Annie Leuch-Reineck

Annie Leuch-Reineck, geb. Reineck, (* 26. November 1880 in Kannawurf (Thüringen); † 21. Dezember 1978 in Saint-Prex, Schweiz) war eine Schweizer Mathematikerin und Frauenrechtlerin.

Inhaltsverzeichnis

Herkunft und Ausbildung

Die Tochter des evang. Pfarrers und Superintendenten Erhard Reineck (1841–1932) aus Magdeburg und der Marie, geb. Godet (1847–1936) aus Neuchâtel (Schweiz) wuchs in Kannawurf und Heldrungen in Thüringen auf.

Ihren ersten Unterricht erhielt sie zu Hause von ihrer Schwester Theodora. Ab 1895 besuchte sie die Ecole Vinet in Lausanne und anschließend eine Schule in Bern. Dort begann sie 1901 mit dem Studium. 1904 legte sie ihre Maturitätsprüfung ab.

Die Pädagogin

Ein Jahr später bestand sie das Gymnasiallehrer-Examen für Mathematik, Physik und Erdkunde. 1907 wurde sie als eine der ersten deutschsprachigen Frauen an der Universität Bern in Mathematik über das Thema „Die Verwandtschaft zwischen Kugelfunktionen und Besselschen Funktionen“ promoviert. Ab diesem Jahr unterrichtete sie bis 1925 an der Mädchensekundarschule in Bern und am dortigen Lehrerinnenseminar. Danach beendete sie ihre Berufstätigkeit und zog wieder nach Lausanne.

Die Frauenrechtlerin

1916 übernahm sie die Leitung der Berner Abteilung des Schweizerischen Verbandes für Frauenstimmrecht. 1919 war sie Mitgründerin des Berner Frauenbunds. Von 1920 bis 1933 kämpfte sie für die Beibehaltung des Schweizer Bürgerrechts von Frauen bei Heirat mit einem Ausländer und war Mitglied in verschiedenen juristischen Kommissionen des Bundes Schweizer Frauenvereine. 1921 war sie Mitorganisatorin des 2. Schweizer Kongresses für Fraueninteressen. 1928 wurde sie zur Zentralpräsidentin des Schweizer Verbandes für Frauenstimmrecht berufen, den sie bis 1940 leitete. Ebenfalls 1928 war sie Mitarbeiterin der „Schweizer Ausstellung für Frauenarbeit“ (Saffa). 1929 leitete sie die Stimmrechtspetition. Sie war Vorstandsmitglied der Schweizer Vereinigung für Sozialpolitik, Mitglied der vom Weltbund für Frauenstimmrecht und staatsbürgerliche Frauenarbeit eingesetzten Kommission für die Staatszugehörigkeit der Ehefrau, Mitarbeiterin am Mouvement féministe für eidgenössische Angelegenheiten. Von 1940 bis 1945 organisierte sie in Lausanne eine Soldatenhilfe. Auch nach 1945 war sie in verschiedenen Verbänden tätig.

Annie Leuch-Reineck war seit 1913 mit dem Berner Juristen und späteren Bundesrichter Georg Leuch (1888–1959) verheiratet. Sie war eine Enkelin des reformierten Theologen Frédéric Louis Godet (1812–1900) aus Neuchâtel. Ihre Schwester Theodora Reineck (1874–1963) war Generalsekretärin der Evangelischen Bahnhofsmission in Berlin. Ihr Neffe Walter Eric Spear (1921-2008) war ein bedeutender Physiker in Großbritannien.

Werke

Neben verschiedenen Zeitschriftenartikeln zu Schul-, Rechts- und Frauenthemen:

  • Die Verwandtschaft zwischen Kugelfunktionen und Besselschen Funktionen, Halle: Kaemmerer, 1907; zugl. Phil. Diss. Univ. Bern
  • Die Frauenbewegung in der Schweiz, 2 Bde., Zürich: Orell Füssli, 1928
  • Erinnerungen an Georg Leuch, † 9. August 1959, Privatdruck, St-Prex, 1961

Literatur

  • Neue Schweizer Biographie.Basler Berichthaus, Basel 1938, Suppl. 1942
  • Lotti Ruckstuhl: Frauen sprengen Fesseln. Interfeminas, Bonstetten 1986, S. 32-36
  • Bettina Vincenz: Biederfrauen oder Vorkämpferinnen? Der Schweiz. Verband der Akademikerinnen (SVA) in der Zwischenkriegszeit 1924-1939. Zürich, Univ., 2006
  • Hans Hermann Fries: REINECK, Erhard (E. Christoph). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 28, Nordhausen 2007, ISBN 978-3-88309-413-7, Sp. 1308–1310. - Biografie Ihres Vaters.
  • Hans Hermann Fries: REINECK, Theodora (Marie Th.). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 24, Nordhausen 2005, ISBN 3-88309-247-9, Sp. 1206–1207. - Biografie Ihrer Schwester.

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