Albert Brodersen
Albert Brodersen; Porträt von Max Liebermann, 1920

Albert Brodersen (* 16. November 1857 auf Gut Ascheberg; † 4. Januar 1930 in Berlin) war von 1910 bis 1926 städtischer Gartendirektor in Berlin. Aus Anlass seines 150. Geburtstages wurde die Lindenallee im Park von Schloss Biesdorf in Albert-Brodersen-Allee umbenannt. Den Park hatte Brodersen für die Familie Siemens gestaltet.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ausbildung

Seine Jugend verbrachte Albert Brodersen in Hohenwestedt, wo sein Vater 1869 eine Stellung als Rentamtmeister gefunden hatte. Auf Brodersens Schulbesuch folgte eine rund zehn Jahre währende praktische Ausbildung im Rahmen von Tätigkeiten in verschiedenen renommierten Gärtnereien. Außerdem unternahm er zahlreiche Studienreisen nach England, Italien, Frankreich, nach Wien, Paris, Moskau und Budapest. 1884 legte er im Wildpark Potsdam das Examen als „Königlicher Obergärtner“ ab.

Heirat und Selbstständigkeit

1887 heirateten Brodersen und Dorothea Körner, deren Vater Inhaber einer bekannten Landschaftsgärtnerei in Steglitz war. Nach dem Tod seines Schwiegervaters leitete er ab 1888 zusammen mit seinem Schwager Gustav Körner die Firma „Körner & Brodersen“. In diesen Jahren entstanden rund 20 größere landschaftliche Anlagen überwiegend für Großindustrielle im Rheinland, aber auch in Berlin und Polen. Bekannt sind das Haus Lehrbach bei Bergisch-Gladbach, der Königspark in Guben und zahlreiche Villengärten in Potsdam, Grunewald, am Wannsee (Liebermann-Villa), ferner der Villengarten des Landhauses Borsig auf der Halbinsel Reiherwerder am Tegeler See, der heute als Gartendenkmal unter Schutz steht.[1] Auch städtebauliche Projekte, die Anlage von Galopprennbahnen in Köln sowie anderer Sporteinrichtungen gehörten dazu.

Amtszeit in Berlin

Sein Renommee als Landschaftsgärtner führte wohl dazu, dass er 1910 zum Nachfolger Hermann Mächtigs als Berliner Gartendirektor berufen wurde. Im Rahmen der planmäßigen Stadtbebauung war er vornehmlich am Ausbau und an der Umgestaltung der ursprünglichen Berliner Schmuckplätze zu Gartenplätzen und an der Gestaltung von Parkanlagen beteiligt. So wurde zum Beispiel in den Jahren von 1913 bis 1916 der Teil des Viktoriaparks westlich der Möckernstraße von ihm angelegt. Weitere Tätigkeitsfelder waren die Bepflanzung der Straßen mit Alleebäumen, die Einrichtung von Spielplätzen sowie Schulgärten zur Bildung der Bevölkerung.

Wegen der ökonomischen und politischen Verhältnisse während und nach dem Ersten Weltkrieg war es Broderson nicht vergönnt, neue Vorstellungen zu verwirklichen. So blieb es seinem Nachfolger Erwin Barth überlassen, in der kurzen Blütezeit der Weimarer Republik für Berlin die bis heute gültigen sozialen Grünräume zu erstreiten. In dessen Amtszeit fällt die Entstehung des noch von Albert Brodersen entworfenen Volksparks Rehberge, der ab 1926 auf dem 120 ha großen Sand-, Sumpf- und Waldgelände der Rehberge angelegt wurde. Diese Parkanlage markierte einen Höhepunkt in der Gestaltung von Volksparks in Berlin.

Albert Brodersen hatte vier Töchter und einen Sohn, der im Krieg gefallen war. An ihn und die anderen Gefallenen des Ersten Weltkrieges in Schleswig-Holstein erinnert ein unter Brodersens Leitung ab 1920 in Hohenwestedt errichtetes Ehrenmal.

Literatur

  • Clemens Alexander Wimmer: Parks und Gärten in Berlin und Potsdam. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1992, ISBN 3-87584-267-7, S.44.
  • Markus Sebastian Braun (Hrsg.): Berlin. Der Architekturführer. Quadriga, München 2001, ISBN 3-88679-355-9, S. 127.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Eintrag in der Landesdenkmalliste: Villengarten des Landhauses Borsig

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