Neustadt in Holstein


Neustadt in Holstein
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Neustadt in Holstein
Neustadt in Holstein
Deutschlandkarte, Position der Stadt Neustadt in Holstein hervorgehoben
54.10722222222210.81583333333316
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Ostholstein
Höhe: 16 m ü. NN
Fläche: 19,74 km²
Einwohner:

16.266 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 824 Einwohner je km²
Postleitzahl: 23730
Vorwahl: 04561
Kfz-Kennzeichen: OH
Gemeindeschlüssel: 01 0 55 032
Adresse der
Stadtverwaltung:
Am Markt 1
23730 Neustadt
Webpräsenz: www.stadt-neustadt.de
Bürgermeister: Henning Reimann
Lage der Stadt Neustadt in Holstein im Kreis Ostholstein
Karte

Neustadt in Holstein (niederdeutsch: Niestadt in Holsteen) ist eine Stadt im Kreis Ostholstein in Schleswig-Holstein. Gegründet wurde sie im Jahre 1244 von Adolf IV. von Holstein. Neustadt in Holstein war ehemals für seine Hafenanlagen bekannt, heute ist es Reiseziel vieler Touristen und dient als Erholungs- und Kulturort.

Inhaltsverzeichnis

Geografie

Neustadt in Holstein ist eine Hafenstadt in Wagrien an der Lübecker Bucht (Ostsee), 32 km nördlich von Lübeck. In der Nähe liegende größere Orte sind an der Lübecker Bucht im Süden Sierksdorf und Scharbeutz, im Osten Grömitz, ferner westlich liegend Rogerfelde ein Ortsteil der Gemeinde Altenkrempe und nordöstlich Merkendorf ein Ortsteil der Gemeinde Schashagen.

Natur

Neustädter Waldstück am Binnenwasser im Winter

Nordwestlich der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Neustädter Binnenwasser, ein Brackwassersee mit angrenzenden Salzwiesen.

Stadtteile

Neustadt in Holstein gliedert sich in die Stadtteile Neustadt, Pelzerhaken und Rettin.

Geschichte

Übersicht Hafen, Altstadt und Kirche

Neustadt wurde im Jahre 1244 von Graf Adolf IV. von Holstein als Neue Stadt von Altenkrempe gegründet, das landeinwärts am flachen Binnenwasser liegt. Dort findet sich eine bedeutende Basilika von 1140. Historisch von Belang sind die Kirche von 1244, das Hospital zum Heiligen Geist von 1344 und das Kremper Tor aus dem Mittelalter. In Neustadt besteht seit 1474 die älteste Fischerinnung Deutschlands.

Marktplatz (1895)

Bereits zur Hansezeit stellte der Hafen von Neustadt einen wichtigen Anlaufhafen für holländische und dänische Schiffe dar. Schiffe der Hanse (universos mercatores de hansa Theutonicorum) liefen den Neustädter Hafen nur selten an, weil Neustadt nicht zur Hanse gehörte, aber lübsches Recht hatte. Dieses machte die Stadt für holländische Kauffahrer und für die Vitalienbrüder interessant, weil sie keine Stapelrechte beachten mussten. Die Haupteinnahmequellen von kleinen Dörfern wie dem nur 15 Kilometer entfernt gelegenem Grömitz waren die Landwirtschaft (gestützt durch das Kloster Cismar) und die Fischerei. Somit leisteten auch Ortschaften wie Grömitz einen bescheidenen Anteil an einem der Haupthandelsgüter - gesalzener Hering in Fässern, welcher aus dem Neustädter Hafen exportiert wurde. Der große Kronleuchter in der Stadtkirche gibt Zeugnis von einem der vielen großen Kriegsschiffe für die dänische Krone (Christian IV. und Friedrich III.), die in den Jahren von 1639 bis 1669 im Neustädter Hafen gebaut wurden.[2]

Das letzte Seegefecht der Schleswig-Holsteinischen Erhebung vor dem Gefecht von Idstedt fand am 20./21. Juli 1850 in der Neustädter Bucht statt. Dabei sank das Schleswig-Holsteinische Kanonenboot Nr. 1 von der Tann.

Neustadt/Pelzerhaken war Standort des Nachrichtenmittelversuchskommandos seit 1923 (Nachrichtenmittelversuchsanstalt, kurz NVA) zur Entwicklung der Funkmesstechnik (Radar). In der Zeit von 1964 bis 1992 diente der Fernmeldeturm M in Neustadt/Pelzerhaken der Fernmelde- und elektronischen Aufklärung durch den Marinefernmeldesektor 73.

Von Dezember 1944 bis zum 1. Mai 1945 befand sich in Neustadt das KZ Neustadt in Holstein. Der Komplex wurde später in das Krankenhaus eingegliedert.

Vor Neustadt wurde am 3. Mai 1945 die Cap Arcona und die kleinere Thielbek mit Häftlingen des KZ Neuengamme von alliierten Flugzeugen versenkt, eine der drei schwersten Katastrophen der Seefahrt in der Geschichte. Die Bewohner der Stadt selbst spielten in diesem Zusammenhang eine unrühmliche Rolle: Häftlinge aus dem KZ Stutthof bei Danzig, welche die SS mit Lastkähnen über die Ostsee transportieren ließ, sollten ursprünglich ebenfalls auf die Cap Arcona verschifft werden, wurden jedoch wegen Überfüllung des Schiffs abgewiesen. Angesichts der militärischen Lage und des Vorrückens britischer Vorauskommandos verließen die SS-Wachmannschaften die Lastkähne. Die Schiffe trieben ans Ufer, wo sich die Häftlinge am frühen Morgen des 3. Mai auf die Suche nach Nahrungsmittel im Raum Neustadt machten. Aufgeschreckte Neustädter Bürger, Angehörige der Kriegsmarine sowie einer Versehrteneinheit und des Volkssturms trieben daraufhin in der sogenannten „Sammelaktion“ die Häftlinge zusammen und erschossen fast 300 von ihnen, darunter Frauen und Kinder. Der Rest wurde auf das Schiff Athen gebracht, das am Marinehafenkai lag, wo etliche von ihnen den Luftangriffen zum Opfer fielen. Der britische Stadtkommandant gab nach Kenntnisnahme des Massakers Neustadt zur Plünderung frei − wohl auch, um auf diese Weise die Versorgung der überlebenden Häftlinge der Cap Arcona, der Athen und anderer Schiffe nicht selber organisieren zu müssen.

1969 erhielt die Stadt die Ehrenfahne des Ministerkomitees des Europarats und nennt sich seither Europastadt. Am 23. September 2008 erhielt die Stadt den von der Bundesregierung verliehenen Titel „Ort der Vielfalt“.

Politik

Von den 27 Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung hat die CDU seit der Kommunalwahl 2008 neun Sitze, die Wählergemeinschaft BGN acht, die SPD sieben und die FDP drei Sitze. Bürgervorsteher ist Sönke Sela (CDU).

Wappen

Blasonierung: „In Rot ein auf blauen Wellen fahrendes goldenes Boot mit zwei Männern, von denen der eine die Schwurhand mit ausgestreckten Fingern erhebt, der andere das Steuer führt; über dem Boot das silberne holsteinische Nesselblatt.“[3]

Arbeitsgemeinschaft Neustadt in Europa

Städtepartnerschaften

  • Europäische Partnerstadt Neustadts ist Rønne auf Bornholm.
  • Die Stadt ist auch Mitglied in der größten internationalen Städtefreundschaft Neustadt in Europa, einer Arbeitsgemeinschaft von 36 Städten und Gemeinden in sechs mitteleuropäischen Ländern, die den Namen Neustadt tragen.

Wirtschaft

Die Stadt hat Handels-, Marine- und Yachthafen und ist Sitz der Bundespolizei See (Küstenwache – die gleichnamige deutsche Fernsehserie entsteht hier). Außerdem befindet sich in Neustadt eine SAR-Schule der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Neustadt in Holstein ist Sitz der Reederei Peter Deilmann und damit Heimathafen des Hochsee-Kreuzfahrtschiffes MS Deutschland.

Neustadt ist staatlich anerkanntes Seebad, der Tourismus nutzt die Sandstrände in den Ortsteilen Pelzerhaken und Rettin und den Hansa-Park (Vergnügungspark) im Nachbarort Sierksdorf.

Die Stadt ist darum bemüht, den Tourismus der Vor- und Nachsaison mit Unterstützung von EU-Fördermitteln aus dem ELER-Programm zu beleben. So wurde 2008 im Ortsteil Pelzerhaken eine Swingolfanlage errichtet.

Ein weiterer wirtschaftlicher Schwerpunkt ist das Gesundheitswesen. So gilt Neustadt mit drei Krankenhäusern am Ort auch als Gesundheitsstadt. Die Ameos-Klinik, das Klinikum Neustadt und das Kinderzentrum Pelzerhaken sind weit über die Landesgrenzen bekannte Einrichtungen.

Verkehr

Bahnhof Neustadt in Holstein

Neustadt liegt an der Vogelfluglinie nach Dänemark, mit zwei Autobahnanschlüssen (Autobahn A1). Neustadt liegt unmittelbar an der Verkehrsachse zwischen der Metropolregion Hamburg und der Öresundregion Kopenhagen-Malmö.

Regionalzugverbindungen bestehen nach Lübeck und Puttgarden. Der Personenbahnhof Neustadt ist ein Kopfbahnhof an einer kurzen, von der Vogelfluglinie aus Richtung Lübeck nach Osten abzweigenden Stichstrecke. Über eine Verbindungskurve konnte früher auch nordwärts auf die Vogelfluglinie gefahren werden.

Nächster Flughafen ist der Flughafen Lübeck-Blankensee. Ein Sportflugplatz befindet sich im nahe gelegenen Sierksdorf auf dem Hof Altona.

Hafen

Blick auf den Hafen, oberhalb des oberen Jungfernstiegs

Neustadt verfügt über einen Seehafen. Für Wassersportler bieten der kommunale Jachthafen sowie zwei weitere Marinas mehr als 1500 Liegeplätze. Entlang des Hafens wurde die Promenade am unteren Jungfernstieg 2006 ausgebaut; der Jachthafen wurde erheblich erweitert. An der Promenade befinden sich mehrere Plastiken, darunter Möwen aus weißem Marmor von Pierre Schumann und Strömung aus Anröchter Dolomit von Jochen Schumann.


Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke

Museen

  • Fanmuseum Küstenwache mit Requisiten und Dekorationen zur TV-Serie

Friedhöfe

  • Anstaltsfriedhof

Eine kulturelle Besonderheit ist der ehemalige Friedhof der Provinzial Irren- und Heilanstalt Neustadt in Holstein (später Landeskrankenhaus Neustadt i.H.). Auf dem 1895/96 angelegten Anstaltsfriedhof am Parkweg wurden in den 1930er und -40er Jahren Opfer des NS-Euthanasierungsprogramms, später auch weitere Kriegsopfer beigesetzt (s. Ereignis Cap Arcona).

Cap-Arcona-Denkmal auf dem Ehrenfriedhof Cap Arcona in Neustadt/Holstein

Am Ortsrand von Neustadt Richtung Pelzerhaken, direkt am Ufer der Neustädter Bucht, liegt der Ehrenfriedhof Cap Arcona, auf dem viele der rund 7000 Opfer der Katastrophe (s. Ereignis Cap Arcona) vom 3. Mai 1945 in Massengräbern bestattet worden sind. Ein Gedenkstein nennt die Nationalitäten der Opfer in ihren Landessprachen, einschließlich des hebräischen Begriffes "Jehudim" für "Juden". Zwei Stelen zwischen Promenade und Ufer dokumentieren den Hergang und die damalige Position der Schiffe.

Beim jüdischen Friedhof in Neustadt in Holstein handelt es sich um einen in den Jahren 1945 bis 1947 als separater Teil des evangelischen Friedhofes belegten Begräbnisplatz, auf dem ehemalige KZ-Häftlinge bzw. Displaced Persons beigesetzt wurden. Die offizielle Einweihung des Friedhofes fand am 5. Januar 1947 statt. Die deutsche Inschrift auf dem zentralen Gedenkstein dokumentiert, dass die meisten der hier Beigesetzten am 3. Mai 1945 verstarben, dem Tag der Befreiung von Neustadt durch das Britische Militär. Es dürfte sich zum einem erheblichen Teil um Opfer von der "Cap Arcona" handeln. Die in den folgenden beiden Jahren Verstorbenen waren Insassen des großen DP-Lagers für ehemalige KZ-Häftlinge, das in dieser Zeit in Neustadt bestand. Viele der Insassen verstarben an den Folgen der erlittenen gesundheitlichen Schäden während der KZ-Zeit. Auf dem Friedhof wurden etwa 100 Beisetzungen vorgenommen. Die Grabsteine datieren vom 3. Mai 1945 bis 1947.

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Neustadt veranstaltet seit 1951 alle drei Jahre das Europäische Folklore-Festival, das bis 2004 als Europäische Volkstums- und Trachtenwoche bezeichnet wurde
  • Alljährlich im Mai findet im Neustädter Hafen und auf der Lübecker Bucht die Max Oertz Regatta mit klassischen Segelyachten statt.
  • Neustädter Märchenzug - Großer Umzug an jedem Adventssonnabend vor Weihnachten, wird seit 2010 nicht mehr durchgeführt. Aber der "Meer"chenwald auf dem Marktplatz wird weiter ausgerichtet.
  • Jedes Jahr im Juli findet seit 1992 das Karate-Sommerlager statt, ausgerichtet vom Dojo Jiyu Neumünster
  • Besichtigung der Original-Drehorte zur ZDF-Serie Küstenwache
  • Jährliche Gogenkrog-Ausstellung

Persönlichkeiten

Söhne und Töchter der Stadt

Einzelnachweise

  1. Statistikamt Nord: Bevölkerung in Schleswig-Holstein am 31. Dezember 2010 nach Kreisen, Ämtern, amtsfreien Gemeinden und Städten (PDF-Datei; 500 kB) (Hilfe dazu)
  2. Schiffbau im Neustädter Hafen im 17. Jahrhundert
  3. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein
  4. Wiederaufbau Neustadts in den Jahren 1818-1820

Literatur

  • Johannes Hugo Koch: Heimatbuch Neustadt in Holstein. Selbstverlag J.H. Koch, Neustadt in Holstein 1967.
  • Wilhelm Lange: Cap Arcona. Dokumentation. Struve's Buchdruckerei und Verlag, Eutin 1988, ISBN 3-923457-08-1.
  • Franz-Josef Huschens: Neustadt in Holstein. Sutton Verlag GmbH, Erfurt 2002, ISBN 3-89702-476-4.
  • Hans-Joachim Birkholz: Historische Heimatkunde. Balticum-Verlag, Neustadt in Holstein 2006.

Weblinks

 Commons: Neustadt in Holstein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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