Alexander Olbricht

Alexander Gustav Georg Olbricht (* 6. Juni 1876 in Breslau; † 11. November 1942 in Weimar) war ein Weimarer Maler. Sein Werk umfasst ca. 2000 Grafiken, Radierungen, Scherenschnitte, Ölgemälde, usw.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Alexander Olbricht kam als Zweites der vier Kinder des Landschaftsmalers und Restaurators am Breslauer Museum Gustav Olbricht (1851-1892) und dessen Ehefrau Maria, geborene Durin, auf die Welt.

Mit 16 Jahren (1892) trat er als Lehrling in das Breslauer Geschäft "P. Strunk. Kunstmaterialienmagazin" ein. Doch nach dem Tod seines Vater im gleichen Jahr, beendete er die Lehre und begann ein Studium an der Kunstakademie Breslau unter anderem bei Carl Ernst Morgenstern (1847-1928).

1899 kam Olbricht nach Weimar und studierte dort in der Landschaftsklasse des Malers Theodor Hagen an der Großherzoglich-Sächsischen Kunstschule Weimar.

In Weimar begegnete er 1902 Marcus Behmer, mit dem ihn von da an eine tiefe Freundschaft verband.

1904 heiratete er die aus Mecklenburg stammende Margarethe Thurow (1882-1972), die seit 1902 ebenfalls an der Weimarer Kunstschule studierte. Das Paar lebte zunächst in einer Wohnung, bis es 1907 in ein eigenes Haus mit Atelier, Druckwerkstatt und großem Garten zog.

1908 entstanden die großformatigen Radierungen "Der große Nachbargarten", "Der kleine Nachbargarten" sowie die Landschaftsserie "Am Schweriner See".

1909 wurde der Sohn Peter geboren. Im gleichen Jahr entstanden 20 kleinformatige Radierungen mit Landschaftsmotiven von Weimar und Umgebung.

1911 wird die Tochter Charlotte geboren.

Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurde Olbricht 1914 eingezogen und verrichtete, auf Grund seiner körperlichen Gebrechlichkeit nur vorübergehend, Burschendienste bei einem Offizier in Weimar.

Die 1921 offiziell eröffnete Weimarer Kunstschule berief Olbricht als Professor. Einer seiner Schüler war der spätere Landschaftsmaler Fritz Lattke.

Als 1930 Paul Schultze-Naumburg Rektor der Staatlichen Hochschulen für Baukunst, Bildende Künste und Handwerk in Weimar wurde, begann für Alexander Olbricht ein harter Existenzkampf. 1935 wurde er aus politischen Gründen trotz Unkündbarkeit als 59-Jähriger aus dem Lehramt entlassen.

Depressionen und Stagnation der Schaffenskraft waren die Folge. Dennoch vollendete er 1939 seinen letzten großen Zyklus "Der erste Schnee".

Am 11. November 1942 erliegt Alexander Olbricht im Alter von 66 Jahren einem Schlaganfall. Er wurde auf dem Oberweimarer Friedhof beerdigt.

Ehrung

In Weimar wurde eine Straße nach Alexander Olbricht benannt. Sein Atelier wurde im Stadtmuseum Weimar (Bertuchhaus)[1] rekonstruiert und sein Wohnhaus in der Merketalstrasse mit einer Gedenktafel versehen.

Werk

Alexander Olbrichts Werk ist geprägt durch einem zumeist klaren, sensiblen und bescheidenen Stil. Zu seinen Motiven gehörten vor allem Wege, Zäune, Blumen, Blätter, Äste, Mühlen, Boote, Gärten, Stege, Bahnübergänge.

Olbricht war vor allem angezogen von Mecklenburg, der Heimat seiner Frau, wohin ihn zahlreiche Reisen führten und wo er sich - unter anderem 1918 - auch für längere Zeit aufhielt. Immer wieder stellte er die zwischen Elbe und Ostsee gelegenen Landschaftsstriche in seinen Werken dar.

Nach seiner Hochzeit (1904) trat die Ölmalerei zugunsten von zeichnerischen und druckgrafischen Arbeiten immer mehr in den Hintergrund. Die erste Serie kleinformatiger Landschaften in Wasserfarbe zeigt zum Teil Weimarer Landschaften, zum Teil aber auch Fantasielandschaften. Im Jahr 1906 folgte eine Serie farbiger Landschaften aus Schlesien. Während einer Reise durch Mecklenburg entstanden im Sommer unzählige Bilder [2]. Außerdem entstanden die großformatigen Radierungen Der kleine Nachbargarten, Der große Nachbargarten und die Serie Am Schweriner See und 20 kleinformatige Radierungen mit Landschaftsmotiven aus Weimar und Umgebung [3]. Erwähnenswert sind weiter eine Folge von Pflanzensilhouetten in schwarzer Tusche (1913), eine während des Krieges gestaltete er Reihe von Holzschnitten mit Pflanzen- und Blütenmotiven, von denen einige 1920 als Illustrationen zu Andersens Märchen "Garten des Paradieses" und andere 1922 in der Anthologie "Stille Musik" veröffentlicht wurden und zahlreiche Faltscherenschnitte. 1918 verewigte er mit Bleistift und Wasserfarbe Mecklenburger Landschaften.

Ab 1922 entstanden besonders zahlreiche ornamental-abstrakte Phantasien, meist als Serie mit kleinen handkolorierten Landschaften. Im Jahr darauf erschien im Weimarer Reiher-Verlag die Ausgabe "Dreißig Radierungen". Diese nummerierte Ausgabe in 50 Exemplaren wurde vom Künstler selbst gedruckt, koloriert und signiert. Die Einbände in Saffian-Leder fertigte Otto Dorfner in Weimar.

Während einer Reise mit Sohn Peter entstand die Aquarell-Serie Elblandsschaften (1929). Sein letztes und bedeutendstes Werk vollendete Olbricht mit den 37 aquarellierten Zeichnungen Der erste Schnee (1939).

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1905 - "Alexander Olbricht, Marcus Behmer (Zeichnungen, Radierungen, Holzschnitte)", Kunstverein, Jena.
  • 2010 - "Leise Superlative – Alexander Olbricht und Marcus Behmer", Stadtmuseum Weimar, Bertuchhaus
  • 2010 - "Leise Superlative – Alexander Olbricht und Marcus Behmer", Schiller-Museum Weimar

Sonstiges

Einige Bücher mit seinen Illustrationen wurden im Insel Verlag veröffentlicht. Bisherige Ausstellungen u. a. in Weimar, Berlin, Schwerin.

Marcus Behmer über Alexander Olbricht: "Klein von Gestalt, fast winzig infolge eines Unfalls in frühster Kindheit; zart und von unendlich feinem Gliederbau, trug dieser nur scheinbar gebrechliche Körper genau das, was man einen Kopf nennt, ja: ein Haupt von zugleich strahlender und leiser Schönheit. Schwarz die Mähne, elfenbeinern das Antlitz mit der fast durchscheinenden zarten Haut. Unter der klaren, leuchtenden Stirn, Augen wie Sterne. Das war die äußere faszinierende Erscheinung; aber von Priesterlichkeit etwa - keine Spur! Ein Temperament von sprühender Lebendigkeit, Beweglichkeit, ja - Streitbarkeit."

Fußnoten

  1. Stadtmuseum Weimar
  2. siehe: "In Mecklenburg", ISBN 3-88132-405-4
  3. siehe: "Zwölf Radierungen aus Weimar", Leipzig, Insel-Verlag

Weblinks


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