Gadolinium

Eigenschaften
Allgemein
Name, Symbol, Ordnungszahl Gadolinium, Gd, 64
Serie Lanthanoide
Gruppe, Periode, Block La, 6, f
Aussehen silbrig weiß
CAS-Nummer 7440-54-2
Atomar
Atommasse 157,25 u
Atomradius (berechnet) 188 (233) pm
Elektronenkonfiguration [Xe]4f75d16s2
Elektronen pro Energieniveau 2, 8, 18, 25, 9, 2
Austrittsarbeit 3,1 eV
1. Ionisierungsenergie 593,4 kJ/mol
2. Ionisierungsenergie 1170 kJ/mol
3. Ionisierungsenergie 1990 kJ/mol
Physikalisch
Aggregatzustand fest
Kristallstruktur hexagonal
Dichte 7,901 g/cm3
Magnetismus paramagnetisch
Schmelzpunkt 1585 K (1312 °C)
Siedepunkt 3523 K (3250 °C)
Molares Volumen 19,90 · 10-6 m3/mol
Verdampfungswärme 359,4 kJ/mol
Schmelzwärme 10,05 kJ/mol
Dampfdruck 24400 Pa bei 1585 K
Schallgeschwindigkeit 2680 m/s bei 293,15 K
Spezifische Wärmekapazität 230 J/(kg · K)
Elektrische Leitfähigkeit 0,736 · 106 A/(V · m)
Wärmeleitfähigkeit 10,6 W/(m · K)
Chemisch
Oxidationszustände 2 , 3
Oxide (Basizität) (leicht basisch)
Normalpotential
Elektronegativität 1,20 (Pauling-Skala)
Isotope
Isotop NH t1/2 ZM ZE MeV ZP
148Gd

{syn.}

74,6 a α 3,271 144Sm
149Gd

{syn.}

9,28 d ε 1,314 149Eu
150Gd

{syn.}

1.790.000 a α 2,809 146Sm
151Gd

{syn.}

124 d ε 0,464 151Eu
152Gd

0,20 %

1,08 · 1014 a α 2,205 148Sm
153Gd

{syn.}

241,6 d ε 0,485 153Eu
154Gd

2,18 %

Stabil
155Gd

14,80 %

Stabil
156Gd

20,47 %

Stabil
157Gd

15,65 %

Stabil
158Gd

24,84 %

Stabil
159Gd

{syn.}

18,479 h β- 0,971 159Tb
160Gd

21,86 %

≥ 1,3 · 1021 a β-β- k.A. 160Dy
NMR-Eigenschaften
  Spin γ in
rad·T−1·s−1
E fL bei
B = 4,7 T
in MHz
155Gd 3/2 1,022 · 107 0,000279 7,64
157Gd 3/2 1,277 · 107 0,000544 9,55
Sicherheitshinweise
Gefahrstoffkennzeichnung [1]
Leichtentzündlich
Leicht-
entzündlich
(F)
R- und S-Sätze R: 15
S: 7/8-43
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet.
Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Gadolinium ist ein chemisches Element im Periodensystem der Elemente mit dem Symbol Gd und der Ordnungszahl 64. Es gehört zur Gruppe der Lanthanoide (6. Periode, f-Block).

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das erste Element der Yttererden im Periodensystem wurde 1880 spektroskopisch von Jean Charles Galissard de Marignac im Didym und Gadolinit gefunden. 1886 stellte er es als weißes Oxid aus Samarskit her und nannte es Y aus Samarskit. Im gleichen Jahr stellte Paul Emile Lecoq de Boisbaudran ebenfalls Gadoliniumoxid her und nannte das neue Element nach dem Entdecker des Minerals Gadolinit, dem finnischen Chemiker Johan Gadolin, Gadolinium.

Erst 1935 gelang Georges Urbain die Darstellung des Metalls.

Vorkommen

Natürlich kommt Gadolinium nur in Verbindungen vor. Technisch bedeutsam sind Monazit und Bastnäsit. Die Gadolinitvorkommen in der Grube Ytterby, nördlich von Stockholm, sind heute erschöpft.

Gewinnung und Darstellung

Nach einer aufwändigen Abtrennung der anderen Gadoliniumbegleiter wird das Oxid mit Fluorwasserstoff zum Gadoliniuimfluorid umgesetzt. Anschließend wird dieses mit Calcium unter Bildung von Calciumfluorid zum metallischen Gadolinium reduziert. Die Abtrennung verbleibender Calciumreste und Verunreinigungen erfolgt in einer zusätzlichen Umschmelzung im Vakuum.

Eigenschaften

Elementares Gadolinium

Das silbrigweiß bis grauweiß glänzende Metall der seltenen Erden ist duktil und schmiedbar. Bei Temperaturen oberhalb 1508 K wandelt sich die dichteste Kugelpackung in eine kubisch-raumzentrierte Kristallstruktur um. In trockener Luft ist Gadolinium relativ beständig, in feuchter Luft bildet es eine nichtschützende, lose anhaftende und abblätternde Oxidschicht aus. Mit Wasser reagiert es langsam. In verdünnten Säuren löst es sich auf.

Gadolinium hat mit 49000 barn den höchsten Einfangquerschnitt für thermische Neutronen aller bekannten Elemente. Die hohe Abbrandrate (burn-out-rate) schränkt eine Verwendung als Steuerstab in Kernreaktoren stark ein.

Zusammen mit Dysprosium, Holmium, Erbium und Terbium, die ebenso der Gruppe der Lanthanoiden zugeordnet sind, gehört es zu den einzigen Elementen – ausgenommen Eisen, Cobalt und Nickel – die einen Ferromagnetismus aufweisen. Jedoch muss es dazu erst unter seine ferromagnetische Curie-Temperatur von 16°C gebracht werden.[2]

Entgegen vielen Literaturangaben ist Gadolinium nicht supraleitfähig. Dies begründet sich auch auf die Erfahrung, dass Verunreinigungen ferromagnetischer Stoffe wie Eisen und Gadolinium die Supraleitfähigkeit anderer Elemente zerstört. Es sind aber keramische Hochtemperatur-Supraleiter des Typs Ba2GdCu3O7-x mit einer Sprungtemperatur zwischen 80–85 K bekannt.

Stäube von metallischem Gadolinium sind feuer- und explosionsgefährlich.

Verwendung

Gadolinium wird zur Herstellung von Gadolinium-Yttrium-Granat für Mikrowellenanwendungen verwendet. Oxysulfide dienen zur Herstellung von grünem Leuchtstoff für nachleuchtende Bildschirme (Radar).

Intravenös injizierte Gadolinium(III)-Verbindungen, wie zum Beispiel Gadopentetat-Dimeglumin, dienen als Kontrastmittel bei Untersuchungen im Kernspintomographen. Dazu werden wegen der hohen Giftigkeit von freien Gadolinium-Ionen Komplexierungsmittel mit hoher Komplexierungskonstante, wie beispielsweise die Chelate DTPA (Diethylentriaminpentaessigsäure) und DOTA (1,4,7,10-Tetraazacyclododecan-1,4,7,10-tetraessigsäure, mit Gd = Gadotersäure), verwendet. Durch die sieben ungepaarten Elektronen in der f-Schale ist Gadolinium stark paramagnetisch. Das Kontrastmittel ermöglicht so den umgebenden Protonen – im wesentlichen Wasser – schneller zu relaxieren. Dies erhöht die Kontrastunterschiede zwischen verschiedenen Geweben in einer MRT-Aufnahme erheblich.
Auch für Untersuchungen am Gehirn können diese Kontrastmittel verwendet werden, da die Gadolinium-Komplexe die Blut-Hirn-Schranke bei gesunden Patienten nicht überwinden und somit eine Blut-Hirn-Schrankenstörung  – ein Hinweis auf ein pathologisches Geschehen (z.B. Mangeldurchblutung, Tumor, Entzündung)  – sichtbar machen können.

Gadolinium-Gallium-Granat wurde zur Herstellung von Magnetblasenspeichern genutzt. Auch in der Herstellung von wiederbeschreibbaren Compact Discs (CDs) findet es Anwendung.

Zusätze von 1 % Gadolinium erhöhen die Bearbeitbarkeit und die Hochtemperatur- und Oxidationsbeständigkeit von Eisen- und Chromlegierungen. Entsprechende Gadoliniumeisenkobalt-Legierungen können zur optomagnetischen Datenspeicherung eingesetzt werden.

Gadolinium könnte, da es einen Curie-Punkt nahe der Zimmertemperatur besitzt, in Kühlgeräten, die nach dem Prinzip der adiabatischen Magnetisierung funktionieren, Verwendung finden. Solche Kühlgeräte würden ohne die Ozonschicht schädigende Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) auskommen und besäßen keine dem Verschleiß unterliegenden mechanischen Teile.

Gadolinium wird in Form von Gadoliniumoxid in modernen Brennelementen als abbrennbares Absorbermaterial verwendet, das nach einem Brennelementewechsel zu Beginn des Betriebszyklus die durch einen Überschuss an Kernbrennstoff entstehende zu hohe Reaktivität des Reaktors begrenzt. Mit zunehmendem Abbrand der Brennelemente wird auch das Gadolinium abgebaut.[3]

Verbindungen

  • Gallium-Gadolinium-Granat Ga3Gd5O12
  • Gadolinium(II)-iodid GdI2; schwarze Substanz, die ferromagnetisch ist.
  • Gadolinium(III)-fluorid GdF3
  • Gadolinium(III)-oxid Gd2O3

Physiologie

Von Gadolinium ist keine biologische Funktion bekannt.

Toxizität

Freie Gadolinium-Ionen verhalten sich ähnlich wie Calcium-Ionen, das heißt, sie werden vorwiegend in der Leber und im Knochensystem eingebaut und können dort über Jahre verbleiben. Freies Gadolinium beeinflusst außerdem als Calciumantagonist – die Ionenradien von Calcium und Gadolinium sind nahezu gleich – die Kontraktilität des Myokards und hemmt das Gerinnungssystem.[4]

Intravenös applizierte Lösungen von freien Gadolinium-Ionen wirken akut toxisch. Von der Toxizität betroffen sind unter anderem die glatte und die quergestreifte Muskulatur, die Funktion der Mitochondrien und die Blutgerinnung.[5]

Die Toxizität von freiem Gadolinium ist als hoch einzustufen. In komplexierter Form, so wie das Gadolinium in den zugelassenen Kontrastmitteln vorliegt, ist es dagegen unter Berücksichtigung der Kontraindikationen im Allgemeinen gut verträglich. Seit 2006 gibt es zunehmend Berichte, dass es bei niereninsuffizienten Patienten nach Gabe von verschiedenen Chelaten des Gadoliniums, insbesondere Gd-DTPA, zu dem Krankheitsbild der nephrogenen systemischen Fibrose kommen kann.

Einzelnachweise

  1. Eintrag zu Gadolinium in der GESTIS-Stoffdatenbank des BGIA, abgerufen am 28. April 2008 (JavaScript erforderlich)
  2. Harry H. Binder: Lexikon der chemischen Elemente, S. Hirzel Verlag 1999, ISBN 3-7776-0736-3.
  3. www.patent-de.com.
  4. Gertraud Prinz, Kontrastmittel in der Magnetresonanztomographie.
  5. Universimed.com.

Weblinks


Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • gadolinium — ˌɡædɔˈlɪnɪəm (химическое) гадолинийgadolinium хим. гадолиний… (Большой англо-русский и русско-английский словарь)
  • gadolinium — noun chem. гадолиний… (Англо-русский словарь Мюллера)
  • Gadolinium — Gadoliium Gad`o li"i um, . [NL. See {Gadoliite}.] (Chem.) A rare earth metallic elemet of the Lathaide series, with a characteristic spectrum, foud associated with yttrium ad other rare earth elemets. Symbol, Gd; it has a atomic… (The Collaborative International Dictionary of English)
  • gadolinium — 1> _хим. гадолиний… (Новый большой англо-русский словарь)
  • Gadolinium — Gadoliium (proEg ˌgædəˈlɪiəm) is a chemical elemet that has the symbol Gd ad atomic umber 64.__TOC__ Characteristics Gadoliium is a silvery-white, malleable ad ductile rare-earth metal with a metallic lustre. It crystallizes i… (Wikipedia)
  • Gadolinium gallium garnet — Ifobox mieral ame Gadoliium Gallium Garet category sythetic mieral boxwidth boxbgcolor imagesize captio formula Gadoliium3Gallium5Oxyge12 (Gia), Gemological. Gem Referece Guide. City: Gemological Istitute of America (GIA), 1988.…
  • Gadolinium yttrium garnet — (Gd:YAG) is a variation of with microwave and laser applications. …
  • Isotopes of gadolinium — Naturally occurrig gadoliium (Gd) is composed of 5 stable isotopes, 154Gd, 155Gd, 156Gd, 157Gd ad 158Gd, ad 2 radioisotopes, 152Gd ad 160Gd, with 158Gd beig the most abudat (24.84% atural abudace).Thirty radioisotopes have bee…
  • Gadolinium(III) chloride — Chembox ew ImageFile ImageSize IUPACName OtherNames Gadoliium trichloride Sectio1 Chembox Idetifiers CASNo 10138-52-0 PubChem SMILES Sectio2 Chembox Properties Formula GdCl3 MolarMass 263.61 g/mol Appearace Desity 4.52 g/cm3 MeltigPt…
  • Gadolinium(III) oxide — Chembox ew Name Gadoliium(III) oxide ImageFile Gadoliium(III)_oxide.jpg ImageName Gadoliium(III) oxide OtherNames gadoliium sesquioxide, gadoliium trioxide Sectio1 Chembox Idetifiers CASNo 12064-92-9 Sectio2 Chembox Properties Formula…
  • Gadolinium oxysulfide — Gadoliium oxysulfide (Gd2O2S), also called gadoliium sulfoxylate or GOS, is a iorgaic compoud, a mixed oxide-sulfide of gadoliium. Its CAS umber is CASREF CAS 12339-07-0.Terbium-doped gadoliium oxysulfide is frequetly used as a…