Arfurt
Arfurt
Stadt Runkel
Wappen der ehemaligen Gemeinde Arfurt
Koordinaten: 50° 24′ N, 8° 12′ O50.40678.1983150Koordinaten: 50° 24′ 24″ N, 8° 11′ 54″ O
Höhe: 150 m ü. NN
Fläche: 5,5 km²
Einwohner: 915 (2008)
Eingemeindung: 1971
Postleitzahl: 65594
Vorwahl: 06482

Arfurt ist ein Stadtteil von Runkel mit knapp 1000 Einwohnern. Der Ort liegt an der Lahn im Landkreis Limburg-Weilburg in Hessen.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Luftaufnahme von Arfurt im Juli 1997, südöstlicher Ortsrand mit Steilhang zur Lahn (rechts) und weniger steiles Gelände im Westen (links)

Arfurt liegt im Osten des Limburger Beckens, oberhalb des an dieser Stelle steil abfallenden Nordhangs der Lahn. Der Ort befindet sich rund drei Kilometer Luftlinie östlich der Kernstadt von Runkel und rund zehn Kilometer östlich der Kreisstadt Limburg an der Lahn. Der Ort zerfällt in den alten Ortskern und ein durch den Linnebach und den umgebenden breiten Grünlandzug davon getrenntes, kleineres Neubaugebiet im Norden. Am Lahnufer südlich des Orts verläuft die Lahntalbahn, die einen Haltepunkt in Arfurt hat. Dieser kleine Bahnhof befindet sich allerdings rund einen Kilometer außerhalb des Orts und sticht unter den Lahntal-Bahnhöfen durch seine Wellblech-Bauweise hervor.

Die 5,5 Quadratkilometer große Gemarkung grenzt im Westen an den Nachbarstadtteil Schadeck und im Norden an ein größeres Waldgebiet, das zur Kernstadt Runkel gehört, aber von deren Gemarkung getrennt ist. Im Süden befindet sich durch die Lahn getrennt der benachbarte Marktflecken Villmar und im Osten dessen Ortsteil Seelbach.

Luftaufnahme von Arfurt im Juli 1997 mit abgetrenntem Neubaugebiet (oben) und kleinerem Waldstück am Ort (rechter oberer Rand)

Der Ort selbst liegt auf rund 160 Metern Höhe. Unmittelbar an seinem Südostrand fällt das Gelände bis zur Lahn rund 50 Meter steil ab. Im Westen des Orts gestaltet sich dieser Übergang wesentlich sanfter, so dass auch der Hang bis zum Lahnufer hinab bebaut ist.

Bahnhof

Die Gemarkung steigt nach Norden über eine lange Strecke gleichmäßig auf bis zu 270 Meter an. Das gegabelte, in Nord-Süd-Richtung verlaufendes Tal des Linnebachs, das auch den Ort in zwei Hälften trennt, stellt einen leichten Einschnitt in diesen lang gestreckten Hang dar. Der Tiefenbach an der Westgrenze der Gemarkung hat sich ein deutlich steileres Tal geformt. Die Gemarkung besteht hauptsächlich aus landwirtschaftlich genutzter Fläche. Den nördlichen und westlichen Rand bedecken Teile eines größeren Mischwaldgebiets, der aber größtenteils auf dem Gebiet der Nachbarorte liegt. Nordöstlich von Arfurt befindet sich ein weiterer, deutlich kleinerer Wald.

Geschichte

Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege
Ehemaliges Rathaus

Arfurt bestand möglicherweise schon als kleinere Bauernsiedlung zum Zeitpunkt der urkundlichen Ersterwähnung Villmars 1053. Der größere Nachbarort liegt am gegenüberliegenden Lahnufer und hatte eine wichtige Bedeutung für die Entwicklung Arfurts. Rund hundert Jahre später ist Arfurt (Arenvurt) in einer durch Trierer Benediktinermönche gefälschten Abschrift der kaiserlichen Schenkungsurkunde genannt. Der Papst Eugen III. bestätigte 1148 die kaiserliche Schenkung einschließlich Arfurts anlässlich eines Besuches bei den Trierer Benediktinermönchen.[1] Die ebenfalls in der Urkunde genannte Siedlung „Zultebach“ fiel später wüst und befand sich vermutlich im Wald an der heutigen westlichen Gemarkungsgrenze Arfurts.

Das älteste heute noch vorhandene Haus im Ort wurde im Jahr 1690 erbaut.

1881 brannte ein großer Teil des Dorfes ab.

Im Ersten Weltkrieg fielen 29 Arfurter, im Zweiten Weltkrieg 57. Im September 1944 brannte ein Wohnhaus nach dem Treffer durch eine Brandbombe ab.

1931 nahm der erste Arfurter Kindergarten seine Arbeit auf. 1957 wurde ein neues Schulgebäude errichtet, 1964 die Mehrzweckhalle. Bis in die 1960er Jahre gab es einen Fährverkehr über die Lahn nach Villmar. Im Rahmen der Gebietsreform in Hessen schloss sich Arfurt 1971 der neu gegründeten Stadt Runkel an.

Religionsgeschichte

Altar der Pfarrkirche
Pfarrkirche St. Lambertus, Apsisseite

Spätestens 1148 besaß der Ort eine Kapelle auf einer Erhöhung am Lahnufer. 1652 wurde sie dem Heiligen Lambert von Lüttich geweiht. Bis 1715 blieb Arfurt der Pfarrei Villmar zugeordnet. Die Kapelle wurde damit Sitz einer eigenen Pfarrei. 1828 wurde die heutige, immer noch St. Lambertus geweihte Kirche fertig gestellt. Die alte Kapelle war baufällig geworden und wurde fünf Jahre später abgerissen. Bis 1855 blieb der alte Bahnhof am Standort der Kapelle in Benutzung.

1920 wurde ein Schwesternhaus der Pallottinerinnen eingerichtet, die bis 1997 hier lebten und wirkten.

Arfurt ist, zusammen mit Villmar, eine weitgehend katholische Enklave, umgeben von mehrheitlich protestantisch geprägten Dörfern (Seelbach, Runkel, Aumenau). Die nach dem Zweiten Weltkrieg in Arfurt aufgenommenen Flüchtlinge aus dem Sudetenland waren wohl sämtlich Katholiken. Die Einwohnerzahl lag 1960 bei 925, davon waren mehr als 900 Katholiken.

1815 wurde nahe Arfurt ein Friedhof der jüdischen Gemeinde in Villmar eingerichtet. In Arfurt selbst lebten vermutlich nie Juden.

Wirtschaftsgeschichte

Ältestes noch erhaltenes Haus, erbaut 1690

In Arfurt wurde an den nach Süden gelegenen Hängen des Lahntales bis in das 19. Jahrhundert hinein Wein angebaut. Dort findet man noch heute verfallende Mauerreste von Böschungsbefestigungen der früheren Weinberge.

Außerdem wurde auch in Arfurt bis in die 1960er Jahre graufarbener Marmor abgebaut. Den Stein findet man heute noch verarbeitet in den Pfarrkirchen in Arfurt, Villmar und in der Abteikirche St. Matthias des gleichnamigen Benediktinerklosters in Trier.

1830 nahm eine Papiermühle am Linnebach ihren Betrieb auf. Nach mehreren Besitzerwechseln stellte sie 1879 ihre Arbeit ein.

Um 1850 betrieb der Chemiker Fritz Muck, ein Schüler Justus Liebigs in Arfurt eine Farbenfabrik, die ihre Produkte deutschlandweit und ins Ausland verkaufte.

Kultur und Gesellschaft

Ehemaliges Schwesternhaus der Pallottinerinnen
Katholisches Gemeindehaus

Arfurt verfügt über einen Sportverein, seit 1901 über die Freiwillige Feuerwehr Arfurt (seit 1. März 1999 mit ihrer Jugendfeuerwehr), den Kirchenchor „St. Lambertus“, einen Tanzsportclub, den Gesangverein „Linnebachtiroler“, einen Bläserchor, einen Kameradschaftsverein und eine Ortsgruppe der Katholischen Frauengemeinschaft.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. P. Johannes Hau O.S.B.: Villmar Grundherrschaft/Vogtei/Pfarrei. Limburger Vereinsdruckerei, Limburg/Lahn 1936

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