Angsttrieb

Als Angsttriebe (auch Ersatz-, Stress- oder Nottrieb genannt) werden in der Fachsprache Proventivtriebe bezeichnet, die bei Bäumen mit erhöhtem Stress auftreten. Sie entstehen aus schlafenden Knospen. Meist handelt es sich um vertikale Triebe, die ein Baum an der Oberseite der Hauptäste ausbildet. Besonders häufig geschieht dieses an den Jahrestriebgrenzen. Bei anderen Bäumen, wie zum Beispiel der Eibe, entwickeln sich Angsttriebe auch direkt am Stamm. Die Bezeichnung ‚Angsttrieb‘ ist allerdings anthropomorph und irreführend, da Pflanzen mangels Nervenzellen keine Emotionen haben können.

Es existieren verschiedene Ansätze zur Erklärung:

  • Angsttriebe dienen vermutlich dazu, fehlende Photosynthese- und Transpirationsleistungen der anderen Triebe, die zum Beispiel durch Luftschadstoffe und der daraus resultierenden Vertrocknung beschädigt wurden oder abgestorben sind, zu ersetzen.
  • Angsttriebe sind „strukturgetrieben“. Sobald Nachbarpflanzen zu stark den freien Raum über der Baumkrone bedrängen, beschränkt sich das Wachstum auf wenige Zweige, die (abweichend von dem üblichen Verzweigungsmuster) schnell an Höhe gewinnen und so den freien, für die Photosynthese notwendigen Raum besetzen können.

Literatur

  • Erlbeck, Haseder, Stinglwagner: Das Kosmos Wald-und Forstlexikon, Kosmos-Verlag, 1998, ISBN 3-440-07511-7

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