Arno Chwatal
Arno Chwatal

Arno Chwatal (* 24. April 1897 in Merseburg; † 19. Juni 1963 in Berlin-Spandau[1]) war ein deutscher Handlungsgehilfe und völkisch-nationalsozialistischer Politiker.

Leben

Chwatal leitete u. a. mit Hermann Kretzschmann die am 9. Juni 1920 gegründete Berliner Ortsgruppe der Deutschsozialistischen Partei (DSP), die sich in Anspielung auf ihre politische Nähe zu Julius Streicher „Nationalsozialisten (Streicher-Gruppe)“ nannte. In der zu Hochzeiten 30 Mitglieder umfassenden Gruppe bemühte sich Chwatal um eine völkische Gewerkschaftstätigkeit, war dabei aber nicht sonderlich erfolgreich.[2]

Im Auflösungsprozess der DSP schloss sich Chwatal der Münchner Ortsgruppe der NSDAP an und beteiligte sich am 19. November 1922 im Restaurant „Reichskanzler“ in der Yorckstraße an der durch Gerhard Roßbach, Albert Leo Schlageter und Heinz Oskar Hauenstein vorangetriebenen Gründung der Großdeutschen Arbeiterpartei (GDAP, sollte eigentlich eine norddeutsche NSDAP werden, was aber nominell durch ein NSDAP-Verbot in Preußen kurz zuvor hintertrieben wurde), die er zusammen mit Kretzschmann und Karl Fahrenhorst leitete, bis die GDAP am 10. Januar 1923 verboten wurde.[2]

Im Mai 1924 wurde Chwatal für den Wahlkreis 11 (Merseburg) in den Reichstag gewählt und vertrat dort in der zweiten Wahlperiode die Nationalsozialistische Freiheitspartei. Im August des Jahres war er beteiligt an der Gründung des Reichsbunds Völkischer Kampfgewerkschaften und gab dessen amtliches Organ heraus, Der völkische Gewerkschafter. Während der Festungshaft Adolf Hitlers kooperierte Chwatal in dieser Funktion mit der GVG, stellte aber im Frühjahr 1925 seine gewerkschaftlichen Tätigkeiten ein.[3]

Nach dem Krieg setzte sich Chwatal für den Schriftsteller Eberhard König (1871–1949) ein, dessen Schriften in Österreich verboten worden waren, durch ein Schreiben an das Bundesministerium für Unterricht vom 30. Oktober 1946, in dem er im Gegensatz zu „alle[r] Hitlerei“ die ästhetischen Qualitäten von Königs Literatur rühmte.[4]

In der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der Deutschen Demokratischen Republik fanden Chwatals eigene Bücher Eingang in die Liste der auszusondernden Literatur.[5][6] In der Bundesrepublik fungierte er als Herausgeber der von Horch in Neckarsulm verlegten Zeitschrift Der Kraftquell (Untertitel: „Monatsschrift für lebensgesetzliche Ordnung auf allen Gebieten; Organ der Internationalen Arbeitsgemeinschaft für Lebensschutz in Wissenschaft und Praxis e.V.“), die von 1956 bis 1961 erschien.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Lebensdaten nach Martin Schumacher (Hg.): M.d.R., die Reichstagsabgeordneten der Weimarer Republik in der Zeit des Nationalsozialismus. 3., erheblich erweiterte und überarbeitete Auflage. Droste, Düsseldorf 1994, S. 79.
  2. a b Martin Schuster: Die SA in der nationalsozialistischen «Machtergreifung» in Berlin und Brandenburg 1926-1934. Technische Universität Berlin 2005, S. 17f, 22.
  3. Othmar Plöckinger: Geschichte eines Buches: Adolf Hitlers „Mein Kampf“ : 1922–1945 ; eine Veröffentlichung des Instituts für Zeitgeschichte. Oldenbourg, München 2006, S. 110f. ISBN 3-486-57956-8.
  4. Claudia Wagner: Die Zentralkommission zur Bekämpfung der NS-Literatur : Literaturreinigung auf Österreichisch. Universität Wien, 2005, S. 53.
  5. http://www.polunbi.de/bibliothek/1946-nslit-c.html
  6. http://www.polunbi.de/bibliothek/1953-nslit-c.html

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Chwatal — ist der Name folgender Personen: Arno Chwatal (1897–1946), deutscher Handlungsgehilfe und völkisch nationalsozialistischer Politiker Carl Joseph Chwatal (1811–1887), deutscher Orgelbauer Franz Xaver Chwatal (1808–1879), tschechischer Komponist… …   Deutsch Wikipedia

  • Chvátal — Family name Pronunciation Czech pronunciation: [ˈxvaːtal] Region of origin Czech lands Language(s) of origin Czech Related names …   Wikipedia

  • Kretzschmann — Hermann Kretzschmann (* 15. Oktober 1886 in Landsberg an der Warthe, Provinz Brandenburg, † ?) war ein nationalsozialistischer Politiker und in leitender Position für den Reichsarbeitsdienst tätig. Leben Nach dem Besuch der Bürgerschule in… …   Deutsch Wikipedia

  • DVFB — Die Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP, auch NF) war eine kurzlebige deutsche Partei in der Weimarer Republik. Die Partei wurde im Anschluss an die Niederschlagung des Hitlerputsches von 1923 als Listenverbindung aus Deutschvölkischer… …   Deutsch Wikipedia

  • Deutsch-Völkische Freiheitsbewegung — Die Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP, auch NF) war eine kurzlebige deutsche Partei in der Weimarer Republik. Die Partei wurde im Anschluss an die Niederschlagung des Hitlerputsches von 1923 als Listenverbindung aus Deutschvölkischer… …   Deutsch Wikipedia

  • Deutschvölkische Freiheitsbewegung — Die Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP, auch NF) war eine kurzlebige deutsche Partei in der Weimarer Republik. Die Partei wurde im Anschluss an die Niederschlagung des Hitlerputsches von 1923 als Listenverbindung aus Deutschvölkischer… …   Deutsch Wikipedia

  • GDAP — Die Großdeutsche Arbeiterpartei (GDAP, auch GAP) war eine sehr kurzlebige und nur in Berlin aktive, rechtsextreme Partei, die ursprünglich die erste norddeutsche Ortsgruppe der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP) werden… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Chk–Chz — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • NS-Freiheitspartei — Die Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP, auch NF) war eine kurzlebige deutsche Partei in der Weimarer Republik. Die Partei wurde im Anschluss an die Niederschlagung des Hitlerputsches von 1923 als Listenverbindung aus Deutschvölkischer… …   Deutsch Wikipedia

  • NSFB — Die Nationalsozialistische Freiheitspartei (NSFP, auch NF) war eine kurzlebige deutsche Partei in der Weimarer Republik. Die Partei wurde im Anschluss an die Niederschlagung des Hitlerputsches von 1923 als Listenverbindung aus Deutschvölkischer… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”