Nahkampf
Soldaten der US Army beim Nahkampftraining

Als Nahkampf wird jede direkte Kampfhandlung bezeichnet, die Person gegen Person geführt wird. Jede Unterrichtsmethode, die darauf abzielt, im realen Leben gegen einen Menschen einen direkten echten Kampf führen zu können, wird Nahkampfunterricht genannt. Ein echter Kampf ist hierbei ein Kampf, den der Staat unter Zivilisten in der Regel strafrechtlich verfolgt.

Nahkampf ist in drei Unterformen zu unterteilen: Der zivile Nahkampf (meist als Selbstverteidigung bezeichnet), der polizeiliche Nahkampf und der militärische Nahkampf.

Alle drei Unterformen weisen verschiedene Zielsetzungen auf.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ursprünglich war der Nahkampf die vorherrschende Art Kämpfe auszutragen, so lange es Auseinandersetzungen zwischen Menschen gab. Erst durch den Einsatz von Fernkampfwaffen (wie Pfeil und Bogen, Wurfgeschossen) ergab sich überhaupt die Möglichkeit einer anderen Kampfweise. Durch Modifikationen der Waffen und Taktiken gab es einen periodischen Wechsel zwischen Fern- und Nahkampf und bisweilen recht ausgewogene Kombinationen aus beidem. Der militärische Nahkampf in seiner heutigen Form kam vermutlich mit den ersten tragbaren Schusswaffen auf. Im Durchschnitt kam der Schütze auf einen Schuss pro Minute und musste sich im Ernstfall gegen einen Angreifer mit allem wehren, was ihm zur Verfügung stand – jedoch war man meist darauf bedacht, einen Nahkampf zu vermeiden. Mit der Einführung des Bajonetts wurde der militärische Nahkampf zu einer durchaus zulässigen Option aufgewertet. Die Form des heutigen militärischen Nahkampfes dürfte allerdings größtenteils von den barbarischen Schlägereien und Kämpfen in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs herrühren.

Eigenschaften

Unterschiede Polizei und Militär

Der militärische Nahkampfunterricht soll sowohl waffenlos, als auch mit jedweder für Soldaten relevanten Waffenart erteilt werden. Der polizeiliche Nahkampf hingegen ist zumeist beschränkt auf waffenloses Hebeln, Werfen, Fixieren und Fesseln des Gegners, Stockkampf sowie Schießen mit Pistole und Gewehr. Zudem lernen Soldaten und Polizisten ihrer Berufsgruppe entsprechende Kampftaktiken. Der zivile Nahkampf kann je nach Anforderung gestaltet werden, d. h. beispielsweise mit oder ohne Waffen.

Während im militärischen Bereich das möglichst effiziente Unschädlichmachen des Feindes unterrichtet wird, steht im polizeilichen Nahkampfbereich das Überleben des Gegners im Vordergrund. Im seriösen zivilen Nahkampfunterricht gehört das Ausbilden von defensiver Muskulatur zu den primären Zielen im körperlichen Bereich, wie es beispielsweise im Muay Thai üblich ist. Beispielsweise sollte ein Tritt in den seitlichen Oberkörper weder zu Schmerzen noch zu einer Verletzung führen. Hierauf baut eine der ersten Kampfstufen im zivilen Nahkampfbereich auf. Die Kampfstufen des zivilen Nahkampfes können, der Reihenfolge nach, folgende sein: Deeskalation durch Diskussion oder devote, dominante bzw. stolze Gesten/Verhaltensweisen/Anweisungen, Gegner auf Distanz halten/ggf. Gegner von zu beschützender Person fernhalten/abschirmen, Hebeln/Werfen/Fixieren am Boden, Schlagen/Treten/Werfen, um eine kurzzeitige Kampfunfähigkeit beim Gegner zu erreichen, usw.

Ziele und Ausbildung

Jeder Nahkampfunterricht gleich welcher Unterform weist als letztes Mittel das gänzliche Besiegen des Gegners auf. Diese Techniken dürfen aber – besonders im zivilen Bereich – nur dann unterrichtet werden, wenn sich der Lehrer des einwandfreien Charakters seiner Schülerin/seines Schülers sicher ist. Seriöser Nahkampfunterricht sollte somit stets auch psychischen sowie ethischen Unterricht beinhalten.

Zielsetzung des psychischen Nahkampfunterrichts muss hierbei stets sein, die Schülerin/den Schüler von jedweder Panik in Kampfsituationen zu befreien. Das heißt, dass eine Nahkämpferin/ein Nahkämpfer auch in einer Situation, in welcher der eigene Tod droht, nicht die Nerven verlieren darf und somit in einer echten Kampfsituation nicht vorschnell zu einer endgültigen Kampftechnik greift.

Zielsetzung des ethischen Nahkampfunterrichts muss das Herstellen einer bedingungslosen Menschenrechtstreue sein, um Menschenrechtsverstöße, auch im Auftrag der Politik, im Keim zu ersticken.

Militärische Nahkampfwaffen

Als Nahkampfwaffen werden in erster Linie Messer oder Bajonette bezeichnet. Im Gefecht kann jedoch jeder Gegenstand für Angriff oder Verteidigung benutzt werden. So ist z. B. das Schlagen mit dem Gewehrkolben weit verbreitet, aber auch ein Schlagen mit dem Stahlhelm, dem Koppel oder sonstigen Ausrüstungsgegenständen ist möglich. Die schweren Soldatenstiefel sind ebenfalls gut geeignet, um dem Gegner mit Tritten zuzusetzen.

Im Ersten Weltkrieg wurden auch Morgensterne hergestellt. Diese Waffe, die im Mittelalter weit verbreitet, seit dem Aufkommen der Feuerwaffen aber praktisch bedeutungslos geworden war, wurde wegen ihrer Lautlosigkeit vor allem bei nächtlichen Überfällen auf feindliche Vorposten und Schützengräben verwendet.

Nahkampfsysteme

Literatur

  • Thilo Klatt: Die Nahkampfschule: Grundlagen der militärischen Nahkampfausbildung. Books On Demand, ISBN 3833406968.
  • Frank Pelny: GJOGSUL: Militärischer Nahkampf in der NVA. Books On Demand, ISBN 3833422289.
  • Close Combat (MCRP 3-02B). USMC, Februar 1999, ISBN 1-58160-073-9.
  • William E. Fairbairn: Get Tough! Details basic commando techniques. 1942. Reprint ISBN 0-87364-002-0.
  • Rex Applegate: Kill or Get Killed. 1943. Widely redistributed within the USMC from 1991 as FMFRP 12-80. ISBN 0-87364-084-5.
  • Richard Strozzi-Heckler: In Search of the Warrior Spirit: Teaching Awareness Disciplines to the Green Berets. Dritte Auflage. ISBN 1-55643-425-1.
  • Fleet Marine Force Manual (FMFM) 0-7, Close Combat. USMC, Juli 1993.
  • Combatives : FM 3-25.150. Commercial reprint of 2002 U.S. Army manual incorporates Brazilian Jiu-Jitsu. ISBN 1-58160-448-3.

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