Kloster Haina
Zisterzienserkloster Haina
Kloster Haina
Kloster Haina
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Hessen
Koordinaten: 51° 2′ N, 8° 59′ O51.02978.9765Koordinaten: 51° 1′ 47″ N, 8° 58′ 35″ O
Gründungsjahr 1144 durch Benediktiner
zisterziensisch seit 1150
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1527
Mutterkloster Abtei Altenberg
Primarabtei Kloster Morimond

Das Zisterzienserkloster Haina in Haina, heute ein Zentrum für Soziale Psychiatrie, ist eine frühgotische Klosteranlage an der Wohra im hessischen Kellerwald. Die Kirche zählt aufgrund der gotischen Ausmalung zu den bedeutendsten frühgotischen Baudenkmälern in Deutschland. Darüber hinaus war Haina ein Familiensitz der Malerdynastie Tischbein. Die Anlage wird umsäumt vom Stamfordschen Garten.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Gründung und Bau

Nach der Gründung eines Benediktinerklosters auf der Aulesburg 1144 bei dem nahen Dorf Löhlbach durch Graf Poppo I. von Reichenbach und seinen Schwiegersohn Volkwin II. von Schwalenberg wurde das Kloster 1150 dem Zisterzienserkloster Altenkamp im Rheinland übergeben. Die Mönche versuchten vergeblich, das Kloster an dieser Stelle auf eine tragfähige Basis zu stellen, und verlegten 1214 ihre Außenstelle in den milderen Talkessel an der Wohra vor dem Hainaer Gebirge. Aus dem Kloster Altenberg bei Köln wurden Zisterzienser angesiedelt. Die Mönche erwarben im Laufe der Zeit durch Schenkungen, Tausch und Handel einen weit reichenden Besitz, der von der Weser bis zum Main und zur Kinzig reichte.

Um 1216 begannen sie mit dem Bau der frühgotischen Klosterkirche. Der romanische Chor wurde schon 1224 geweiht; die gesamte sakrale Anlage wurde hingegen erst 1328 fertig gestellt. Die Kirche hatte nach zisterziensischer Auffassung zunächst keine Türme über der Vierung, sondern nur Dachreiter. Erst 1744 wurde auf der Vierung doch noch ein barockes Türmchen aufgesetzt. Aus dem 13. und 14. Jahrhundert stammen die Reste der Glasmalerei aus grauem ornamentalem Teppichmuster und das geschnitzte Chorgestühl. In einem Zwickel des Ostfensters wird der Schöpfer der Glasmalerei als „Lupuldus frater“ benannt. Aus dem 14. Jahrhundert stammen die kunsthistorisch bedeutenden gotischen Ausmalungen eines anonymen Künstlers. Das Wandtabernakel aus dem 14. Jahrhundert ist dem Bildhauer Tyle von Frankenberg auf Grund einer Signatur zuzuschreiben.

Säkularisation

Landgraf Philipp I. löste das Kloster 1527, nach der Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen, auf und stiftete am 26. August 1533 in Haina das erste Hospital für geisteskranke Männer in Deutschland. 1539 praktizierte der Anatom Johann Dryander dort, und von 1540 bis 1543 war der Chronist Wigand Lauze Vorsteher des Spitals. Der Renaissance-Bildhauer Philipp Soldan schuf das Grabdenkmal für den Obervorsteher Heinz von Lüder und 1542 den „Philippstein“ in der Klosterkirche. Aus dem 16. Jahrhundert stammt das Kruzifix über dem Altarraum.

Künstlerische Glanzzeit

Am 6. Januar 1488 wurde der Dichter Helius Eobanus Hessus als Sohn eines Angestellten des Klosters Haina im nahe liegenden Dorf Halgehausen geboren. Er erhielt von den Mönchen in Haina seine erste grundlegende Schulausbildung.

Geburtshaus von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein

Die künstlerische Bedeutung Hainas wird zudem durch die Geburt und Ausbildung mehrerer Künstler der Tischbein-Malerdynastie belegt. Zunächst wurde am 11. Dezember 1715 in Kloster Haina der barocke Maler Johann Valentin Tischbein geboren, danach am 3. Oktober 1722 als Sohn des Klosterbäckers der Rokokomaler Johann Heinrich Tischbein, und schließlich am 15. Februar 1751 der Maler aus dem Goethe-Umkreis Johann Heinrich Wilhelm Tischbein, der Goethe mehrfach porträtierte. Am 10. Oktober 1758 wurde der Zeichner und Kupferstecher Anton Wilhelm Strack in Kloster Haina geboren.

Neuzeit

Eine im Stamfordschen Garten geschaffene Pyramide erinnert an den Besuch des hessischen Landgrafen Wilhelm IX. im Jahr 1787.

Kloster Haina wurde 1869 der Kommunalverwaltung im Regierungsbezirk Kassel unterstellt. Bei der Kirchenerneuerung 1888/89 wurde der Barockturm von dem Architekten Ungewitter durch einen Turm ersetzt.

Durch sogenannte Euthanasie verloren viele Patienten aus Haina in der Zeit des Nationalsozialismus ihr Leben, denn ab 1941 wurden Patienten von Haina in die NS-Tötungsanstalt Hadamar verlegt.

Vitos Haina

Die von Landgraf Philipp dem Großmütigen von Hessen 1527 gestiftete Psychiatrie besteht noch heute.

Sie wird seit 1953 vom Landeswohlfahrtsverband Hessen betrieben, heute unter dem Geschäftsnamen Vitos Haina gGmbH, vormals Zentrum für soziale Psychiatrie Haina. Vitos Haina gliedert sich in vier Geschäftszweige: Die Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie (KfPP, vormals Psychiatrisches Krankenhaus); die Klinik für forensische Psychiatrie (KffP, vormals Klinik für gerichtliche Psychiatrie); die Heilpädagogische Einrichtung (HPE) und den Begleitenden psychiatrischen Dienst (BPD, vormals Wohn- und Pflegeheim).

Die Stationen und Wohngruppen sind in heutiger Zeit auf zahlreiche Gebäude, die erst zu Zeiten der Psychiatrie erbaut wurden, sowie auf einige historische Gehöfte auf und um das Klostergelände verteilt. 2008 wurde ein Stationsneubau erstellt (Architekt: Bieling Architekten, Kassel)[1]. Die ursprüngliche Klosteranlage mit der Klosterkirche, dem Konversenbau, dem Kreuzgang und dem Konventualenbau beherbergt heute die Zentralküche, das Personalkasino, Büroräume der KffP und KfPP und wird darüber hinaus für museale und repräsentative Zwecke genutzt.

Liste der Äbte von Haina

  • Gottschalk 1196–1201
  • R. 1201
  • Wilhelm 1214-1220
  • Wigand 1220-1235/37
  • Johannes 1237/42-1245
  • Arnold 1247
  • Werner 1251-1266
  • Gerhard 1267-1268
  • Heinrich 1270-1272
  • Hermann 1273
  • Ludwig 1274
  • Heinrich 1275-1287
  • Bertram 1288-1298
  • Wilhelm 1304
  • Gerhard 1307
  • Ludwig Sleder 1308-1312
  • Siegfried 1316
  • Hertwig 1319-1329
  • Dietrich 1341
  • Gerhard von Buchhain 1342-1351/56
  • Ludwig 1368
  • Johann von Röddenau 1372-1374
  • Hermann von Köln 1374-1377
  • Hermann von Gilsa 1378-1384
  • Johann 1392-1393
  • Heinrich 1395-1400
  • Statius Huhn 1406-1434
  • Johann(es) Kammermann 1437-1441
  • Nikolaus 1444-1448
  • Johann Gaugrebe 1448-1469/70
  • Johannes Fischbach 1470-1507
  • Ludwig Snyders von Wetter 1489-1491
  • Dietmar von Wetter 1508-1527/29
  • Johannes Falkenberg von Gladenbach 1529-1558 (nur noch Titular-Abt)
  • Hermann Angelicus Coloniensis (= von Köln) 1558-1574 (nur noch Titular-Abt)

Literatur

  • Arnd Friedrich, Michael Burger: Kloster Haina (Schnell + Steiner Große Kunstführer Bd. 237), Regensburg 2008
  • Friedhelm Häring, Hans J. Klein: DuMont Kunst-Reiseführer Hessen. 1979, S. 100
  • Grieben – Reiseführer Band 230, Oberhessen Kurhessen und Waldeck. Karl Thiemig Verlag, München 1981, S. 120-121
  • Eduard Brauns: Wander- und Reiseführer Nordhessen und Waldeck, Bernecker Verlag Melsungen. 1971, S. 181-182
  • Erich Anhalt: Der Kreis Frankenberg. Geschichte seiner Gerichte, Herrschaften und Ämter von der Urzeit bis ins 19. Jahrhundert, Marburg 1928, S. 133.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Zentrum für Soziale Psychiatrie. Auf: Website der Architekten- und Stadtplanerkammer Hessen, akh.de; abgerufen am 21. Juni 2011.

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