Albernau
Albernau
Gemeinde Zschorlau
Koordinaten: 50° 33′ N, 12° 39′ O50.54888888888912.655833333333550Koordinaten: 50° 32′ 56″ N, 12° 39′ 21″ O
Höhe: 550 m ü. NN
Eingemeindung: 1. Jan. 1998
Postleitzahl: 08321
Vorwahl: 03771

Albernau ist ein Ortsteil der Gemeinde Zschorlau im Erzgebirgskreis.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Albernau liegt in einer Höhenlage von rund 550 m ü. NN auf einer nach Osten in das Tal der Zwickauer Mulde abfallenden Hochfläche südöstlich des Ortszentrums von Zschorlau. Durch den Ort führt die Verbindungsstraße nach Bockau. Unweit des Ortes befindet sich die sogenannte Kanzel (579 m ü. NN), von der man eine schöne Aussicht in das Muldental und zum Auersberg genießt.

Geschichte

Johanniskirche Albernau

Albernau wurde wahrscheinlich von fränkischen Siedlern in der spätmittelalterlichen Zeit der Erschließung des das Erzgebirge bedeckenden Urwaldes besiedelt. Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes stammt aus dem Jahre 1524, damals war Albernau die Bezeichnung eines auf einem Bergrücken abseits von Zschorlau gelegenen Freigutes (der Hof war von allen Auflagen der Herrschaft Schwarzenberg befreit). Der Name Albernau stammt wahrscheinlich von der wendischen Bezeichnung für eine Pappelart, den „Albern“ und deren Standort, einer vom 733 m hohen Steinberg zur Zwickauer Mulde hingezogenen Bergaue.

Zwischen 1524 und 1533 vollzog sich eine Entwicklung zum Dorf hin durch die Ansiedlung erster Hufenbauern und deren Gesinde. Das Freigut wurde 1555 nach den Pestjahren von Hans von Klintzschkau wieder neu aufgebaut, und hatte am Tiefenbach oder auch Dorfbach eine Mahlmühle. Die Plünderung durch die Kaiserlichen Truppen unter General Holk ging auch an Albernau nicht spurlos vorüber und brachte Hunger, Leid und Armut mit sich. Während des Siebenjährigen Krieges wurde das nachbarschaftlich gelegene Kirchspiel Zschorlau, dem Albernau damals schon zugeordnet war von den Schweden geplündert, die Einwohner flüchteten sich nach Albernau. Das größte Gut des Ortes war nun Besitz der Familie von Gottlob Heinrich von Lindenau und dessen Erben. Dort befand sich in späterer Zeit eine Handkämmerei, die jedoch 1856 niederbrannte und im folgenden nach Schedewitz ausgelagert wurde.

1947 erfolgte der Abbruch des Freigutes auf den Befehl der sowjetischen Kommandantur hin.

Zu Albernau gehört das 1649 von Erasmus Schindler gegründete Blaufarbenwerk Schindlerswerk, direkt an der Zwickauer Mulde gelegen. Auch hier bildete sich nach dem Bau eines Herrenhauses eine Arbeitersiedlung aus. Nach dem Wegfall der Produktion von Kobaltblau wurde auf synthetisiertes Ultramarinblau umgestellt. Als „Ultramarinfabrik Schindlerswerk“ in der „Schneeberg GmbH“ ist sie heute die weltweit älteste noch produzierende Farbenfabrik. Mit ihr verbunden ist eine lange Tradition der Kobaltblauproduktion und der gewerblichen Herstellung von Farbpigmenten.

Das Blaufarbenwerk Schindlers Werk ist eine ausgewählte Stätte für die vorgesehene Kandidatur zum UNESCO-Welterbe Montanregion Erzgebirge.

Ebenfalls im Tal der Zwickauer Mulde befindet sich eines von Sachsens ältesten Gasthäusern, das wiedereröffnete „Rechenhaus“, 1556 als Kontrollhaus für den Wehrwärter am Abzweig des Floßgrabens errichtet ist eine Bewirtung seit 1694 gegeben.

Am 1. Januar 1998 wurde Albernau nach Zschorlau eingemeindet[1], 1999 die Grundschule (vormals Polytechnische Oberschule) geschlossen. Derzeitiger Ortsvorsteher ist Lothar Süß.

Im Sommer 2008 wurde das 50-jährige Jubiläum des großen Schul- und Heimatfestes von 1958 gefeiert.

Söhne des Ortes

  • Lothar Kolditz (* 1929), Chemiker und ehemaliger Vorsitzender der Nationalen Front der DDR
  • Georg Bochmann (* 18. September 1913; † 8. Juni 1973 in Offenbach am Main), SS-Oberführer der Waffen-SS und Träger des Ritterkreuzes mit Eichenlaub und Schwertern

Weblinks

Einzelnachweise

  1. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1998

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