Albert Schwegler

Albert Schwegler (* 10. Februar 1819 in Michelbach an der Bilz; † 6. Januar 1857 in Tübingen) war Theologe, Philosoph und Historiker.

Albert Schwegler, der älteste Sohn des württembergischen Pfarrers Eberhard Schwegler wurde am 10. Februar 1819 in Michelbach an der Bilz bei Schwäbisch Hall geboren. Für eine Laufbahn als Geistlicher vorgesehen, besuchte er die Lateinschule in Schwäbisch Hall, 1832–36 das Seminar in Schöntal und ab 1836 das Tübinger Stift.

Die Zeit seines Studienabschlusses 1840 war geprägt durch erbitterte Auseinandersetzungen zwischen den dominierenden konservativen Kreisen der evangelischen Landeskirche in Württemberg und der durch Hegel beeinflussten historisch-kritischen „Tübinger Schule“ um den Kirchenhistoriker Ferdinand Christian Baur, aus der auch der Theologe und Religionskritiker David Friedrich Strauß stammte und der auch zu Schweglers prägenden Lehrern gehörte. Ein Stipendium ermöglichte ihm eine ausgedehnte Deutschlandreise mit längerem Aufenthalt in Berlin und 1841 die Promotion in der Philosophischen Fakultät mit einer Abhandlung über die Philopatris des antiken Philosophen und Schriftstellers Lucian von Samosata. Im Herbst 1842 kehrte Schwegler nach Schwäbisch Hall zurück, von wo aus er sich vergeblich um eine Anstellung bemühte. Als Hegel-Anhänger hatte er keine Chance auf eine Anstellung in der württembergischen Landeskirche, obwohl er Jahrgangsbester war und mehrere Preise gewonnen hatte. Als Privatdozent der Philosophie und Philologie führte er nach seiner Habilitation über Plato ab 1843 in Tübingen ein ärmliches Außenseiterdasein. Hier publizierte er seine erste kirchengeschlichtliche Arbeit Der Montanismus und die christliche Kirche des 2ten Jahrhunderts (1841), von 1843 bis 1848 redigierte er die „Jahrbücher der Gegenwart“, eine namhafte literarische Zeitschrift, für die Autoren wie Friedrich Theodor Vischer, Ludwig Feuerbach, Johann Gustav Droysen und sein Lehrer Jakob Friedrich Reiff schrieben. Seine 1844 erschienene Geschichte des frühen Christentums wurde für ihre „meisterhafte Darstellung“ gerühmt. Von der Theologie, wo er nicht hatte Fuß fassen können, wandte er sich 1846 nach einer Italienreise der Altertumswissenschaft zu. Seine 1846/47 nebenher verfasste Geschichte der Philosophie im Grundriß entwickelte sich zu einem in viele Fremdsprachen übersetzten und bis in die 1950er Jahre neu aufgelegten Standardwerk.

Erst die Märzrevolution von 1848 ermöglichte die Ernennung Schweglers zum Professor für „römische Litteratur und Alterthümer“ in Tübingen. Immer mehr wurde für ihn nun die Arbeit an einer monumentalen „Römischen Geschichte“ zum Lebensinhalt, deren ersten Band er 1853 veröffentlichen konnte. Der Junggeselle vereinsamte, zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück, vertiefte sich in seine Studien und starb – wohl aufgrund dieser Überlastung – am 6. Januar 1857. Nach seinem frühen Tod wurde Schwegler als „Mann von ganz ungewöhnlicher Begabung, der überall, wo er eingriff, Bedeutendes leistete“, gewürdigt. Trotzdem ist er bald in Vergessenheit geraten. Seine kirchengeschichtlichen Arbeiten wurden durch Ferdinand Christian Baur und David Friedrich Strauß, die „Römische Geschichte“ durch Theodor Mommsen in den Schatten gestellt. Abgesehen von der „Geschichte der Philosophie“ haben seine Werke lediglich in der Fachwissenschaft Anerkennung gefunden.

Literatur

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