Amrumer Inselbahn
Amrumer Inselbahn
Strecke der Amrumer Inselbahn
Karte der nordfriesischen Inseln von 1910
mit Streckennetz der Inselbahnen
Streckenlänge: ca. 14 km
Spurweite: 900 mm (Schmalspur)
Legende
   
0,0 Wittdün
BSicon .svgBSicon exABZlf.svgBSicon exKHSTr.svg
Kniepsand bis 1908
   
2,9 Leuchtturm
BSicon .svgBSicon exABZlf.svgBSicon exKHSTr.svg
Kniepsand ab 1909
   
4,0 Süddorf
   
4,8 Satteldüne
BSicon exKBHFl.svgBSicon exABZgr+r.svgBSicon .svg
5,9 Nebel
   
9,8 Norddorf
   
11,7 Kniephafen

Die Amrumer Inselbahn war eine Schmalspurbahn mit 900 mm Spurbreite, die von 1893 bis 1939 existierte. In dieser Zeit hatte sie trotz zahlreicher betrieblicher Probleme maßgeblichen Anteil am Aufschwung des Fremdenverkehrs auf der Nordseeinsel Amrum.

Inhaltsverzeichnis

Das Streckennetz

In der maximalen Ausdehnung umfasste das Streckennetz etwa 14 km, nämlich die Strecken WittdünNorddorf (Brücke) (12 Kilometer) und Wriakhörn–Wittdün Strand (2 Kilometer). Die Hauptstrecke verband zwei Häfen und wies in Nebel, etwa auf halber Strecke, einen Kopfbahnhof mit Gleisdreieck auf.

Bedeutung

Die Amrumer Inselbahn diente vorrangig dem Transport der Touristen in die Ferienquartiere in Nebel und Norddorf sowie dem Transport zum Norddorfer Hafen (Kniephafen), von dem man einige Jahrzehnte lang per Schiff weiter nach Hörnum (Sylt) reisen konnte. Der in einer Bucht des Kniepsandes gelegene Kniephafen versandete später.

Die Wittdüner Strandbahn diente dem täglichen Transfer der Badegäste an den Strand.

Geschichte

1890 wurde der Hafenort Wittdün gegründet, um dort Quartiere für Touristen anzubieten. Gleichzeitig wurden in den anderen Inseldörfern, besonders Norddorf, Quartiere errichtet. 1893 führte die Aktiengesellschaft Wittdün und Amrum erstmals einen Probebetrieb auf der Strecke Wittdün - Wittdün Strand durch. Diese Strecke musste aufgrund von Sturmfluten im Winter oft umtrassiert werden. 1901 begann der Bahnbetrieb auf der Strecke Wittdün–Nebel. Ein Jahr später wurde die Bahn dann bis Norddorf Hafen betrieben und erreichte damit fast die maximale Streckennetzlänge. Die Elektrizitätswerke GmbH Düsseldorf übernahmen 1907 die Bahn. Geplant war, die Stromversorgung der Insel zum Betrieb einer straßenbahnähnlichen Bahn zu nutzen. 1909 wurde die südliche Trasse der Wittdüner Strandbahn aufgegeben und eine Strecke neu gebaut, die etwa am Leuchtturm nach Westen und dann Südwesten abzweigte. Ebenfalls wurde der nördliche Streckenast verlängert, und zwar zum nach Norden verlegten neuen Kniephafen. Im gleichen Jahr begann der elektrische Betrieb mit 700 Volt Gleichstrom und Elektrotriebwagen. Bereits im Folgejahr beendete ein Brand im Elektrizitätswerk den elektrischen Betrieb, so dass nun in der Folge Dampflokomotiven unter Fahrdraht fuhren. 1911 übernahm die HAPAG den maroden Betrieb.

1918, während des Ersten Weltkriegs, wurde der Betrieb vorübergehend eingestellt. 1920 baute die nunmehr verantwortliche Amrumer Inselbahn AG den Fahrdraht ab; die Elektrotriebwagen wurden als Waggons benutzt. Die Bahn kam 1931 unter Zwangsverwaltung und ging an die Wyker Dampfschiffs-Reederei Föhr-Amrum. Deren Tochterunternehmen Amrumer Inselbahn GmbH wurde gegründet. Die betrieblichen Probleme häuften sich; Entgleisungen und Langsamfahrstellen waren häufig.

1938 wurde der Bau einer befestigten Straße von Wittdün nach Norddorf geplant. Die Amrumer Inselbahn wurde am 31. Oktober 1939 nach nur 46 Betriebsjahren stillgelegt, da man die Strecken nur unter großem finanziellem Aufwand hätte instand setzen können. Bereits 1940 wurde die Strecke abgebaut.

Betriebsgeschehen

Im Sommer gab es in einigen Jahren acht Zugpaare sowie weitere Extrafahrten, darunter viele Leerfahrten wegen der zwei bedienten Fährhäfen in Wittdün und Norddorf. Der Verkehr wurde, außer in der Zeit der Elektrotriebwagen, mit insgesamt fünf Dampflokomotiven durchgeführt, die jeweils zweiachsig waren. Außerdem gab es drei Elektrotriebwagen, insgesamt sieben zweiachsige und zwei vierachsige Personenwagen sowie sieben Güterwagen (O- und G-Wagen).

Die Fahrtzeit auf der etwa zwölf Kilometer langen Hauptstrecke betrug – ohne Haltezeiten – etwa 55 Minuten.

Während der gesamten Betriebsdauer hatte die Amrumer Inselbahn mit widrigen Verhältnissen zu kämpfen. Dazu zählten der schlechte Unterbau und Versandungen in den Dünen, vor allem aber mangelnde finanzielle Grundlagen. Zahlreiche Entgleisungen und die geringe Geschwindigkeit machten die Bahn zum Gespött der Amrumer und Touristen:

„Es rüttelt und schüttelt und kommt nicht voran, das ist die Amrumer Inselbahn“.

Spuren

Im Norden kann man die Trasse auf der Innenseite des Risum-Deiches (nördlich der Norddorfer Strandhalle) gut erkennen. Südlich davon verläuft ein asphaltierter Fußweg auf der alten Trasse durch die Dünen. Am Südrand von Norddorf erkennt man den Bahndamm, der hier etwa noch einen Meter hoch ist und eine Kurve aufweist, noch gut. Weiter im südlichen Verlauf verläuft die Landstraße auf der Trasse. Nördlich von Nebel erkennt man ebenfalls den Bahndamm, der östlich der Landstraße ein kurzes Stück verläuft.

In Nebel gab es bis etwa 2004 das „Amrumer Bahnhofshotel“, das damit die Stelle des Nebeler Bahnhofs markierte.

Nach Süden hin gibt es so gut wie keine Spuren der Trasse mehr. Das „Haus Kabelgatt“ in Wittdün ist ein umgebauter Lokschuppen. Ansonsten sind keine Hochbauten der Inselbahn mehr vorhanden.

Obwohl die Inselbahn schon lange nicht mehr auf Amrum fährt, gibt es eine gummibereifte „Lokomotive“ – ein umgebauter Toyota-Geländewagen – mit zwei Anhängern, die als „Amrumer Inselbahn“ bzw. „Insel-Paul“ für Besichtigungsfahrten auf Amrum eingesetzt wird.

Literatur

  • Heinz-H. Schöning: Die Amrumer Inselbahn. Verlag Kenning, Nordhorn 1996, ISBN 3-927587-55-9
  • Georg Quedens: Wi fohrn, wenn ick mien Punsch ut heff - Geschichte und Geschichten der Amrumer Inselbahn. Verlag Jens Quedens, Amrum 2001, ISBN 3-924422-66-4
  • Gerd Wolff: Deutsche Klein- und Privatbahnen, Teil 1: Schleswig-Holstein/Hamburg. Zeunert, Gifhorn 1972, ISBN 3-921237-14-9
  • Hans Wolfgang Rogl: Die Nordsee-Inselbahnen. 6. Auflage, alba, Düsseldorf 1996, ISBN 3-87094-230-4
  • Günther Klebes: Die Inselbahnen Deutschlands in alten Ansichten. Zaltbommel 1987, ISBN 978-90-288-2003-6

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Inselbahn — Dieser Artikel oder Absatz stellt die Situation in Deutschland dar. Hilf mit, die Situation in anderen Ländern zu schildern …   Deutsch Wikipedia

  • Amrumer Windmühle — Die Nebeler Windmühle Die Windmühle im „Kreuz“ …   Deutsch Wikipedia

  • Sylter Inselbahn — Übersicht über die Strecken der Sylter Inselbahn Die Sylter Inselbahn war eine Schmalspurbahn mit 1000 mm Spurweite, die zwischen 1888 und 1970 auf der nordfriesischen Insel Sylt in Betrieb war. Inhaltsverzeichnis …   Deutsch Wikipedia

  • Oomram — Amrum Das große Dünengebiet Gewässer Wattenmeer Inselgruppe Nordfriesische Inseln …   Deutsch Wikipedia

  • Neebel — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Steenodde — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Sössaarep — Wappen Deutschlandkarte …   Deutsch Wikipedia

  • Bahnstrecke Elmshorn–Westerland — Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel beschreibt die Bahnstrecke Elmshorn–Westerland/Tondern. Als Hamburger Marschbahn bekannt ist die Strecke durch die Hamburgischen Vierlande von Billbrook über Zollenspieker nach Besenhorst.… …   Deutsch Wikipedia

  • Bahnstrecke Niebüll–Tondern — Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel beschreibt die Bahnstrecke Elmshorn–Westerland/Tondern. Als Hamburger Marschbahn bekannt ist die Strecke durch die Hamburgischen Vierlande von Billbrook über Zollenspieker nach Besenhorst.… …   Deutsch Wikipedia

  • Bahnstrecke Westerland–Elmshorn — Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Dieser Artikel beschreibt die Bahnstrecke Elmshorn–Westerland/Tondern. Als Hamburger Marschbahn bekannt ist die Strecke durch die Hamburgischen Vierlande von Billbrook über Zollenspieker nach Besenhorst.… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”