Cyrillus Jarre

Cyrillus Jarre

Cyrillus Jarre (* 2. Februar 1878 in Ahrweiler, Rheinland-Pfalz; † 8. März 1952 in Tsinan, China); war ein franziskanischer Erzbischof in Tsinan, China und Übersetzer kirchenrechtlicher und juristischer Texte vom Chinesischen ins Lateinische.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Erzbischof Cyrillus Jarre wird als Rudolf Jarre geboren. Er ist das vierte von acht Kindern. Sein Vater Heinrich ist ein begüterter Ahrweiler Kaufmann. Rudolf Jarre besucht ein Gymnasium deutscher Franziskaner im holländischen Harreveld (Geldern). Am 23. August 1897 tritt er dem Franziskanerorden bei. Er nimmt er den Namen Cyrillus an. Er studiert in Paderborn Theologie.

Nach der Priesterweihe am 14. August 1903 im Paderborner Dom wird er nach China entsandt, wo er hilft, an vielen unterschiedlichen Orten den einheimischen Klerus auszubilden. Als Sanitätsunteroffizier erlebt er die Belagerung von Tsingtau mit und gerät in japanische Kriegsgefangenschaft. In den Jahren 1921 und 1922 leitete Cyrillus die Hilfsaktionen der Franziskaner nach einer schweren Überschwemmungskatastrophe des Gelben Flusses. Dafür erhielt er von der Regierung den "Orden der Goldenen Reisähre" und das "Chinesische Ehrenzeichen".

Am 16. September 1924 wurde Cyrillus Jarre nach Rom berufen. Von 1924 bis 1929 ist er Professor für Missionswissenschaft und praktische Missionsarbeit an der Ordenshochschule San Antonio in Rom. Er nimmt teil am Fünften Internationalen Missionskongress in Würzburg vom 24. bis 29. September 1928. Am 18. Mai 1929 wurde er zum Apostolischen Vikar von Tsinanfu und Titularbischof von Metropolis in Asia ernannt. Am 25. Juli 1929 wird er im Dom zu Trier zum Bischof geweiht. Auf seiner Reise nach China besucht er Japan, um die dortige missionarische Arbeit kennenzulernen.

Seit 1933 gibt er die Wochenzeitung Kuang Hua Pao ("China-Licht") heraus. Er übersetzt 1934 das zivile Gesetzbuch der chinesischen Republik in die lateinische Sprache, sowie ab 1936 das kirchliche Gesetzbuch aus dem Lateinischen ins Chinesische, "ein epochemachendes Werk der katholischen Kirche in China"[1]. Während der großen Überschwemmung von 1936 wird unter Bischof Cyrill ein provisorisches Krankenhaus errichtet. 1937 nimmt er am Eucharistischen Weltkongress in Manila teil.

Am 11. April 1946 wird Cyrillus Jarre im Zuge der Errichtung der Hierarchie in China zum Erzbischof von Tsinan erhoben. Er wird zugleich Administrator einer Apostolischen Präfektur. Er gerät kurz danach ins Visier der neuen kommunistischen Regierung. Am 25. Juli 1951, dem 23. Jahrestag seiner Bischofsweihe, wird er verhaftet. Am 17. Oktober 1951 wird er in das Gefängnis von Tsinan eingewiesen. Am 8. März 1952 stirbt er im St.-Josephs-Hospital von Tsinan. Er findet seine letzte Ruhe schließlich nach mehreren Exhumierungen auf dem Friedhof Lin Chio Chuan am Stadtrand von Tsinan.

Literatur

  • Schneider, Herbert: Erzbischof Cyrillus (Rudolf) Jarre - Oberhirte von Tsinan, in: Zeugen für Christus / hg. von Helmut Moll. - 4., vermehrte und aktual. Aufl. - Paderborn (u.a.) 2006.
  • Han, Gaspar und Schneider, Herbert (Hg.): Leben und Weg von Erzbischof Cyrillus Jarre, OFM. Collectanea Franciscana 74, 2004.
  • Schneider, Herbert: Er tat was er glaubte, Leutesdorf 1991
  • Bramkamp, Roland: Zeuge Jesu im Reich der Mitte - Erzbischof Cyrill Jarre, in: Geschichte in Gestalten, hg. von Thier, Ludger und Hartmann, Norbert, Mönchengladbach 1979 (= Rhenania Franciscana Beiheft 4)
  • Voss, Dagobert: Gloriosus Christi Athleta - Vom Ringen und Sterben des Erzbischofs Cyrillus Jarre OFM, in: Sanctificatio nostra 17, 1952

Anmerkungen

  1. Han, Leben und Weg, S. 77

Weblinks


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