Alte Stadtbibliothek
Alte Stadtbibliothek, April 2010

Die Alte Stadtbibliothek ist ein klassizistisches Gebäude in Frankfurt am Main. Der zweigeschossige Bau wurde 1820 bis 1825 von Stadtbaumeister Johann Friedrich Christian Heß an der Schönen Aussicht errichtet, dem Hochkai des Mains östlich der Alten Brücke. Der von sechs korinthischen Säulen getragene Giebel trägt die von Arthur Schopenhauer entworfene Inschrift Litteris Recuperata Libertate Civitas („Die Stadt [widmet diesen Bau] nach Wiedererlangung der Freiheit den Wissenschaften“). 1816 hatte die Freie Stadt Frankfurt ihre Unabhängigkeit wiedererlangt.

Auf einer Grundfläche von 900 Quadratmetern bot die Stadtbibliothek einer Sammlung von rund 50.000 Bänden Platz, die bislang auf verschiedene Orte im Stadtgebiet verteilt waren.

Mit der Fertigstellung der Bibliothek war die 1793 begonnene Bebauung des Fischerfeldes abgeschlossen, einer sumpfigen Flussaue, die jahrhundertelang eine Enklave innerhalb der Frankfurter Stadtmauern gebildet hatte.

Blick von der Alten Stadtbibliothek über die Schöne Aussicht nach Westen, im Hintergrund die Alte Brücke, 1845
(Stahlstich von Wilhelm Lang nach Vorlage von Jakob Fürchtegott Dielmann)

An der Stadtbibliothek beginnt die 1806 angelegte Obermainanlage. Die 1876 bis 1878 entstandene Obermainbrücke (heute Ignatz-Bubis-Brücke) verbindet die Alte Stadtbibliothek mit Sachsenhausen.

1891 schuf der Bildhauer Friedrich Schierholz die Figuren im Giebelfeld, 1893 Franz Krüger an den Flügelbauten Porträtdarstellungen von Matthäus Merian und Achilles Augustus von Lersner.

Im März 1944 wurde die Stadtbibliothek durch Bomben teilweise zerstört; die Ruine wurde später bis auf den Portikus abgerissen. Zwar ging ein Teil der wertvollen Bestände verloren, der größte Teil war jedoch rechtzeitig ausgelagert worden und fand 1958 zunächst im erhalten gebliebenen Rothschild-Palais am Mainkai (heute Jüdisches Museum Frankfurt) einen Platz. 1965 wurde die Stadtbibliothek mit der Universitätsbibliothek vereinigt und bezog einen Neubau an der Bockenheimer Warte. Die Bibliothek führt heute den Namen Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg.

Der stehengebliebene Portikus wurde 1958 baulich gesichert und als Mahnmal unter Denkmalschutz gestellt. 1987 wurde die Säulenvorhalle auf Anregung des damaligen Städel-Direktors Kasper König um einen Anbau aus mehreren Containern ergänzt. Unter dem Namen Portikus machte er sich einen Namen als Ausstellungshalle für zeitgenössische Kunst.

2003 fiel die Entscheidung, den Standort für das neue Literaturhaus zu nutzen. Ein Architekturwettbewerb wurde ausgeschrieben und der Entschluss zugunsten einer optischen Rekonstruktion der alten Stadtbibliothek (jedoch mit neuen Werkstoffen) gefasst. Der Neubau ist im Vergleich zum Vorbild auf der Rückseite um die beiden früheren Seitenflügel gestutzt.

Der Bau wurde von einem Bürgerverein (und zu einem großen Teil von der Hertie-Stiftung) finanziert. Im Oktober 2005 wurde der Neubau eingeweiht, der von außen eine originalgetreue Wiederherstellung des alten Zustandes ist. Im Innern befindet sich jetzt das Literaturhaus Frankfurt. Eine neue, wesentlich größere Ausstellungshalle entstand nicht weit von der Alten Stadtbibliothek unter dem Namen Neuer Portikus auf der Maininsel.

Literatur

  • Friedrich Clemens Ebrard (Hrsg.): Die Stadtbibliothek in Frankfurt am Main. Verlag Knauer, Frankfurt/M. 1896.
  • Bürgerverein Alte Stadtbibliothek e.V. (Hrsg.): Landmarke Alte Stadtbibliothek Frankfurt am Main. Von Bürgern gestiftet, durch Bürger wieder errichtet. Kramer Verlag, Frankfurt/M. 2004, ISBN 3-7829-0552-0.

Weblinks

 Commons: Alte Stadtbibliothek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
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