Camilla Jellinek

Camilla Jellinek (geborene Wertheim; * 24. September 1860 in Wien; † 5. Oktober 1940 in Heidelberg) war eine österreichische Frauenrechtlerin und Juristin.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Grab in Heidelberg

Camilla Jellinek wurde 1860 als Tochter von Gustav Wertheim (* 1822 - † 1888), Arzt und Professor für Dermatologie an der Universität Wien, und seiner Ehefrau Wilhelmine Wertheim, geb. Walcher geboren. Sie besuchte von 1875 bis 1877 die höhere Bildungsschule des Wiener Frauen-Erwerb-Vereins, die erste anerkannte Mädchenmittelschule Wiens.

1883 heiratete Camilla Jellinek den Juristen Georg Jellinek, Sohn des jüdischen Gelehrten Adolf Jellinek. Das Paar hatte sechs Kinder, von denen vier das Kindesalter überlebten. Darunter der Sohn Walter Jellinek, die Tochter Dora, sie wurde während der Ära des Nationalsozialismus in das Ghetto Theresienstadt deportiert, und der jüngste Sohn Otto, er verstarb 1943 an den Folgen der Misshandlungen durch die Gestapo .

Unter dem Einfluss von Marianne Weber, einer der führenden Frauenrechtlerinnen ihrer Zeit, schloss sich Camilla Jellinek dem Bund Deutscher Frauenvereine an. Zwischen 1900 und 1933 arbeitete sie als Leiterin der Rechtskommission des Bundes Deutscher Frauenvereine in Heidelberg und wurde 1907 zu dessen Vorsitzender gewählt.[1]

Ihr Interesse und ihr Einsatz galten dabei vor allen Dingen den juristischen Fragen, der Abschaffung des § 218, den Rechten unehelich geborener Kinder und der Staatsbürgerschaft für Frauen.[2]

Ein große Anzahl der Rat suchenden Frauen jener Tage arbeitete als Kellnerinnen, was damals als anrüchig galt, und häufig im "Zwielicht" der Prostitution gesehen wurde. Dies wurde zum Anlass für Camilla Jellinek, sich intensiv mit der Problematik jener Frauen zu befassen. In ihren Artikeln versuchte sie die Öffentlichkeit auf die schlechten Arbeitsbedingungen und die Ausbeutung der als Kellnerinnen arbeitenden Frauen aufmerksam zu machen. Mit Hilfe einer Spenden Sammlung und eines städtischen Zuschusses, gründete sie schließlich im Jahre 1907 ein Frauenheim für Kellnerinnen. 1915 wurde Camilla Jellinek Mitglied des Vorstandes des Bundes Deutscher Frauenvereine.

Georg und Camilla Jellineks letzte Ruhestätte befindet sich auf dem Bergfriedhof (Heidelberg) in der so genannten „Professoren-Reihe“ (Lit. D 26). Das Grabmal, ein großer Menhir von 2,60 Meter Höhe, aus Granit, ist mit einer schlichten Namenstafel aus Bronze versehen, welche in Lettern die Namen des Ehepaares trägt.[3]

Ehrungen

Werk (Auswahl)

  • § 218, 1905
  • Frauenforderungen zur Strafrechtsreform, 1908
  • Die weibliche Bedienung im Gast- und Schankwirtschaftsgewerbe, 1909
  • Die Strafrechtsreform und die §§ 218 u. 219 StGB; in: Monatsschrift für Kriminalpsychologie und Strafrechtsreform, Bd.5, 1909
  • Petition des Bundes deutscher Frauenvereine zur Reform des Strafgesetzbuches, 1909
  • Petition deutscher Frauen betreffend das Verbot weiblicher Bedienung in Gast- und Schankwirtschaften, 1910

Literatur

  • Röwekamp, Marion: Juristinnen – Lexikon zu Leben und Werk. Deutscher Juristinnenbund e. V. Nomos, Baden-Baden 2005
  • Klaus Kempter, Camilla Jellinek und die Frauenbewegung in Heidelberg., in: Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person. Meurer, Bärbel (Hgs.), Mohr Siebeck, Tübingen 2004
  • Kempter, Klaus: Die Jellineks 1820 - 1955. Eine familienbiographische Studie zum deutschjüdischen Bildungsbürgertum. Schriften des Bundesarchivs, 52, Droste Verlag, Düsseldorf 1998
  • Jellinek Camilla. In: Österreichisches Biographisches Lexikon 1815–1950 (ÖBL). Band 3, Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 1965, S. 101.

Nachlass

Einzelnachweise

  1. Meurer, Bärbel (Hgs.): Marianne Weber. Beiträge zu Werk und Person. Mohr Siebeck, Tübingen 2004, S. 112
  2. Omran, Susanne: Frauenbewegung und „Judenfrage“: Diskurse um Rasse und Geschlecht nach 1900. Campus, Dortmund 1999, S. 163
  3. L. Ruuskanen: Der Heidelberger Bergfriedhof im Wandel der Zeit, Verlag Regionalkultur, 2008, S. 135
  4. Gerhard, Ute: Frauen in der Geschichte des Rechts: Von der Frühen Neuzeit bis zur Gegenwart. München 1997, S.685

Weblinks


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