Al-Quds-Tag
Demonstration am Al-Quds-Tag in Malmö am 27. September 2008

Der Al-Quds-Tag (auch Al-Kuds-Tag, (persisch ‏ روز جهانی قدس‎) Rûs-e dschehânî-ye Ghods, „Internationaler Jerusalemtag“, nach dem arabischen Namen für Jerusalem, Al-Quds) ist ein gesetzlicher Feiertag im Iran. Er geht auf einen Aufruf des iranischen Revolutionsführers Ayatollah Ruhollah Chomeini vom 8. August 1979 zurück, am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan die „internationale muslimische Solidarität zur Unterstützung der legitimen Rechte des muslimischen palästinensischen Volkes [zu] erklären.“[1] Am ersten Al-Quds-Tag, dem 17. August 1979, sollen allein in Teheran 3,5 Millionen Menschen demonstriert haben. Nach Chomeini ist „der Al-Quds-Tag ein islamischer Tag und ein Tag der Mobilisierung der Muslime. "Ich hoffe, dass dieser Tag die Basis zur Gründung einer Partei aller Unterdrückten der Welt sein wird“.[1]

Die Ausweitung des Ziels auf die Eroberung (aus ihrer Sicht: Befreiung) Jerusalems wurde bereits am ersten al-Quds-Tag von muslimischen Geistlichen gefordert. Ayatollah Seyyed Alī Chāmene'ī forderte bei seinen Reden auf den Teheraner Al-Quds-Kundgebungen 1999[2] und 2000 [3] die "Vernichtung des zionistischen Staates“. An den weltweit stattfindenden Demonstrationen beteiligen sich überwiegend Schiiten. Am 18. September 2009 wurde der Al-Quds-Tag in Teheran von Anhängern der Reformbewegung genutzt um gegen Mahmud Ahmadinedschad zu demonstrieren.[4] Die Demonstranten riefen: „Nicht Gaza, nicht Libanon – mein Leben für Iran.“[5] Ahmadinedschad sprach in seiner Rede an der Universität Teheran am Al-Quds-Tag 2009 vom Holocaust als „Lüge, die als Vorwand für die Gründung Israels gedient habe.[...] Falls die Europäer aber so ein Verbrechen begangen haben sollten, dann sollten sie den Juden auch in Europa, Amerika oder Kanada Land schaffen.“[6]

Der Al-Quds-Tag wird im Nahen Osten in Ländern mit starkem schiitischem bzw. palästinensischem Bevölkerungsanteil begangen. Außerhalb des Nahen Ostens fanden in den USA, Kanada, Großbritannien, Schweden und Deutschland Veranstaltungen statt.[7]

Al-Quds-Tag in Deutschland

Aktionen zum Al-Quds-Tag sollen in Deutschland seit den 1980er Jahren stattfinden und von Beginn an von Personen aus dem Umfeld der schiitischen Hisbollah organisiert worden sein.[8] Die zentrale Al-Quds-Demonstration in Deutschland fand bis 1995 zumeist in Bonn statt, seit 1996 in Berlin.[2] Die von Anhängern der Hisbollah und regimetreuen Iranern organisierten Veranstaltungen, bei denen streng nach Geschlechtern getrennt marschiert wird, sind geprägt von den zahlreich mitgeführten Hisbollah-Fahnen, Bildern von Khomeini, Khamenei und anderen Würdenträgern des iranischen Regimes und antizionistischen bis antisemitischen Parolen.[8] Das von der Islamischen Republik Iran gesteuerte Islamische Zentrum Hamburg (IZH) trat bis 2004 regelmäßig als Mitorganisator auf.[2][9] Auch das schiitische Webportal Muslim-Markt ruft langjährig zur Teilnahme auf und organisiert teilweise die Anfahrt.[10][11][8] Veranstalter ist seit 2003 die vom Verfassungsschutz beobachtete islamistische Gruppe „Quds-AG“[12] des Berliner Vereins "Islamische Gemeinde der Iraner in Berlin-Brandenburg e. V.", der im Mai 2003 gegründet wurde und in enger Verbindung zum IZH besteht.[13]

Antifaschistische Demonstration gegen den Aufmarsch in Berlin, 2010
Al-Quds-Demonstration in Berlin 2011
Gegenkundgebung gegen den Aufmarsch in Berlin, 2011
Antifaschistische Demonstration gegen den Aufmarsch in Berlin, 2011
  • Beim Al-Quds-Tag im Dezember 2000 zogen mehr als 2000 Demonstranten über den Kurfürstendamm und forderten „die Befreiung Palästinas und der Heiligen Stadt Jerusalem“.[8]
  • Am Al-Quds-Tag 2001 nach dem 11. September 2001 musste der Demonstrationszug nach Kreuzberg ausweichen.[8]
  • Am Al-Quds-Tag Ende November 2002 kehrte die Demonstration auf den Kurfürstendamm zurück und erreichte mit einer Beteiligung von über 2500 Personen den Höhepunkt ihrer Mobilisierungskraft.[2]
  • Zum Al-Quds-Tag 2003 gründete sich ein „Berliner Bündnis gegen den internationalen Al-Quds-Tag“, um erstmals eine Gegenkampagne zur Demonstration zu führen, rund 150 Menschen schlossen sich einem entsprechenden Aufruf an. Die Zahl der Al-Quds-Demonstranten betrug in diesem Jahr nur 1100.[8]
  • Am Al-Quds-Tag 2004 (13. November) wurde die Demonstration auf eine Nebenstrecke gelenkt und die Auflage erteilt, Transparente und Schilder mit Aufschriften in arabischer Sprache vor ihrer Verwendung der Polizei zur Prüfung auf strafrechtliche Inhalte vorzulegen. Sie fand schließlich als Schweigemarsch mit weniger Teilnehmern statt, an der Gegenkundgebung beteiligten sich etwa 300 Menschen.[8]
  • Am Al-Quds-Tag 2005 (29. Oktober) war die Zahl der Demonstranten auf 400 geschrumpft, auch wurde den Teilnehmern explizit untersagt, sich auf Plakaten oder in Parolen zustimmend auf die antisemitischen Tiraden des iranischen Präsidenten Ahmadinedschad zu beziehen. Es stellten sich etwa 300 Gegendemonstranten ein.[8]
  • Am Al-Quds-Tag 2006 (21. Oktober) waren es etwa 1000 Demonstranten.[14] Unter den Teilnehmern waren auch ein verurteilter Holocaustleugner[15] und der selbsternannte Oberrabiner Moishe Friedman aus Wien[16] von der jüdisch-orthodoxen Sekte Neturei Karta.
  • Am Al-Quds-Tag 2007 (6. Oktober) nahmen etwa 300 Personen an der friedlich verlaufenen Demonstration teil,[17] bei der zum Teil Transparente mit Aufschriften wie „Zionisten raus aus Jerusalem, Meinungsfreiheit für Zionismusforscher und Gegner Israels, Zionismus ist der moderne Rassismus" gezeigt wurden.[18]
  • Am Al-Quds-Tag 2008 (27. September) wurden rund 400 Demonstranten gezählt.[19]
  • Am Al-Quds-Tag 2009 (12. September) nahmen in Berlin rund 600 Demonstranten teil, die vom Verfassungsschutz größtenteils dem schiitisch-extremistischen Spektrum zugeordnet wurden und antisemitische Parolen skandierten[12]. Der Tagesspiegel meldete, dass auch Rechtsextremisten teilgenommen haben. Unterstützung erfuhr die Veranstaltung durch den ehemaligen linken Journalisten Jürgen Elsässer.[12] Zu einer Gegenkundgebung, zu der ein Bündnis von Initiativen und Privatpersonen aufgerufen hatte,[20] kamen rund 200 Menschen, beide Demonstrationen verliefen weitgehend friedlich.[21] Die Auflagen der Polizei für die Gegendemonstration sorgten in diesem Jahr für Aufmerksamkeit: Es wurde verboten, hebräische Lieder abzuspielen, eine Fahne, die das mit hebräischen Buchstaben versehene Stadtwappen der Stadt Jerusalem trug, wurde beschlagnahmt. Zudem durften Demonstranten das Schild „Free Gilad Shalit“, das die Freilassung eines von der Hamas entführten israelischen Soldaten forderte, nicht zeigen, da auch diese Aufschrift nicht in deutscher Sprache verfasst war.[22]
  • Am Al-Quds-Tag 2010 (4. September) nahmen rund 500 Demonstranten teil, dagegen demonstrierten in Berlin ebenfalls rund 500 Menschen. Aufgerufen hatte ein Bündnis aus Antifa-Gruppen, der jüdischen Gemeinde, der Green Party of Iran und anderen Organisationen und Einzelpersonen. Wiederholt versuchten Teilnehmer der Al-Quds-Demonstration Gegendemonstranten anzugreifen.[23] Als Neonazis erkennbare Personen nahmen dieses Mal nicht an der Demonstration teil.[24]
  • Zum Al-Quds-Tag 2011 (27. August) konnten in Berlin nach Angaben der Polizei ca. 600 Demonstranten mobilisiert werden, welche wieder nach Geschlechtern getrennt aufmarschierten. An einer Gegenkundgebung und einer Demonstration nahmen etwa 300 Menschen teil.[25] Aufgerufen zu den Gegenaktivitäten hatten wieder die Jüdische Gemeinde, die Amadeu-Antonio-Stiftung, die Deutsch-Israelische Gesellschaft, diverse Antifa-Gruppen, die Berliner Linke, die Grüne Partei Irans und andere. Funktionäre der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“, die auf der Gegenkundgebung anwesend waren, wurden von den Veranstaltern nach Eintreffen der antifaschistischen Demonstration und einer sich daran anschließenden Diskussion zum Verlassen der Kundgebung aufgefordert.[26][27][28][29]

Quellen

  1. a b Zur Geschichte des Al-Quds-Tages, Hagalil am 27. Oktober 2005
  2. a b c d Beispiel Al-Quds-Tag - Islamistische Netzwerke und Ideologien unter Migrantinnen und Migranten in Deutschland und Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Intervention Gutachten von Udo Wolter für den Integrationsbeauftragten der Bundesregierung, Berlin im November 2004
  3. CNN Meldung, 1. Januar, 2000 (Englisch)
  4. Zusammenstöße in Teheran am „Jerusalem-Tag“ faz.de vom 18. September 2009
  5. Wer sich nicht wehrt, lebt verkehrt tagesspiegel.de vom 22. September 2009
  6. Ahmadinedschad leugnet erneut Holocaust Süddeutsche.de vom 18. September 2009
  7. Intelligence and Terrorism Information Center
  8. a b c d e f g h Antisemitismus “Made in Iran”: Die Internationale Dimension des Al-Quds-Tages American Jewish Committee Berlin, Oktober 2006
  9. In Allahs Grauzone Von Frank Jansen, Armin Lehmann, Tagesspiegel 4. September 2006
  10. Aufruf zu Demonstration zum Quds-Tag 13. November 2004 in Berlin Muslim-Markt
  11. Bericht zum Quds-Tag 2003 in Berlin, 22. November 2003 Muslim-Markt
  12. a b c Demonstration : Islamisten am Kanzleramt Tagesspiegel vom 28. November 2009
  13. Kleine Anfrage des Abgeordneten Özcan Mutlu (Bündnis 90/Die Grünen) vom 6. Oktober 2005 und Antwort: Al-Quds-Demonstration, 4. November 2005
  14. Demonstrationen am "Al-Quds-Tag" taz 29. September 2008
  15. verurteilter Holocaustleugner Gerd Walther, Antisemitische Demo in Berlin: "Tod, Tod, Israel" hagalil.com 23-07-2006
  16. Gastredner Oberrabiner Friedman, Quds-Demonstration 2006
  17. Verfassungsschutzbericht 2007. Seite 207
  18. Organisation aus dem schiitischen Bereich: „Hizb Allah" Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg - Islamismus
  19. Demonstrationen am "Al-Quds-Tag" Tageszeitung vom 29. September 2008
  20. Proteste gegen islamistische Al-Quds-Kundgebung taz.de vom 12. September 2009
  21. Demonstration gegen Al-Quds-Tag rbb.online vom 12. September 2009
  22. Polizei verbietet hebräisch berlinonline vom 15. September 2009
  23. Radau bei Protesten taz, 6. September 2010
  24. Al-Quds-Tag : Chomeini-Bilder am Ku'damm Von Sidney Gennies, Tagesspiegel, 4. September 2010
  25. BerlinOnline, 28. August 2011
  26. Aufruf auf den Seiten der Jüdischen Gemeinde
  27. Aufruf des antifaschistischen Bündnisses
  28. Aufruf der Berliner Linken
  29. Jersualem Post, 29. August 2011

Weblinks

Veranstalter

  • http://www.qudstag.de Seite der Quds-AG der "Islamischen Gemeinden der Schiiten in Deutschland" in Berlin


Gegner


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