaftliche Darstellungen

  • Georg Henning Behrens: Hercynia Curiosa oder Curiöser Hartz-Wald. Nordhausen 1703.
  • Fritz Dahlgrün: Harz und Harzvorland, Die geologische Literatur unter Einschluß der Nachbarwissenschaften 1912-1957. Clausthal-Zellerfeld 1959.
  • Friedrich Günther: Der Harz. Bielefeld 1901 (= Land und Leute. Monographien zur Erdkunde, Bd. 9).
  • Kurt Mohr: Geologie und Minerallagerstätten des Harzes. 2. Auflage, Stuttgart 1993.
  • Kurt Mohr: Harz: westlicher Teil. 5. ergänzte Auflage, Berlin 1998 (= Sammlung geologischer Führer 58) ISBN 3-443-15071-3.
  • Harz-Forschungen.
  • Harz-Zeitschrift, hg. vom Harzverein für Geschichte und Altertumskunde e. V., Bd. 1/1948 ff., Gesamtinhaltsverzeichnisse: 1–35 (Bd. 40, Sanders), 36–50/51 (Bd. 54/55, Feicke) und 52/53-60 (Bd. 61, Feicke); Forts. der Zeitschrift des Harzvereins für Geschichte und Altertumskunde, Bd. 1/1868 – Bd. 74/75/1942, Gesamtinhaltsverzeichnisse: 1–50 (Möllenberg 1918), 51–70 (Grosse 1938) u. 71–75 (Sanders 1980).

Dichterische Darstellungen

  • Johann Wolfgang von Goethe, Harzreise im Winter
  • Heinrich Heine, Harzreise
  • Thomas Rosenlöcher, Die Wiederentdeckung des Gehens beim Wandern. Harzreise, Frankfurt am Main 1991
  • Erich Christian Heinrich Dannenberg: Der Harz, ein Gedicht in sieben Gesängen. Bossiegel, Göttingen 1781, mit Kupfern.

Karten

  • Geologisches Landesamt Sachsen-Anhalt, Nieders. Landesamt für Bodenforschung (Hrsg.): Geologische Karte Harz. Mit Erläuterungen auf der Rückseite. 1. Auflage. Geolog. Landesamt, Halle/Saale 1998, ISBN 3-929951-20-7 (Maßstab 1:100.000).
  • Landesvermessung und Geobasisinformation Niedersachsen, Landesamt für Vermessung und Geoinformation Sachsen-Anhalt (Hrsg.): Harz: offizielle Wanderkarte des Harzklubs e.V.. Offizielle Wanderkarte des Harzklubs e.V.. 3. Auflage. LGN, LVermGeo, Hannover, Magdeburg 2009, ISBN 978-3-89435-669-9 (Maßstab 1:50.000).

Filmdokumentationen

  • Bilderbuch Deutschland: Der westliche Harz. Dokumentarfilm von Jörg Röttger. Deutschland 1998. 45 Minuten
  • „Ein überirdisches Vergnügen!“ Goethes Harzreisen. Dokumentarfilm von Rainer Hoffmann, Deutschland 1999. 45 Minuten
  • Der Harz - Dunkler Wald und lichte Höhen. Dokumentarfilm, 45 Min., NDR, Deutschland 2005, von Uwe Anders[8]
  • Im Reich der Schwarzstörche. Das Biosphärenreservat Südharz. Dokumentarfilm von Peter und Stefan Simank. Produktion: Simank-Filmproduktion, Deutschland 2008. 30 Minuten

Siehe auch

Panoramen

Berg-Panorama, von links: Rehberg, Achtermannshöhe, Brocken, Wurmberg, aufgenommen vom St. Andreasberger Höhenweg.
Berg-Panorama, von links: Rehberg, Achtermannshöhe, Brocken, Wurmberg, aufgenommen vom St. Andreasberger Höhenweg.
Der Wurmberg, Brocken, und Hohnekamm aus Richtung Osten vom Büchenberg aufgenommen
Der Wurmberg, Brocken, und Hohnekamm aus Richtung Osten vom Büchenberg aufgenommen
Torfhausmoor
Torfhausmoor

Weblinks

 Commons: Harz – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien
 Wikisource: Harz – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise

  1. Das Luchsprojekt Harz. Abgerufen am 22. März 2009.
  2. Vgl. Urte Dally: Heilige Waffen im Harz – die Keule von Thale und der Zinken von Welbsleben. In: Harald Meller (Hrsg.): Der geschmiedete Himmel. Theiss, Stuttgart 2004, ISBN 3-8062-1907-9, S. 108f.
  3. Haus aus der Steinzeit im Harz entdeckt. NDR 1 Niedersachsen, 25. Juli 2010, abgerufen am 9. Juli 2011.
  4. Lothar Klappauf: Zur Archäologie des Harzes. In: Berichte zur Denkmalpflege in Niedersachsen. Hameln Dezember 1992, ISSN 0720-9835.
  5. Verlag E. Appelhans u. Co., Braunschweig 1912
  6. Manfred Bornemann: Schicksalstage im Harz, das Geschehen im April 1945, 10. Auflage, Clausthal-Zellerfeld, 1994, S. 26
  7. Friedhart Knolle: Bergbauinduzierte Schwermetallkontaminationen und Bodenplanung in der Harzregion online
  8. Expeditionen ins Tierreich

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